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Der Schild · 1929-06-07 · 23 (7.6.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
23 (7.6.1929)
Date
1929-06-07
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Die staatsrechtliche Stellung der Juden Italiens Interview mit Mussolini — „Der Jude weinte noch am Grade Caesars" Der italienisch« Regterungsches Benito Muss». Uni empfing den Direktor der Jüdischen Tel». graphen-Agentur. Jacob Landau, zu einem Interoiew über die ftaatorechtliche Lag« der italienischen Juden nach Abschluß de» Konkordates. Er autori» siert« Herrn Landau, sein« Erklärungen der Oessentllchkeit zu übergeben. Das Konkordat, sagte der Premier-Minister hat die Position der jüdischen Gemeinschaft in Italien verbessert, soweit sie über- Haupt oerbesterungsbedürftig war. Die jüdischen und protestantischen Kirchen sind vom Staate als offizielle Glaubensgemeinschaften anerkannt und genießen die gleichen Rechte wie die katholische Kirche. Dem Rabbiner steht das Recht, Eheschließungen vorzunehmen, in dem gleichen Maße zu. wie das Konkordat es dem katholischen Priester gewährt. Einer Zivil-Ehe zwischen Jude und Christ steht kein Hindernis im Wege. Ich wieverhole, daß das Konkordat, weit davon entfernt, den Rechten der jüdischen Gemeinde Abbruch zu tun, im Gegenteil, ihre' Position verbestert und gestärkt hat, indem es die Beziehungen dieser Gemeinde zum Staate nach den gleichen Grundsätzen und dem gleichen Standard regelt, wie die der katholischen Kirche im Staate. Die Vertreter der protestantischen und der jüdischen Kirchen haben denn auch ihrer Zufriedenheit mit der neuen Regelung, die eine zwangsläufige Folge des Konkordats ist, Ausdruck gegeben. Der Priester oder der Rabbiner sind zur Vornahme von Eheschließungs-Zeremonien befugt, dabei hat jeder Bürger das Recht, eine rein zivile Zeremonie zu wählen. Das Konkordat war sehr mißverstanden worden. Wie in den Vereinigten Staaten von Amerika bleiben auch in Italien Staat und Kirche voneinander getrennt; das jedem Italiener eingeräumte Recht, eine religiöse oder eine zivile Eheschließung zu wählen, ist ein Merkmal dafür, daß das Konkordat die Sachlage in dieser Beziehung nicht geändert hat. Das Konkordat regelt Beziehungen zwischen Staat und Kirche, ohne der Kirche irgendeinen Einfluß oder eine Machtbefugnis in staatlichen Angelegenheiten einzuräumen. Rur in zwei Belangen begegnen sich Staat und Kirche in einer gemeinsamen Einfluß-Sphäre; im religiösen Schulunterricht und in der Vollziehung der Eheschließungsriten. In diesen beiden Belangen aber genießen, >vie gesagt, alle Kirchen die gleichen Rechte und, was noch wichtiger ist: jedem Bürger steht es frei, die Dienste der Kirche in Anspruch zu nehmen oder sie abzulehnen. Die jüdischen Eltern haben das Recht, ihre Kinder von der Teilnahme an dem religiösen Teil des Schulprogramms fernzuhalten. In Rom besuchen jüdische Schulen nur etwa 100 Kinder. Die jüdische Bevölkerung in Italien ist verhältnismäßig gering. Es leben insgesamt 60000 Juden in Ztalien, davon 15 000 in Rom, etiva 10000 in Mailand, 5000 in Triest, und etwa 1000 in Neapel. Es erscheint deshalb kaum durchführbar, für die Juden, besonders in den kleineren Städten, eigene Schulen zu errichten. Bezüglich der jüdischen Schule in Rom haben die Juden bisher keinerlei Forderung an di« Regierung gestellt. In einem Stadtteil von Rom ist eine Abteilung unserer Faschisten- Schulen, die „Balila", jüdisch. An Sabbat-Tagen besuchen etwa 600 Schüler dieser Schulen unter Führung ihrer Beamten und Leiter die Synagoge. Auf die Frage, ob er den Zionismus sördere, erioiderte der Regierungschef Mustolini: Hier in Italien ist der Jude ein freier Mann, ein gleichberechtigter Bürger, ein Italiener. Die jüdische Gemeinschaft in Italien ist mehr als 2000 Jahre