Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 20 (17.5.1929)
- Date
- 1929-05-17
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Gemeinde Veranlassung geben sollten, auch ihrerseits dem Frontbund die Anerkennung zuteil werden zu lassen, die dieser fraglos in den nicht jüdischen Verbanden genießt. So können wir wohl mit Recht behaupten, dah trotz wirtschaftlicher Depressionen die Interessen uv-seres Bundes im Niedersachsen-Lande jederzeit gewahrt werden, zum Wähle unseres Bundes-und unsere» Judentums und zur friedlichen Durchdringung unseres deutschen Vaterlandes, 'Kam? Walter Fuerst. Die Iudenfrage an den Hochschulen Von Gerichtsassessor Hans Lennhoff. Das Weltstudentenwerk, eine ursprünglich rein christliche Organisation, hat etwa 30 Studenten und jüngere Akademiker aus den meisten europäischen Ländern und aus Nordamerika D einer Tagung nach Schloß Bierville geladen, in der über die jüdische Frage an Europas Hochschulen gesprochen wurde. Die Erschienenen vertraten etwa alle Richtungen. Bon jüdischer Seite sah man Zionisten, Nichtzionisten, — bei den Nichtjuden gab es Antisemiten der verschiedensten Färbungen, neutrale und auch wohlwollende Teilnehmer. Den Beratungen zugrunde lagen verschiedene Referate, von welchen denen des Pros. Oualid von der Sorbonne und Prof. Hersch von der Universität in Genf bei weitem die gröhte Bedeutung zugesprochen werden mutz. — Während Oualid in erster Linie eine Neuverteilung der Juden innerhalb der einzelnen Länder erstrebte, und zwar sowohl örtlich wie hinsichtlich einer deruf- .ichen Umschichtung, waren die Vorschläge des Prof. Hersch ganz anderer Art. Hersch glaubt in erster Linie nicht daran, duh die von Oualid empfohlene Verpflanzung der Juden auf das Land, die ja dem Siedlungsbestreben des R>F. entspricht^ Erfolg haben könne. Er glaubt, dah das ökonomische Gesetz unserer Zeit den Zug vom Lande in die Stadt mit sich bringe und hält es sür zwecklos, sich gegen ein solches ökonomisches Gesetz aufzulehnen. Er empftehlt — wenigstens für die östlichen Länder —, den Juden die Stellung einer nationalen Minderheit zuzusprechen. Die Beratungen der eigentlichen Konferenzteilnehmer standen auf einem recht hohen Niveau. Man vertrat seinen Standpunkt in ernsthafter und überzeugter Weise. Wenn man vielleicht von den Rumänen absieht, war überall der Wille zu einer Verständigung vorhanden, — nur war man sich über die Wege, die begangen werden könnten, nicht klar; das kann ja bei der Schwierigkeit der Fragen nicht wundernehmen. Man muh aber dankbar anerkennen, datz das Weltstudentenwerk durch die Veranstaltung dieser Tagung — vielleicht zum erstenmal auf breitester Basis und fern von dem brennenden Interessenkampf des täglichen akademischen Lebens — eine besonnene Aussprache aller Richtungen ermöglicht hat. Niemand hat erwartet, dah die Konferenz zu grohen Ergebnissen führen könne, am wenigsten wohl ihre Veranstalter. Man kann schon über die Tatsache, dah die Konferenz nicht ergebnislos geblieben ist, erfreut sein. Das Ergebnis, welches sich gezeigt hat, lag in folgendem: Man war sich klar geworden, dah neben den vielfältigen Ursachen des Antisemitismus, die ja auch örtlich verschieden sind, eine Ursache immer wiederkehrt: nämlich die eines, wie auch immer gearteten,'wirtschaftlichen Gegensatzes. Hier ausgleichend und mildernd einzugreifen, lag für eine studentische Selbsthilfeorganisation am nächsten. In dieser Richtung wird in Zukunft vom Wellstudentenwerk in Verbindung mit einer anderen internationalen studentischen Organisation praktische Arbeit geleistet werden. Aber auch alle die anderen tieferliegenden Fragen werden weiter geprüft werden. Vorschläge zur Behebung der Schwierigkeiten werden zur Diskussion gestellt, Material aller Art wird gesammelt werden, wissenschaftliche VeröffentlichuHen in den drei Hauptsprachen find in Aussicht genommen. Eine besondere, aus allen Richtungen und den wesentlichsten Ländern zufammengesetzte Kommission wird diese schwere Arbeit gewissermaßen als Fortsetzung der Konferenz leisten. An ihre Ergebnisse wird eine neue Tagung, die etwa in einem bis 1K Jahren in der Schweiz stattfinden wird, anknüpfen. Es ist nicht unmöglich, dah man dort zu wesentlich weitergehenden Ergebnissen gelangen wird. Im einzelnen mag auf folgendes noch hingewiesen werden: Es gab wohl niemanden auf der Konferenz, der nicht ein -brutales Borgehen, wie es