Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 18 (3.5.1929)
- Date
- 1929-05-03
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4911661-5448526-5449093--2166-4913581- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Typus auf. 10 Prozent hatten eine Adlernase. .'»« Prozent der Ostiuden hatten dunkle Augen. 42. Helle, drei Prozent ivaren rothaarig, 87 Prozent dunkelhaarig und 30 Prozent hat len blondes Haar und blaue Augen. Dr. Lohn-Guben bezeichnete das jüdische Gesicht als ein anthropologisches Bilderbuch, aus dem die Mischung des jüdischen Volkes mit anderen Völkern, mit denen die Juden besonders im Altertum häufig Mischehen eingegangen sind, er kannt werden kann. Sehr stark ist bei den Juden Armenier blut vertreten. Die Sefardim zeigen im Gegensatz zu den Asch kenasim mehr den Herrentyp. Was das jüdische Gesicht besonders kennzeichnet, ist iveniger der Bau als der Ausdruck und die Mimik. Tic Art her Mimik ist.sowohl angeboren wie »achgemacht und gewollt. Die gewoslte Mimik ist entstanden durch äußere Umstände, die auch in Deutschland durch die Kriegs und Nachkriegsnot den Ausdruck der Menschen veränderte. So haben auch die jahrhundertelangen Verfolgungen der Juden den Ausdruck des jüdischen Gesichtes gestempelt und Leid, hohe sittliche Kraft und Gottergebenheit in den Gesichtern ausgeprägt, wie es Rembrandt in seinen Bildern jüdischer Einwohner Amsterdams so sprechend dargestellt hat. ' - I.i. Der Mut der Juden Von Dr. Wolfgang von Welsl. (Copyrisrlit hy ,1. T. A., London.) Uralte Väterweisheit aus den Zeiten,, da sich der Jude noch «entschuldigen" wollte, ohne Schuld zu fühlen, wehrte den Vorwurf der Feigheit, gegen Juden verallgesneinert, ebenso allgemein ab: es gäbe einen passiven Mut, den Mut des Leidens — jeder, der seine Zugehörigkeit zum jüdischen Volk bekenne, hieß es damals, hieß es noch vor fünfzehn Jahren, beweise seinen Mut des ctragens und des Leidens. Denn Mut gehöre dazu, jlch zu einer verfolgten oder verschmähten Minderheit zu bekennen, wenn der Weg des Abfalls leicht sei und die Tore in die Außenwelt weit offen stünden. Gewiß, es gehörte Mut dazu, Jude zu bleiben. Weniger vielleicht, als oft behauptet wird, denn die Tore in die Außenwelt standen durchaus nicht immer offen, und das Los des abtrünnigen Juden war nicht immer angenehmer als das des Bekenners. Aber dennoch: eine passiv mutige Elite hat sich erhalten; in Rußland und in SUdarabien, in den Bergen Abessiniens und den Schlachtfeldern der Ghettos zur Kreuzfahrerzeit gehörte Mut dazu, den Namen des Gottes Israels zu verherrlichen. Trotzdem — immer wieder kriecht gerade in Mitteleuropa, gerade in Deutschland, Frankreich und Ungarn der Vorwurf der „Feigheit" an die Juden heran. Während des Krieges . . . tausendundein Witz bespöttelten den mangelnden Soldatenmut der Israeliten, auch wenn tausendundeine Heldentat die Witze Lügen straften. Jeder von uns kannte damals Juden, die der Möglichkeit einer halbwegs sicheren Verwendung im Etappen¬ oder Sanitätsdienst auswichen, sich freiwillig an die Front oder zur Kampftruppe meldeten, nur „um zu zeigen, daß die Juden sich nicht fürchten". Und jeder weiß, wie wenig dieser Mut anerkannt wurde. Das Vorurteil blieb ... Blieb — in Mitteleuropa. Aber von anderen Ländern will ich erzählen, und anderen Juden. Von Juden, die dieses Borurteil im Sturm zerstört haben; die den „Mut der Juden" sprichwörtlich gemacht haben. Den Juden des neuen Palästinas. * Es ist ein eigentümlicher Menschenschlag, der hier dem Land und dem Volk seinen Typus aufprägt: der „Chaluz", der „Pionier", der zu vier Fünfteln aus Rußland kommt und die russische Verachtung gegenüber dem Leben in Reinkultur