Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 10 (8.3.1929)
- Date
- 1929-03-08
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Briefe an den „Schild" An hie Jüdische Siedlung. Redaktion des „Schild- Berlin W 15. Jüdische iSieölung r.i Deutschland. Ter Gedanke marschiert, das Werk wächst und die vom RjF. getragene Bewegung hat die Unterstützung und'tatkräftige Hilfe des deutschen Iudentums gefunden. i Mit Recht so. Tenn wenn die Berufsumschichtung von ungeheurer Bedeutung ist für die verelendeten Masten des Oft judentums, wo die Siedlung aus verkümmerten, halbverhungerten und verzweifelten Luftmenschen, starke, arbeitsfrohe und produktive Bauern zu machen bestrebt ist —- so ist die Siedlungsbeweguyg von nicht geringerer Bedeutung für die in ihrer überwiegendein Mehrzahl dem kaufmännischen Mittelstände angehörende jühische Bevölkerung Deutschlands. Jeder, der aufmerksam die wirtschaftliche Entwicklung, nicht nur Deutsch lands. sondern der Welt verfolgt, weiß, dass mit dem rapiden Wachstum der grasten Waren- und Kaufhäuser sowie der Konsum- und Genollenschaftsvereine, ernste Gefahren für den kaufmännischen Mittelstand und die Existenzmöglichkeiten vieler Gewerbetreibenden im Anzuge sind, und dah früher oder svöter eine Berufsmyschichtung für diese Kreise zum unerbittlichen Zwange werden muh. Ist es nun möglich, junge Menschen der Großstadt aufs Land zu bringen und ihnen Liebe für den landwirtschaftlichen Beruf und Verständnis für feine Pflichten und Notwendigkeiten beizubringen — Das ist eine Frage die sich nicht so ohne wei teres glatt beantworten lästt. Zweifellos kommt es in erster Linie auf die Persönlichkeit des junoen Menschen an. a»f seinen guten Willen, mit Lust und Liebe an neue, harte Pflichten zu gehen, zu denen ihm natürlich körperliche und geistige Anlagen nicht fehlen dürfen. Es ist keineswegs gesagt, dah ein guter Landwirt nur aus einem Landwirtshause kommen kann. Und hier mag ich vielleicht mir bekannte Fälle erfolgreicher Trovenlandwfrte heranziehen, ohne damit etwa deutsche und tropische Landwirtschaft in a"en Punkten in Vergleich ziehen zu wo"en. Von mir bekannten deutsches Pflanzern, die erfolgreich Kakao- und Palmenpslanzungen auf Samoa bewirtschaften oder bewirtschaftet haben, entstammte nur tin ganz geringer Teil landwirtschaftlichen Kreisest oder war isss Landwirt ausgebildet. Daaegen befanden sich darunter eine ganze Anzahl Kausleute, Hand werker, Beanfte usw. und sdiese konnten sich an Tüchtigkeit und Erfolg mit Berufslandwirten jederzeit messen. Aber auch für jüdische Siedler liegen Beweise vor, dah die Bcrufsumschichtung sich erfolgreich verwirklichen läht. Ich erinnere an die! jüdischen Kolonien Argentiniens, in denen grössere Mengen jüdische Händler usw. aus den Ostländern produktiv mit großem Erfolge tätig sind. Und an die zahlreichen jüdischen Kolonien und Einzelsiedler Kanadas und der Vereinigten Staaten. Tiefe Beispiele jüdischer Cied'ungstätigkeit sollten zur Genüge beweisen, dah wie in den Juden anderer Länder, auch im deutscten Juden das Zeug zu einem tüchtigen Landwirt steckt, vorausgesetzt, daß ihm der schwierige Weg zur Selbständigkeit in geeigneter'Weise geebnet wird.! G. M. Gwan, Kakaopflanzer auf Lesea Pflanzung, West-Samoa (Süd An die Freiheit in Rumänien. Redaktion des „Schild- Berlin W Eine Umgestaltung, wie sie — ohne Anwendung vor Gewaltmitteln — noch selten in der Geschichte vorgekommn ist, hat sich diesen Winter in Rumänien vollzogen. Don heue auf morgen verschwand das oligarchifch-diktatorische Regime Bratianu. dessen Macht unerschütterlich geschienen hatte, und an seine Stelle trat die von den breitesten Volksschichten getragene Regierung M a n i u, die die Demokratie in ihrer idealsten Form verkirvert. Frei'ich, überraschend rvar die Umgestaltung nur für den oberflächlichen Beobachter gekommen. Tatsächlich hatte sie sich schon 8s ee). 