z. B. noch in letzter Zeit in Rumänien vorgekommen war, verdammte. Die Rumänen haben sich selbst, wenn auch nicht ganz mit Erfolg, dahin geäußert, dah ihnen Pogrome oder pogromähnliche Ausschreitungen völlig fernlägen. Als man an die Ermordung eines jüdischen Studenten anläßlich dieser Krawalle erinnerte, yat zwar einer der Rumänen es für richtig gehalten, diese Erinnerung als auherordentlich leichtfertig zu bezeichnen. Es mag fein, dah dort — ähnlich wie in Polen — die Frage am kritischsten ist und daher am schwersten lösbar. Aber man darf den Eindruck haben, datz auch die ungezügeltsten Vertreter antisemitischer Auffassungen durch das enge, mehrtägige Zusammenleben mit Juden aller Richtungen und von der allseits ehrlich und offenen Aussprache nicht ganz unbeeindruckt geblieben sind. Auch über die deutschen Verhältnisse, die ja nicht annähernd so schwierig sink als die jm Osten, wurde ausführlich gesprochen. Daß der Vorsitzende der Deusficken Studentenschaft, Schwads, selbst den Verhandlungen beiwohnte und eine reckt bedeucende Rolle in ihnen spielte, mag vielleicht ein Zeichen dafür sein, dah man auch.dort zu erwachen beginnt. Aber es wäre faifäi. diese Tatsache — wie überhaupt die Konferenz und ihre Ergeb nisse — als -einen Sieg aller .Nichtantisemiten über die Anti femiten zu bezeichnen. Wenn Schmadel als Grundursache des Antisemitismus in Deutschland die urdeutsch-christtiche Staalsidee, die auch heute noch fortwirke, bezeichnet,' so war natürlich eine theoretische Widerlegung dieser Ausfassung leicht möglich. Abex man darf sich keiner Täuschung darüber hingeben, dah derartige aka demisch geführte Auseinandersetzungen nicht geeignet sind:- den Grohteil der Akademiker zu überzeugen. Auch der Student verliert, wenn es sich um Massenbewegungen handelt, zu leicht die Herrschaft über sein einener persönliches Denken und wird edankenloser Bestandteil einer von irgendwelchen Führern ad ängigen Mehrheit. , r Die Arbeit, die in Bierville geleistet wurde, konnte und sollte nicht auf die breite Masse wirken. Sie war auf Wirkung in die Tiefe angelegt, weil sie bewußt der jetzt so stark auf tretenden studentischen Oberflächlichkeit entgegentreten will. Mit der Dankbarkeit, die dem Weltstudentenwerk Zu zollen ist, soll man die Hoffnung verbinden, dah seine Tätigkeit zu weiteren Erfolgen führen wird.! AlS Fra« w Tel-Aviv Bon Marion Pariser. Palästina, Land vieler Hoffnungen, vieler Enttäuschungen, aber immer Gegenwartsland einer Jugend, die kämpfend sich" eigene Träume erfüllen will. Heiteres kleines Tel-Aviö,: Stadt von -45 000 Seelen und ebensoviel Intellekt. Deine Architekten haben bunte, lustige Würfel an den blauen Strand geworfen, in deinen Gärtest blühen Palmen und Bananen und nichts läßt von außen deti schweren Wirtschaftskampf erkennen, der sich in dieser leuchtenden Farbenpracht abspielt.! Es ist nicht leicht hier Frau und Hausfrau zu sein: sie ver miht vieles, was sie an selbstverständlichen Gewohnheiten aus Europa mitgebracht hat. Tausend kleine Dinge sind es. die es hier nicht gibt, die der männllche Exporteur vergessen hat, hier her zu senden, Dinge, um die es sich nicht lohnt viel Worte zu machen, die aber immer wieder ruckartig daran erinnern: Du bist nicht in Europa. Bor allen Dingen muh die Frau im Haushalt um lernen. Zwar sind die Wohnungen nach europäischer Art gebaut, mit Badezimmern, sonnengeschützten Veranden, doch sind die Wände gestrichen der Ungeziefergesahr wegen, die Fuhböden in Teppichmustern gekachelt und der „eigene Herd" hat hier nur symbolische Bedeutung. In diesem Lande ohne Bergbau, das noch in den Kinderschuhen der Elektrifizierung steckt, ist der Haushalt auf Petroleum als Brennstoff angewiesen. Man kocht auf dem „Primus" dem norwegischen Petroleumkocher und es bedarf einiger Kunstfertigkeit,-um den Apparat bedienen zu lernen. Ist man mit ihm vertraut, so ersetzt er Herd. Bade ofen und Zimmerheizung an kühlen Abenden. Zu Beleuchtungszwecken dient elektrisches Licht, dessen Preis vön Mk. 1,— pro Awst. den Haushaltsetat erheblich belastet. Der Ausbau des Ruthenbergfchen Elektrizitätswerks am Jordan ver spricht in wenigen Jahren eine so erhebliche Senkung des Prei fes, dah der elektrische Strom dem Haushalt so dienstbar gemacht werden wird, wie heute in Amerika. Bei den durchschnittlich b.es ch r ä n k t e n E i n k o m m!e n sverhältnissen von 2—400 Mk. im Monat — es fehlt an 16t