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Der Schild · 1929-04-19 · 16 (19.4.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
16 (19.4.1929)
Date
1929-04-19
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Der Landesverband Provinz Brandenburg Bon Kam. Dr. Dicncma»», Kottbus, Vorlk.nder bei Landesverbandes Wir setzen hier die Entwicklungsgeschichte der einzelnen Landesverbände fort. Um die Reichshauptstadt gelagert, standen dem Landesverbände von Beginn an Schwierigkeiten entgegen. Die aus dem Kriege heimkehrenden Frontsoldaten fanden -Ersatzleute in ihren alten Berufsstellungen. Ein andsres Unterkommen zu finden, | fiel in den kleinen Prooinzstädten Brandenburgs nicht leicht. So zog das nahe und große Berlin magnetisch an, sog aus den kleinen Gemeinden viele junge und alte Krieger aus und nahm sie auf7 Trotzdem gelang bs schon Anfang der 30er Jahre der persönlichen, unermüdlichen Arbeit des Bundesvorsitzenden Dr. Löwekstein, daß auiJ in der Provinz Brandenburg der Frontbund Fuß faßte. Zunächst im Osten und Südosten der Provinz, wo noch einige größere Gemeinden bestanden. Im Mai 1B20 gründete Rechtsanwalt Dr. Kann in Landsberg a. d. W. eine Ortsgruppe, am Ende des gleichen Jahres folgte Forst unter der Führung von Karl Warschauer, im Mai 1922 auf Anregung von Egon Breslauer auch Kottbus. Der Anfang war gemacht. Das Beispiel erweckte Nacheiferung. In Frankfurt a. d. O-, Guben, Sorau und Sagan-bildeten sich Ortsgruppen. Schon im Dezember 1922 dachte Kam. Dr. Dienemann in Kottbus daran, die lose nebeneinander arbeitenden Ortsgruppen in der Nähe von Kottbus zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammenzuschließen. Im Februar 1923 gab der Bundesvorsitzende Dr. Löwenslein bei seiner Anwesenheit in Kottbus diesem Gedanken durch seine organisatorischen Ratschläge Form und Leben. Anfang Juni 1923 entstand der Landesverband Süd- Brandenburg. Ihm gehörten die obengenannten Ortsgruppen an. bis auf Sagan. Tie dortige Ortsgruppe trat erst nach ihrer Gründung im Februar 1924 dem Landesverband bei. Inzwischen hatte der Frontbundgedanke in andern Gemeinden der Provinz Fuß gefaßt. Küstrin, Prenzlau. Schwedt a. d. O., Fürstenwalde, Eberswalde hatten selbständige Ortsgruppen aufgemacht. Bon Kottbus aus wurdi auch mit ihnen Verbindung ausgenommen. Die große Not jener Zeit zwang zu einheitlicher Arbeit. So wurde am 7. September 1924 in Berlin in den Räumen der dortigen Ortsgruppe der Landesverband Provinz Brandenburg gegründet. In ihm vereinigten sich alle oben genannten Ortsgruppen. Später kam noch dir Ortsgruppe Brandenburg fHavelj hinzu. Zum Borsitzenden wurde Landgerichtsrat Dr. Dienemann aus Kottbus gewählt. Er führt noch heute den Landesverband. Im Gegensatz zu den andern Landesverbänden litt der Landesverband Provinz Brandenburg unter einem, feine. Entwicklung außerordentlich störenden Nachteil. Die in der Mitte des Verbandes gelegene und. darum zur Führung des Verbandes von Natur bestimmte Provinzialhauptstadt war zugleich Reichs Hauptstadt. Tie außerordentliche Stärke ihrer Ortsgruppe gebot aus organisatorischen Gründen die Abtrennung der Ortsgruppe Berlin von dem Landesverband Provinz Brandenburg. Dadurch und aus den im Eingang dieses Artikels erioähnten Gründen kam es,, daß die Mitgliederzahl des