Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 15 (12.4.1929)
- Date
- 1929-04-12
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Juden in Amerika Bon Tr. Fritz Eichengrün. (Schluß.) VIII. Die Kriminalität der amerikanischen Juden. Der oft verblüffende Aufstieg von Ostjuden aus dem Ghetto New Jorks oder anderer amerikanischer Großstädte hat sein. Gegenstück: in keinem Land dürfte die Kriminalität der Juden prozentual höher sein als in Amerika. Und zwar handelt es sich dabei durchaus nicht nur um die leichteren Delikte, wie etwa: Diebstahl, Betrug, Fälschungen, Unterschlagungen, sondern gerade meist um schwere Verbrechen: Raub, Mord, Bandenwesen. Rach Negern, Italienern und Süd- und Mittel umerikanern dürften die Juden prozentual die größte Zahl sol cher Verbrecher stellen. Sie sollen an dem berüchtigten Chicagoer Banditenwesen Anteil haben und auch sonst mancherorts ein nicht gerade sehr sauberes Handwerk betreiben. Das wird man leicht verstehen, wenn man an die traurigen, geradezu unmenschlichen Verhältnisse denkt, in denen die Ost juden in den Großstädten leben. Wer den Weg nach oben nicht findet, sucht den nach unten: das ist ein allgemeines Gesetz, das für sozial und ökonomisch Entrechtete aller Nationen, Rasstn und Konfessionen gleichmäßig gilt. Mordtaten dagegen, wie sie in den letzten Jahren von jüdischen Bourgeois Kindern 'ausgeübt wurden, sind ganz anders zu erklären. Sie sind ein Zeichen der allgemeinen Degeneration dieser Kreise, die aber natürlich wiederum nicht bei irgendwelchen Schranken von Geburt und Glauben halt macht. Allen solchen Verbrechen liegt eine ausgesprochene innere Haltlosigkeit zu Grunde. Daß sie unter den amerikanischen Juden zum Teil besonders groß ist, wird niemand bestreiten. Aber auch diese Erscheinung ist wieder zu verstehen, wenn man die Ueberpflanzung in einen ganz anders gearteten Erdteil in Betracht zieht. IX. Logen und Vereine der Juden. Dieses Gefühl der Adgelöstheit hat in derr ganzen Staaten f wiederum nicht nur bei den Juden) die Unmasse von Sekten, Konrentikeln, Klubs und Vereinen ins Leben gerufen. Nordamerika dürfte wohl das Land der meisten Vereine sein und fast jeder gehört zu gleicher Zeit mehreren solcher Organisationen an. Obwohl Juden nur von ganz wenigen „feudal-aristokratischen" Klubs ausgeschlossen sind, haben sie doch eigene Vereine in großer Zahl. Obenan steht wohl nach Mitgliedschaft und Bedeutung die /Bne Brith Loge. Allerdings unterscheidet sie sich in mancher Hinsicht von den Logen in Europa. Tie gesellschaftliche Note ist unbedingt überall in den Vordergrund getreten: die Logen unterscheiden sich nicht röesentlich von allen anderen Gesellschaftsklubs. Man kommt zusammen zu gemeinsamem Diner mit anschließendem Tanz, zu Ausflügen und Golsspielen. Frauen und Kinder haben ihre eigenen Vereinigungen. Doch tun die Logen drüben sehr viel Gutes: durch die große Mitgliedszahl veriüge» die amerikanischen Bne Brith Logen über große Geldmittel, die sic meist vorbildlich verwerten. Um die „Schattenseiten" dieser Logen dem Europäer weniger abstoßend zu machen, sei darauf hingewiesen, daß das Frei- Tiner mit Tanz, Freikino und anschließendem Ausflug drüben bei Logen und Kirchengemeinden durchaus üblich ist. So hallen's die Freimaurer >die drüben außerordentlich verbreitet sind und auch viele Juden zu Mitgliedern haben), die Odd-Fellows, die Elks und wie sich die Dutzende größere und Tausende kleinere Vereine nennen: so Haltens aber auch die Kultgemeinden aller Konfessionen — und es gibt ja drüben ein paar Dutzend Konsessionen! —. die alle von dem Gedanken ausgehen, den mir ein mormonischer „Heiliger" am klarsten so formulierte: „Geselligkeit wollen die Menschen haben; uns ist es aber dann lieber, es wird bei uns im Gemeindehaus getanzt, wo wir alles überblicken können." Düneben spricht auch immer der Wunsch mit durch besonders „gepflegtes" Bereinsleben neue Mitglieder anzulocken und — neue Beiträge. Tie jüdischen Snnagogenvereine unterscheiden sich in dieser Hinsicht ’ von den Kirchenvereinigungen anderer Konfessionen gar nicht. Auch hier gibt es keinen Tempel, der nicht ein Vereinshaus mit großen Gesellschaftsräumen hätte. Zum Teil sind diese ganz großartig ausgestattet, wie zum Beispiel bei einer New Jorker Gemeinde, die nachweislich ein Vermögen von einigen Millionen Dollars hat. Ganz in der Nähe hat die „Iewish Organisation" in der besten Lage der 5. Avenue snahe der Public Library) ihre Zenträle: ein ganzer, hochmoderner Wolkenkratzer. Allerdings werden dir zwanzig und mehr Stockwercke natürlich nicht ausschließlich von den Büros dieser Vereinigung eingenommen. Aber sie ist sehr reich, was für europäische Begriffe dadurch noch