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Der Schild · 1929-05-10 · 19 (10.5.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
19 (10.5.1929)
Date
1929-05-10
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Ritualmord-Märchen geht um ÄultusmmifterGoldenbergerverdammtdieHehe Kultusminister Dr. Goldenberger wandte sich in der Sitzung des Haushaltsausschusses des Bayrischen Landtags sehr entschie den gegen die nationalsozialistische Ritualmordhetze in Unter franken, die im Zusammenhang mit der bisher unaufgeklärten ) Ermordung eines kleinen Knaben in Manau getrieben wird. Der Kultusminister teilte mit. er habe durch Erläß an die Schulbehörden angeordnet, daß in den oberen Klassen die Schulkinder über die Grundlosigkeit der Ritualmordlegende aufgeklärt werden. Im Namen der Bayrischen Bolkspartei billigte der Abgeordnete Stang diesen Erlaß und führte aus, die Ritualmordlegende sei 700 Jahre alt, aber his heute habe sich nicht die Spur eines Beweises für sie ergeben. Ein nationalsozialistischer Abgeordneter führte aus, es gäbe im Judentum noch heute gewisse Richtungen, die dem Aberglauben des Ritualmordes huldigen. > Daraufhin erhob sich Kultusminister Dr. Goldenberger und gab die folgende Erklärung: Im Kultusministerium erschienen Vertretungen der jüdischen Gemeinde und der bayrischen Rabbinerkonferenz und beklagten sich bitter über die Verhetzung >n der Gegend von Manau. Es wurden auch ernste Befürchtungen für die Sicherheit der dortigen israelitischen Volksgenossen ge äußert. Auf einen fragenden Zwischenruf der Nationalsozialisten: „Volksgenossen?" erwiderte der Minister mit erhobener Stimme: „Jawohl, sie sind Reichsbürger, wie wir alle, sind Volksgenossen, sind Deutsche! Als Unterrichts- und Kultusminister habe ich es als geboten erachtet, an den Regierungspräsidenten von Unterfranken eine Weisung ergehen zu lassen, daß in den Volksschulen die Jugend über diese Hetzereien aufgeklärt werde. Erfreulicherweise sind sowohl die katholischen wie die evangelischen Kirchenbehörden in dieser Hinsicht schon verdienstvoll vargegangen. Die Liebe zur Gerechtigkeit sollte verhindern, daß im zwanzigsten Jahrhundert solche Anschuldigungen gegenüber den israelitischen Volksgenossen noch erhoben werden." Wiederholte Schandung des jüdischen Friedhofs dei Aschendorf Die „Osnabrücker Volkszeitung" meldet aus Aschendors: „Wir haben schon von dem Unfug' berichtet, den Bubenhände auf dem jüdischen Friedhof zwischen hier und Tunxdorf verübt haben. Bekanntlich hat man dort mehrere Grabdenkmäler nicht nur umgeivorseiii sondern sic auch völlig zerschlagen. Jetzt haben ruchlose Menschen abermals/ ihre Bisitenkarte aus dem Gottesacker abgegeben, indem sie aus Teilen eines zerschlagene» Grabsteines auf dem Grabe eines eben, erst beerdigten Kindes ein Kreuz errichtet haben. .Die Unholde.mögen sich vielleicht Uber die von ihnen verübten Heldentaten 'freuen, in den Augen unse rer gesamten Bevölkerung bewertet inandiese jedoch als das. was sie sind, als Schandtaten. Eine Front-Erinnerung Von Kam. S. Alexander-Benjos. Schweidnitz. Im Winter 1915/10 an der Westfront ivars. Links von uns in Tälern ivand sich der büschumivachscnc Avrebach. dessen sogenannter Treidelsteg am Uferrand sich bis in die Franzosen »tetlung beim Schloß L'Echelles verlief. Unserer Stellung vor gelagert als Ruine der dachlose massive Windmühlenturm von St. Aurin, daneben eine Strohmiete von Friedenszeite» her, und lstwr beim Torfeingang der „Friedhof der _81cr" fHessen Infanterie), wie es ein großes Portälschild verkündete. Freund auch Feind lag hier beieinander, darunter mancher jüdische Kämpfer, alle bezeichnete das.übliche Kreuz oder die Planke als „pour sa p:itric‘‘ oder fürs Vaterland gefallen. 