Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 10 (8.3.1929)
- Date
- 1929-03-08
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Unsere Veteranen Kam. M v. d. Wald,, Orisgr. Aurich Kam. Vikior Kom.J.Säönc Fnlkcnstftn bcrg. Lrtsgr. Orrsgr. Saizlolwn Dirnierode Kam. Louis Abrahxm Orlrgr. Licgnitz Kam. Heinrich Heiiiemann Orisgr. Frankfurt a. M. Kam. Salomon Kam. Rosenfeld Kan,. Bernhard Stein. ÖrtsSjir, Orlsgr, Rosrnbaum, Alsfelv Lippftadt Orisgr. Donmund s r Antisemitismus an den deutschen Hochschulen Tie Konferenz gegen den Hochschulantisemitismus, auf die bereits hingewiesen wurde, fand unter großer Beteiligung von Juden und Nicytjuden aus Deutschland, England, Frankreich. Amerika, Oesterreich, Polen, Rumänien und Tschechoslowakei Anfang dieses Iayres in Bieroiue bei Paris statt. Hauptre>erate hielten Proiestor Qualid von der Pariser Sorbonne über die kapitalistischen Grundlagen der gegenivartigen Lage des Judentums in der Welt, Pro,essor Hersch aus Genf, der im Rah. men historischer und soziologischer Ausführungen auf die Rot ivendigkeit jüdischer Minoritätsrechte in Ländern jüdischer Massenjiedlui.g. wie etwa Polen und Rumänien, hinivies. Aus der Tebatte ergab sich mit Genugtuung, daß in einer großen Reihe von Ländern, so in alten Staaten Westeuropas und — wie selbst der Vorsitzende der Teutschen Studentenschaft feststellte — auch in Deutschland ein jüdisches Problem weder im augemeinen noch speziell an den Hochschulen existiert. (Man wird sich diese im Ausland gemachte Bemerkung des Führers der völkischen „Deutscben Studentenschaft" merken müssen!) Das Problem konzentriert sich vornehmlich auf Rumänien, Polen und Ungarn. Tie Motive des Hochschulantifemitismus in diesen Staaten, der allgemein der Ausdruck einer antisemitischen Strömung ist, sind politischer, kultureller und sozialer Natur. Hier ergeben sich weite Möglich keiten für das Weltstudentenwerk, gemeinsam mit sämtlichen Edelgesonnenen auer Kreise ausgleichend zu wirken und eine Beseitigung des Hochschulantifemitismus und seiner Folgen herbeizuführen. Voraussetzung hierfür ist ein eingehendes Studium der Lage in den einzelnen Ländern, das zu einer objektiven, allseitig anerkannten Darstellung der tatsächlichen Verhältnisse führt. Wenn auch die Grütze der vorhandenen Schwicristkeitem keineswegs unterschätzt ivurde so glaubte die Konferenz, immerhin im Gedanken der studentischen Selbsthilfe einen Weg zu er blicken, der zur Milderung der Gegensätze geeignet erscheint. Das We'tstudertenwerk wird sich in Zukunft unter Zurückstellung aller politischen Gesichtspunkte stärker dieser Frage zuwenden und einen paritätisch zusammengesetzten Ausschuß konstituieren. der das jüdische Problem an den Hochschulen vor allem nach seiner ökonomischen Seite hin untersuchen soll. Wenn diese Arbeiten genügend Material ergeben haben, soll sich ein weiterer Kongreß mit praktischen Lösungsvorschlägen beschäftigen. Die Beratung wurde vom Geiste gegenseitiger Verständigung und freundschaftlicher Annäherung zwischen den verschiedenen Völkern und Richtungen getragen und bedeutet einen großen Fortschritt auf dem Wege zur Beseitigung des Antisemitismus an den Hochschulen. Die gegenseitige vertrauensvolle Arbeit an Tefeitigung von Schwierigkeiten, die auch nur einen Teil unserer heutigen Kulturwelt angehen. ist wohl das erfreulichste an der Tagung von Bierville. Wenn sich immer in solcher verständnisvollen Bereitschaft Juden und Nichtjuden zusammensänden. um den Antisemitismus, nach