Landesverbandes Provinz Brandenburg nicht die einer großen Ortsgruppe im Westen des Reiches überstieg und sich auf wenige Hundert beschränken mußte. Aber der RjF. durfte nicht nur die großen Städte zu seinem Tätigkeitsfeld machen. Ueberall, wo jüdische Frontsoldaten in oereinsstarker Zahl zusammen wohnten, mußten sie eine Zelle bilden, aus der heraus das ganze deutsche Land von ihrem Dasein und ihrem Wirken Kenntnis nehmen konnte. Deshalb wurde dieser kleinste Landesverband rings um die größte deutsche Ortsgruppe herum aufgetan, deshalb erhielt er sich auch lebenskräftig. Trotz seiner zahlenmäßigen Schwäche spiegelte sich in den vergangenen Jahren in allen Ortsgruppen die Arbeit des Bundes in ihren großen und kleinen Zügen wider. Die Selbstzuchtaktion und Abwehrbewegung der ersten Jahre fanden im Verbände ebenso ihren Widerhall wie die Bestrebungen der Gegenwart: die Berufsumschichtung der Juden, die Ansiedlung des jüdischen Bauern auf deutscher Heimaterde. Stets fanden sich die Ortsgruppen des Landesverbandes für diese Ziele zu materiellen Opfern bereit, wie sie ihre Beiträge freiwillig für die vom RjF. in den Jahren. 1923/24 geförderte Rheinland- und Ruhr-Hilfe abführten. Seiner statutenmäßigen sozialen Pflicht, der Sorge für Kriegsbeschädigte Kameraden, suchte der Verband dadurch nachzukommen, daß er im Jahre 1927 im Erholungsheime des Ostdeutschen Logenverbandes in Agnetendorf sRiefengebirge) Plätze für Kriegsbeschädigte Kameraden zu ermäßigten Kurpreisen erwarb. Seiner Ehrenpflicht den gefallenen Kameraden gegenüber eingedenk, übernahmen die Ortsgruppen des Verbandes mehrere Patronate im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Und endlich erfüllte auch unser Verband seine Aufgabe gegenüber der Heranwachsenden jüdischen Jugend, durch die Gründung von Wander-, Turn- und Ruderaruppen diejüdische Jugend zu ertüchtigen und zum Kampfe gegen antisemitische Angriffe zu stärken. Unvergessen blieb die Pflege jenes Kameradschaftsgesühls, da» wir als hei liges Erbe aus dem großen Kriege nach Hause gebracht haben. In geistiger Arbeit und froher Geselligkeit, bei Preisschietzen und Kegelaoenden fanden sich die Ortsgruppen einzeln und im Rah men des Landesverbandes zusammen. Die Jahre sind vergangen. Die ursprüngliche Hoffnung, daß unser Kampf nicht gar zu lange würde dauern müssen, hat sich nicht erfüllt. Waren anfangs nicht wenige Kameraden unserer Ortsgruppen sogar noch Mitglieder des Stahlhelms — es ist anders geworden. Mehr denn je stehen wir im Kampfe uni unsere gesellschaftliche Gleichberechtigung. -In diesem Kampfe um unser^-devtsche Heimat, um unsere Anteilnahme am deutschen Staate wird auch der Landesverband Provinz Brandenburg wie bisher so auch fürder seinen Mann stehen. Das war anläßlich der 10jährigen Gründungsfeier des RjF. unser Gelöbnis. •- _ ■ 10 Jahre Ortsgruppe Berlin Am 13. April feierte die. Ortsgruppe Berlin itjr IVjähriges Bestehen, durch einen Bierabend im Ulap. Ter große Saal war durch Kameraden und deren Angehörige bis aus den letzten Platz besetzt. Kamerad Dr. London wies in seiner Be grühungsrede auf das herannahende Pessachsest hin, unter dessen Zeichen das Jubiläum verakstaltet wurde. Wie damals-»nsere Borsahren von dem Joch der Aegypter befreit wurden, so hat auch der Frontbund in der jetzigen Zeit