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Der Schild · 1929-03-01 · 9 (1.3.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
9 (1.3.1929)
Date
1929-03-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Die Hakenkreuzfahne Unfriede selbst am Volkstraueriag Bisher haben wir jüdischen Frontsoldaten geglaubt, daß wenigstens am Volkstraueriag über alle Parteien und Konfessionen hinweg nur wehmütige Erinnerung und unauslöschliche Dankbarkeit die Stunde beherrschen werden. Wir haben bei allen deutschen Parteien und Verbänden als selbstverständlich vorausgesetzt, daß an einem solch erschütternden Tage nichts geschehen würde, w,s geeignet ist, den. Ernst des Tages und die Gefühle der Trauer auch nur im geringsten zu verletzen. Unser deutsches Volk wird die 384 Tage des Jahres derartig von weltanschaulichen Gegensätzen und politischen Käinpfen, die of, jedes erträgliche Maß übeisteigen, hin und her gerissen, daß man dankbar svar, wenigstens einen Tag iur Jahre zu haben, an dem alle Gogensätze schweigen und nur erhebendes Gedenken alle, die auf deutscher Erde leben, mit unsichtbaren Banden zusammenschließt. Was mußten nun dieses Mal die Vertreter unseres Bundes im Reichstage, die dort anwesenden jüdischen Frauen und Mütter, die iin Kriege ihr Bestes verloren haben, erleben? In der vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge veranstalteten maßgebenden Feier für die Gefallenen, zu der - die Reichsrcgierung, mit dem Reichspräsidenten an der Spitze, erschienen war, fand sich eine nationalsozialistische Abordnung in Hitlerunisorm ein. Sie trug eine rote, wct'.hin leuchtende Hakeukreuzfahne, daS bekannte P rrteibanner der Rationaliozialistischen Deutschen Arbeiterpariei, und stellte sich möglichst sichtbar bei der Feier gegenüber der Loge des,. Reichspräsidenten auf Haben diejenigen, die diese Abordnung zuließen. bedacht, welche Schwach diese Herausforderung für die jüdischen Teilnehmer der Feier bedeutete? Haben sie gewußt, daß unter diesem Zeichen den Juden und dem Judentum stets die größte Beschunp'ung zugefügt wild? Ist ihnen bekannt, daß in den Blättern der Partei, die dieses Symbol tragen, grwohnheitsgemäß dik jüdischen Gefallenen beschimpft und die noch lebenden Frontkämpfer ständig in ihrer Ehre angegriffen werden? Kannen die Veranstalter überhaupt nur ermeffen, was es heißt, wenn in einer solchen Stunde einer Mutter, die um das blühende Leben eines Sohnes, das sie im Kriege dalnngeben mußte, ihr Lebenlang trauert, dieses Zcich?n der Beschimpfung jüdischer Menschen, jüdischer Lehien Und des Judentums überhaupt als Dankbarkeit deS Vaterlandes vor Augen gehalten wird? Wieder einmal ist es den Nationalsozialisten vpibehalten geblieben, heiligste und letzte Gefühle mit ihren Herausforderungen zu treffen. Eie mögen sich äußerlich in ihrem „Erfolg" sonnen. Die Geschloffenheit des deutschen Volkes am Volkstrauertag, die bisher bestand, haben sie aufs schwerste erschüttert. Wer hat drn Mut, eine solche Handlung als vaterländisch oder national zu bezeichnen? Der BolkSbnnd Deutscher Kriegsgräberfürsorge, der auch dieses Jahr auf dem Ehrenfriedhof in Weißensee einen Kranz niederlegen ließ und deffen hoch anzuschlagendeS Verdienst es ist, die Kriegergräber überall in Deutschland und auf der Welt unterschiedsloszu betreuen und im deutschen Volk einen Tag eingcführt zu haben, an dem sich alle deutschen Staatsbürger in Trauer um die gefallenen Helden einhellig vereinigen, ist -mit ernstem Nachdruck zu fragen, wie er zu dieser schweren Störung bei der Reichstagsieier Stellung nimmt. Werden nicht ausreich.