Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 18 (3.5.1929)
- Date
- 1929-05-03
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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bände und 36 Ortsgruppen verteilen. Also ßewiß eine große Entwicklung, die sich in stiller und emsiger Arbeit vollzog. Im Jahre 1907 rief der Jüdische Frauenbund in Neu- Isenburg bei Frankfurt am Main em Heim für sittlich gefährdete weibliche Jugend, für schwererziehbare Schulkinder, für schwangere Frauen und für Säuglinge ins Leben. Bor zwei Jahren eröffnet« er auf Grund einer Sammlung, die innerhalb einer Woche den ansehnlichen Betrag von 100 000 Mark ergab, in Wyk auf Föhr ein Heim für Kinder und weibliche Jugendliche, die von Tuberkulose bedroht sind. Ungefähr 60 Patienten können dort Aufnahme finden. Es soll in kurzem weiter ausgebaut werden. Eine dritte Institution des Bundes ist die Zentralstelle für Pflegestellenwesen und Adoptionsvermittlung in Elberfeld. Stärkung des jüdischen Gemeinschaftsbewutztseins, Förderung der sozialen und kulturellen Aufgaben im Leben der Frau, Förderung des Aufbaues in Palästina, Iugendwohlfahrtspflege usw. fordert die Satzung des Bundes. In allen Fragen jüdischer Politik und Religion macht er sich strengste Neutralität zum Gebote. Man sieht: die Arbeit des Bundes erstreckt sich über die verschiedensten Bezirke der Wohlfahrtspflege. Alle diese Bestrebungen werden auf der bevorstehenden Tagung Gegenstand von Referaten untr Verhandlungen sein. So wird z. B. Fräulejn Professor Dr. Selma Meyer- Düsseldorf über die bevölkerungspolitische Auf - gabe der jüdischen Frau referieren. Ten festlichen Auftakt des Jubiläums wird eine religiöse Feierlichkeit tm Berliner Logenhaus bilden, bei der Rabbiner Tr. Leo B a e ck die Ansprache hält. > laugen Le\vin-I>oi-s«-li. Professor Dr. Moritz Türk 70 Jahre Am 28. April d. I. vollendet.' Herr Professor Dr. Moritz.Türk. einer der Führer des liberalen Judentums in Deutschland und der Berliner Reformgemeinde. sein 7v. Lebensjahr. Professor Dr. Türk ist eine ausgeprägte Persönlichkeit des jüdischen öffentlichen Lebens und eine markante Figur in der geistigen Berliner Gesellschaft. Er verlebte seine Jugendzeit in Thorn. wo er Schüler von Prof. Horwitz war, und kam später nach Berlin, n'o er am Sophiengymnasium einer der ausgezeichnetsten Schü ler war. Er widmete sich dann dem Studium der klassischen Philologie und wirkte dann als Lehrer für Latein. Griechisch und Deutsch am Friedrich.Werder-Yymnasium, Nach einem einjährigen Aufenthalt in Paris erwarb er die Fakultas für Französisch, wirkte bis zu seinem 65. Lebensjahr als Studienrat. Seit Jahrzehnten steht Prof. Türk im Mittelpunkt des jüdischen'öffentlichen Leben Berlins, in das er von Prof. M. Schäfer eingeführt wurde. Er war Mitbegründer des deutsch-israelitischen Gemeindebundes, gehörte besten Ausschuß an und nahm besonders die jüdischen Erziehungsinteresten wahr. Später beteiligte er sich an der Gründung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden und ist stellvertretender Vorsitzender des Verbandsrates. Als Vorsitzender und Wortführer der liberalen Fraktion in der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin zeichnet sich Prof. Türk nicht allein durch eine glänzend« rednerische Begabung, sondern auch durch eine mit Geistesschärfe gepaarte Dornehmlichkeit aus. die auch aegnerischen Standpunkten das Verständnis nicht versagt. Prof. Türk hat eine viel beachtete Schrift über Males Mendelssohn rcröffentlicht. --- Die„Meteor-Medaille"fürVrof.Samoüowitsch Pros. Samoilowitsch, der Führer der Krassin-Rettungs expedition. erhielt von der Notgemeinschaft der Deutschen Wilsenschaft die Meteor-Medaille, die anläßlich der erfolgreichen Forschungsfahrt des deutschen Vermessungsschiffs „Meteor" gestiftet worden ist. Es ist das erstemal, daß einem ausländischen Gelehrten diese Auszeichnung zuteil .wird. In dem Begleitschreiben an Samoilowitsch gibt der Vorsitzende der Notgemeinschaft. Minister a. D. Schmidt-Ott, dem Wunsche Ausdruck, daß die Zusammenarbeit der deutschen und russischen Wissenschaft zur freundschaftlichen Annäherung der beiden Völler sühre» möge. Prof. Samoilowitsch hat vor kurzem in der Berliner Gesellschaft für Erdkunde über seine wistenschastlichen Beobachtungen auf seinen Fahrten im nördlichen Eismeer berichtet. Dem ..Krassin" gelang es. von Spitzbergen aus in 81 Grad 47 Minu tcn die höchste Breite zu erreichen, bis zu welcher ein Schiff in dieser Gegend vorgedrungen ist. Die Mitteilungen Samoilowitschs über die Meeresströmungen in der Arktis, die Landverhältniste ufw. werden in wistenschastlichen Kreisen als von fundamentaler Bedeutung angesehen. DaS jüdische Gesicht Phqflognomische Stutzten. Die Phvsiognomische Studiengesellschaft in Berlin veranstaltete kürzlich einen