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Der Schild · 1929-06-07 · 23 (7.6.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
23 (7.6.1929)
Date
1929-06-07
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Justiziar Dr. Max Rothfels-Saffel 75 Jahre' I Im Dienst« der Allgemeinheit. Am 10. Juni tritt Justiziar Dr. Rothsels in sein 75. Lebensjahr ein. Weiteste Kreise gedenken seiner an diesem Tage in dankbarer Gesinnung und treuer Anhänglichkeit und sprechen ihm ihre besten Wünsche aus. Ist er doch seit Jahren im Vorstand zahlreicher sozialer Vereine. Das allein bedeutet für einen Mann, der kein Amt als Sinekure, sondern als Uebertragung von Pflichten und Arbeit auffakt, einen ungeheuren Kraftaufwand im Interesse der Allgemeinheit. Ganz besonders aber hat er fein Wirken und Schaffen in den Dienst unserer Glaubensgemeinschaft gestellt-. Seit weit über 40 Jahren Mitglied, seit dem Tode des Landrabbiners Dr. Prager. Vorsitzender des Vorsteheramtes der Israe - liten, hat er mit einer geradezu vorbildlichen Hingebung. mit unübertrefflicher Liebe zur Sache für die Gemeinden unseres Bezirkes gearbeitet, für Aufrechterhaltung der Schulen und des Gottesdienstes sich eingesetzt und der Erhaltung ^Kriegsausbruch beim Stellv. XI. AK. e i n atb h a t auch hier dem Vaterland wertvolle Dienste g e l e ist et. Möge Dr. Rothsels die Bürde seiner zahlreichen Aemtcr noch lange wie bisher im jugendfrischen Geiste mit Kraft und Schaffensfreude tragen und auch weiterhin segensreiche Talgen seines Tuns schauen. ' «. Hofrat Dr. Adolf Theilhaber 75 Jahre Hofrat Dr. Adolf Theilhaber, der bekannte Münchener Giinaekologe, feierte —in diesen Tagen seinen 75. Geburtstag. Anläßlich seines 50. Doktorjubiläums, das zeitlich mit dem Jahr seines 70. Geburtstags zusammenfiel, erschien eine umfang reiche Festschrift, in der prominente deutsche und ausländische Wissenschaftler die Bedeutung seiner medizinischen Forschungen festlegten. Theilhaber hat am Ende des vorigen Iakrhunderts auf dem Gebiete der Frauenheilkunde Grundlegendes gefchaf sen, in diesem Jahrhundert bewegten sich seine Untersuchungen hauptsächlich über Aufhellung und Behandlung des Krebspro blems. Vach seiner Lehre ist der Krebs Erscheinung eines vor zeitig entarteten Organs. Nachdem die Chirurgie und^die Be I strahlungstherapie so ziemlich an den Grenzen ihrer Wirksam keil angelangt sind, sucht Theilhaber die Fähigkeiten des Körpers selbst zur Bekämpfung und zum Schutz gegen diese Krankheit Heranzuziehen. Die Einpflanzung von tierischen Drüsen und zwar der Milz und der Thymus vermehrten die Kraft des Körpers, des Krebses Herr zu werden. Am 25. Mai 1829 sprach Theilhaber über 100 derartige Operationen aus der Tagung deut scher Frauenärzte in Leipzig. In seinem vor kurzem im Hippokrates-Verlag erschienenen großen Werk „Die Bekämpsung der Krankheits-Disposition" hat er ähnlichen Gesichtspunkte» vielfach Rechnung getragen und seine ärztliche Anschauung, die sich an Ideengängen der alten Aerzte u. a. an Paracelsus orien tiert, niedergelegt. Zum 75 Geburtstag Theilhabers hat Karl Trumps von ihm eine Plakette geschaffen. Theilhaber, der in München ein eigenes Institut und eine eigene Klinik ins Leben gerufen hatte, wies stets eine akade mische Laufbahn zurück, da man offen von ihm die Taufe sor derte. Der von ihm geschaffene Daniel-Bund, der eine Erneue rung des Judentums auf ethisch-vegetarischer Grundlage sor derte und die Rückkehr zur Natur (Landwirtschaft. Gartenbau. Sport usw.s propagierte, ist ein Opfer der Inflation geworden. <I. T. A) lHofrat Th. ist der Vater des Kam. Dr.. Felix A. Theilhaber, Berlin.) > ' der gesetzlichen Stellung der jüdischen Religionsgemeinschaft im Staatskörper, die sich in manchen Punkten wohltuend von den preußischen Einrichtungen unterscheidet, mit reicher