Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 9 (1.3.1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Unser Fliegerbuch. Das Saailouiser Journal Nr. 39 vom 15. Februar; cr. schreibt über unser Fliegerbuch: Felix A. Theilhjaber „Jüdische Flieger im Weltkrieg" (Verlag: der Schild/Bertin). „So lest dieses Büchlein-, heißt es im Geleitwort zu der ausgezeichneten, mit schönen photo- -geaphischen Aufnahmen reich versehenen Schrift, „die: ihr euch ein Herz für das über atterr^Parteien stehende Flugwesen bewahrt habt. Tie Arbeit ist wertvoll und des Studium würdig". Und er hat recht, der Verfasser dieses Geleitworts, Oberstleutnant a. T. Siegelt, ehemaliger Inspekteur der Fliegertruppen. Tatsachen auf Tatsachen türmt das Buch. Sie besagen, diese Tatsachen, daß über 12 000 jüdischer Soldaten im Kriege gefallen (nicht verwundet oder invalide, sondern gefallen!), daß die Juden kaum 1 Prozent der deutschen Bevölkerung ausmachen. demnach prozentual nicht weniger Opfer ihrem Vaterland gebracht haben, als die Deutschen der anderen Konfessionen, daß gerade unter den Fliegern die Juden eine ganze Reihe der heldenhaftesten Vertreter ausweisen, u. a. m. Ter Verfasser zitiert die Worte aus der Leichenrede, die der große Tribun Perikles 439 vor Christus für die im Kriege gegen Schnos gefallenen jungen Männer gehalten: „Dem Jahre ist der Frühling geraubt worden". „Auch den jüdischen Familien Deutschlands", setzt F. A. Theilhaber fort, „sind viele Hoffnungen genommen. Die Tatsächlichkeit jüdischen Heldenmutes — auch im Dienste der Fliegerwaffe — best re i t e n zu wollen, heißt, ihr Andenken und ihr Grab besudeln." O weh. das tun sie ja im wahren Sinne des Wortes, die Hakenkr?uzler! . . . Doch „wer die großen Verdienste", heißt es an anderer Stelle des Buches, „und die starke Anteilnahme der jüdischen Jungens an dem Kriege bestreitet, der betreibt eine Derleumdungspolitik, über die wir angesichts der Tatsachen zur Tagesordnung übergehen können." ... Doch vorerst lese man das Buch, damit man die wirklichen Kriegsverdienste des so zu Unrecht verkannten Stammes zu würdigen lerne. Man wird es nicht bereuen, zumal das Merkchen sein trockenes Aktenmaterial in einem vorzüglichen Deutsch wiedergibt und die Schilderungen unterhaltend und vom sprühenden Temperament durchdrungen sind. Zum Schluß mögen noch die Worte angeführt werden, mit denen 1808 ein Gegner der Juden, der preußische Minister Schrötter, seinem Könige einen Entwurf vorlegte: „Der Jude hat orientalisch-feuriges Blut und eine lebhafte Imagination. Alles Anzeichen einer männlichen Kraft, wenn sie benutzt und in Tätigkeit gesetzt wird. — Er ist in der älteren und auch in der mittleren Zeit sehr tapfer gewesen, und man hat selbst in ganz neuerer Zeit., sowohl im amerikanischen als im französischen Revolutionskriege, auffallende Beispiele von Juden gehabt, welche sich ausgezeichnet haben . . ." Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold zur Abwehr des Antisemitismus entschlossen. Otto H ö r s i n g. der ehemalige Oberpräsident von. Magde^ bürg, der Gründer und Vorsitzende des „Reichsbanners Schwarz- Rot-Gold", ruft in der Zeitschrift „Das Reichsbanner" unter dem Signal „Kampf den Staatszerstörern!" energisch zur Abwehr des Antisemitismus ouf. Er schreibt: „Immer.rnehr gewinnt es den Anschein, als ob wieder eine antisemitische Welle über Deutschland dahingehen solle. Zwar von dem deutschoölkischen Kreis um Wulle ist wenig zu spüren. Dafür aber entfalten die Nationalsozialisten, die radikalste Spielart des Antisemitismus, eine fieberhafte Tätigkeit und haben — leider muß es zugestanden werde» — nicht unwesentliche Gewinne an Mitgliedern zu verzeichnen. Bor mhr liegt eine ziemlich umfangreiche Mappe von Mitteilungen -aus den verschiedensten Teilen des Reiches, die fast ohne Ausnahme von einer erfolgreichen Propagandatätigkeit der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei berichten. Schon Bebel sagte: „Ter Antisemitismus ist der Sozialismus der Dummen". Bedauerlich ist nur. daß diese Dummheit verzweifelter Menschen zu einer Gefahr für die deutsche Entwicklung geworden ist. Tenn sie gibt Leuten Macht und Einfluß, die nicht davor zurückscheuen, an die niedrigsten Pöbelinstinkte im Menschen zu appellieren und einen brutalen Terror auszusiben. . . . Wir haben es schon zu häufig erlebt, daß die Nationalsozialisten über friedliche Straßenpassanten. die sie für Juden hielten, hergefallen sind und sie niedergeschlagen haben. Man denke nur an Berlin, Bremen und Hannover! Und ist es nicht eitze Schande für das ganze deutsche Bolk, daß infolge dieser antisemitischen Hetze 09 jüdische Friedhöfe geschändet worden.sind? Man greife also