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Der Schild · 1929-05-17 · 20 (17.5.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
20 (17.5.1929)
Date
1929-05-17
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Möglichkeiten, die Frau mitoerdienen zu lassen —, mutz hier im teueren Orient im Haushalt sehr genau gerechnet werden. Die Mieten sind etwa so hoch wie dei uns. Lebensmittel außer Milch, Eiern und den einheimischen Gemüsen kosten dos Bielsache, was bei Kartoffeln, Fleisch und Butter'besonders fühlbar wird. Erschwerend kommt hinzu, daß die dort wachsenden Gemüse für den europäischen Gaumen kaum genießbar sind. Ta die jüdische Frau aus einem gewissen Nationalstolz und last not least aus hygienischen Bedenken auf dem arabischen Markt, der die größte Auswahl bietet, nicht einkauft, ist sie auf das ange wiesen, was der jüdische Händler ihr an Gemüsen ins Haus bringt oder was der Metzger gerade geschlachtet hat. Der T o u r i sfi der in den teueren Pensionen wohnen muß, hat diesen Eindruck kaum, denn er sieht viele europäisch eingerichtete größere Läden. Erst im Privathaushalt wird^es offenbar, wie eingeengt die Wirtschaftsmöglichkeilen find. Leibst der pekuniär gut Gestellte muß aus vieles verzichten und eine geschmuggelte Salamiwurst löst überall ungeahnte Freude aus. Lo stolz die Zionisten auf die Früchte ihres Landes find, so ist man trotz aller Bescheidenheit doch viel auf Konserven angewiesen, den» Palästina ist noch nicht wieder das Land, wo Milch und Honig fließt. Wie sehr Palästina auf den sozialen Fortschritt eingestellt ist, zeigt sich in der Dien st botenf rage. Tie meisten Hausgehilfinnen find arme Einwanderer, die als Land arbeiterinnen herübergekommen sind und auf kommunistischen Siedlungen, den Kwuzoth, gearbeitet haben, bevor sie in die Stadt kamen. Sie schätzen ihre persönliche Unabhängigkeit so hoch ein, daß sie einest wesentlich höheren Lohn fordern, wenn von ihnen verlangt wird, im Hause zu wohnen. Es ist üblich, daß-ein Mädchen morgens um 7 Uhr seinen Dienst antritt, Woh nung, Wäsche und Küche besorgt und um 2 Uhr nach dem Mittagsabwasch nach Hause geht: abends kommt sie auf eine Stunde wieder, um das Abendbrot herzurichten. Hier ist also der 8-Stundentag im Haushalt bereits praktisch durchgeführt. Interessant ist es, daß man von jeder persönlichen Bedienung absieht, da die Hausangestellte auf absolut gleicher Stufe steht wie die Hausfrau. Tie Verrichtung der Hausarbeit gilt hier nicht als Dienen, sondern wird auch von der Intellektuellen mit der gleichen Selbstverständlichkeit getan, so wie der Landwirtschaftsstudent Steige beim Straßenbau klopft. Es gibt keine Groschenhefte als heimliche Lektüre in den Arbeitspausen -in den Küchen von Tel-Aviv: nur die besten Bücher darf die Hausfrau ihrem Mädchen borgen, wenn sie sich nicht blamieren will. Es ist leicht mit diesem Personal zu wirtschaften, da es auf Grund der kommunistischen Ideen-jeden Luxus ablehnt und sich sparsam einzurichten versteht. Tie Geselligkeit in Tel-Aviv ist die einer gut bürgerlichen, geistig regen Kleinstadt. Da nur 2 oder 3 kleine Cafes existieren, trifft man sich im Hause. Ter Vermögende vermeidet alles, was über den allgemeinen Rahmen hinausgeht, denn jeder fühlt sich hier so innig verbunden mit dem Geschick des Landes, daß er in Zeiten wirtschaftlicher Depression nicht verwöhnt erscheinen will: auch dies ein sympathischer Zug sozialen Verständnisses Tie -Gesellschaft schichtet sich nicht nach Vermögen, sondern das Herkunftsland bestimmt den Kreis: das geistige Niveau