Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 17 (26.4.1929)
- Date
- 1929-04-26
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4911661-5448526-5449091--2160-4913576- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Handschriften ihr Leben fristeten. Was aber die Kawwanah betrifft, so werde ja die Maschine von einem erwachseneil Menschen betrieben. Auch das Schlachten der Tiere mit einem von einem Töpferrad getriebenes Messer, da» der Töpfer in Bewegung setzt, entspreche ja den rituellen Forderungen, selbst nach jenen, die beim Schlachten Kawwanah als unumgänglich betrachten. Lange wogte der Streit hin und her, unzählige Gutachten und polemische Schriften flogen von Gemeinde zu Gemeinde, von Lehrhaus zu Lehrhaus. Die letzte Entscheidung fiel zugunsten der Maschine aus, die namentlich in Amerika die größ ten Triumphe feierte und allmählich das ganze Terrain eroberte. Die amerikanischen Mazzot-Fabriken. die gleich nach deu Herbstfeiertagen zu arbeiten anfangen, versorgen heutzutage halb Europa, Südamerika und Australien mit Osterkrot. In. die Großgemeindea Deutschlands fand die Maschine schon früh Eingang. Nur Hamburg zögerte lange, aus Rücksicht auf > die sehr zahlreichen Familien, die sich vom Mazzot-Backen ernährten. Heutzutage erzeugen mehrere Großmeinden die Mazza durch Maschinen im eigenen Betrieb. Die Maschine hat also auf der ganzen Linie gesiegt. Und doch blieb eine verborgene Ecke von ihr verschont. Gleich wie die Photographie nicht vermocht hatte, das künstlerische Porträt, und das Kino die Bühne ganz zu verdrängen, so haben Feinschmecker und Kenner, erlesene Genieher und strenge Beobachter der Mizwa auch hier ein kleines Jnselchen zu retten gewußt, wohin die gleichmachende Flut der maschinenmäßigen Massenerzeugung nicht zu dringen vermochte. Dieses kleine Inselchen ist die „Mazzah schemurah", die streng behütete Mazza. Es ist nämlich eine für den Religionspsychologen höchst merkwürdige Tatsache, daß der Jude bestrebt war. den Geboten seiner Religion einen strengen und immer strengeren Sinn abzugewinnen. namentlich solchen Geboten, die den sinnlichen Genuß einschränken und persönliche Opfer der Entsagung heischen, besonders wenn deren Sinn und Grund nicht klar zutage lag. Es hängt dies offenbar mit dem tiefsten Grundzug der Judenseele, dem Optimismus zusammen. Diesem Optimismus entsprang das unbedingte fraglose Vertrauen des Juden zu seinem Gott, das gleichsam zum Instinkt geworden ist. Gott ist gut. also sind seine Gesetze unzweifelhaft gut, und es gilt ^nicht, ihnen etwas abzuhandeln, sie auf leichte Achsel zu nehmen, sondern umgekehrt, sie freiwillig zu verschärfen, eine Hecke um sie herum zu machen, sie sich in der strengsten Form aufzuerlegen. ^Arlch eine eigene Art von Ritterlichkeit mischt sich in dieses Verhältnis. Ta keine sichtbare irdische Macht die Befolgung dieser Gebote belohnt, oder ihre Uebertretung bestraft, so sind sie einzig und allein der Treue, und dem guten Glauben der Menschen überantwortet. Es ist also eine Ehrenpflicht, die Mizwa zu erfüllen, alle erdenkbaren Kautelen gegen ihre Uebertretung aufzurichten. Je größer der Inhalt der Mizwa ist. desto größer ist die Freude, die man bei der Unterordnung des eigenen Willens unter den Willen Gottes empfindet. Das ist die „Simcha schel Mizwah" — die Freude an der Erfüllung des Gebotes —. Diese Tendenz macht erst dort halt, wo das Verbot in seiner rigorosen Form das öffentliche Leben zu stören droht, nie aber vor dem wirtschaftlichen Interesse des einzelnen. Das Verbot des Ungesäuerten am Pessach ist in der Bibel streng genug gefaßt. In der nachbiblischen Literatur hat es bis in die neueste Feit eine gewaltige