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Der Schild · 1929-03-08 · 10 (8.3.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
10 (8.3.1929)
Date
1929-03-08
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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pen. Der Studienreferendar kann selbst nach bestandener, bei mchibrstandeuer Prüfung als Studienassessor und erfolgloser Wiederholung ohne weiteres entlassen werden. Auch nach erfolgter Anstellung ist die Gefahr, abgesagt zu werden, vorhanden. Wie bies auffallend zahlreichen jüdischen Studienräten in ihren besten Mannesjahren gelegentlich der Neuordnung noch vor Erreichung der Altersgrenze, wegen nicht, genügender Bewährung, natürlich mit der entsprechenden Pension /ergangen 'jft. Der Richter kann nur im Disziplinarwege entfernt werden. Der gegenwärtige Kultusminister Professor Dr. Becker, ist über jeden Zweifel der antisemitisch«» Gesinnung erhaben, aber die ausführenden Organe, die Provinzialschulkollegien, sind jedenfalls von Vorurteilen nicht frei. Und wie lange wird denn Herr Becker noch- Minifter .für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung- - Hitler in der Münchener Universität Tie Münchener Universität, die unter dem gegenwärtige.» Rektor B u m k e allen freiheitlichen Deranstaltungen verschlossen bleibt! gewährte dem sogenannten .Kampfbund für deutsche Kultur" Gastfreundschaft. In einem Hörsaal hielt der Wiener Soziologe und Antisemit Prof. Lthmar Spann --inen Bortrag über die „Berjudung" der Philosophie. Tiefer Kampfbund ist eine Gründung nationalsozialistischer Kreise und wird vom Chefredakteur des .Bolkischen Beobachters" geleitet. Im Hörsaal ivurde Hitler Literatur verbleitet. Adolf Hitler erschien persönlich, irobei ihm seine mit Hakenkreu-en geschmückten Anhänger durch Trampeln und Klatschen eine lärmende Lvation bereiteten, für die er dankte. Ter Chefredakteur des .Völkischen Beobachters" hielt eine Cinführungsrede Prof. Spann sprach gegen den Reu-Kantianismus. der von „Fremden" vertreten wird: unter .Fremden" verstand er Philosophen vom Range Hermann Cobens und Cassi rers. Zum Schluß tauschten Hitler und Spann Händedruck und liefe Berbeugungen aus. bleiben? Bei dem Kuhhandel um die Ministersessel kann der Demokrat Becker schon in nächster Zeit seinem Vorgänger, dem Volksparteiler Dr. Boelitz. wieder Platz machen. Also Vorsicht bei diesem so dornenvollen Studium! Wie der Richter nur im Disziplinarverfahren ab- ' setzbär ist, so auch der Hochschullehrer und die Professorenlaufbahn an den Universitäten, technischen und sonstigen Hochschulen, ist auch für Juden im Vergleich zu früher jetzt weit mehr geebnet. So sehen wir ein ewiges, nach dem allbekgnnten national-ökonomischen Gesetz von Angebot und Nachfrage sich richtendes wirtschaftliches Auf und Nieder in dem Akademikerstande, nur daß der jetzt nach Aufreibung des Mittelstandes im Durchschnitt lange nicht mehr so kapitalkräftige Jude wie vor dem Kriege von dem Niedergange mehr betroffen wird, als der christliche Mitbewerber in den freien Berufen. Rechtsanwälte, Aerzte, Zahnärzte. Tierärzte. Apotheker ufw. suchen, falls sie christlichen Glaubens sind, gewöhnlich Vertreter derselben Religion: fast nie fehlt in den Fachblättern der Zusatz, „christlicher Konfession". Um so mehr Ehrensache müßte es für Juden sein sich nur von Juden vertreten zu lassen. An und für sich ist diese Abgrenzung nach Glaubensbekenntnissen ja nicht löblich, aber wie haben doch damit nicht angefanaen und müssen deshalb unseren wirtschafte, lich hart bedrängten Glaubensbrüdern wenn sie wirklich etwas leisten, den Existenzkomvf nach Möglichkeit zu erleichtern fucken. Sogar bei Lehrlinasstellen in chemiscken Fabriken und Avotbeken herrscht die eben gekennzeichnete konfessionelle Engherzigkeit oeschweiae denn, daß ' für gut bezahlte Stellungen jüdische Diolomingen i e u r e und Chemiker in der Großindustrie bei christlichen Inhabern irgendwelche Aussichten als Bewerber hätten. Man fürcktet angeblich das jüdische Strebertum das die Geschäftsgeheimnisse ausfvioniere. sich dann Kapital suche und selbständig dem früheren Brotherrn Konkurrenz mache. Auch große Bankinstitute. Zeitungen und Berlagsunternehmungen in denen noch immer Juden sich in leitender