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Der Schild · 1929-05-10 · 19 (10.5.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
19 (10.5.1929)
Date
1929-05-10
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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ins Leben gerufenen Organisationen. Als ich einzelne kleine Geschichten, mit ihrem oft ziveifelhasten literarischen Wert durchlese. glaubte ich plötzlich meinen Äugen nicht zu trauen, als ich auf ein Literoturerzeugnis stieß: ..Die Legende, des heiligen .Rudolf non Bern", mit Illustrationen; das letzte Bildnis dieses Literatur stücks in Reimform zeigte die Gestalt eines Juden, der sein großes Messer über einen zu seinen Füßen hingekauerten und zitternd die gefalteten Hände zu ihm hinaufstreckenden Knäblrin gezückt hielt. Es war die Zeit der herannahenden Ostern gewesen, so sagte der mit salbungsvollen Worten gehaltene Text. Die Zeit der Ostermazzen war herangenaht und der „Bedarf des üblichen.Christenblutzusatzes" ließ den Juden in Kfein-Rudolf sein Opfev finden. In rührender Ausdrucksweise berichtet diese „Legende" zum Schluß, wie das Briefe an > Die SesalleaesWeu An die Redaktion des „Schild" Berlin W. 15. Aus meine kurzen Mitteilungen hat Kam. Dr. Springer- Heidelberg in dankenswerterweise mit einigen sehr guten Anregungen geantwortet. Er hat auch bereits durch seine verschiedenen Zusammenstellungen von Gefallenenlisten aus den abgetretenen Gebieten den Beweis erbracht, daß es sehr wohl möglich ist, bei einigermaßen intensivem Arbeiten, das Material ziemlich komplett, zu erhalten. Ich teile unbedingt feine Meinung, daß di» Zahl von 12 000 gefallenen Kameraden überschritten werden wird. Nun möchte ich noch einige Anregungen für die Zusammenstellung des Buches zur Diskussion stellen. Die Listen werden nach den Orten, in welchen die betreffenden Kameraden zuletzt gewohnt haben, bzw. von welchen sie ins Feld gerückt sind, zusammengestellt und veröffentlicht. Ich halte es für zweckmäßig, in dem erscheinenden Buche die Zusammenstellung nach dem Geburtsort vorzunehmen. Es schweben mir hierbei folgende 3 Gesichtspunkte im Augenblick vor:- 1. Es ist leicht möglich, zu verhüten, daß einzelne Kameraden doppelt aufgeführt sind: 2. es ist für jeden objektiv Prüfenden leicht festzustellen, daß unsere Angaben hieb- und stichfest sind und vollkommen in Ordnung gehen: 3. das erscheint mir auch sehr wesentlich, wird dadurch doch der Beweis erbracht, daß nicht nur von fast sämtlichen Orten, ob groß oder klein, in denen in unserem Vaterlande .zarte Knäblein, die Gefahr erkennend, in Todesnot sich dem Juden zu Füßen wirft, feine Knie umklammernd um Gnade ihn anfleht, seine Händchen fallet und schluchzend um sein Leben bittet, doch alles verblich. Der grausame Jude hatte kein Er barmen und das Kind mußte unter dem Messer des Juden fein Leben lassen- Dies war ungefähr der Inhalt. Ein Grauen und ein Ekel erfaßte mich, ob solch trauriger „Literatur", die mithelfen sollte den Kampfgeist zu heben, den Mut anzufeuern, die Frontkämp fer in Schicksalsgemeinschaft sich verbunden fühlen zu lassen Angewidert löste ich aus dem Buch diese schauderhafte „Legende" mit ihren Illustrationen und ließ das Buch selbst in den Orkus hinabsinken. Noch oft, wenn ich an den Windmühlenturm von St. Auri» zurückdenke, kommt mir mein einsames literarisches Nachter lebnis im Unterstand, als die Kameraden schliefen, in de» Sinn . . . » „Schild" jüdische Kameraden im Feld waren, auch von fast allen Orte» Kameraden gefallen sind. Schließlich möchte ich auch an dieser Stelle einmal über die Kosten der Zusammenstellung, wie überhaupt des Buches als solches sprechen. Es ist selbstverständlich, daß dieses Buch die weiteste Verbreitung finden muß und auch sicher finden wird. Um dies zu erreichen, muß der Preis des Buches möglichst billig gehalten fein, so daß jeder es sich erwerben kann. Da hier unser Bund eine Arbeit leistet, die dem gesamten Judentum zugute kommt, so ist es meiner Auffassung nach auch die Pflicht des gesamten deutschen Judentums, sich an den Kosten des Buches zu beteiligen. Meiner Ansicht nach ist es Pflicht sämtlicher Gemeinden, uns für dieses Buch, je nach ihrer Große, entsprechende Beträge zur Verfügung zu stellen, damit das Erscheinen baldigst ermöglicht wird. Kam. Arthur Beckhard, Frankfurt a. M. M«g»et Fremdwörter An die Redaktion des „Schild" Berlin W 15. Im Sinne vieler Kameraden wende ich mich an alle Herren Vortragenden in RjF.