Mannheim
Compact Memory

Der Schild · 1929-05-10 · 19 (10.5.1929) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
19 (10.5.1929)
Date
1929-05-10
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4911661-5448526-5449095--2174-4913588
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

dungspunkten zwischen Katholizismus. Protestaiitisinus und Judaismus, deren Wurzel -er in der verschiedenen Auffassung von der Erbsünde erblickt. Trotz dieses tiefen Unterschieds hat die katholische Kirche stets im Judentum den Unterbau, die Voraussetzung des Christentums gesehen, und in letzterem die Vollendung des Alten Testaments, entsprechend dem Ieluswort der Bergpredigt: „Ich bin nicht in die Welt gekommen, um das Gesetz auszulöfcn, sondern um es zu erfüllen." Jesus selbst und seine Jünger waren Juden. Tie Kirche hat viele Gebräuche und Einrichtungen aus der Synagoge übernommen. Katholiken und Juden fühlen sich aber nicht nur durch solche Gemeinsamkeiten im religiösen Leben verbunden, sondern auch durch die Notwendigkeit der Abwehr gegen einen gemeinsamen Feind: die völkische Beivegung, die sich gleich scharf gegen Christen wie Juden wendet. Was das praktische Verhältnis der katholischen Kirche zum Judentum betrifft, so ist zu unterscheiden zwischen dogmatischer und bürgerlicher Toleranz. Dogmatische Toleranz. also die Anerkennung der objektiven inneren Wahrheit der anderen Hcligion, kennt die katholische Kirche nicht. Sie fordert von ihren Anhängern strikte Anerkennung des bindenden Dogmas, dessen Umfang allerdings viel geringer ist, als von den meisten angenommen wird. Hinsichtlich der bürgerlichen Toleranz begnügt sich die Kirche nicht mit dem blohen „Tolerieren". d. „Dulden" der Andersgläubigen, sondern fordert brüderliche Liebe zu ihnen. Der Antisemitismus aber oerstötzt grundsätzlich geigen dieses Hochgebot der Nächstenliebe. Deshalb verwirft ihn die Kirche. Die deutschen Katholiken schätzen die Verdienste der jüdi scheu Mitbiirger und treten für ihre Gleichberechtigung ein. Mit der Behauptung von der angeblichen wirtschaftlichen Herrschaft der Juden stellh sich der Antisemitismüs nur ein Armutszeugnis aus. Wenn mafi der Konkurrenz nur dadurch beikommen kann, datz man ihr dcjn Schädel einschlägt, dann mutz es mit der eigenen Tüchtigkeit^. Intelligenz und dem eigenen Fleiß, nicht gut bestellt sein! In der alluinspannenden Organisation der katholischen Kirche hat sich natürlich im Laufe der fast 2000 Jahre ihrer Erislenz auch manche stimme gegen das Judentum vernehme» lassen. Diese Ausnahmen ändern aber nichts an der Regel, datz die katholische Kirche und die Katholiken den Juden Achtung und Liebe entge^enbringen. Nur so können wir an einer beste rcn Zukunft de^ Vaterlandes arbeiten, Gott zur Ehre. Deutsch land zuin Heil. > lAnhaltender stürmischer Beifalls ' U n i v e r s i t ü I s p r o f e s^ o r Geh. K o n s i st o r i a l - rat D. T r. h. c. B a u m g a r t e n - K ie l, verwirft den im Antisemitismus .jum Ausdruck k^nmenden Chauvinismus. Chauvinismus ist unheutsch. wir haben nicht einmal ein entsprechendes deutsches Ljort für solche Gesinnung. Vergötterung der eigenen Art und Herabwürdigung der anderen Art sind deutschem Wesen fr^md. Mit dem Rassenaberglauben und dem Rassenterror muß aufgeräumt n»erden. Was wir am Iudentunt als fremd empfinden, ist eine Wirkung der eigentümlichen Geschichte der Juden, ihre jahrhundertelange Bedrückung, für die sic nicht oerantwprtlich sind. Mancher Antisemit hat wohl ideale Motive: aber esj sind falsch verstandene Ideale, es sind falsche Schlüsse einer irrsinnigen Verallgemeinerung, es sind Irrtümer. von denen sich d!as Volk eines Goethe.und Schiller, eines Herder und Kant stjei halten sollte. Es ist unverträglich mit dem reichen Erbteil dhr Deutschen an Geist, und Gemüt, den jüdischen Mitbürger lediglich als Exponenten seiner Leiblichkeit zu bq handeln und sog^r jüdische Kinder brutak von der Genieinschast der Deutschen aaszuschtießen. Wir empfinden es deingegenüber^ als heilige Pflicht. die Persönlichkeit jedes ein.zelnen für sich zu achten und vor ungerechter Verachtung zu schützen. Deutsch' sei» ist nicht eine Sache der sogenannten Rasse, überhaupt nicht die eines äußere» physischen Erbteils, sondern es ist Sache der Teilhastigkeit an der!deutschen Geistesgeschichlc, an deutschen» Wese». Das