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Der Schild · 1929-06-14 · 24 (14.6.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
24 (14.6.1929)
Date
1929-06-14
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Völkische Außenpolitik Eia französischer.Verbindungsmann bei Hitler und Ludendorsf “ Vor Kurzem hat Hitler eine Reihe ehemaliger Parteifreunde und politischer Gegner wegen Verleumdung vor ein Gericht zitiert. Alle hatten im letzten Wahlkampf die übereinstimmende Behauptung aufgestellt. Hitler sei in seiner Stellung zur Süd tirol-Frage durch faschistische Sudsidien beeinflußt worden. Das Gericht entschied, daß der Wahrheitsbeweis für diese Behauptung nicht erbracht worden sei und verurteilte dementsprechend . die Beschuldigten zu Geldstrafen. In dem Prozeh handelte es ' sich im wesentlichen um die konkrete Frage, ob Hitler von den Faschisten Geld erhalten habe. Das eigentliche Grundthema, j die Außenpolitik der Völkischen überhaupt, ist kaum gestreift | worden. Die Aufschlüsse, die der Prozeh nicht "gebracht hat. bringt ein Buch des bekannten französischen Schriftstellers und Anti femiten Pierre Dominique. Dominique, dessiu, Buch über den Baron. Neuhof, den „König" Theodor von Korsika, unter dem Titel .Leine Majestät" jetzt eben in deutscher Sprache erschiene» ist, hat um die Zeit, als man über das Dawesabkommen ver handelte, die deutschen Nationalsozialisten und Völkischen bc -. sucht und mit ihnen über das deutsch-französische Problem ge sprachen. Kurze Zeit weilte er in München bei Ludendorsf, und daher nannte er seinen Bericht, der bei den Editions du Siecle, Paris, als Buch erschienen ist, „Zwei Tage bei Ludendorff". Hber auch Hitler, der damals gerade seine Festungshaft verbühte, kommt nicht zu kurz. Es gelingt Dominique, sich mit ihm durch einen deutschen Mittelsmann, einen Leopold von S., in Verbindung zu setzen. Der Franzose wünscht von Hitler die Zusicherung, daß zwischen Deutschland und Frankreich eine gewisse Zusammenarbeit auf der Grundlage eines übereinstimmenden antisemitischen Programms möglich ist. Hitler wirh durch Leopold von S. darauf hingewiesen, dah die Sprache der nationalsozialistischen Presse gegenüber Frankreich vielfach doch übers Ziel Hinausschiehe. Zunächst wollte Hitler, heiht es bei Dominique, nicht viel davon wissen. „Lassen wir das", rief er, „ich will nicht, dah du davon sprichst. Frankreich und der Jude sind eins." Aber Dominiques Vertrauensmann lieh nicht locker. Er machte Hitler klar, dah es doch auch, wie das Beispiel Dominiques beweise, antisemitische Franzosen gebe. Aber selbst wenn der Satz Hitlers, Frankreich und der Iüde seien eins, zutreffe, so dürfe man dies nicht allzusehr Betonen, denn — so heiht es wörtlich weiter — „der Jude, der sich bedroht fühle, würde dann mit Recht seine politische Aktion mit der Frankreichs identifizieren und den Weltkrieg gegen Deutschland wieder beginnen." Hitler gab zu. dah Leopold von S. recht habe, und die Parteipresse wurde in entsprechender Weise belehrt. So absurd auch die Behauptung sein mag. um die sich diese Unterredung drehte, die Stellungnahme oder vielmehr der Stellungswechsel Hitlers ist lehrreich genug. Dominique selbst spricht die Ueberzeugung aus, dah Hitler wohl gar nicht von seiner Anschauung. Frankreich und der Jude seien eins, bekehrt worden sei, dah er vielmehr nur zugegeben habe, es sei eine auherordentliche Dummheit, diesen Satz in der Parteipresse dauernd zu wiederholen. Man muh sich dabei vor Augen halten, dah bei den Diskussionen über diese Frage stets der völkische Staat in 5pe hinzugedacht wurde, in dem Hitler und Konsorten an der Macht sind. Um diesen „jungen Staat" nicht gleich zu Beginn in auhenpolitische Verwicklungen zu treiben, soll den Gläubigen ein Grundsatz vorenthalten werden, der für die „Führer" weiter seine volle Geltung bewahrt. Das erinnert denn doch stark-an die Methoden der Jünger Loyolas, für die Hitler und Ludendorff sonst so wenig übrig haben. l Ein anderer Vertrauensmann aber, ein völkischer Universi tätsprofessor, drückt sich weit deutlicher aus. „Ach, wenn Mussolini gewollt hätte?" ruft er einmal. „Wenn seine Miliz über den Brenner marschiert wäre!" Man glaubte damals in diesen Kreisen tatsächjich, Mussolini habe ein Interesse daran, aus Deutschland einen völkischen Staat zu machen! Ob alle Völ kischen so weit gingen, wie dieser famose Professor. muh dahin gestellt bleiben. Dieser Parteifreund Hitlers war jedenfalls weitherzig genug, eine italrenifche Invasion in Kauf zu nehmen, wenn nur dadurch das Ziel, die völkische Diktatur, erreicht würde. Das Wort Hochverrat ist viel zu milde für eine derart verbrecherische Gesinnung. Bon Interesse ist auch, dah Dominique in