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Der Schild · 1929-05-17 · 20 (17.5.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
20 (17.5.1929)
Date
1929-05-17
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Geschichte des Landesverbandes Riedersachsen - Wir setzen hier die Entwicklungsgeschichte der einzelnen Landesverbände fort. Durch die Bemühungen des verstorbenen Kameraden Rechtsanwalt Dr. Richard Teckel und des Kameraden Walter Zuerst war es gleich nach Gründung des Bundes in Hannover gelungen, eine Anzahl Kameraden zu einer Ortsgruppe zusammenzuschließen. Bei der Umnennung vom „Vaterländischen Bund jüdischer Frontsoldaten" in „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" konnte sich dieser Stamm des Landesverbandes Riederfachfen nicht halten und löste sich nach einjährigem Bestehen wieder auf. Im Jahre 1922 übernahmen es dann die Kameraden Zuerst und Sander, die Ortsgruppe Hannover neu zu organisieren, die sich dann auch Ende 1922 unter dem Vorsitz des Kam. Willy Neuberg konstituierte. Diese Ortsgruppe Hannover, die nacheinander unter den Vorsitzenden Willy Neuberg, Dr.- Sochaczewski und Walter Zuerst arbeitete, ist der Stamm zum jetzigen Landesverband Niedersachsen geworden. Dieser Landesverband wurde dann 1923 unter dem Vorsitz des Kameraden Alfred Visier mit folgenden Ortsgruppen gebildet: Aurich, Barsinghausen, Braunschweig, Detmold, Emden, Goslar Gütersloh, Hameln, Hannover, Herford, Hildesheim. Holzminden, Hoya, Leer, Minden i. W., Nienburg, Osnabrück, Rahden, Rinteln, Steinheim. Die wirtschaftlichen Verhältnisse, die sich gerade in unserem grohen, fast ganz auf Landwirtschaft eingestellten Bezirke vernichtend auswirkten, brachten das Vereinsleben in den Klein- und Mittelstädten fast vollständig zum Erliegen, so dah in den Jahren 192« und 1927 eigentlich nur die großen Ortsgruppen Hannover und Braunschweig tatsächlich positive Arbeit leisteten. Seil Anfang 1928 haben nun die Kameraden Zuerst, Nutzbaum und Wittelshöfer die Neuorganisation des Landesverbandes übernommen, und kann man wohl ohne Uebertreibung sagen, dah bis auf ganz wenige Ausnahmen jetzt wieder in sämtlichen Ortsgruppen des Landesverbandes Niedersachsen erfolgreich gearbeitet wird. Auch' die ostsriesischen Ortsgruppen stehen vor einer vollkommenen Neuorganisation, die uns das Beste für die Zukunft erhoffen läht. 'Ein Hauptaugenmerk der Landesoerbandsleitung war darauf gerichtet, mit sämtlichen Verbänden gute Beziehungen anzuknüpfen. und ein kameradschaftliches Zusammenarbeiten zu erzielen. Es ergbb sich hieraus eingutes Einvernehmen nicht nur mit dem Reichsbanner, sondern auch mit den Kriegeroereinen, dem Kyffhäuserbund und dem Bolksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge, woraus eine gegenseitige Teilnahme an de» verschiedensten Veranstaltungen folgte. So sahen wir bei dep Einweihungen verschiedener Ehrendenkmäler auch stets neben dem Reichsbanner, Stahlhelm und überparteilichen Krie gervereinen unsere Vertretungen. In der Reichsehrenmal-Frage, bei der ja die beiden Projek te Goslar und Wesergebirge innerhalb unseres Landesverban des mit zur engeren Wahl standen, konnten wir die Interesie» des Gesamtbundes aufs beste vertreten. Die Bundesleitung hatte auf unseren Vorschlag den Kameraden Max Liepmann. Hannover, zu den beratenden Sitzungen im Reiche delegiert, der hierbei die besten Beziehungen zu den 'einzelnen Verbänden anknüpfte. Die Schaffung des Reichspräsidentenhauses in Holzminden gab unserer dortigen Ortsgruppe nach anfänglichen Schwierig keilen Gelegenheit, fördernd mit den anderen Verbänden ge meinsam zu arbeiten. Die Ortsgruppe Braunschweig hat ös besonders gut ver standen, die jüdische Jugend zu sportlicher Betätigung heranzuziehen. Jedem Teilnehmer an der Landesverbandstagung in Braunschweig im Jahre 192«, werden die hervorragenden turnerischen Leistungen der dortigen Iugendgruppe in angenehmer Erinnerung sein. — In den kleineren Ortsgruppen war zum größten Teil där jüdischen Jugend Gelegenheit geboten, sich paritätischen Turn- und Sportvereinen anzulchlietzen. — Die Stadt Hannover hat neben dem großen „Turnnlub Hannover", der auch jeden Juden gern bei sich sieht, 2 jüdische Turn vereine, die der RjF. mif Rat und Tat und durch Aussetzung von Preisen fördert und unterstützt. Das große produktive Ziel des RjF., die Ansiedlung jüdischer Bauern und Landwirte, wurde gerade in unserem