schafft Verbindungen, ganz Unabhängig von der beruf lichen Tätigkeit. Hieraus ergibt sich ein inniges Gemeinschaftsleben, Gemeinschaftsgefühl, das gegenseitige Hilfe selbstverständlich werden läßt. Ist z. B. eine Hausfrau erkrankt, sehen die Nachbarinnen nach dem Rechten. Ta die Frau meist geschäftlich nicht in Anspruch genommen ist, widmet sie ihre freie Zeit sozialer Aufbauarbeit. Gerade durch zielbewußte Frauenarbeit ist in den letzten Jahren außerordentliches auf hygienischem und kulturellem Gebiet iii Palästina geleistet worden. Palästina als Zukunftsland ist besonders interessiert am Gedeihen gesunden Nachwuchses. Jeder schätzt sich glücklich, der mehrere Kinder besitzt. Ihre Erziehung bedeutet keine wesentliche pekuniäre Belastung. Tie Kleinen gedeihen ausgezeichnet im Küstenklima von Tel-Aviv und auch die Ernährung macht keine Schwierigkeiten, wenn den speziellen klimatischen Verhältnissen Rechnung getragen wird. Tie Mütter werden hierüber von den Hadassakrankenhäusern in vorbild sicher Weise durch Wort und Schrift aufgeklärt. Es gibt vorzüglich eingerichtete und modern geleitete K i ndergärten^ die die Kinder vom 2. Jahre bis zur Einschulung ^betreuen. Hier schon lernen sie im Spiet hebräisch Lesen, und Schreiben. Jeder Palästinenser muß unbedingt hebräisch, die Landessprache, arabisch die Umgangssprache und englisch die Amtssprache beherrschen, wenn er sich im Land heimisch fühlen will. Tie Schulen vermitteln diese Sprachkeitntnisie und ihr Abiturium berechtigt zum Studium aif den Universitäten der ganzen Welt. Manches mag der Europäerin fremd und eigenartig an den Lebensbedingungen der palästinensischen Frau erscheinen, aber alle diese Unterschiede werden verschwindend klein, wenn sich die Kluft auftut, die diese von der arabischen Frau 166 trennt. Hier selbst die reichen Araberinnen, lebend in fast vertierendem Hindämmern, abgeschlossen von jedem Verkehr mit der Außenwelt. Analphabetin, Dienerin ihres Mannes, Ge bärerin seiner Söhne, und dort die jüdische Einwanderin. Mit Kämpferin ihres Mannes, baut sie zielbewußt einen neuen Kul turtreis auf. Gerade der Frau fällt die entscheidende Rolle in der Erweckung dLs Orients zu. Wenn die entrechtete arabische Frau eines Tages aus ihrem jahrtausendelangen Schlaf auf wacht, wird' sie ihren Weg bereitet finden von ihrer zionistische» Schwester. preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden Kürzlich tagte in Berlin unter dem Borlik bei Herr» Rechts auwalt Tr. Alfred Klee der Snbventionsausfchub des Preiikischcn Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Wie stet«, war auch dieses Mal eine umfangreiche Tagesordnung zu erledigen, da sich eine «rohe Anzahl von Gemeinden und Einzelpersonen mit der Bitte um Unterstützung an den Landesverband gewandt batte. Es kann mit Genugtuung festgcftellt werden, datz es möglich gewesen ist. in einer ganzen Reihe von Fällen den Anträgen stattzugeben. — Einer Lcbrerwitwe wurde eine laufende Beihilfe' gewährt, einer andere» di« Weiterbewilligung der laufenden Unterstützung »ugesichert. Zwei Witwenvensionen wurden erhöbt. Einer besonders leistunas fchwachen Gemeinde wurde eine laufend« Unterstützung bewilligt. Einem Lehrer wurde eine Summ« zur Deckung von Verpflichtungen zur Verfügung gestellt. Tie Weiterbewilligung mehrerer Stiveniicn wurde in Aussicht acnnmmen. Ferner bewilligte der Ausschuß eine», Lehrer die notwendigen Mittel zur Ausbildung, um ihn in dc» Stand zu setzen, im Provinzialverein israelitischer Gehörloser in Gelsenkirchen Gottesdienste abzuhalten. Efiiem anderen