Verschärfung erfahren. Ta ist z. B. das „Käschern" und „Glühen" der Oefen und metallenen Küchengeräte. Hölzerne Tische und Bänke werden mit kochendem Wasser übergossen, und darüber wird ein weikglühendes Eisen geführt, um aus den Gegenständen jede geringste Spur von Ungesäuertem zu entfernen. Die Wände und Fußböden primitiver Behausungen werden frisch gestrichen — was übrigens auch zur Reinlichkeit in unschätzbarer Weise beiträgt. Manche überfromme Hausfrauen gingen in ihren Vorsichtsmaßnahmen so weit, daß sie sogar den Widerspruch der Rabbiner erregten. — Aus diesem Drange nach Verschärfung ging die „Mazza Schemurah" hervor. Ein Teil der Weizenernte wird „aus den Halmen" gekauft und von da ab streng überwacht, damit die Körner nicht mit dem feuchten Element in Berührung kommen. Tie Körner werden auf einer Handmühle gemahlen, wobei man im Sinne hat, daß sie für die Mazza bestimmt sind. — Nach Rabbah, Pesachim 38b —. am Morgen des Erew Pessach, um dieselbe Zeit, als im Tempel das Peftachlamm geopfert zu werden pflegte, unter Absingendes Hallel gebacken, wobei ausschließlich Männer beteiligt find; oft wirken auch nichtjüdische Gehilfen mit, und aus Hamburg-Altona wird berichtet, daß dort die christlichen Mitarbeiter in den Hallelujagesang einstimmten. In Polen kam es häufig vor, daß die Großgrundbesitzer der jüdischen Gemeinde zu diesem Zwecke einen bestimmten Teil der Weizenernte unentgeltlich überliehen. Don einem Mitglied der berühmten Magnatenfamilie der Grafen Potocki wird überliefert, daß er den Juden ein ganzes Weizenfeld für die „Schemura" überließ, nur für das Recht, zusammen mit ihnen die Mazza zu backen, gewöhnliche Arbeiten zu verrichten und das Hallel mitzusingen. Streng fromme genießen über Pessach keine andere Mazza. Gewöhnsich aber bemüht man sich, wenigstens für die Seder- . schüft«! an den beiden ersten Abenden diese Mazza zu haben. 142 Maharil — gest. 1427 — pflegte den Holzstoß für das Bache» der Mazzot mit den Weidenrelfern zu entzünden, die vom Lulav und von den Hafhaanot am letzten Laubblütenfeste zurückaeblie ben waren. Ä. Sport im RjF. TrainingStage »er Jtn-Jitsu-Srnpp«. Berli». Sampfmannschaft: irden Montag ab 8,30 Uhr. — Fortgeschrittene: irden Mittwoch ab 8L0 Ubr. — Anfänger: jeden Donnerstag ah 8,30 Ubr. — Tratningsräume: Schönebera. Hohenstaufenftr. 31. Kellerlokal. Gäste willkommen! Kameraden, besucht unser Training! Svortgruvve i« Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. Ortsgruppe Berli». Geschäftsstelle: E. 2, Burgitr. 28, Zimmer 10 (benutzt Norden 89031. Training für alle: Jeden Dienstag, Sportplatz Einsame Pappel (Danziacr Str.t, ab 6 Ubr: jede» Donnerstag, Sportplatz Einsame Pappel (Danzigcr Str.i. ab 6 Ubr. Am Sonntag, 14. April, fand ein Handballspiel (Gesellschafts svieli RjF. I. Männerschafl gegen N. Israel II statt. Unsere Mannschaft war besonders im ersten Teil des Spieles überlege» und hätte bet etwas Glück mehrere Tore vorlegen könne«. Der Sturm konnte bei arötzter Müde nur einmal einsenden. Diese Führung konnte Wilpert nach einer Borlage von Halblinks erzielen. Mehrere Schüsse landeten an der Latte oder wurden von dem guten gegnerischen Tormann gehalten. Die Hintermannschaft arbeitete fehlerfrei und konnte bis zur Pause das Tor retnhalten Nach der Pause drängte der tyegner und konnte nach guter Kombination zweimal etnsenden. Inzwischen mutzte bas Spiel mehrere Male unterbrochen werden, da das Tor — Pfeffers Heiligtum — dauernd zusammen,„brechen drohte. Durch «inen weiten Schutz von Wilpert konnte der verdiente Ausgleich erzielt werden. Am 2. Juni findet der Groh-Staffellauf „Potsdam- Berlin" statt. Wir. beabsichtigen, uns mit einer Damen- und