Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 19 (10.5.1929)
- Date
- 1929-05-10
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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(fin Teil der Kameraden hat die Hochschulbildung, ein grösserer Teil die Sekunda-Reife, aber der weitaus grösst« Teil der Kanie raden hat Volksschulbildung. Warum wird denn dann bei oben genannten Gelegenheiten (mit Borliebel mit Fremdwörtern herumgeworfen? Warum z. B. Ausdrücke wie Apologetik (letzte Schilonummer) ufw.? Die deutsche Sprache hat de» reichsten Wortschatz, warum unverständliche sremdartige Ausdrücke? Kam, Erwin Kober. Lefefrüchte! Leib Zlidermaus. Wir hatten erwartet, diesen Namen in der völkisch-antisemitischen Presse in Sperrdruck mit einigen Ausrufungszeichen dahinter zu finden. Die Gelegenheit, einen so urkomischen ostjüdischen Namen zu verulken, lätzt sich doch ein waschechter Hakenkreuzler nicht gern entgehen. Namentlich, wenn ihm Gelegenheit gegeben wäre, noch etwas Ungünstiges von dem Namensträger zu berichten: beim Taschendiebstahl festgenommen . . . oder: wegen Steuerhinterziehung angeklagt wurde der Galizier Leib Flidermaus. Man kann dann noch Bezeichnungen hinzufügen, wie „Schmarotzergesindel", „östliches Para- ,:entum" sowie den vielsagenden Hinweis: Wie dieser eine, so und.sie alle! Namentlich eine humorvolle Bemerkung über die Wasserscheu dieses „Paiesjuden" wäre des Erfolges sicher gewesen. Nun aber hat es mit Leib Flidermaus eine etwas andere Bewandtnis. Der „Amtliche Preutzische Pressedienst" teilt mit, dass das Staatsministerium die Rettungsmedaille am Bande verliehen hat neben anderen an: Leib Flidermaus. Student in Berlin. für Rettung eines Menschen vom Tode des Ertrinkens. Und deshalb ist in der völkischen Presse der Name Leib Flidermaus nicht zu lesen. Merkwürdig ... (Jonathan im „Vorwärts".) Porträt «ine» nationalen Mannes. Der derzeitige Nationalsozialist, Herr Kube, kann sich rühmen, Leiter der deutschnationalen Fraktion des Preutzische» Landtages geworden zu fein. Wenn er pfeift, schwenken die Deutschnationalen ein. Er ist damit sozusagen zum politischen Führer geworden. Fetzt hat die Oefsentlichkeit einen Anspruch daraus, über feine Persönlichkeit näheres zu erfahren. Kubes politische Anfänge sind noch interessanter als der ganze Mann und können daher übergangen werden. Im Fahre 1924 verhols ihm das Glück, das Leuten seines Schlages günstig zu sein pflegt, zu einem Reichstagsmandät für die National sozialistische Freiheitspartei. Damit glaubte er eine B e r s o r gung für Lebenszeit erlangt zu haben. Um so tiefer erschütterte ihn der Krach im Lager seiner Partei, der zu ihrem Zerfall in zwei Parteichen, die Völkische Freiheits- und die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei führte. Sah er doch seinen Parlamentssitz und damit die Diäten gefährdet. Zu nächst hielt sich Herr Kube zu der Gefolgschaft des Herrn von Gräfe, ging also zur Völkischen Freiheitspartei. In ihrem Namen denunzierte er beim Berliner Polizeipräsidium die Gauleitung Berlin der Nationalsozialisten wegen planmäßiger Sprengung deutschvölkischer Versammlungen. Bei dem jüdischen Polizeipräsidenten Weiß, den Herr Kube unter dem Schutze der Immunität mit Vorliebe zur Zielscheibe seines stumpfen Witzes machte, suchte er also Schutz gegen Männer nach, die sich mit demselben allerdings zweifelhaften Rechte wie er selbst Edelgermanen nennen. Er hat diese blamable Tatsache durch die beinahe noch blamablere Erklärung zu entschuldigen versucht, datz er sich zur Zeit der Erstattung seiner Anzeige in einer durch die Lektüre der jüdischen Presse hervorgerusenen Psychose befunden habe. In Wahrheit war nichts Jüdisches dabei im Spiele, sondern eine Heidenangst. bie der nicht sehr tapfere Herr Kube vor den Fäusten der Hitlerianer hatte. Sehr bald muhte Herr Kube erkennen, datz er sich-a u f d a 4 falsche Pferd gesetzt hatte. Die Völkische Freiheitsparkei erwies sich als ein Wrack, mit dem Herr Kube nicht untergehen wollte. Was tat er, um Mandat und Diäten zu retten? Er be mühtesichumAusnahmeikibieDeüsschnationale Volkspartei. Zwar hatte diese eben erst um den Preis von vier Ministersesseln die Rechtsgültigkeit der in der Verfassung von Weimar gegründeten republikanischen Staatssvrm anerkannt und öffentlich gelobt, für. den Schutz, die Achtung und die Ehre dieser Verfassung in ihrer Gesamtheit, ihrer Organe und ihrer Reichsfarben mit Tatkraft einzutreten. Auch hatte sie versprochen, die bisherige Autzenpolitik