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Der Schild · 1929-05-10 · 19 (10.5.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
19 (10.5.1929)
Date
1929-05-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Pfarrer Tribukait, der Borsitzende der Dortmunder Ortsgruppe, gab in seiner Begrüßungsansprache der Hoffnung Ausdruck, daß zwischen ehrlich nach Wahrheit und Recht suchenden Menschen auch in der Judenfrage eine Brücke der Ver - ständigung zu sinden sein müsse. Der Antisemitismus kann heute zwar unfern jüdischen Mitbürgern nicht mehr die bürgerliche Gleichberechtigung rauben, aber er ist ungerecht, unchristlich und kulturfeindlich in der Aechtung. Verunglimpsung und Verleumdung, der er die Juden aussetzt. Gefährlich und häßlich ist die Suche nach einem Prügelknaben, wenn ein Volk mit oder ohne Schuld ins Unglück kam, und vielleicht begreiflich, aber doch fälsch ist es, in der Verbitterung über die Demütigung des Vaterlandes durch die Feinde nun erst recht die eigene Art zu übertreiben und zu vergöttern. Der öffentlichen Lllgenagitation des Antisemitismus muß die öffentliche Ausklärung entgegengehalten werden. Kampf hat immer nur als Abwehrkampf eine sittliche Berechtigung. Wir führen ihn. nicht um unserer jüdischen Mitbürger willen, sondern zur Veredelung unseres Volkes. Wahre Humanität ist die beste Vaterlandsliebe. Tribukait schloß mit dem Sophokles- Wort: „Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Der Vorsitzende des Gesamtvereins, Reichsminister a. D. G o t h e i n führte aus, daß in den ersten drei Vierteln des vorigen Jahrhunderts sich kein Antisemitismus zeigte: er kam als Folge der schlimmen Gründerzeit, wo man in den Juden die Schuldigen suchte, obwohl an dem Gründerschwindel nicht ivenige hohe Adlige und Beamte beteiligt waren, andererseits gerade der Jude L a s k e r. der erste Rufer zum Kampf gegen die unhaltbaren Zustände war. Diesen beginnenden Antisemitismus trieb nun S t o e ck e r nach dem Fiasko seines Kampfes gegen die Sozialdemokratie weiter: die verfassungsmäßige Gleichberechtigung wurde durch die Verwaltung illusorisch gemacht, eine wüste Hetze entstand. Aber ganz merkwürdig war. wie die Taufe den Juden von allen weiteren Verunglimpfungen entheben konnte: solcher Mißbrauch der Taufe war unerhört. Damals gründete Rudolf von Gneist mit Heinrich R i ck e r t. Theodor M o m m s e n. Theodor Barth. Franz von Liszt, von Hering, Gustav Frey tag, Hermann Sudermann usw. den Äbwehrverein. Rach dem Abebben der Stoeckerzeit brachte der verloriene eine neut^ antisemitische Welle. Gerade jene Kreise, die mit ihren überspannten Annektionsforderungen die rechtzeitige Liquidierung des Krieges verhindert hatten, such ten nun einen Sündenbock und erneuerten die Methoden-des. finsteren Mittelalters: „Der Jude ist schuld." Vergessen war, was jüdische Deutsche zur Entwicklung der deutschen Kultur bei getragen hatten: vergesien warV daß diedeutschen-Iuden das Blutopfer von 12 l>VV Gefallenen gebracht hatten. Man beschimpfte in roher Herzlosigkeit die Angehörigen dieser jüdischen Kriegsopfer und wollte ihnen ihr Deutsch tum abfprechen. Die wissenschaftlich noch gänzlich ungeklärte Rassenfrage wurde ausgobeutet; dabei gibt es weder eine rein deutsche Rasse noch eine rein jüdische; beide sind Mischrassen. Unsinnig sind die Verallgemeinerungen des Antisemitismus, die wie immer ein falsches und verzerrtes Bild ergeben. Wir soll ten uns daran erinnern, wie schwer wir Deutsche selbst unter dem Haß und der Mißachtung der Kriegszeit gelitten haben: wir sollten uns bewußt fein, daß wir jetzt moralische Eroberun-. gen in der Welt machen müssen und uns nicht auf die Kultur stufe des Mittelalters oder des früheren Rußland stellen dürfen: wir sollten danach streben, alle Volksgenossen zur Mitarbeit am Wiederaufbau heranzuziehen. Die Juden find deutsch, denn „deutsch" ist kein Rasse- oder Religionsbegrisf: deutsch ist viel mehr, wer deutsch als Muttersprache spricht, wer an deutscher Kultur mitarheitet, deutsch empfindet and sür des deutschen Vaterlandes Wohl sein Leben find Gut einsetzt. Ter Abwehr- “ Kampf will, daß der Jude nach der Maxime Kants seinem Persönlichkeitswert nach behandelt und nicht herabgewiirdigt werde durch unwahre Verdächtigungen, gegen die wir mit. den Mitteln der Aufklärung ankämpsen gemäß dem Bibelwort: „Die Wahrheit wird euch frei machen!" (Starker aithyltender Beifall.) Prof. Dr. theol. Earl-Maria Käufmann-Frank furt a. M. sprach über das.Thema: „Katholizismus und Judentum." Er ging aus von den doginatischen Unterschei- Familien« Anzeigen starken den „ Gemeinschaftssinn. Daher gehören sie in den „Schild"!

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