endlich mit allen Mitteln durch, wenn der Staat keinen Schaden nehmen soll. . . . Will es der Staat noch länger dulden, daß, wie im Wiesbadener Bezirk, 74 in Hessen und an anderen Stellen, Beamte und Lehrer die Füh rer dieser staatsfeindlichen Bewegung sind?" Der Ausruf Hörsings schließt mit der Versiehe tung, daß sich das „Reichsbanner Schwarz-Rot Gold" mit aller Kraft dene, entgegenwerfen will, „die neues Unheil über Deutschland brin Sen möchten, die wieder mit Knüppel und Revolver den innere,, rieden bedrohen und vor dem Aeußersten nicht zurückschrecken" Interessante Sitzung der Repräsentanten- Versammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde. Die Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde nahm in ihrer Sitzung am Montag, den 18. Februar, die Wahl des Präsidiums für die diesjährige Sitzungsperiode vor. Nachdem 10 Stimmen für den bib herigen Vorsitzenden Geheimrat Julius Stern (Religiöse Mittel partei) und 10 Stimmen für den vormaligen Vorsitzenden Rechts anwalt Heinrich Stern (liberal) abgegeben wurden und ein Repräsentant sich der Stimme enthielt, entschied das Los für Geheimrat Dr. Julius Stern. Dr. Klee stellte den An trag zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden Herrn Heinrich Stern zu wählen, Professor Türk erklärte aber namens der liberalen Fraktion, daß sich diese, wie schon in der vorjährigen Periode, an der Wahl des Büros, nicht mehr beteiligen wolle nachdem ihr, als der größten Fraktion, dir Stelle des ersten Vorsitzenden nicht eingeräumt wurde. Daraufhin wurde Rechts anwalt Dr. Klee zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Die Wahl des zweiten stellver tretenden Vorsitzenden wird in der nächsten Sitzung vorgenom men werden. Auf eine Anfrage der Jüdischen Volkspartei wegen der An läge eines Sportplatzes wurde vom Borstandstisch durch Herrn Caspary die Auskunft erteilt, daß nach den zum Abschluß gebrachten Verhandlungen mit dem Berliner Magistrat demnächst ein großes Sportgelände in der Nähe des Funkturms den jüdischen Sportoerbänden als Sportplatz der Berliner Jüdischen Gemeinde zur Verfügung gestellt werden würde. Tie Anfrage der Volkspartei, welche Maßnahmen der Gemeindevorstand zur Kohlenrersorgung der ärmeren Bevölkerung bei diesen abnormen Witterungsverhältnissen getroffen habe, beantwortete der Vorsit-ende des Vorstandes, Herr Kareski, dahin, daß zunächst 10 009 Mk. für Kohlenanschasfung bewilligt seien, daß aber, wenn das Bedürfnis sich steigern sollte, selbstverständlich über diese Suinme hinausgegangen würde. Aus der Reihe der erfolgten Bewilligungen seien erwähnt eine Bewilligung für die jüdischen- Fallaschjis, die in Deutschland ihre Ausbildung erfahren, und eine für bas Lehrgut des deutschen Misrachi in Rodges. Eine eingehende Diskussion erhob sich über die Frage, ob in der neu erbauten Synagoge in der Prinz-Retzenten-Straße die Verteilung der Sitze so angeordnet werden solle, daß auch weibliche Familienangehörige neben den Män item ihren Platz finden solie,n. Die Vorlage des Gemeindevorstandes wurde schließlich mit 10 gegen 9 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen angenommen. Iür das Zusammensitzen stimmte geschlossen die liberale Fraktion, dagegen ebenso geschlossen die Fraktion der Jüdischen Volkspartei und die beiden Herren der Mittelpartei. Ter Stimme enthielten sich der Poale Zionist Dr. Oskar Cohn und der Konservative M. A. Loeb. Ein antisemitischer Richtet in Polen abgesetzt. Bor kurzem hat der jüdische Nationalrat beim Iustizminister eine Beschwerde gegen den Friedensrichter von Banarowicz. Wierzkowski, erhoben, der in einem Streitfall zwischen einem christlichen und einem jüdischen Fuhrmann zugunsten des Christen entschied und in der Begründung bemerkte, datz die Juden immer nur den Schaden der Christen wollen. Nunmehr teilte der Iustizminister dem Nationalrat mit. daß Wierzkowski mit strengem Vorwurf aus seinem Amte beseitigt worden ist. Die 500 Jahre alte Synagoge der Königin Esterke" vom Linsturz bedroht. Die Warschauer jüdische Gemeinde erhielt ein Schreiben vom Rabbiner des Städtchens Ianow. Morgenstern, in welchem mitgeteilt wird, daß die mehr als 500 Jahre alte Stadtsynagoge, die als ein Wahrzeichen von besonderer Schönheit von Reisenden und Touristen fleißig aufgesucht wird, wegen Baufälligkeit einzustürzen droht. Die Warschauer Gemeindeverwaltung wird um einen Beitrag zu den Renooierungskosten ersucht. Die alte Synagoge von Ianow spielt eine Rolle in der Legende der als Jüdin geborenen Königin Esterke. der Gattin des polnischen Königs Kazimir. Nach der Legende hat Königin Esterke die Synagoge in Ianow erbauen lassen und auch dem ersten Gottesdienst in derselben beigewohnt. 1 I