Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 22 (31.5.1929)
- Date
- 1929-05-31
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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200. Geburtstag Mendelssohns Veranstaltungen der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Der Borstand der jüdischen Gemeind« hat aus Anlaß des 200. Geburtstages oon Stofes Mendelssohn (6. September 1929) einige größere Veranstaltungen beschlossen. Zunächst soll in den Räumen der Preußischen Staatsbibliothek eine Moses-Mendelssohn-Ausstellung der Preußischen Staatsbibliothek und der jüdischen Gemeind« veranstaltet werden. Die Ausstellung wird Moses Mendelssohn und seinen Kreis darstellen. Die Eröffnung ist für Anfang September in Aussicht genommen. Dieser Ausstellung werden Druckwerke, Handschriften. Bilder und Moses- Mendelssohn-Andenken aller Art zur Verfügung stehen. Am Sonnabend, dem 7. September, wexden in sämtlichen tstemeinde-Synagogen Festgottesdienste mit Predigten stattfinden. Für Sonntag, den 8. September, ist eine öffentliche Kundgebung geplant. Der Borstand der Jüdischen Gemeinde «.wird anregen, daß diese Kundgebung in Gemeinschaft mit her Akademie für die Wissenschaft des Judentums und mit der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums veränstaltet wird. Es werden hierzu die Behörden des Reiches, des Staates und der Stadt sowie alle in Betracht kommenden jüdischen Organisationen und Persönlichkeiten eiygeladen werden. Es sind Ansprachen der Vertreter der Behörden und der Gemeinde sowie ein Festvortrag eines jüdischen Gelehrten über Moses Mendelssohn vorgesehen.! In den Gemeindeschulen werden gleichfalls Feiern statt finden; an die Schüler und die Schülerinnen der Gemeindeschulen sollen geeignete Mendelssohn-Bücher verteilt werden. Das Gemeindeblatt wird eine Festnummer herausgeben. Beim Rundfunk wird ein Vortrag über Mendelssohn und im Staatstheater die Aufführung von Lesfings „Nathan der Weise" angeregt werden. Das Grab von Moses Mendelssohn, das sich auf dem Friedhof in der Großen Hamburger Straße befindet, wird entsprechend hergerichtet und am Gedenktage ausgeschmückt werden. Franz Molnars Bekenntnis zum Judentum „Egyenlöseg" in Budapest veröffentlicht ein Interview mit hem berühmten Dramatiker Franz Molnar, der oon einer längeren Amerika-Reise nach Budapest zurückgekehrt ist. Franz Molnar bezeichnete die Gerüchte, daß er sich habe taufen lassen, als „dummes Geschwätz". Ich bin Jude, sagte er, und werde um so treuer zu dem Judentum halten, je schlechter es den Juden geht. Ich bleibe auch meinem jüdischen Glauben treu. Ich habe zwei Lasten zu tragen: mein Judentum und mein Ungartum; ich trage beide mit Liebe. Nach der Theorie der Rassenschützler bin ich, dessen Großvater schon 1848 als Honoed für die ungarische Freiheit kämpfte, kein Magyar; ich kehre mich nicht daran. Ich habe es auch den Journalisten in Amerika erklän, daß ich Ungar und Jude in einer Person bin. Ich bin in New Aork, in Paris und zuletzt auch in Berlin für das Recht der ungarischen Nation eingetreten und habe dabei nicht verschwiegen, daß ich Jude bin. Im Verlauf des Gespräches kam Molnar auch auf das jüdische Selbstbewuhtsein der amerikanischen Juden zu sprechen, und sagte, die amerikanischen Juden würden es nicht dulden, datz man au» dem Juden auf der Bühne oder in Darietös einen Ba,azzo inacht und über ihn Witze reiht. Ein solches Stück würde nicht allein von den Iyden, sondern auch von denlühristen mit Entrüstung zurückgewiesen werden. Wie aber steht es hier in Budapest? Die Juden selbst amüsieren sich über die ln Operetten und Revuen eingeschmuggelten, die Juden herab setzenden Bemerkungen. Nur ein-südischer Dichter, wie z. B. Schalom Asch, der es ernst mit seinem Judentum meint, hat das Recht, den Juden einen Spiegel vorzuhalten. Der Hochschul'Antifemitismus Vergegenwärtigen wir uns, welche bedeutende Rolle die