für die Freiheit und Gleichheit seiner Glaubensgenossen Fu kämpfen. Wenn auch 10 Jahre im Weltengeschehen eine ganz kurze Spanne Zeit sind, so sei sie doch für eine Frontkämpfer-Organisation, die zum Aus sterben geboren sei, eine Zeitspanne, in der fruchtbringende Ar beit geleistet werden könne. Ties habe die Ortsgruppe Berlin bewiesen. Die Feier werde aber nur in ganz engem Kreise gefeiert. da durch diese auch die Kameradschaft gepflegt werden solle. Das Interesse, das dieser Veranstaltung zuteil.wurde, bringt Kam. Dr. London dadurch züm Ausdruck, daß er außer den zahlreich erschienenen Kameraden mit ihren Damen, noch eine große Reihe von Mitgliedern. des Bundesvorstandes begrüßen konnte. Unter ihnen den stellvertretenden Bundesvorsitzenden Kamerad Dr. Elkeles. Er bedauert es, daß Kamerad Dr. Löwen st ein infolge einer Reise verhindert sei, an der Feier teilzunehmen, und seine Teilnahme durch ein herzlich gehaltenes Telegramm zum Ausdruck gebracht habe. Kamerad Dr. London begrüßt dann die Abteilung der Jiu-Jitsu Gruppe aus Stettin sowie die erschienenen Kriegsveteranen, die als Mitglieder des Bundes zu diesem Feste erschienen waren. Jnsbe sondere gedenkt der Borsitzende derjenigen Kameraden, die an der Gründung der Ortsgruppe beteiligt waren und difrch ihr Erscheinen ihre treue Anhänglichkeit bewiesen haben. An deren Spitze begrüßt er den Kameraden Pr. Jacob, der der erste Vorsitzende der Ortsgruppe gewesen fei, und seit Gründung dem Ortsgruppen Vorstand angehöre. Durch seine Tätigkeit und sein Interesse für den Bund und allen Bundesangelegen-' heilen sowie besonders durch 'feine juristssck^n Beratungen, durch seine Tätigkeit als Vorsitzender des Ehrengerichts sowie der Unterstützungsgemeinschast, habe er der Ortsgruppe Berlin einen großen Dienst erwiesen. Zum Dank für seine Tätigkeiten. < wurde ihm von der Ortsgruppe Berlin die goldene Bundcsnadel übergeben. Im Anschluß an die Worte des Vorsitzenden, wurde"das von Kamerad PH. L e w i n s k i verfaßte „Kampf-Lied" mit großer Begeisterung gesungen. Alsdann-hielt'Kamerad Dr. Elkeles die Festrede. Die heutige Zeit habe sich gewöhnt, mit großen Zahlen zu arbeiten, und ein Zeitraum von 10 Jahren erscheint-ihr als ein kleines und wesenloses Nichts. Aber die Jahre seit jenem verhängnisvollem Iunitage des Jahres 1914. als in Serajewo die serbischen Bewegungen den Krieg entfesselten, habe eine solche Umwälzung der Staaten, der Völker und in die menschlichen Seelen hineingebracht, daß man um ihren Gehalt zu werten, die gesamte Ziffer schon multiplizieren müsse. Deshalb verlohne es sich wohl am heutigen Tage, an welchem die Ortsgruppe Verlin. des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten ihr lüjähriges Be stehen feiert, einen Blick zurück zu werfen, auf das, was wir in diesen kurzen und doch io langen Jahren erlebt und ge wirkt haben. { Das Jubiläum der Ortsgruppe fällt zeitlich und sachlich mit dem des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten zusammen. Tenn wenn man die Arbeit der Ortsgruppe prüfend betrachtet, so fragt man sich, ist es ihr gelungen die Aufgaben, welche der" RjF. sich gestellt hat. nämlich das Andenken an unsere jüdischen gefallenen Kameraden zu erhalten und gegen insame Angriffe 131

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