völkischen Kreisen eine gewisse Bereitschaft zum Zusammengehen mit Frankreich entdeckte, die in der gemeinsamen Feindschaft gegen die „schwarze Internationale", die katholische Kirche, ihren Grund-hatte. Der eben erwähnte Professor war der Ansicht, Frankreich müsse sich nur „entjuden" und es müsse die Gefahren der internationalen Finanz erkennen, dann werde den Völkischen schon eine Verständigung mit ihm möglich sein. Im übrigen aber seien schon heute die Vertreter der antiklerikalen Bewegung: das französische Parlament und Deutschlands Ludendorff! Der Professor warnte gleichzeitig den Franzosen vor General Seeckt. Seeckt sei verdächtig, denn er sei mit einer Jüdin verheiratet: in feistem Hause verkehre die internationale Finanz! Seeckt als Diktator Bedeute eine große Gefahr sür Frankreich. Ganz anders wäre es jedoch, wenn die Völkischen an die Macht kämen; dann könste Deutschland mit Frankreich sich auf völkischer Basis verstän digen, alle arischen Nationen könnten sich gegen die jüdische Internationale zusammenschliehen. So steht die Welt, i» de» Augen eines krankhaften völkischen Phantasten aus! In welche Verwirrung auf geistigem Gebiet der Fanatismus eines Hitler führt, mag man aus dem auhenpolilischen Pro gramm erkennen, das Pierre Dominique als Glaubensbekennt nis der Nationalsozialisten mit nach Hause nahm: „Voraus setzung ist, dah Europa sich „entjudet". Die deutsche Kriegs entschüdigung an Frankreich wird dadurch bezahlt,-daß das Vermögen der deutschen Juden beschlagimhmt wird. Daraus iverden die besetzten Gebiete geräumt, und die glücklich „ent judeten" Völker verbünden sich gegen den Bolschewismus. Generalissimus der arischen Armee ist natürlich Ludendorsf. Um'nach Moskau zu gelangen, muh man bekanntlich den Weg über Polen nehmen. Polen wird vor die Alternative geste-I», ob es sich dem Vormarsch anschliehen iNIl oder nicht. Im letzteren Fall erleben wir die vierte Teilung Polens. Ist die bolschewistische Pest glücklich ausgerottet, so herrscht in Europa - — ewiger Friede. Hitler und Ludendorsf wird durch Volksabstim mung die Diktatur übertragen. Der Reichstag wird aufgelöst. Die Juden müssen Deutschland verlassen. Die Presse wird moralisiert und gleich das ganze.Vaterland mit. das cs »aä> völkischer Anschauung dringend nötig hat. Die Schweiz wird zwischen Deutschland, Frankreich und Italien aufgeteilt. Oester reich und Deutsch-Böhmen werden ein Teil des Deutschen Reiches. Grundsatz für diese neue, schönere Welt ist das Gesetz, dah alle arischen Bäcker einander unterstützen müssen. Deutsch land leiht daher England seine Dienste zur Sicherung seines Imperiums und wird für seine Handlangerarbeit durch ein paar Kolonien entschädigt. Endlich lösen Frankreich und Deutschz land in aller Ruhe die elsässifche Frage — und herrliche Tage iverden für den gerechten Arier heranbrechen." Diese Darstellung Dominiques, die in Deutschland recht zeitig bekanntgeworden ist, ist bis heute unwidersprochen geblieben. Sie beweist aus das deutlichste, dah man sich bei' unseren Völkischen über nichts wundern darf. Man sieht, zu welchen wahnsinnigen Konsequenzen die völkische Lehre führt, - wie diese „nationalen Kreise" selbst die jammervollste Ppsallen stellung Deutschlands in Kauf nehmen, wenn-es den Sieg ihrer fixen Idee gilt. Von der I Schuld, für die Verbreitung dieser Wahnvorstellungen gesorgtIzu haben, wird Herrn Hitler kein deutsches Gericht freisprechtn können. Ungarns jüdische Gefallenen Im Rahmen der ungarischen Trauer- und Gedenkfeiern aus j Aniah der Enthüllung des Millenniumsdenkmals und des Ge- ‘ denksteins für den Unbekannten Soldaten veranstaltete die Pester Isr. Religionsgemeinschaft gemeinsam mit der Chewra Kavischa vor der Heldenabteilung des jüdischen Friedhofs in Rakosfkers stur eine Gedächtnisfeier, zu der Vertreter der Militär- und Zivilbehörden, verschiedene Abordnungen und zahlreiche Familienangehörige der gefallene» Helden erschienen waren. Vor Beginn der Feier umkreisten drei Flugzeuge -das Friedhofsge lände und streuten Blumen herab. Nach einem vom Ober Kantor Linetzky mit Chor vorgetragenen Träuerpfalm hielt Rab biner Dr. Max Weih eine ergreifende Trauerrede. Hierauf wurde das Totengebet gesprochen und die ungarische Hymne gesungen. Oberhausmitglied Dr. Samuel Glücksthal verdolmetschte die Gefühle des Oberhauses. Hieraus wurden die Kränze der einzelnen Abordnungen an den Ehrenmast geheftet. Zuerst trat Oberst Ieszenszky mit einem Lorbeerkranz vor und sprach im Namen der ungarischen Honved Worte des Gedenkens Schlieht Versicherungen ab! Die Lebensversicherung des RsF. ist eine soziale Fürsorge. Darum hinein in die Lebensversicherung des RjF! 495 1

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