Erfahrung, gründlicher Sachkenntnis und nie ermüdendem Eifer gedient. Der Verein für israelitische Armenpflege und der Israelitische Krankenpflegeverein, deren Mitglied er seit über 50 Jahren war und in deren Vorstand er seit langer Zeit ist, haben ihn längst zum Ehrenmitglied ernannt. Wenn wir noch erwähnen, dah er dem Vorstand des Schwesternbundes angehört und diesdm Verein seine reichen juristischen Erfahrungen seit weit über einem Vierteljahrhundert zur Verfügung stellt, so glauben wir zwar nicht ein vollständiges Bild seiner selbständigen Betätigung im Dienst der Menschenliebe und des allgemeinen Besten gegeben zu haben. Immerhin kann man sich eine Vorstellung von dem reichen Lebensinhalt eines Mannes machen, der seine Gaben in grotzzügigster Weise für seine Nebenmenschen nutzbar macht. Wie er die Stiftungen seines unvergetzlichen Vaters Jeremias Rothfels als deren Vorsitzender mustergültig verwaltet, bis die Inflationszeit und ihre unheilvollen Folgen sie zum Versiegen brachten, ist sedem bekannt, der sich in unserem Bezirk mit Wohltätigkeitsfragen beschäftigt hat. Aber auch weit über die Grenzen Kurhefsens hinaus reicht feine Tätigkeit für unsere Glaubensgemeinschaft. So gehört er dem Zentralkomitee des Hilfsvereins der deutschen Juden an, dessen Ortsausschuß er hfer präsidiert, und ist Delegierter des Deutsch-israelitischen Gemeindebundes. Im Kampf gegen . antisemitische Lügen und Verleumdungen hat er stets, ganz ^besonders in der Böckelzeit, keinen Mann gestanden und war mit Einsetzung seiner Persönlichkeit lange Zeit im Vordergrund der Abwehrbestrebungen sichtbar. So ist es denn eigentlich selbstverständlich, datz ihn der „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" in Berlin in seinen Vorstand wählte. Hatte doch der Gründer dieses Vereins, der Abgeordnete Rickert, in ihm alle Zeit den aufrechten, selbstlosen, zuverlässigen Helfer geschätzt. j Obwohl läng ft verabschiedet, trat er al« Hauptmann der Landwehr freiwillig bei Warum der preutzifche Landesverband von der Regierung noch nicht offiziell anerkannt! ift Vor kurzem tagte zu Berlin der Große Rat des Preußische» Landesverbandes silbischer Gemeinden. In Vertretung pes Kammergerichtsrats Wolff, der sich auf einer Erholungsreise befindet, eröfsnete sein- Vertreter, Prof. Dr. Türk, die Sitzung mit einem Nachruf auf den jüngst verstorbenen Iustizrat Hirschberg in Breslau. Die formale Anerkennung des Preußischen Landesperbandes durch die Staatsregierung steht zurzeit immer noch aus. Von der Staatsregierung wurde feine Abänderung der Verfassung des Landesverbandes als Voraussetzung für die Anerkennung gefordert. Bei dieser Aenderung handelt es sich in der Haupt sache um die Beseitigung des Satzes in Artikel 1: „Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden ist eine Religionsgesellschast". ferner um die Forderung, daß für das Wahlrecht die deutsche Reichsangehörigkeit verlangt wird, und daß für Umlagebeschlüsse, für die Ausnahme von Anleihen und für die Veräußerung von kulturhistorisch wertvollen Gegenständen bestimmte staatliche Aufsichtsbefugnisse in der Verfassung vorgesehen werden. Der Rat war in der Mehrheit der Ansicht, daß über diese Forde rungen weiterhin mit der Regierung verhandelt werden soll. Georg Sohn — Mitglied des Internationalen Gerichtshofes Georg Cohn. Büro-Chef beim Außenministerium, wurde zum dänischen Mitglied des Ständigen.Internationalen Gerichts Hofes im Haag ernannt. Georg Cohn war 1918 Mitglied des Komitees für den Friedensvertrag und 1920—1925 dänischer Delegierter beim Völkerbund in Genf. Er ist Ritter des Dannrbrog- Ordens. Er ist Herausgeber der „Iuridifk Tidsskrift" und Autor vieler angesehner Schriften über internationales Recht und über Philosophie. lI- T. A.). 189

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