einer Männermannschaft zu beteiligen. Mit den Borarbeiten zu dieser grötzten Werbeveranftaltung Ist bereits begonnen worden. Tretet in den jüdisch-neutrale» Sportverein (Soorisrupve im Reichsbnnd jüdischer Frontsoldaten. Ortsgruppe Berlins ein. Wir treiben: Leichtathletik. Gvmnaftik. Waldlauf. Turne». Handball. Die Geschäftsstelle erteilt gern Auskunft, j Aus den Landesverbänden und Ortsgruppen Landesverband Nordmesideutichland. Kiel. Am 10. Avril vereinigten sich die Kameraden im! Hotel Kronprinz, um den Bericht des Borsitzenden, Kamerad Lask. über die Tätigkeit der Ortsgruppe im verflossenen Jahre anzubören. Auch dieses fünfte Bereinsjahr zeichnete sich durch autzerordentlich rege und fruchtbringende Arbeit aus. Zwölf Monatsversammlungen, an denen durchweg 80 Prozent aller Kameraden tetlnahmen, beiveisrn das rührige Jnteresie der Kameraden. Besonders wertvolle Borträgc, di« einen großen Teil der Gemeind« heranzogen. zeigten, welches Jnteresie die Kieler Ortsgruppe des RjF. findet. Es sprachen: San.-Rat Dr. Jacob über „Jüdische Charaktere in Reuterscher Dichtung". Magistratssondikus Dr. Kantorowicz über „Grundgedanken der Strafrechtsreform", Kam. Rabbiner Tr. Posner „Tierschutz im Judentum". Bundesvorsitzender Kam. Dr. Löwenstet« „Die derzeitigen Aufgaben de» RjF.", Ebrenförderer Louis Lewtu- „Erinnerungen aus den schleswig-holsteinischen Befreiungskriege» gegen Dänemark 1848/51", Univerntätsvroseffor Lpet „Laientum in der Rechtspflege", der Ortsgruppen Vorsitzende Sam. Gustav Lask „Gottfried Sender ein jüdischer Held im Weltkriege". Anlätzlich des 200jährigen Geburtstages Lessings las unser Kamerad Rolf Salbera vom Ssadttbeatcr in Kiel aus Lessings Werken vor. Der Boltstrauenqg wurde würdig durch Predigt. Grdenkworte und Gesang begangen. Tie Feier des lüjäbrtge» Bestehens des -RjF., ein sehr gelungenes Winterfest und vier grötzere Ausflüge, zwei Preiskegelturnicre. die Beteiligung am Sportfest des jüdischen Turnvereins durch Stiftung von Preisen, di« Teilnahme an vielen jüdischen Veranstaltungen vervollständigen das Bild der tätigen Kieler Ortsgruppe, die lebt 35 Kameraden. 1 Ebrenförderer und 12 Förderer zählt. Durch die im Laufe des Jahres erfolgte Gründung der Gerson-Lask-«tiftung war es möglich Kameraden zu helfen. Tic Ortsgruppe hat für Aufklärungszwecke wiederholt Tbeilhabers Fliegerbücher bezogen, ferner bat ne zwei bewährte Kameraden, den 2. Vorsitzenden Rechtsanwalt Gerson und den Schriftführer Roher, tn de» Geimeindevorftand wählen können. Ter Borsitzend«. Kam. Lask, ist in den erwetterten Ausschutz des BolksbundeS Deutscher Kricasgräberfürsorge. Ortsgruppe Kiel, gewählt. Tie Gemeind« bat dankenswerterweise dem Frontbund wieder einen Zuschuh in ihrem Etat ausgeworfen. Die Ortsgruppe steht finanziell gefestigter da, dank des Interesses der Gemeinde und tnshefondere der Förderer und Kameraden, deren Beiträge wirtschaftlich gestaffelt sind. Die stark besuchte Versammlung beschließt. nach Ausführungen der Kameraden Rhee-Kiel und Tattner-Äerlin, einstimmig die Wiederwahl des alten Vorstandes. Kamerad Lask dankt für di« Wiederwahl und bittet all« Kameraden nach dem Rückblick tnS vergangene Jahr vorwärts zu schauen und weiter zu arbeiten zum Wohl« der Heimat und deS Judentums. Das Trennende bleibe im Hintergrund und nur da» Einigende . Der Vorsitzende überreicht vier Kameraden, die sämtliche Bersammlungen besucht habe», eine Stiftung. Mehrere Kameraden bitten um lebhaftere Abwehrtätigkett tn der Bekämpfung deS Antisemitismus. Kam. Rechtsanwalt Gerfon stellt fest, batz die kulturellen Borträge der Ortsgruppe nicht nur Zweckmähtgkett»- soudern auch Gegenwartsfragen behandeln müsien und für teden.