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Der Schild · 1929-05-03 · 18 (3.5.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
18 (3.5.1929)
Date
1929-05-03
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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schäften der Brüder mit weiblicher Anmut vereint. Ein jüngerer Bruder Manfreds besucht die Obertertia an der gleichen Lehr anstatt, die der Bruder mit solcher Aus,Zeichnung verlies,. Der Vater ist'», der mir von seinen Kindern erzählt. Er lnl es schlicht und mit Zurückhaltung, die jedoch den Baterstolz nicht zu leugnen vermag. Spricht er über Manfred, der am 20. Ch tober 1011 geboren ist, so denkt er wohl über die Ereignisse der letzten Monate nach, denn seine Augen leuchten, und fliehend spricht er über die Jugend des Sohnes, der -schon in der Volks schule ein Borzugsschüler war und auf dem Gymnasium bald Primus wurde, um es zu bleiben. * ‘ Manfred kommt. Ein junger Mensch, dem Vater gleich — nur fehlt ihm der Vollbart, der dem Rabbiner dasi patriarchale Gepräge verleiht. Schlicht, doch voller Offenheit und Freimut berichtet er über sein Studium. Niemals fiel es ihm schwer — „intuitiv erfaßte er seine Aufgaben und niemals muhte ich während der ganzen Schulzeit Manfreds helfend eingreise»". > sagte der Vater —, in der Schule zu folgen. „Geochst haoe ich J eigentlich nie", sagt Manfred,' „ich hatte übrigens wenig Zeit I dazu." In der Tat, die schönen Kilnste und vor allem Musik j brachte» ihm Ablenkung. Frühzeitig erkannte er den Wert der Jugendbewegung uno jo wurde er, selber noch Jugendlicher, Iugendführer unter Gleich gesinnten. Mil Bedauern berichtet er-von einer Spaltung auch in der israelitischen Jugendbewegung! doch stolz erzählt er von der machtvollen Entwicklung der ihm nahestehenden Bewegung, heroorgegangen aus der Grundlage des Glaubens feines Volkes und aus der Liebe zum deutschen Vaterland. * Das ist der Eindruck aus chem Haufe des Lberrabbiners Dr. Altmann in Trier, den der Chronist im Sinne des Familienhauptes mit inöglichster Zurückhaltung ohne Einschränkung des freundiichst gewährten Einblickes vermittelt. Er tut es um so lieber, als diese schöne deutsche Familie zur Nacheiferung anregt. Der Jugend mag Manfred Altmiutn ein Beispiel sein: „Tie Schulzeit und das Lernen waren mir 'stein Zwang. Ich lernte gern, ich betrachtete das Studium als eine Notwendigkeit und Pflicht" ivaren feine Abschiedsivorte. - Regensburg feiert 10 Jahre RjF. Abwehr und Aufbau Bon Kam. Dr. Wilhelm Straub, 1. Vors, der Ortsgruppe. -; '■_» Am 14. April fand im „Parkhotel Maximilian" die Feier des zehnjährigen Bestehens unseres Bundes statt. Nachdem der Erste Vorsitzende in seinen einleitenden Worten kurz auf die Bedeutung der Feier und der damit verbundenen Siedlungsaktion hingewiesen hatte, hielt Dr. Franz Gutmann, München, der Vorsitzende des Bayerischen Siedlungsausschusses, einen Vortrag über „Siedlung und Berufsumschichtung — die Lebensfrage des Judentums." Er wies an Hand eines umfangreichen, erschütternden Zahlenmaterials nach, wie stark der Zustrom der Juden in die sGrohstadt ist, wie sie dort selbst kulturell und sozial den gröhten Gefahren ausgefetzt sind, wie beispielsweise in Berlin die Selbstmorde von Juden die doppelte Höhe von denen der Protestanten ergeben. Es ist nicht zu leugnen, dah die Proletarisierung der Juden in der Grohstadt immer weitere Fortschritte macht und dah das deutsche Judentum in nicht allzuferner Zeit in seinem Bestände bedroht erscheint, wenn es nicht gelänge, einen Teil von ihm auf das Land zurückzuführen und in der Landwirtschaft und dem >Handwerk ein neues Reservoir zu bilden. Kamerad Dr. G u t m a n n hob hervor, dah die Juden, die doch schon früher mit der Bebauung von Grund und Boden vertraut waren, besonders in Uebersee, in Ruhland, Polen, der Ukraine und Palästina sich als Siedler sehr gut bewährten, warum sollten nicht auch die deutschen Juden für diese Berufe geeignet sein! - Der Redner schilderte die Wege, die vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten zur Siedlung beschritten wurden, und gab der Hoffnung Ausdruck, dah im Zusammenarbeiten mit allen jüdischen Organisationen bald ein grohes Lehrgut geschaffen werden könne, das als Ausbildungsstätte den Grundstock der kommenden Siedlung bilden möge. Er sprach im einzelnen von den Plänen der „Jüdischen Landarbeit G. m. b. H." und von den bisher in Bayern unternommenen Schritten, insbesondere von der Errichtung des Bayerischen Siedlungsausschusses