Studenten in dem politischen Leben ihrer Völker als antrei bendes, fortschrittliches Element außerhalb Deutschlands — China. Spanien u. a. m. — spielen und stellen wir demgegenüber die Feststellungen des preußischen Kultusministers vor wenigen Tagen, daß bedauerlicherweise „die deutsche Studentenschaft zusammengebrochen sei und nur. noch ein Schattensein führe", so ergreift einen jeden Deutsche», unterschiedslos eine tiefe Scham: in politisch und wirtschaftlich schwersten Tagen steht die deutsche akademische Jugend zerspalten und zermürbt nicht zum Staate. Intransigent völkische Einstellung der zahlenmäßig ausschlaggebenden Verbände hat eine Situation geschaffen, die die sonst so berühmte Hoffnung auf den Phönix aus der Asche zu Nichte werden läßt. Außer den schon im „Schild" gemeldeten Numerus-elausus Beschlüssen örtlicher Studentenschaften ist sogar an der vorwiegend katholischen Universität Würzburg ein Numerus-clausus-Beschluß gegen jüdische Studenten gefaßt worden. Der Beschluß kam durch Zusammenstimmen von Nationalsozialisten und katholischen Couleurstudenten zustande. Gerade in Bayern muß uns diese „Vernunftehe" wundern, wo erst kürzlich Ludendorff die Feststellung machte, daß es unmöglich sei, zu gleicher Zeit guter Katholik und ein guter Deutscher zu sein. Die völkische Rumpforganisation „Deutsche Studentenschaft". die sich noch immer bemüht, ihren „überparteilichen" Charakter zu dokumentieren, hat in Bestürzung über diese „Entgleisungen" sofort bekanntgegeben, daß die Numerus clausus-Frage '„die Gefahr einer schweren Erschütterung des Bestandes der Deutschen Studentenschaft in sich birgt" und alle Studentenschaften dringend aufgefordert, „eine Beschlußfassung in der Numerus-clausus-Frage zu unterlassen". Man beachte: nicht die Einstellung selbst wird verurteilt, sondern lediglich aus taktischem Grunde die Beschlußfassung, es wird also daraus per argumentum e contrario zu schließen sein, daß die D. St. als Ganzes den Numerus-claufus-Gedanken voll und ganz billigt, nur nicht veröffentlicht wissen will. Dagegen wird diesen völkischen Herren von sehr autoritativer Seite ihr einseitig völ bischer Charakter bestätigt: der Rektor und der Senat der Universität Leipzig haben das Ausscheiden der Leipjiger Studentenschaft aus der D. St. beschlossen, da die parteipolitische Einstellung der D. St. unvereinbar ist mit wahrhaft! akademischem Geist! Noch ein notwendiger Hinweis: Bekanntlich sind in alle» deutschen Hochschulländern bis auf W ü r t t e m b t r g und Bayern die staatlichen Studentenschaften aufgelöst, und es bestehen nur noch private politische Studentengruppen an den einzelnen Hochschulen. Dagegen in Bayern hauptsächlich wird ein grenzenloser Gewissenszwang ausgeübt: zwangsweise mit staatlicher Protektion müssen alle Studenten der völkischen Studentenschaft angehören, also auch z. B. jüdische Studenten Numerus-clausus-Beschlüsse finanzieren. Hier zeigt sich die ganze Unehrlichkeit völkischst Studentenpolitiker; wären sie konsequent, würden sie alle völkischen Studenten zusammenschließen und auf die Gelder verzichten, die von Studenten kommen, die sie mit allen Mitteln bekämpfen. Unehrlichkeit und mangelnder Mut zur Konsequenz kennzeichnet völkisches Studententum. Aber schließlich ist es ih/e Sache, sich so bloßzustellen, wie sie es nur vermögen. Uns brennt die berechtigte Empörung auf den Zungen, zwangsweise, mit Staatsautorität. völkische Propaganda unterstützen zu müssen. Wenn nicht aus Bayern selbst, so muh der Impuls von auhenher in die „Ord nungszelle" getragen werden: Fort mit den letzten Resten staatlicher Zwan gsstudentenschas 1 en in Bayern un ^Württemberg!!! Die „Deutsche Stu dentenschaft" ist völkisch, und niemand will ihr wenigÄc im Wege stehen, sich offen zu bekennen,, als die studentischen Minderheilen in Württemberg und Bayern. Ehrlich währt an, längsten! XVolfxgnx 8iegbert Matzdorff, cand. jur. 181