dem Wort Kaiser Friedrichs III. die Schmach des 20. Jahrhunderts, energisch zu bekämpfen, würden wir mancher Sorge enthoben sei». Wenn!?! * Die Berliner Gruppe der völkischen „Deutschen Studentenschaft", die — ohne von der Hochschulbehörde irgendwie anerkannt zu sein — unter dem bewußt irreführenden Titel „Allgemeine Studentenschaft" aufzutreten pflegt, hat in ihrer letzten Dertretersitzung den wahren Charaktkr^der „Deutschen Studentenschaft" enthüllt. Es wurde dort ein Antrag der National sozialipen angenommen, in dem an den Hauptausschuß der völkischen „Teutschen Studentenschast" die Forderung gerichtet wird, sich für die Einführung eines Numerus clausus für „sremd stämmige" Studierende einzusetzen. Diesem Antrag hat der Kreisleiter des Kreises 10 (Branden bürg) der „Deutschen Studentenschaft" ausdrücklich zugestimint. Er hat damit betätigt, was der Vorstand der völkischen „Deut scheu Studentenschaft" natürlich nicht wahr haben will, was aber in diesen Blättern stets mit Fug und Recht behauptet worden ist: Die „Deutsche Studentenschaft" ist eine parteimäßig völkisch eingestellte Organisafzon — nichts anderes. * Wieder machen sich die bayerischen Studentenschaften durch .besonders prononziert völkisches Verhalten bemerkbar, allerdings unter Zustimmung der akademischen Behörden. Tie staatliche Studentenschaft der Universität Erlangen hat beschlossen. sich für die Einführung eines Numerus-clausus für jüdische und ausländische Studenten einzusetzen, wobei jedoch nicht nur nach dem Religionsbekenntnis gefragt werden soll, sondern die „Fremdstämmigen" nach ihrer Rasse ousgesondert werden sollen. In dem weiteren Inhalt dieser Erklärung heißt es dann wörtlich: „Das grundlegende Uebel aber erblickt die Erlanger Studentenschaft im heutigen System und in der Struktur unseres Staates, zumal im Parlamentarismus. Ihm gilt daher unser Kampf. Nur so glauben wir unser Ziel erreichen zu können, nämlich Germanis Germania. Deutschland den Teutschen." Die stärkste Gruppe des Erlanger Älta fügt in einem Beschluß hinzu: „Die Erlanger Studentenschast fordert bewußte politische Aktivierung und Konzentration aller nationalen Kräfte der gesamten Studentenschast zum Kamps um ihr Recht und um die Befreiung Deutschlands von einseitiger demokratischer Willkür." In der Entschließung des Erlanger Asta wird weiterhin sestges.ellt daß der bekannte numerus claufüs-Beschluß der Berliner völkischen Studentenschast tatsächlich gefaßt wurde. Auch der Referent im „Amt für staatspolitische Bildupg" dieser Gruppe stellt in einem Schreiben an eine Berliner Tageszeitung aus-, drücklich fest, daß der im „Teutschen Tageblatt" veröffentlichte Beschluß der Berliner Studentenvertretung, der die Einführung des numeri" auf Richtig ns clausus an den deutschen Hochschulen bezweckt, _ikeit Beruht. Ter diesbezügliche Antrag wurde von der Fraktion „Deutscher Waffenring" eingebracht, dem Sammelbecken der Tatsachen völkischen Korporationsstudenten. Gegenüber diesen lnd alle Versuche der „Deutschen Studentenschaft" ihre völkische Gesinnung offiziell abzustreiten. Zeichen von Feigheit. Sie ist eine völkische Parteiorganisation, über deren „Ueberpartnlichkeit" nun Kein-Zweifel mehr besteht. Es bleibt uns angesichts dieser Tatsache nur noch die Hoffnung, daß die völkische „Deutsche Studentenschaft" reckt häufig noch ihren Ianuskopf zeigt, denn es ist der sicherste Weg. wi»-fie sich selbst ihr Grab graben kann. Und je schnester dies geschieht, um so bester! \V. S. M. 83