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Der Schild · 1929-05-03 · 18 (3.5.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
18 (3.5.1929)
Date
1929-05-03
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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f>nrf nicht unverteidigt in fremde Hand Ir v in in c n . . Und dann setzte einer van ihnen nach plump hinzu, ivic um keinen Verdacht romantischen Idealismus auf- D kommen zu lassen: „Uebrigens ist es noch gar nicht sicher, daß sich nicht auch dieser Platz von 12 Mann gegen die Araber halten kann in Tel Chaj und in Metullah haben wir es doch getroffen . . •' . Und die ganze, ungeheure Sicherheit der Juden Palästinas auf ihren eigenen Mut und auf die militärische Unfähigkeit der Araber sprach aus diesen prahlenden ' Worten. Die gar nicht so prahlend waren, als sie klingen. * Denn, und dies ist die zweite Geschichte, die ich dazu zu erzählen habe - ein paar Jahre später, im Sommer 11125, fuhr ich inS^iauptquarticr der Drusischen Aufständischen. in den Tjebel Druz. aus dem eben die Franzosen hinausgeworfen wären. Die Drusen - wenn ich über diese Heldenrasse zu sprechen hätte, würden meine Worte zum Gesang werden: kein mutigeres Volk gibt es heute, als diese Krieger der Wüste, die kaum 60 000 Seelen, kaum 25 000 Krieger stark sich von Islam und Christentum gleich fern imö frei gehalten haben und die allein, ohne Verbündeten. den Kampf gegen Frankreichs Armeen aufnahmen und ihnen schwere Niederlagen zufügten. Ohne Artillerie, ohne Automobile, ohne Flieger . . . Im Hauptquartier wurue ich von einem der Vetter des Rebellenführers, Sultan Pascha el Atrasch, ausgefragt. „Wo ist Dein Revolver", fragte mich Nassib Beg el Atrasch. „Ich habe keinen," antwortete ich. „Also zeige mir Deine Pistole." forderte er. Ich hatte auch keine Pistole, auch keine Flinte mit. „Wie wagst Du es, ohne Waffen ins Trusenland zu kommen, wenn hier Krieg ist'-'" erkundigte sich der Beg mißtrauisch. „Zu ivelchem Volk gehörst Du denn?" „Ich bin ein Jude aus Palästina." antwortete ich ein wenig diplomatisch, denn ich wollte nicht, daß meine Stellung als deutscher Korrespondent zu rasch den Franzosen, die hier ihre Unterhändler hatten, bekannt würde. Aber der Beg war zufrieden. „Ein Jude — otz, ich kenne die Juden, ich weiß, daß sie gute Krieger sind, besser als die Franzosen. Im Jahre 1920 habe ich die Juden in Metullah belagert; ich hatte 400 oder 500 Araber unter mir, und die Juden waren nur 12 Gewehre stark, aber wir konnten Metullah nicht einnehmen, und nach acht Tagen kamen die Franzosen und wir mußten abziehen. Halte ich damals Trusen gehabt, wäre es ja etwas anderes gewesen, aber es sind tapfere Krieger. Ich kenne sie ..." Das mar das Urteil des Drusenhäuptlings. Und das Beste daran war. daß die Juden nicht 12 Mann, sondern nur acht Mann stark gewesen sind, damals, in Metullah, als Trumpeldor von seiner schwachen Schar, die in Tel Chaj verschanzt lag, noch eine Handvoll Arbeiter nach Metullah schickte, der nördlichsten Kolonie Palästinas, damit auch dieses Dorf nicht unverteidigt falle. Um der Ehre des jüdischen Namens willen. Und während im Europa der Nachkriegszeit Ehre und Name als lächerlich und überholt gilt, bei Jude und Nichljude, erleben in Palästina diese unwägbaren Begriffe ihre Auferstehung. Und dort ersteht auch der Tvous des mutigen Juden — dem man seinen Mut so glaubt, daß er gar nicht erst bewiesen werden muss. Dessen ^ut selbstverständlich geworden ist . . * Wozu der Skeptiker sagen könnte, dies sei erklärlich. Denn nur in Palästina kämpfe ja der moderne Jude mit dem Rücken gegen die Wand könne gar nicht zurück, auch wenn er wolle. Sei es. Und vieleicht ist dies die tiefste Bedeutung des Mutes: daß er dann am natürlichsten und schönsten ist. wenn der Kämpfer den Rücken an der geliebten Wand der geliebten Heimat spürt. Wie die Juden in Metullah und am Jordan. Manfred Altmanu-Trier Der 17jiihrtg« Schubert-Redner. „Im November 1928 bat der Oberstudiendirektor des Hindenburg-Gymnasium» zu Trier (Mosel) den Oberrabbiner Dr. Ad. Ältmann zu sich. Lr teilte ihm mit, daß das Lehrerkollegium einstimmig de schlossen habe, seinen