15. seit Jahren innerlich vorbereitet. Die Bratianu» hrtten durä die Korrumpierung des gesamten Staut»- und Wirtschaftslebens und durch ihre volksfeindlichen Metho den sich selbst das Grab geschaufelt. Maniu auf der anderen Seite hatte seit zehn Jahren mit einer Fähigkeit un> Unbeirrt heit, die nur der fanatische Glaube an die Demokrat « zu geben, vermag, die Bolksmassen systematisch und zielbewi kt organi siert, so dah an dem Tage, wo die Diktatur in sich selbst zusam menbrach, eine politisch geschulte, unter zehnjährigen brutalster Verfolgung seitens der alten Machthaber in straffe c Disziplin zusammengeschweihte Volksmass« zur Uebernakme der Macht bereit stand. n Manius Partei nennt sich „N a t i o n a l z a r a Partei", Nationale Bauernpartei. Das heisst aber sie eine Klassenpartei wäre. Sie ist aus der Verschrie siebenbürgischen Nationalpartei und der Bauernpartei Rumänien, des Regats, hervorgegangen, und daher Name. Sie ist die Partei der breiten Ma kleinen Mannes. Stark sozialistisch beein die alte Bauernpartei war sozusagen eine Tochteip russischen Kerenskipartei gewesen und diese sozialisti tion lebt auch in der vereinigten Nationalzaranistisch fort. Maniu hat mehr als vier Fünftel all men bei den im Dezember durchgeführten Wahlen Listen vereinigt. Die Partei Bratianu», die sich tei" nennt, ohne auch nur im geringsten liberale Te verfolgen, bekam knapp ein Zwanzig st el de men! nisttsche nicht, dah lzung der de» alte» lammt ihr e n, des luht, denn artet der che Tradien Partei r S t i m - auf feine rrale Parssdenzen zu S t i m d> Mit der allgemeinen Umgestaltung in Rumänien konfessionelle Freiheit für alle a> Rumänien, das verrufne Land des Antisemitismus, einem Schlage das Land geworden, wo es den Juden ~ geht. Maniu betrachtet die Religion im st Sinne als Privatsache jedes einzelnen und fassung lebt in seiner ganzen Partei ja, wie sich bei zeigte, im ganzen rumänischen Volke. Die A n t i s Partei des Professors Cu za. die unter Brat Lärm gemacht hatte, hat, obzwar sie in allen Wahlbeii trat, nicht einmal 1 v. H. aller Stimmen 0 98 v. H. — bekommen. Jetzt erst erkannte man klar, berüchtigte rumänische A n 1 isemitismu lich gezüchtet worden war: von der reakti unproduktiven Diktatur, die geleg Pogrome gebraucht hatte, um die das w egenden Probleme auf das Nebei „Iudenfrage" zu schieben. Der Vergl dem zaristischen Ruhland und mit Ungarn liegt nahe. in Ten Grundsatz, daß Religion Privatsoche ist. si auch! gegen die Juden durch, die aus der Religion e machen wollen. Es gibt in Rumänien eine sogenannt sche Union.deren Führer Fildermann ist. sind nicht ganz klar, man weih nur so viel, daß Rücken einige reiche Juden zu Ehrenstellen, Kamme und guten Geschäften gekommen sind. Sie ging in zehn Jahren politisch immer mit.Bratianu unbekümmert darum, dah auf dem anderen Flügel — Cuza stand. (Das rumänische Wahlgesetz macht es Parteien unmöglich, mit selbständigen Listen am teilzunehmen, weshalb sie immer ein Kartell mit g teien suchen müssen.) Ist der Erkenntnis, dah die Zeit vorbei sei, wollte Fildermann sich bei den Dezember Maniu kartellieren, dieser aber lehnte ab mit düng: Eine politische Organisation wie die auf konfessioneller Grundlage steht, kam aus meine Wahllisten nehmen. Die Juden, die sich nen bekennen und mit uns stimmen wollen, finden b^: Aufnahme in der Nationalzaranistischen Partei, und auch sehr viel jüdische Mitglieder und A neten-Kandidaten. Konfessionelle Minderkeifl ich nicht ich kenne nur Rumänen und nationale M die alle ihre volle Freiheiten genießen. Seiner Relih jedermann im Privatleben dienen, aber Politik kann daraus machen! der n Darauf ging Fildermann zu Bratianu zurü und feine Freunde auch wieder auf feine Listen nah Mandat hat keiner bekommen, denn Bratiast selbst nur mit Mühe die Prominenten der eigenen dreizehn Mann — durchbringen. Auch die Zionisten wendeten sich an Maniu um ihrer Kandidaten auf die Listen der Regierungspartei. st auch die »gebrochen, ist mit am besten e n g ft e n diese Aufn Wahlen emi te n - anu soviel rken auf- — genau dass der . künst - ojiöten, e nrl i ch e o lk begeleise eich mit orthy- 0 d: tzt Maniu Geschäft e Iüdi- Zhre Ziele auf ihrem Mandaten )en letzten zusammen, Professor n kleinen Wahlkampf Par- Bratianus Wahlen mit Begrün- Ihre. die ich nicht «ills Rumäreitwillige wir haben igeorden kenne ifiderheiten, ' jton kann man nicht K der ihn Ein u konnte Partei — Aufnahme Sie wur-