Lebrcr wurde eine Erbolungsbeihilfe gewährt. Di« Bewilligung etnes Zuschusies für die Durchführung eines Fortbildungskurses, den eine Arbeitsgemeinschaft jüdischer Lehrer eingerichtet bat. wurde bc schlosien. Auch dieses Mal lagen verschiedene Gesuche um Baubeihilseu »or. Eine Gemeinde erbält zur Instandsetzung ihrer Sonagoae ein»- Beihilfe sowie ein zinsloses Darlehen, eine ander« Gemeinde zur Errichtung eines Betsaales, in einem dritten Falle bient die B» willigung der Wiederherstellung eines alten «üdischen Friedhofes. Auch zur Fertigücllung eines im Bau begriffenen Ritualbadcs wurde eine Summe ausgesetzt. Es fand sodann eine längere Aussprache über die Erhöhung der Rubegebältcr an KultuSbeamte a. D, und Hinterbliebene statt. Obwohl sich alle Mitglieder des Ausschusies darüber einig waren. Satz die zur Zeit seftgesetzten Beträge an und für sich unzulänglich sind, mutzte man mit Rücksicht auf die geringen noch zur Verfügung siebenden Mittel von einer Erhöhung im laufenden Rechnungsjahr abschen. Sport im RjF. Sportgr«»»« ist ReichSbnnt jüdischer Fr«»ts»ldat«u. LrtSgrnvv« Berlin. Geschäftsstelle: E. 2. Burgftr. 26. Zimmer 10 lbenutzt Norden 8903). Training für alle: Jeden Dienstag ab 6 Uhr Svortvlatz.Einfame Pappel lTanziaer Str.): jeden Donnerstag ab 6 Uhr Svoktvlatz Einsame Pappel (Danziger Str.). Training für Handballer: Jeden Mittwoch ab 6 Uhr Sportplatz Einsame Pappel lDanziger Str.). Am 5. Mai fand des 25-Kilometer-Laufen »Quer durch Berlin" statt. Zwei Kameraden beteiligten sich an dem Lauf. Unserem Kameraden Rudolf R o s e n t b a l gelang es von ca. 180 Läufern den 59. Platz zu belegen. In der Klaff« für Anfänger konnte er den 7. Platz belegen. Wenn auch unser Kam. Georg Goldberg nichtä» aut abschnitt, .so ist es immerhin anzuerkennen. datz er dt«W!i Kilometer durchgelaufen ist. Traiuiugstage der Jiu-Jitiu-Gruvv«. Berli». Kampfmannschaft: jeden Montag ab 8,30 Uhr. — Fortgeschrittene: jeden Mittwoch ab 8L0 Ubr. — Anfänger: Zeden Donnerstag ab 8.30 Ubr. — Trainingsräume: Schöneberg, Hobenstaufenftrahe 31. üellerlokal. — Gäste willkommen! Kameraden, besucht unser Training! Aus den Landesverbänden und Ortsgruppen Landesverband Brandend,rg. Sora». Tie Ortsgruppe Sorau als Verteidiger d«S Wanderpokals veranstaltet das diesjährige Schieben des Landesverbandes Brandenburg um den Wanderpokal am 9. Juni tu Sorau N.-L. Wie im vorigen Jahr ist die Veranstaltung als Auto-Strablen-Fabrt gedacht, an der sich alle Ortsgruppen des Landesverbandes mit ihren Damen beteiligen sollen. Die Ortsgruppen melden eine auS drei Kameraden bestehende Mannschaft. jeder Kamerad scki-tzt 5 Schutz Uo Meter auf 20er R ngscheihe^ Die Mannschaft, welche die höchste Punktzahl schiebt, erhalt de», Wanderpokal. Rach Beendigung des Schiebens findet ein gemeinsames Mittagessen im Schützenbaus Natt, im «nschlutz daran eine Autofahrt durch den Sorauer Wald mit anfchltehender Kaffeetafel. Die Ortsgruppe Sorau ladet auf diesem Wege nochmals alle Kameraden des Landesverbandes Brandenburg mit ibren Angehörigen dazu herzlichft ein und bittet um recht zahlreiche Beteiligung. La»deS»erba«d Ost- »ud Weftpreutze«. Elbing Die Ortsgruppe Elbing hielt kürzlich t» der Bürger- Ressource ihre diesjährige Generalversammlung ab, der als Vertreter des Landesverbandes «am. Sabatzko - Königsberg bet- § wohnte. Nach Verlesung bei Protokolls durch den Schriftführer, amerade» Eisenftädt. gab «am. W i e r s ch dt« Eingänge der »ndeslettung und anderer Stellen bekannt. Nach einer Debatte

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