Sohn, den Unterprimaner Manfred Altmann, in die Oberprima zu versetze» und ihn zu den bevorstehenden Reifeprüfungen zu zulasscn. Ältmann bestand die Abschlußprüfung glänzend, in allen Fächern zeichnete er sich ans." Das war ungefähr der Wortlaut einer Meldung, die von den Trierifchen Tageszeitungen veröffentlicht wurde. * Dieser ungewöhnliche Vorgang im deutschen Schulwesen im allgemeinen und in der Gestaltung eines Einzelschicksals wäre sicherlich nicht so in die Oeffentlichkeit gedrungen, wenn nicht zwei Ereignisse, die voneinander ganz unabhängig sind, eingetreten wären, die ungewollt und unvorhergesehen die Blicke weiter Kreise auf den jungen begabten Trierer Gymnasiasten lenkten. * Kurz nach der Versetzung Manfred Altmanns in die Ober prima, die vom Provinzial/chulkollegium auf Grund der Gut achten der Lehrer befürwortet und vom preutzifchen Kultus Ministerium genehmigt wurde, fand in der Lehranstalt eine Schubert-Feier statt. Unter 800 Schülern wurde Manfred Alt' mann bestimmt, die Schubert-Gedenkrede zu halten. Der Abend wurde den Teilnehmern zum Erlebnis; die Tiefe des Vortrages die glänzende Rhetorik und die begeisterte Hingabe des jungen Redners, die zugleich auch eine große Liebe zur Musik und ein starkes Verständnis für das Wesen des Meisters verrieten, ließen die Zuhörer aufhorchen. * Schon wenige Tage nach dem Vortrage äußerte sich der Deutschlehrer Manfred Altmanns dem Vater gegenüber, er werde dem Jungen unbedenklich eine hervorragende Rote bei der Prüfung geben können. Noch eine andere Wirkung halte der Vortrag. Zunächst waren es die Intellektuellen der Stadt, die das Ereignis besprachen, dann kamen Briese von Unbekannten aus allen Teilen des Reiches und Oesterreichs. Der kleine Kreis der Unterrichteten hatte sich sehr schnell erweitert. In kurzer Zeit hatte der Schriftwechsel der Wissenden die Fachkreise aufmerksam gemacht. * All das spielte sich unter Ausschluß der großen Oeffentlichkeit ab. Das rege Interesse, das anfangs bekundet wurde, hatte sich in ruhigere Bahnen gelenkt, und in Trier, der engeren Heimat des begabten Schülers, hatte man die Sache schon fast vergessen, als die Nachricht verbreitet wurde, daß dem Unter Primaner Franz Kirchheimer in Gießen auf Veranlassung des hessischen Kultusministeriums das Reifezeugnis seiner Lehr anstatt verliehen wurde. Kine Aufsehen erregende und bedeutende Arbeit über Paläobotanik war Ursache und Grund. Diese Nachricht mußte auch die Anteilnahme für Manfred Altmann wieder erwecken. Ich sitze dem Geistlichen der Israelitischen Gemeinde in Trier, Lberrabbiner Dr. A. Altmann, in seinem Arbeitszimmer gegenüber. Die zahlreichen Bücherregale, die schlichte Ausstattung des Raumes, der mächtige Schreibtisch und nicht zuletzt das Wesen des Geistlichen verraten auch dem, der es nicht weiß, den Gelehrten und Forscher. Weder Schmeichelei noch Hervorhebung veranlassen zu diesem Hinweis. Dr. Altmann ist einer der ersten und bedeutendsten Orientologen. Und wie in Gelehrtenkreisen seine Verbundenheit mit dem Vaterland und sein großes Wissen geschätzt werden, mag daraus hervorgehen, daß er als einziger Rabbiner herangezogen wurde, um in dem großen Werke „Deutsche Köpfe der Gegenwart über Deutschlands Zukunft" mitzuwirken und seine Auffassung zu offenbaren. * Das ist der Vater Manfreds. Seine Mutter ist nicht nur die Verwalterin des Hauses, die dem Gatten zur Sttte steht. Sie ist die feinsinnige, kunstliebepde Frau und Erzieherin, die ihren 5 Kindern Wegweiserin ist und in ihnen den Vaterglauben stärkt und die Liebe und das Verständnis für das Schöne und Geistige weckt. Erwähnt sei in diesem Zusammenhänge noch das festoerwurzelte Glaubensbekenntnis, das von den Eltern auf die Kinder überging. Diese Voraussetzungen schufen die Bahn der Entwicklung für die Altmannschen Kinder — und keines enttäuschte, wie wir weiter erfahren werden. Der älteste Sohn studiert in Berlin und gilt schon heute im Rabbinat als hervorragender Redner und guter Schriftsteller,' der zweite Sohn, ebenfalls ein guter Schüler, studiert die Rechtswissenschaften. Es folgt eine Schwester, die die geistigen Eigeni 148

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