alh die älteste in Europa. Der Jude weinte noch am Grabe Caesars und hat seither durch mehr al» 20 Jahrhunderte an der Geschichte dieses Landes in asten ihren Wechselfällen teilgehabt. Auf die Frage, ob an den von Zeit zu Zeit in Zeitungen erscheinenden Mitteilungen,' daß Italien irgendwelche Intentionen bezüglich Palästinas hege, etwas Wahres sei, erwiderte Mussolini: Der Völkerbund hat das Mandat über Palästina Großbritannien gegeben: Italien hat nicht den Wunsch, sich hier einzumischen. Italien hat nichts dagegen, daß Großbritannien das Mandat behält. -—— — Die Juden in den Freiheitskriegen Brief an den „Schild- An die Redaktion des „Schild- Berlin W 15. Im „Schildvom 10. Mai 1929 weist Kam. L. Horwitz Kassel dem RjF. die dankenswerte Aufgabe zu, die Gräber der Feldzugsteilnehmer aus den Freiheitskriegen zu erhalten, und ihre Namen in den Synagogen anbringen zu lasten. Auf diesen beherzigenden Gedanken brachte ihn der in der Breslauer Ausstellung „Das Judentum in der Geschichte Schlesiensgezeigte Grabstein-des in der Schlacht bei Grohgörfchen am 2. Mai 1813 tödlich verwundeten ISeutnants Meyer Hilsbach, beerdigt auf dem geschlossenen jüdischen Friedhof Claastenstr. in Breslau. Ich kann allen Kameraden versichern, daß die Syttagogen-Gemeinde sich die Pflicht, für die Erhaltung dieses denkwürdigen Grabmals zu sorgen, niemals entziehen wird. Aber auch für die Verewigung der Namen der in den Freiheitskriegen Gefallenen ist in Breslau gesorgt. In dem ehrwürdigen Tempel „Zum Storch-, Wallstr. 7, dessen 100jähriges Bestehen am 23. April 1929 gefeiert wurde, hängt von alters her eine im Jahre 1926 erneuerte Tafel mit folgender Aufschrift (vgl. meinen Artikel in der- Schlesien-Sondernummer des „Schild" vom 21. 10. 1927 über die „Juden in Br«slau")i- Im Befreiungskriege starben aus hiesiger Stadt und Gemeinde den Heldentod für König und Vaterland Meyer Gilsbach Ritter des Eisernen Kreuzes den 2. May 1813 bei Gr. Görfchen Lieutenant bei dem Königl. Garde-Bataillon, Lazarus Zülchauer Jäger bei dem Königl. Leib-Grenadier-Bataiston, den 2. May 1813 bei Gr. Görfchen Julius Burgheim Jäger bei dem Königl. Garde-Iäger-Bataillön, den 2. May 1813 bei Gr. Görfchen Auch für die Erhaltung der Namen der im Weltkriege Gefallenen ist in Breslau in nachahmenswerter Weife gesorgt. Aus dem Ehrensriedhofe des jüdischen Friedhofes Breslau-Cosel steht ein künstlerisch ausgesührtes Ehrenmal (Entwurf vom Architekten Reg.-Baumeister Ehrlich-Breslau) aus schlesischem Sandstein auf dem fämtliche. Gefallenen aus der Gemeinde Breslau verzeichnet stehen. Auch hat die Ortsgruppe Breslau durchgesetzt, daß in dem Gebete, das der Rabbiner bei der Seelenfeier spricht, ausdrücklich „der im Weltkriege gefallenen Väter, Brüder und Söhne" gedacht wird. Auch dies fei anderen Ortsgruppen zur Nachahmung empfohlen. > Kam. Dr. R e ch n i tz - Breslau, j Vorsitzender des.Landesverbandes Niederschlesien' Weltkonferenz der jüdischen Handwerker in Beuchen Der Weltverband wird gegründet. In B e u t h e n (Oberschlesien) versammelten sich vor kurzem die Vertreter der jüdischen Handwerkerverbände in Deutschland, Frankreich, Belgien, Holland. Polen. Tschechoslowakei, Rumänien. Litauen ufw., um in Beratungen zu treten, die zur Gründung eines Weltverbandes jüdischer Handwerker führen sollen. Die Anregung hierzu ging vom Zentral, erband jüdischer Handwerker Deutschlands aus, besten Vorsitzender Wilhelm Markus und besten Geschäftsführer Erich Solinger zu ammen mit der Ortsgruppe jüdischer Handwerker in Beuthen dix Konferenz vorbereiteten. Etwa 200 Delegierte und Gäste wären in Beuthen anwesend. Die feierliche Eröffnungssitzung fand am Sdnntag. 10X Uhr vormittag», im Kaisersaal zu Beuthen ftaj*. Sie gestaltete sich l / -187

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