und der von ihm in die Wege geleiteten Enquete zur Feststellung der in Landwirtschaft und Handwerk noch tätigen jüdischen Personen. Die zahlreiche Versammlung war den Ausführungen mit gröhter Aufmerksamkeit gefolgt und bewies durch fast vollzähligen Beitritt zum Reichsbund für jüdische Siedlung ihr gröhtes Jntereffe an der Angelegenheit. Wir hoffen, dah auch in anderen Städten ein frischer Zug in die Siedlung hineinkommen möge, und werden keine Opfer scheuen, auch an unserem Platze weiter hierfür tätig zu sein. Rach kurzer Pause begann der 1. Vorsitzende seine Festrede zum Hauptzweck des Abends. Er führte aus, dah sich an solchen Tagen die Erinnerung an die Zeiten vor 10 Jahren, die zur Gründung des Bundes führten, aufdränge. Kurz wurden die damaligen Vorgänge geschildert, die den Juden zum Sündenbock für alle» Geschehene machen wollten. Die auch heute noch nicht ausgerotteten Vorwürfe der Drückebergerei im Kriege, der wirtschaftlichen Ausbeutung des Volkes durch die Juden u. a. m. wurden scharf gekennzeichnet und energisch zurückgewiesen. Ferner wurde das neueste Ritualmordmärchen (Manau bei Hosheim) an den Pranger gestellt. Der Redner wie» dann auf dt» bisherigen Erfolge der Arbeit de» RjF. hin, insbesondere auf dem Gebiete des Sports, der Siedlung und der sozialen Fürsorge, ferner auf die Veröffentlichungen (Fliegerbuch von Dr. Theilhaber: „Haben die Juden in Bayer» ein Heimatrecht?" von Rabbiner Dr. Eckstein, Münchner Ge sallenen-Gedenkbuch usw.j. Aus den bisherigen Erfolgen schöpfte eil die Hoffnung, dah unsere gute Sache bei allseitiger Mit arbeit endlich wieder zur wirtschaftiichen und gesellschaftliche» Gleichberechtigung der Juden unter Beseitigung der „Schuld lügen" führen wird, damit wir später aus einem Kampfbund ein Friedensbund werde». Dann werden wir wieder Freude im Berufs- und Wirtschaftsleben, Freude an politischer und sozialer Betätigung erleben, und die überaus wertvollen, iiy Judentum vorhandenen intellektuellen und materiellen Kräfte können fürs ganze deutsche Volk nutzbar gemacht werden., - Doch nicht vergessen dürfen wir bei jeder Feier der Trauer um unsere gefallene.» Kameraden, die durch ihren Opfertod für uns im Kampfe gegen die völkischen Verleumdungen die stärkste Stütze bilden. Die'Versammlung erhob sich zum Andenken an unsere 12 000 Gefallenen von dxn Sitzen. . . . Hierauf erfolgte die Ernennung des Gründungsvorsitzendcn, des Kameraden Nathan-I a c o b, der über 7 Jahre mannhaft und geschickt die Ortsgruppe geleitet hatte, zum Ehrenmitglied. Der Erste Vorsitzende überreichte ihm ein Künstlers'' hervorragend ausgeführtes Ehrendiplom, / ivorauf die Festrede mit einem „H och!" auf den RjF. ihr -Ende fand. Nach kurzen Dankesworten unseres ersten Ehrenmitgiiedes begann der Unterhaltungsteil, den eine große Anzahl von Kameraden und Freunden beiderlei Geschlechts aus der Ge meinde mit meist ernsten Vorträgen bestritt, die sich teilweise auf den Zweck der Feier bezogen, teilweise auch allgemeinen Inhalt hatten. Vorzüglich^ Gesänge und hochkünstlerische Musik stücke wechselten mit Poesie und Prosa ab. Den Abschluß bildeten einige humoristische Vorträge. So bildete dieser aus allen Kreisen der jüdischen Kultusgemeinde Regensburg sehr gut be suchte Abend, zu dem die Borstandschaften der israelitischen Kultusgemeinde und' fast aller jüdischen Vereine politischer, sozialer und gesellschaftlicher Art erschienen waren, eine kraft volle Kundgebung für die Ziele des RjF., insbesondere für den Siedlungsgedanken. Landesverband Württemberg-Hohenzolleru Wir setzen hier die Entwicklungsgeschichte der einzelnen Landesverbände fort. In Württemberg wurde anläßlich der Einweihung des Gesailenen-Denkmals auf dem jüdischen Friedhof in Ulm erstmals eine Ortsgruppe des RjF. gegründet, und zwar die Ortsgruppe Ulm. Ihr traten schön damals, mit wenigen Ausnahmen sämtliche ehemaligen Frontsoldaten Ulms bei. Das war im November ISA). Wenige Monate danach fand in Ulm die konstitu irrende Versammlung unseres Landesverbandes statt, der sehr bald 19 Ortsgruppen zählte, nämlich Stuttgart, Ulm, Heilbronn, Göppingen, Rexingen, Laupheim, Buchau, Mergentheim, Haiger loch-Hechingen, Crailsheim, Oberdorf-Bopfingen, Horb. Butten hausen, Mühringen, Baisingen, Niederstetten, Berlichingen und zuletzt Gmünd und Oehringen. . Berlichingen und Niederstetten lösten sich in der Folge als selbständige Ortsgruppen wieder auf. weil durch Wegzug nur noch eine verschwindende Anzahl von 149

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