Vortragsabend tm Meister faal, auf dem Profestor Dr. Friedenthal, der Augenarz' Dr. C z e l l i tz e t und Dr. Cohn-Guben, der Vorsitzend der Gesellschaft, über das jüdische Gesicht sprachen. Friedenthu. ging bei seinem Vortrag von den Erbgesetzen aus, besten wicl tigstes lautet, daß Erbanlage und Umwelteinfluß die Konstit» tion, den Charakter, die Persönlichkeit und den Habitus de Menschen bedingen. Die Juden sind das brauchbarste Objek für physiognomische Studien, weil sie in Europa lange Zeit hin durch am wenigsten fremde Bestandteile in sich aufgenommei haben, während die übrige europäische Durchschnittsbevölkerun, durch die immerwährenden Kriege, durch Handel und Reisen der artig gemischt ist. daß wir nicht einmal bei unseren Haustierei derartig gemischte Individuen auffinden können wie bei der Mehrzahl der Menschen. Auch die Juden sind keineswegs im Sinne der Erblehre als reinrassig zu bezeichnen. Don einem Gegensatz zwischen der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung in Europa kann man nur da reden, wo die Juden, in Ghettos abgeschlosten, besonderen Umwelteinflüssen unterworfen waren während es keinem Beobachter sonst möglich ist. mit Sicherheit Iudenstämmigkeit aus der Körperlichkeit und Geistigkeit eine Menschen gbzusehen. } Das wesentliche aber, in dem die Juden in Europa von de nichtjüdischen Bevölkerung verschieden sind, ist der Unterschied der angenommenen Berufe. Wohl gibt es Gegenden, z. B Galizien, wo die Juden Handwerker find, aber die Mehrzahl der Juden im übrigen Eurova erwählt sich Berufe, die ihrer Wesensart nach dem Jäger- oder Hirtenberufe entstammen, nicht aber dem Bauernberufe. Friedenthal nämlich unterscheidet in der Menschheit drei Grund Wesensarten, die sich fremd und unbekannt geaenilbersteben, ivenn die Eigenarten sehr aus gesprochen sind. Das sind die Menschen mit einer Iägerseele. einer Hirtenseele und einer Bauernseele. Intellektbetont macht aeeignet für die aus dem Iäaerfeben stammenden Berufe, Emp sindungsbetont für die aus dem Hirtenleben stammenden und vorstellungsbetont für die aus dem Bauernleben hervoraegan genen Berufe, denn die ersten erfordern Klugheit und Intelli genz. die zweiten Emofindsamkeit und Intuition, die dritte« Ausdauer, Willenskraft und Sachlichkeit. Die Menschen, dir für einen dieser Berufe nach ibrer körperlichen Eigenarf bevor zugt sind, zeigen das auch in ihrer äußeren Gestalt, so daß «vir den groknasigen, schlanken Iägermenschen von dem breit gc bauten Bauernmenschen mit breiter kurzer Nase und dem sei aliedrigen überwrten Empfindungsmenschen mit meist gercw Nase unterscheiden können. Wenn sich im jüdischen Gesicht in frühere» Zeiten die ui« günstioen Umwelteinflüße derart ausvräaten, daß man pkvsio gnomisch von einem Ghettöaesicht sprechen konnte, so haben günstige Erziehungsmomente diese angeblich jüdischen Züge ver wischt. Die Nichtbelchäftiaung mit der Landwirtschaft bewirkt in« jüdischen Gesicht ein Fehlen der uns von bäurischen Gesichts zügen her bekannten materiellen Veranlagung. An Lichtbildern zeigte Friedenthal, daß die Gesichter von Angehörigen vieler Rasten, die in Hochkultur erzogen werden, für uns jüdische Züoe annekmen. Die javanischest Mikados hatten teil «veile so jüdische Züge, daß englische Anthrovoloaen von einein Verschlaqenwerden der zwei verschal lenen jüdischen Stämme nach Ostasien gefabelt haben. Auch bei den Inkas zeigen die hochgezüchteten Familien dieser Stämnie jüdische Züge. Wenn behouvtet wird, daß die Juden als Vor derasiaten europofremdes Blut besäßen, so oekt aus den norqc .'eigten Bildern bervor daß aerade das Fehlen der asiatische» Merkmale im jüdischen Gesicht ihre Besonderheit ausmache» kann. Weiter oing aus den Abbildungen bervor daß die Krümmung der Nase iin unteren Zipfel für Juden nickt ckarak teristisch ist. Friedentkal kakte seine Ausfllhrunaen dahin zu lammen.- dak das jüdische Gesicht seine Präaung erhält durch da Fehlen bäurischer und materieller Züoe und durch die Ausvro aung von Endkarmen des Menschengeschlechts wie sie ein durck Generationen hindurch fortgeführtes Kulturleben bei Menschen jeder Herkunft erzeugt. Ergänzt wurden diese Mitteilungen durch Dr. C z e l l i tz e r der methodologisch den jüdischen Typus dadurch zu erfassen ge sucht hat, daß er von mehreren hundert ostiüdischen Männern, unter denen sich hauvtsächlich Handwerker, kleine Händler und Arbeiter befanden, die Naßbilder tiworben hat. Zu gleicher Zeit sammelte er die Gesichter von 5(1 prominenten westeurovö ilchen Juden (Schriftstelser. Gelehrte! Künstlers, deren Bilder er aus illustrierten Zeitschriften wahllos entnahm. Auf diese Weise wurde jede Willkür bei der Feststellung des jüdischen Typus ausgeschlossen, die sonst leicht möglich ist. Bei Heiden Serien wiesen ungefähr 28 Prozent ausgesprochenen jüdischen 146