-ude Sicherheiten daiür geboten, daß ein solch beschämender Vorfall in Zukunft unterbleibt, so werten in Achiung vor allen Gefallenen und in Achtung vor uns selbst wir jüdischen Frontsoldaten die Folgerungen aus dem Vorfall ziehen, die unsere Ehre gebietet. Wir sind sicher, in dieser uns aufgezwungeuen Haltung bei weiten Kreisen des deutschen Vo.kes Zustimmung und Unterstützung zu finden. Schinerzlich würden wir es bedauern, wenn dann der deutsche Volkstrauertag nicht die i>nge>:örte"Trntier, sondern, wie viele andere Tage, die innerdeutsche Zerrissenheit offenbaren würde, die nicht einmal vor Gräbern Halt macht, i * Oberstleutnant Brunzlow über die jüdischen Helden. Im Zusammenhang mit dem Volkstraueriag am 24. Februar 1S29 weist in der „E.D-Zeitung" Oberstleutnant a. D. M. Brunzlow auf das vom rechtsradikalen Schrift-' steiler herausgegebene Buch „Die Unvergessen e n", in welchem 44 mehr oder weniger über dem Durchschnitt stehenden Persönlichkeiten ein Denkstein zu setzen versucht wird. Brunzlow schreibt u. a.: „Die Tatsache, daß unter den „Unvergessenen" auch das Leben dreier Juden, LudwigFrank, Walther Heymann und Alfred Lichtenstein, im-engsten Zusammenhang mit dem der Feldmarschälle von Eichhorn und.von der Goltz, des Admirals Graf von Spee, der Fliegerhelden Boelck«„,Immel mann und Richthofen, des berühmten Afrika-Kämpfers Tom von Prinse, des Unterseebootsührers Otto Weddigen neben bedeutenden Dichter^ Künstlern und Echrislstellern eingehend ge würdigt wird, lasten den Abscheu vor dem Treiben der Juden feinde zur Verachtung anschwellen. Wir, die wirMr das Vaterland geblutet haben und ehrlich sind, können es nicht fasten, daß es heute noch Deutsche gibt, die den gefallenen deutschen Juden weniger Recht auf Verehrung zuerkennen wollen als den christlichen Kameraden, He amtliche, durch Namen belegte Zahlen als unwahr Hinzusteilen sich nicht schämen, die sogar die Ruhestätten jüdischer Kriegsopfer zu verwüsten als eine Helden tat ansehen, zu der zu bekennen die Mistetäter noch nicht ein mal den Mut haben. Sicher ist den Fliegerhelden Boelcke, Immelmann und Richthofen kein anderer Kampfflieger würdig an die Seite zu stellen. Aber es sei zur Ehre jüdischer Flieger hier betont, datz Alfred Grünfeld aus Niederstütten in Bayern mit 22Frontflügen, Willy W o l f f aus München mit 87 Kriegsflügen in vollstem Maße ihre Pflicht getan haben. In dem Nachruf des Abteilungsführers, des Juden Mäx Holziger aus Fürth, heißt es: „Ihr heldenmütiger Sohn hat durch feine mit ünge ivöhnlicher. todesverachtender Unerschrockenheit unternommenen Flüge an erster Stelle dazu beigetragen, der Abteilung den Rus zu sichern, den sie jetzt genießt." Es ist auch hervorzuheben, daß in der Lebensbeschreibung des Juden Walther Heymann angegeben ist, in seinem Nachruf habe sein Freund Siegfried von der Trenck, also sicher kein Jude, gesagt: „Walther Heymann war Jude, aber er war auch Ostpreuße, und er war vor allem anderen jetzt Deutscher." Ein Regimentskamerad berichtet über Tod und Bedeutung des Dichters Walther Heymann: „Das innere Erleben des Tapferen liegt aber ohne Dunkel in der Linie seines unbändigen Taten drangs. Ich glaube, nichts, selbst das überraschendste nicht, was einmal diesen Zeilen als Nachricht über des Manne» letzte Stunde nachzutragen wäre, wird je die hellseherische Kenntnis erweitern können, die er uns in den letzten Blättern seiner Briefe hinterließ. 75

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