Bezirke mit besonderem Eifer behandelt. Die bestehende Anstalt in Ahlem und die Erfahrungen in Peine boten Gelegenheit zu den ersten grundsätzlichen Erwägungen, die allen Vorarbeiten .der jetzigen Siedlungskommission, der ja auch Herr Direktor ^Silberberg, Ahlem, angehört, oorangingen. Gerade die Kleinsiedlung und die des Gartenbaues, die jetzt als erste zukunftsreiche Arbeit betrachtet wird, wurde ja von Hannover aus immer wieder auf den Bundeshauptversammlungen vertreten. Mit den anderen jüdischen Verbänden, insbesondere mit dem Eentral-Berein. bestehen vor alten Dingen mit der Ortsgruppe Hannover gute Beziehungen, die ein gemeinsames Arbeiten gewährleisten. Auch mit den jüdischen Institutionen bestehen vorbildlich gute Verbindungen, die mancher jüdischen stellung, die man vorsorglich vorbereitet hatte, wenn auch ein eigentlicher Ausbau fehlte. Uns konnte aber letzten Endes nur noch ein Abbruch des Krieges vor einer militärischen Katastrophe retten. Die Schuld am Zusammenbruch trägp die häufige Verkennung des Schlieffenfchen Grundsatzes bei der. rein militärischen Kriegführung. Man war sich im Volke nie darüber klar, daß Deutschland eine belagerte Festung war: Die Vetteidiger einer belagetten Festung können einen erfolgreichen Kamps auf die Dauer nur führen, wenn sie entsetzt werden oder ausbrechen. Entsatz kam nicht in Frage, auch mutzten wir in dieser belagerten Festung bleiben, konnten nicht ausbrechen und sind ^ausgehungert worden, trotz allen Landgewinns bei unseren „Ausfällen aus der Festung". Hatten wir eine einheitliche OHL.? — Die notwendige Gemeinsamkeit der Führung auf allen Fronten trat viel zu spät ein.' _ Auch chie wirtschaftliche Kriegführung ist mangelhaft gewesen, eine wirtschaftliche Mobilmachung mußte improvisiert werden, das Material wurde zu früh — trotz anfänglichen Ueberflusies — knapp: die Worte: Salpeter, Sparmetall. Fette und Pferde umfaßten ernsteste Krisen. Der Geist von 1914 war bald verflogen, fast könnte man sagen, er wurde abgewürgt durch eine Unzahl unheilvoller Maßnahmen. Durch Urlauber erfuhr man andere Heeresberichte als durch die Presie, die die Mißerfolge zu verschweigen und Siege aufzubauschen hatte. Ein anderes Argument bildete die Erbitterung der Frontsoldaten über Reklamierte, die ihren Kriegsdienst bei hohem Entgelt in der Heimat fern vom Schuß taten: auch die oft unnötig schroff gehandhabte Beurlaubung der Frontkämpfer und ihre Behandlung brachte Verstimmung. Von Vorgängen in der Etappe wollen wir schweigen. 164- Eine falsche Personalpolitik, durch die wir es von Anfang an nicht verstanden haben, den Schwung in der Armee zu erhalten, häufte Unwillen. Anstatt sich auch der alten gedienten Unteroffiziere und Feldwebel — wie bei unseren Gegnern — zu bedienen und diese zu Offizieren zu befördern, nahm man fast nur junge Kriegsfreiwillige hierzu und vertraute diesen bald die Führung von Kompagnien usw. an: gewiß waren sich viele von ihnen voll ihrer Aufgaben bewußt, warum nutzte man aber nicht auch die Qualitäten des Unteroffizierstandes aus? Man wollte auf die Exklusivität des Offizierkorps nicht verzichten. Die politischen Gründe des Zusammenbruches sind so umfangreich, daß man sie kaum aufzähien kann: die Verweigerung des preußischen Wahlrechts und die bewußte Unklarheit über unsere Absichten mit Belgien waren die schwersten. — Auch die Friedensschlüsse, die „e r st e n Fried e n" von Brest-Litowsk und Bukarest waren „zu teuer", so daß den besonneneren Schichten in den Völkern der Alliierten der Mut zur vorzeitigen Verständigung mit uns ausging. So viel militärische Fehler aber auch bei uns gemacht wurden, immer noch bester war unsere Heeresleitung als die der anderen. Haben wir rein militättsch ein Cannae nur vereinzelt und mit geringem Umfang erzielt, die Entente nirgends: Unsere Waffenerfolge erstrahlen über alle Siege der Entente, wo schließlich die Massierung von ungeheurem Material gegen uns eine öde Material-Strategie, ohne Geist, zur ausschließlichen Anwendung gelangen ließ. Eine militärische Rehabilitierung haben wir Deutsche bestimmt nicht nötig! General Gröner sagt in seinem Buche: 1888—1918 war dir Periode eines dreißigjährigen Ringens um die Vormacht in der Welt zwischen England und Deutschland. Sie scheint mir entschieden: Fehlerbündel überall brachten uns selbst um ein Remis wie im Siebenjährigen Kriege.

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