viel erstaunlicher wird, daß sie nur von freiwilligen Steuern der Juden 124 in allen Staaten der Union lebt. Zweck dieser Organisation ist die Wahrung der Rechte der Juden in jeder Hinsicht. Sie hat zu Zeiten des Kampfes mit Ford durch äußerst geschicktes und kluges Auftreten unendlich viel Gutes für die Juden in Amerika bewirkt. Daneben ist die „Iewish Organisation" auch einer der größten Wohltätigkeitsoereine, wohl auf der ganzen Welt. Tie soziale Hilfeleistung dieser Organisation und der ame rikanischen Juden überhaupt (anderer Gruppen, wie auch privater einzelner) kennt keine Grenzen: kaum, was die Höhe der Beträge anbelangt, gar nicht, wenn es sich um Angehörige anderer Länder und Erdteile handelt. Man muß ja nur mit einem Satz daran erinnern, was die amerikanischen Juden für Palästina und die Ukraine getan haben, um nur zwei ihrer größten Leistungen zu nennen. Uebrigens ist die „Iewish Organisation" auch in nichtjüdischen Kreisen hoch geachtet und steht mit der Regierung in Washington dauernd im besten Einvernehmen. Sie hat auch bei vielen Gelegenheiten, wo es nicht Juden zu helfen galt, Riesenbeträge zur Linderung der Not zur Verfügung gestellt. Mit den Bne Brith Logen und der „Iewish Organisation" sind nur die zwei größten Verbände der Juden in Amerika genannt, die allerdings typisch sind für alle anderen. Daneben gibt es aber eine Uebersülle kleinerer und kleinster Vereine: Synago genvereine, Gesangvereine, jüdische Golsklubs, Turnvereine, literarisch« und wissenschaftliche Zirkel, landsmannschastliche Verbände — eine Unzahl, an unzähligen Orten, so daß niemand dies alles überblicken kann. X. Die Juden außerhalb New Mark. Man kann aus allem, was hier berichtet wurde, die Ansicht heraus hören, daß für die Juden New Jork Amerika sei. Das ist auch zum Teil richtig: Es gibt vielleicht in dem gesamten Staatsgebiet der Nordamerikanischen Union nur doppelt soviel Juden wie in der einen Stadt. Dadurch bekommt natürlich der New Jorker Jude eine besondere Bedeutung. Aber es gibt selbstverständlich auch außerhalb New Jorks Juden — nur spielen 'sie eben dort nicht diese Rolle, wie in Manhattan. Am ähnlichsten sind die Verhältnisse wohl noch in Chicago, auch hier eine Iudenschaft, die mehrere Hunderttausend zählt: ausgesprochene Ostjudenviertel, nahe den „Slums", mit unbeschreiblicher Not; wieder das Westjudenviertel und wieder eine verhältnismäßig große Beteiligung der Juden am geschäftlichen, gesellschaftlichen und geistigen Leben der Stadt. Aber dennoch gibt hier der Jude dem öffentlichen Leben nicht seine Note: Chicago, die Riesenmetropole des Mittelwestens, ist fest verankert in dem Hinterland, von dem es lebt. Darum gilt Ehicago heute — im Gegensatz zu New Jork — für die amerikanische Großstadt. Andererseits finden Europäer hier oft das Leben unerträglich, da ihnen der „Schuß Champagner" fehlt, den Europäer und vor allem Juden am Hudson dem amerikanischen Wesen beigemengt haben. Dafür gibt es in Chicago andere Dinge, die das Leben ausfüllen: Politik (in der Stadtverwaltung von Chicago bekleiden Juden höchste Posten), Banditenwesen (auch hier „fließt" — auf beiden Seiten — jüdisches Blut) und vor allem Sport. Es ist einem Europäer unbegreiflich, welche Ausmaße die Sportbegeisterung in den Staaten annehmen kann. Ost' erfaßt anläßlich eines Baseball- oder Boxkampfes Millionen ein wahres Delirium. Es ist das Bezeichnende, daß sich die Juden nicht davon ausschließen. New Jork hat S Millionen Einwohner, Chicago 4 Millionen: je kleiner die Städte werden, desto mehr verschwindet der Jude im Gesamtbild. Schon in Philadelphia tritt er kaum mehr wesentlich hervor: in Washington scheint es überhaupt kaum Juden zu geben. Ganze Landstriche und Staaten dürsten nur Tausende von Juden zählen und auch diese sind völlig im Amerikanertum aufgegangen. In Denver, Colorado gibt es eine Synagoge, aber dort > sind selbst frühere Ostjuden völlig amerikanisiert, so daß man sie nur schwer erkennt. Wieder etwas anderes sind die -Juden in Kalifornien: in San Francisco — das überhaupt in mancher Hinsicht Hamburg ähnelt — gibt es eine patrizialifche jüdische Gemeinde mit einem herrlichen Tempel auf den Höhen, nahe dem Stillen Ozean. Ostjuden gibt es hier kaum: der Weg von der Ostküste ist zu weit. Aehnlich ist es in Los Angeles, wo aber die letzten Jahre mit dem (auch für amerikanische Begriffe) beispiellosen Aufschwung auch viel jüdisches Kleinbürgertum zusammengeführt haben. Sieleben oft in den unmöglichsten Verhältnissen, verkommen völlig und finden nur in einem ausgedehnten Vereinsleben noch ein wenig Halt. In den Südstaaten gibt es noch weniger Juden; in den wenigen großen Städten vielleicht ein paar Hundert; in New