'Wir waren die Thorncr nler im Abschnitt der westpreußischen 95. Division, die von St. Mord beginnend, an-die ^Garde anstoßend bis Billiers les Roye-Andechy anschlictzend an die :!0. Division eingesetzt war. Vorher hatte das 1K. Hessen-Korps diesen Abschnitt inne und uns die Stellungen überliefert. Lrigiizellerweise führte unser Regiment ein Poisseree und zeichnete 'oft auch mit diesem Franzosenname» dije Anordnungen der Ortskominandantur an -die Bevölkerung öir Stadt Roye. Eine freundliche Erinnerung beivahrr ivohl jeder jüdische überlebende Kamerad dieses Frontabschnitts bziv. unseres XVII. westpreuhischen Korps der Ehanukaandacht von 1915 im durch . schossenen Rathaussaal von Roye, von dessen Wänden der Regen hrrunterflotz. an die Sabbatandachten in Carrepuis, Nesle usw., die Petzachseiern in Nesle 1910. die immer unser 'allverehrter Seelsorger, Feldrabbiner Tr. .Emil Levy, der später von den Franzosen ausgewiesene Oberlandesrabbrücr der Rcichslande. geleitet hat. Wenn ich'an diesen Somme-Frontabschnitt zurückdenke, so ivill mir ein anderes, fest in mein Gedächtnis eingeprägtes Er lcbnis nicht aus dem Sinn, an die geistige Frontnahrung, die uns die Heimat so liebevoll übermittelte,, oft von eigens dazu Die strategischen Gesichtspunkte der OHL. Die Ursache des gusammenbruchs In dem Bezirk Charlottenburg der Ortsgruppe Berlin sprach der demokratische Landtagsabgeordnete Major a. D. Hauff. Er begann seinen Vortrag mit der Erklärung, daß er in seiner fast ununterbrochenen Fronttätigkeit der OHL. nicht nahe gestanden hatte; er könne daher nur aus der sehr um fangreichen Literatur berichten, unter Verwertung von Gehörtem und Erlebtem. - Wir besaßen, so führte der Redner aus, während der ersten Kriegsjahre eigentlich keine einheitliche, alles dirigierende OHL.: erst im letzten Kriegsjahre 1917—1918 schälte sich diese, und zwar gleich in einer Art von Kriegsdiktatur unter Hindenburg Ludendorff heraus; bis dahin war die OHL. auf die Land fronten in Frankreich und Rußland beschränkt: sic hatte wenig Einfluß auf die Seekriegführung und nahm nur bedingten Einfluß auf die Verbündeten. Die österreichische Monarchie z. B. Mächte eifersüchtig auf ihre Selbständigkeit, bis im Jahre 1918 erst eine Bindung zur unbedingten Kooperation eintrat, leider zu spät. — Hmdenburgs Kriegsdiktatur wirkte sich in der Heimat, weil ohne dauernde Berührung mit den heimischen Verhältnissen, oft unheilvoll aus. Die OHL. zeigte nacheinander folgende Namen: Graf Moltke jr. sMarneschlacht); v. Falkenhayn (Gorlice. Verdun, Somme, Rumänien): v. Hindenburg und Ludendorff (Hindenburg-Bewegung, Offensive 1918). Nun gab Herr Major Hauff einen kurzen Ueberblick über einzelne Begrifse aus der Kriegführung (Ueberraschung, Improvisation und Methodik). Sodann erläuterte er die Strategie der. schnellen Entscheidungen mit dem Vernichtungsgedanken und einer solchen, die nur auf Ermattung des Gegners eingestellt ist. Dann verbreitete sich der Redner über die Begriffe der inneren und äußeren Linie und betonte das Bestreben der erfolgreichen Strategen, an entscheidenden Punkten — meist nur an diesen — besonders staxk auszutreten. Die Begriffe der Umfassung und des Durchbruches ivurden dahingehend gekenn zeichnet, daß der Durchbruch mehr Aufwand an Personal und Material beansprucht, weil er-sich nur auswirken kann, wenn unmittelbar nach dem Einbruch ein Kampf nach drei Seiten, nämlich nach vorwärts und nach beiden Seiten lzwecks Auf rollung des Gegners) aus bereitgestcllten Truppen genährt we-- den kann. In der Truppenführung gibt es taktische Mißerfolge, die aber . zugleich strategische Erfolge waren, wie z, B. die Kämpfe des Generals von Steinmetz 1866: Ter Durchbruch aus Mittel fchlesien gelang Steinmetz unter ungeheuren Opfern und auch nicht auf Anhieb. Die großen Opfer waren aber nicht umsonst gebracht, da die Oesterreicher sich hier festbisscn und an der entscheidenden Stelle den aus Niederschlesien durchbrechenden Preußen nicht genug Widerstand entgegensetzen konnten. < Bei der Verfolgung unterscheidet man die frontale Versal gung und die überholende Bersolgung, letztere mit der Absicht einer Umfassung des fliehenden Feindes. Jeder Feldherr muß bei seinem Aufmarsch eine „Tiefengliederung" genau so wahren wie jeder Unterführer beim Beginn des Gefechtes, um für das Finish noch frische Truppen «insetzen zu können. Siege, die keine Vernichtung der gegnerischen ^Waffenmacht bringen, nannte Graf Schlieffen „ordinäre Siege": nur das „Eannae" soll der Feldherr anstreben, nur in diesem Bestreben rechtfertigen sich die ungeheuren Aufwendungen der heutigen Kriegführung. Der alte Moltke hatte trübe Kriegsahnungen, indem er den Zweifrontenkrieg (mit Frankreich und Rußland zugleich» voraussah. Einer seiner Nachfolger, Graf Schlieffen (bis 1906) wirkte als Erzieher des Generalstabs in seinem Sinne in Wort und Schrift: man findet in seinen als „Testament des Grafen Schlieffen" bezeichneten Anwei 'urigen an seinen Nachfolger die 155

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