weiter zu verfolgen, die, so hieh es wörtlich in der Regierungserklärung, die Reichsregierung seit Kriegsende ohne Unterlatz unbeirrt-verfolgt und die schliesslich zu dem Londoner Dawes-Abkommen, zum Vertragswerk von Locarno und zum Eintritt in den Völkerbund geführt hatte, eine Politik, von der dieselbe Regierungserklärung sagte, datz sie gekennzeichnet sei durch den Verzicht auf den Gedan Ken der Revanche, deren Tendenz vielmehr die Herbeifüh rung einer gegenseitigen Verständigung sei. Die beispiellose Selbstprosituierung., die. die Deutschnationale Volkspartei, nur um Regierungspartei zu werden, durch ihre anderswo, nicht erfüllt hatte! Es begann der „Wettlauf der Heere bis zum Meere", beiderseitige Versuche, einen freien Flügel des Gegners zu erhaschen zwecks Umfassung. Die Blütze konnten beide Heere immer wieder ausgleichen, bis man von Basel bis zum englischen Kanal glücklich eine einzige starre Schützenlinie in Graben hatte: Der Bewegungskrieg war zu Ende, und damit unsere Chance des schnellen Siegens, und hiermit wohl auch die Chance des Obsiegens überhaupt. Deshalb war uns aber die Niederlage nicht auch schon sicher. O st e n: Man hatte nicht geglaubt, datz man im Osten Erfolge haben würde vor Freiwerden unserer Armeen nach einem Cannae im Westen. Das erste „Cannae" war die Schlacht bei Tannenberg, das aber für das grotze Ruhland zu verwinden war: der Angriff war uns taktisch und strategisch glänzend gelungen. Dem gleichen Prinzip Hindenburgs, immer die freie Bewegung zu behalten, haben wir dann auch die Erfolge in Masuren und Polen zu verdanken. Elastisch socht Hindenburg und klebte nie am Landbesitz: ihm' lag allein daran, das Heer des Feindes zu fesseln, zu umfassen, zu vernichten: das Cannae- Prinzip. — v 1915: Im Westen setzte eine kleine Offensive bei Soissons als Durchbruchs-Versuch ein, wo wir den Feind mit Erfolg zu etrommeln und zu werfen versuchten. Bald aber muhten wir unser Augenmerk auf den Kampfplatz in der Champagne lenken, wo wir von den Franzosen heftig bedrängt wurden und versuchen mutzten, uns dieses Gegners mit zahlenmätzig unterlegenen Kräften zu erwehren, ohne im Osten auf dem damals als entscheidend angesprochenen östlichen Kriegsschauplatz wieder zu schwach zu sein. O st e n: Falkenhayn sagt in seinen „Erinnerungen", datz ein grohes „Cannae" in Rußland überhaupt nicht zu erzielen gewesen wäre wegen der unendlichen Weiten und Fehlens der Querverbindungen (Stratzen oder Bahnen). Die Erfolge, die Hindenburg auf deutschem Boden und nahe der deutschen Grenze auf feindlichem Boden noch verzeichnen konnte, wären auf russischem Boden weiter im Innern unmöglich gewesen: der Russe konnte nur frontal gepackt werden. Hierbei hatte er ungeheure Verluste, aber kein „Cannae" vernichtete ihn. Süden: Im Süden hatten wir in Serbien einen wenig beachtlichen Gegner: einen schwierigen Stand hatten hierbei nur die Türken, da wir kein« Landverbindungen mit ihnen hatten, um Munition und Material genügend herunterzu bringen. 1916 gelangte die Hilfe Englands zur ersten vollen Auswirkung, just als Frankreich und Rutzland am meisten geschwächt waren. Die OHL. drängte daher zur Offensive (bei Verdun), und zwar noch vor Eintreffen der englischen Massen an der West front. Wenn die Offensive bei Berdun gegen die Franzose» nicht ganz gelinge, sondern nur zum Teilerfolg führte, so hätten sie wenigstens das Gute — so rechnete man —, datz die feindlichen Linien von unseren Eisenbahn-Querverbindungen endlich genügend abgerückt wurden. Die Schlacht von Verdun hatte schließlich nicht einmal diesen Erfolg und hat entsetzlich viel Blutgekostet. Ein Cannae-Prinzip lag dieser von uns herbeigesührtett Schlacht bei Berdun nicht zugrunde. Die Schlacht an der Somme (im Sommer 1916) stand,m Zeichen unserer Defensive gegen das voll entfaltete- England und. hat uns sehr viel gekostet. — Den Garaus sollte uns Rumänien machen: es kam aber anders. Man machte Falkenhayn den Vorwurf, datz er von seiten der OHL. keine genügenden Vorkehrungen hiergegen rechtzeitig getroffen hatte und übergab i h m das Kommando dort unter Enthebung von der OHL. --- Falkenhayn hat hier bewiesen, datz er die Lehren Moltkes und des Grafen Schlieffen zur Durchführung gelangen lassen konnte. Für diesen operativ außerordentlich glücklichen Feldzug standen nur wenig deutsche Divisionen, autzer den Bulgaren, zur Verfügung und trotzdem gelang es. die Rumänen schnell zu schlagen; man kann fast von einem „Cannae" reden. (Fortsetzung folgt.) 157