-Versammlungen sowie an die Herren Verfasser von „Schild"-Artikeln und -Aufsätzen! Meidet fremdartige Ausdrücke, die der größte Teil meiner Kameraden nicht versteht. Ich spreche bestimmt tm Sinne vieler. Sorge hervortreten, man könnte bei einem Zweifrontenkrieg in Frankreich versäumen, an der entscheidenden Stelle stark zu sein. Er wiederholte immer: „Wenn es gegen Frankreich und Rußland geht, wird die Entscheidung bei Paris liegen: macht mir hier den rechten Flügel unseres Aufmarsches so stark wie nur möglich." Dieser Grundsatz Schlieffens wurde leider von seinem Nachfolger, dem jüngeren Moltke, in den letzten Dorkriegsjahrcn bei Bearbeitung des Aufmarsches verlassen. Für den Westaufmarsch waren nämlich mittlerweile mehr Divisionen zur Verfügung: man setzte sie aber nicht, wie Schlieffen es gemacht hätte, am oder hinter den rechten Flügel des großen Aufmarsches. sondern am linken Flügel zum Schutze des Elsasses ein: man ist der Mahnung Schlieffens nicht gefolgt. General Grüner behauptet, daß dies der Schlüssel des Mißerfolges im Westen war. Man hat das Schlieffensche Testament eben nidjf lüvprozentig befolgt, man hatte im. August 1914 in Lothringen die Franzosen geschspgen: es war nur ein „ordinärer" Sieg gewesen, ein taktischer Erfolg, aber im Sinne der Gesamthandlung ein strategischer Mißerfolg. Das Ueberrennen Frankreichs geschah sehr schnell: man konnte im Osten zunächst Rußland mit Oesterreichs offensiver Wehrmacht abrechnen lassen, um dann später Oesterreich wieder herauszuhauen. Unser Feldzug 1914 in Frankreich entbehrte leider des strategisch-operativen Uebergewichts, das wir hätten haben können, nur die Truppe war so glänzend, daß immerhin beachtliche Teilerfolge verzeichnet werden konnten. An der Marne hatten wir uns dann totgesiegt und "mußten — weil am rechten Flügel nicht stark genug — zurück. Das Schlimmste war, daß später die Erstarrung der Fronten im Schützengraben kam: wie lehrten doch Moltke und Hchlieffen: „Nur im Bewegungskrieg winkt ein Cannae!" Wir Deutschen haben uns immer gefreut, wenn wir hörten, daß wieder ein Fetzen Land oder eine Festung erobert worden ist. wobei übersehen wurde, daß ec im Kriege zwischen großen 156 Völkern nicht darauf ankommt, Land zu erobern, auch nicht, ob große Schlachten als „ordinäre Siege" gewonnen wurden, sondern daß es darauf ankommt, daß wir einen unserer Erfolge zu einem „Cannae" der Hauptmasse der feindlichen Wehrkraft gestalteten, gleichgültig, ob nahe oder fern unserer Grenze. Hindenburg z. B. machte sich im Osten nichts aus Landgewinn: es lag ihm nicht daran, Suwalki, Wilna usw. zu erobern und Warschau zu berennen, sondern ihm lag einzig und allein die Vernichtung des Russen, wo es auch fei, im Sinn, die ihm auch stellenweise gelang. — Es soll nicht verschwiegen werden, daß im großen Kriege Frontstrecken teilweise zum Schützengrabenkrieg gezwungen werden, sei es. upn wertvollen Landbesitz (Briey-Erze!) zu halten oder um sich die Voraussetzung:» für spätere Angriffe (Begriff der „Brückenköpfe") zu erhalten. Daß aber die ganze Front im Westen in Erstarrung überging, war ein Aufgeben von Chancen, ein Aufgeben, was uns um Unseren Erfolg gebracht hatte. „Nur in der Bewegung liegt für uns im Zweifrontenkrieg der Erfolg." — Die Verfahren der OHL., dke sie auf den verschiedenen Fronten anwandte, lassen sich kurz chronologisch wie folgt zusammenfassen: 1914: Im Westen wälzte sich die Hauptmasse durch Belgien und Ostfrankreich durch und nahm Lüttich, Antwerpen, Namur und Maubeuge. Die Sorge um Elsaß-Lothringen hatte den jüngeren Moltke veranlaßt, den linken Flügel mit Hilfe von Neuformationen, die besser am rechten Flügel eingesetzt wären, stärker zu gestalten. Vorgesehen war unter Schlieffen, daß eventuell sogar eine ganze Armee als rückwärts gestaffelte Reserve hinter dem rechten Flügel folgen sollte, sofern man Neuformationen zur Verfügung hatte. Man zog zwar die 7. Armee vom linken Flügel im August nach Norden, aber zu spät, sie wurde im Vorbeiziehen in der Mitte eingesetzt stzchlacht bei Ehtmin-des-Dames) und fehlte an der entscheidenden Stelle. — Hieraus ist ersichtlich, daß ein richtiger Cannae-Willen seinerzeit die erste OHL. auf dem Westkriegsschauplatz, unbekümmert um Mißerfolge

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