Stellung befinden, scheinen demselben Grundsatz zu kuldigen. so daß man mit Fug und Recht als Norm ausstellen kann: Je fortgeschrittener 82 ein Betrieb, desto judenreiner an Angestellten. Selbst gut jüdische Firmen stellen keinen Juden an, eher einen Hausdiener oder Reinmachejrau, als einen Buchhalter. Prokuristen oder gar Syndikus. Neu, und zwar erst seit der staatlichen Umwälzung hinzugekommen, ist für Juden die Ve rn>a l tu ngsk arri ere, die früher unter dem. alten Regime immer etwas Exklusives hatte, und demgemäß vonvornherein jeden Juden ausschloß. Jetzt haben wir jüdische Regierungs-, Oberregierungs¬ und Ministerialräte. auch Ministerialdirektoren, einen Oberbürgermeister, Paul Hirsch in Dortmund, der früher preußischer Ministerpräsident war, eine ganze Reihe be- --'foldejer Stadträte, einen Polizeivizepräsidenten. Dr. Weist in Berlin und ähnliches. Nur im aktiven OffizierkorM verlautet noch nichts von jüdischen Mitgliedern. Gegenü^r dem nicht an und für sich zu gering anzuschlügenden Plus-an neuen Stellungen.-haben wir das Manko der durch den Verlust alter Provinzen verringerten Erwerbsmöglichkeit - für jüdische Akademiker, zu denen neuerdings noch zahlreiche Dr. rer. pol. und Dipsomkaufleute mit vorläufig noch im einzelnen etwas schleierhaften Aussichten.hinzugetreten sind, zu verzeichnen. Hinzugekommen ist ferner das Frauen ft udium feit 1908. In dein ersten Jahre, wo der ministerielle Erlaß den Frauen in Preußen und bald auch im übrigen Deutschland gestattete, sich rite zuw Studium immatrikulieren zn lassen,^ 4st der Vrozentsatz voN jüdischen Damen als Studierenden von 8 6 im Laufe von 20 Jahren, auf 11.21 gestiegen. Bei den männlichen Studierenden hat er sich in der gleichen Zeit von 9 28 auf 4 9 Prozent verringert, hat also beinahe um die Hälfte abaenommen. Unser allgemeiner Prozentsatz an der Bevölkerung beträgt 1 29 ist sckeinbar also viel .tu hock. Aber andererseits bat der Umfckwuna der Verbältnisse in der jüngsten .Zeit für uns im Sinne des von Bethmann Hollweq vroklamierten Prinzips: freie Bahn dem Tüchtiaen. vielfach Bres-^e aescklagen. so in bezug auf die Leitung von Kunstinstituten man denke nur an Intendant Ießner, Tauber, die vielen Kammersänger und andere vom Stondvunkt der Gerecktiokeit erfreuliche Erscheinungen, die den Wechsel der Anschauungen zeigen. Bei dem Tortsckrei^n des Sieülunqsaedank e n sün jüdischen Kreisen wäre auch ein Anzahl akademischer Landwirte mit auter theordtiscker und praktischer Vorbildung ein dsnkbsxes und lohnendes Feld ihrer Tätigkeit gesichert. Alles in allem genommen resümieren wir uns dahin: Wahrhaft intelligente, befähigte und fleißige jüdische Jünglinge tauch Damen) mit bestandenem Abiturien^enexamen mögen bei vorhandener materieller Grundlage ruhiq studieren (aber nicht als Werkstudenten bzw. Studentinnen da sie sich dann entweder körperlich aufreiben oder ihr Studium vernachlässigen). Wir Juden sind stets (um ein schöner Wort von Heine zu gebrauchen) „an allen Schlachtfeldern des Geistes beteiligt gewesen" und werden es hoffentlich auch in aller Zukunft bleiben. l Verurteilung eines völkischen Bankiers AI 000 Betrogene. Das Schöfsenoerickt Berlin-Cbarlottenb"rq verbandelt unter BorsiK van LandoericktsdireKtor Tr Schmidts oe^en hen frecheren Bankier Wi"n Brust, der unter der Anklage der Unter scklaqunq der Untre"e des Betruges und des Känkurs-eraehe"s stekt Brvk hotte im Bonember 19?0 in der Brandenburgifchen Strafe in Berlin Wilmersdorf eine Bank chnter sei i'em Namen eröffnet Unter dem Schlao-^ort ..gegen das nerjudete Kapital" suchte er die völkisch-gesinnte» Kreise ‘ für sein Unternehmen zu gewinnen. Cr gab vor ein Mittel aeiunden zu haben, das auch den weniger kavitaltzkräftiaen Leuten eine Tei'nahme an der Spekulation ermögliche. Das waren die soqnannten ..Transaktionskonten". Die eingezahlten Gelder verwandte er zum grökten Teil für sich. Er veruntreute riesige Summen. Et'va 2 0 090 kleinere Geschäftsleute und Handwerker find auf diese Wesse um ihreErsparnissegekommen. s Das Gericht verurteilte Willy Bruk wegen Untrere. Untere schlagung und Betruges zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahre, die durch die Untersuchungshast verbüßt ist. ,

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