inhumane, Ungerechte, selbstüberheblichc Wesen der Anti semiten ist.Zeichen ärgster Unkultur, nicht deutschen Wesens. Hier hilft — beij allem Einsühlen in antisemitische Denkart — nur hartes und "strenges Ausschneiden dieses Fremdkörpers in unferm Volk. — / Auch als EI) r i ft e lMumnen wir di« Verachtung und Verfolgung der Juden nicht'mitmachen. Wohl empfinden wir das talmudifchc Judentum größtenteils als etwas uns Wesensfrem des, da wir im Gegensatz zu der überstarken Bewertung strengster Gesetzlichkeit alles Gewicht auf die Gnade legen. Aber wir wissen, datz der Gründer unserer Religion ein Jude war und auf dem alten Bund aufbaute. Der große Apostel, der keine Liebe achtet, als die. di« mit der Wahrheit im Bunde ist, und keine Wahrheit, als die mit der Liebe verbundene, mutz unser Vorbild sein. Wahre Herzenskultur fängt erst da an, wo man demütig und bescheiden von seiner eigenen Art denkt und ein fühlendes Verständnis hat für die Art des anderen. Wir wollen lieben und achten und heben und bessern die jüdische wie die deutsche wie die christliche Art. Nur so können wir die Ehre gewinnen, die auch dieser Krieg uns nicht genommen hat. (Starker, anhaltender Beifall.j Pfarrer T r i b u k a i t - Dortmund konnte die ohne jede Störung verlaufene eindrucksvolle Kundgebung schließen mit Worten herzlichen Dankes an die auswärtigen Redner, die vor der Bevölkerung Dortmunds das Programm und die Arbeitsmethode des Abwehrvereins dargelegt hatten. Dom ersten preuhifchen jüdischen Leutnant Ja de» Freiheitskriege» Bei der Vielseitigkeit, welche der Verein „Jüdisches Museum Breslau" in seiner Ausstellung vom 3. Februar bis 17. März d. I. brachte, wird im Katalog unter Nr. 113 auch eine Photographie des Grabdenkmals des ersten jüdischen Leutnants gebracht. Meier Hülsbach wurde am 2. Mai 1813 in der Schlacht bei Grvtzgörschen tödlich verwundet und ruht in Breslau ans dem Friedhof in der Klassenstraße. Ueber seinen Tod berichtet der Katalog nach der „Schlesischen Zeitung" vom 10. Mai 1813: „Zu den heldenmütigen Streitern am Tage bei Lützen gehörte nach dem allgemeinen Zeugnisse in einem vorzüglichen Sinne der Studiosus Meier Hilsbach, welcher im Iägerdetachement der Iägcrgarde die heiliae Sache des Vaterlandes nach seiner ganzen Kraft zu verteidigen gc- , sonnen war. Seine männliche Eemütsstimmung, die Kraft der Seele, selbst in der größten Gefahr der ruhigen Ueber legung fähig zu bleiben, verbunden mit Liebe für König und Reich, ließen von ihm etwas Vorzügliches erwarten! Diese Hoffnung hat er nickt getäuscht. Er ist im heißesten Kampf ein Vorbild seiner Mitstreiter gewesen, er hat sich ihre Bewunderung, ihre höchste Achtung erworben. Dreimal verwundet, hat er das Schlachtfeld noch nicht oerlassen, erst später, als er einen Todesstoß auf die Brust erhielt, führten ihn seine Freunde aus dem Getümmel. Doch war ihm nicht bestimmt, im Kreise der Seinigen Erquickung bei seinen Schmerzen und die Ehre seiner Taten zu genießen, er starb mit männlicher Fassung auf dem Wege hierher, nur sein Leichnam ruht bei uns. Das Andenken an ihn wird in Liebe und in Bewunderung fortdauern. Sehne Glaubens genossen, aus deren Mitte er vor allen andereit auf den Ruf feines Königs unter die Baterlandsfahne trat, mögen es dankbar erkennen, daß sein Beispiel manche Zweifel beseitigte und ihren Jünglingen ein herrliches Muster aufstellte." Es wäre für den RjF. eine dankenswerte Aufgabe, die Gräber der Feldzugsteilnehmer an den Freiheitskriegen zu erhalten. soweit dies noch möglich ist. Das dritte Geschlecht weiß ja selten von seinen Borsahern, die in jener großen Zeit ihrem Vaterlande gedient haben. Im ehemaligen Kurhessen sind ihre Name», in den Kirchen und Synagogen angebracht. -- L. Horwitz, Kassel. MendelsfohN'Feier in Dessau Aus Dessau wird gemeldet: ' Die Zweihundertjahrfeier des Geburtstages von Moses Mendelssohn, der am 6. September 1729 in Dessau geboren wurde, wird von seiner Vaterstadt in würdiger Weise begangen werden. Geplant sind eine gottesdienstliche Feier der jüdischen Gemeinde am Sonnabend, den 7. September, und eine von der Stadt Dessau und dem anhaltischen Staate gemeinsam veranstaltete öffentliche Feier am Sonntag, den 8. September. Ferner ist-,eine Mendelssohn-Ausstellung in Aussicht genommen. t

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.