nach Palästina verpflanzt. „Das Leben ist der Güter höchstes nicht —“ ist hier so selbstverständlich geworden, daß beinahe die Frage ertaubt wäre, ob denn das Leben von diesen Idealisten des Klassenkampfes überhaupt noch als Gut betrachtet wird. Sicher als ein kleineres, als das- Land, das sie bebauen. Und von dem sie wissen, daß es ihnen heute oder morgen von den arabischen Nachbarn vielleicht mit den; Schwert streitig gemacht werden mag. Und so bereiten sich denn die Juden — die zu Englands Polizei ebensowenig blindes Zutrauen haben, wie zu seiner Politik — ganz leise und ganz systematisch darauf vor, nötigenfalls mit eigener Hand die eigene Scholle zu schützen. Bor einigen Jahren war diese Frage noch brennender als heute: die Ueberfälle des Mai 1921, wo die Araber Judäas versucht hätten, die großen Pflanzungskolonien zu überfallen, und nur im harten Kampf abgewehrt werden konnten, waren noch in frischer Erinnerung, und die Raufereien-der arabischen Fürsten an der Grenze Transjordaniens — Hussein und Abdallah gegen Ibn Saud — erweckte die Befürchtung, daß vielleicht arabische Horden den Jordan überschreiten und in Palästina einfallen könnten. . * Einige Arbeiterführer luden mich damals ein. mir die Lage der Grenzkolonien anzüsehen, und einen Verteidigungsplan, zu entwerfen, der die Kolonien so lange schützen solle, bis englisches Militärherbeigeholt worden wäre. Ich erfüllte diese Aufgabe, besuchte die Kolonien, kehrte zu den Arbeitern zurück und machte meine Vorschläge. „Bei der ersten Meldung vom Herannahen starker arabischer Abteilungen." riet ich, „muß die kleine s Kolonie TAZ. am Jordan sofort geräumt werden; die 12 Arbeiter dort ziehen sich raschestens nach dem Iudendorf NN. zurück, helfen dieses zuevakuieren und erwarten den Anmarsch der Araber in der Linie ABC..." Und so sprach ich weiter. Zeigte, wie die supponierte feindliche Truppe auf diese Weise zwischen zwei Zangen genommen würde, ihre Kavallerie nicht zur Geltung bringen könne und, mit etwas Glück, aufgerieben werden könne, noch ehe die Engländer kämen. Ich war^-ehxlich gestanden, etwas stolz auf die hübsche Lösung einer angesichts der kleinen Zahl von Gewehren, die von der Regierung den Kolonisten zugestanden war. schwierigen taktischen Aufgabe. Die Arbeiter hörten mich schweigend an. Höflich, aber ablehnend. Schließlich sagte einer von ihnen, ein alter Revolutionär, der schon in den Gefängnissen Rußlands und der Türkei sein Glaubensbekenntnis bewälfrt hatte, und der mit mir ungemein höflich sprach,- aus Furcht, mich zu verletzen: „Sehen Sie, Herr-von Weisl, Ihr Vorschlag ist undurchführbar. So richtig er auch vom theoretischen Standpunkt aus sein mag, den wir nicht zu beurteilen vermögen — Sie verstehen leider nicht die Psyche unserer Leute. Wir sind keine Soldaten, das dürfen Sie nicht vergessen. Man kann uns nicht sagen, wir sollen einen Platz räumen, weil die Araber anäreifen. Das wird kein Chaluz begreifen." > ' ' Ich ereiferte mich. Ich versuchte zu zeigen, daß doch die Annahme, die mir Vorgelegen habe, die war, daß transjordanische Beduinen in der Stärke von 3060 oder mehr Reitern über den Jordan ziehen -. . ., daß einer solchen Uebermacht gegenüber doch ein Posten von , 12 Mann unhaltbar sei,-während diese Leute an anderer Stelle von höchster Wichtigkeit wären. Die Arbeiter schüttelten die Köpfe. „Sie verstehen unsere Mentalität nicht," wiederholten sie. „Sie.können nicht von einem jüdischen Arbeiter verlangen, daß er sich angesichts des Arabers zurückzieht — das ist gegen unsere Ehre. Wir werden dort «den sterben, wenn es sein muß, aberwir werden uns nicht zurückziehen. Auch nicht aus taktischen Gründen. Unsere Erde 147