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Der Schild · 1929-02-08 · 6/7 (8.2.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
6/7 (8.2.1929)
Date
1929-02-08
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Natzi Ehrenfelb liefert Beweise. . . Bon Elle Matisse». Tie Mensche» inochen sich, gerne Symbole, um Tinge und Mensktien leia.ter zu oerslchen. Tie Begrisfslwmplexe sind viel zu groß. um sie mil menschlichem Auge leicht überblicken zu Können. Tarum nimm» man die Zu,lucht zum Symbol. Es werden Beispiele ausgesucht, die eine gewisse Begrisssgruppe darstelle». Tiefe werde» dann zu sogenannten Symbole». In ganz besonderer Weise wurde auch uiiser Ralzi El, re »seid zu solch einem Symbol unseres jüdische» Tasein's und Leidens ... Ter lange Eisenbahnzug. der von Bodenbuch bis zur Süd grenze der tschechoslowakischen Republik den Berkehr in einem einzigen langen Atemzug abwickelt, fuhr mit Eisenbahnpünkt lichkcit aus dem Prcßburger Bahnhof ab. um den Verhältnis mäßig kurzen Weg bis zur ungarische» Grenze zu beenden. Wir sahen aus de» Bänken der drittes, Klasse aneinander gedrängt. Sonntag war s und viele, die ihre Wochentage in der fremde verbringen, eilten jetzt zu ihren Familie», um die paar Stunden der Buhe im heimischen .«reise zu rerbringcn. Eisenbahner. Arbeiter. - ausgedörrte .«leinbeamtc füllte» das armselige Interieur des Eisenbahnwagens und ein wirklicher Armengerua, der dritten .«lasse beschwerte die Lust. Es sah so aus. als wäre in diesem Kreis ei» jeder Gesellschastsuntcrschied ausgeschaltet. Toch war es nicht so. Tiefearmen Leute, die mit dem bittere» Schweiß ihres Angesichtes das tägliche Brot verdiene», fanden ein Thema, ivo sie sich überlegen suhlten: die Juvensrage. Alan sprach vom Juden. der Reichtum hat, Weltinacht hat. nicht arbei tct und die übrige illlenschheit bluten und racker» läßt, um de» 'Ruhen der Produktivität seiner Mitmenschen einzuhcimsen. Was haben die Jude» im Kriege getan?" stöhnt eine bier heisere Stimme in das Gespräch hinein, „sie haben den ganze» Krieg hinter der Front verbracht, und während wir blutete», habe» sich die Juden Reichtiimer geschasst... sind auch jetzt nach dem Kriege sind sie die Herren ..." Ticht am Fenster sitzt ein Alaun, stillschweigend. in sich ge kehrt. Er ist schön und stattlich ausgestattet von der Ratur: nur die Physiognomie, die jahrtausendlange Klage» und Plagen einer Rasse verrät, scheint Zeugenschaft dafür abzulegcn. daß die Aposlrophierung seiner 'Rachbar» sich aus ihn bezieht. Er sitzt mit verbitterten Miene» auf der Bank: er sagt nichts, aber ein klägliches Lächeln iiberläuit hie und da sein Antlitz. -' Tie Leute schwatzen und sprechen weiter, immer wieder ivil dere und wildere Ausbrüche donnern Zn der Luft, einige steigen aus. andere komme» hinzu . . . Tie Streitkraft des Gesprächs jioffes wird bei einer jeden Station auigefrischt . . . "Rur der Jude sitzt unbeweglich am Fenster, in seinen Reiseplaid gehüllt. Plötzlich spendet er sich an mich, der ich ebensostumm dem Geschwätz der 'anderen zuhürc: „Könnten Sie mir nicht sagen, bitte, wann ich Anschluß nach .«omorn habe?" Ich gebe ihm die gewünschte Aufklärung. Ter Man» dankt und im nächsten Moment sind nur auch schon im Gespräch. „Seit gestern Abend fahre ick." beginnt er. „Ich war in Prag bei Massaryk." Ich schaue mit natürlicher Berwundcripig aus den Alan». „Was haben Sie bei Massaryk gemacht?" „Ich ivar wegen meiner Invalidenpensio». Alan hat sie nur mil 2» Prozent festgesetzt, und das ist doch viel zu ivcnig. um eine Fapiilie erhalten zu können." Ich schaue mir de» Plan» erstaunt an . . . Breite Schultern, die eine» Berg ertragen würden, die Muskulatur springt her vor, Hände, die geeignet iväre». einen wilden Stier zu bündi gen . . . Und dieser Athlet, dieser Riese null Invaliden Pension , , . Bielleicht hatten die Spötter doch recht . . . Hier ist dieser Jude, das Gegenteil von Gebrechlichkeit, ja. die Ber kürperung eines gesunden, starken Mannes, wie er aus der Bank da sitzt, mit einem ganzen Kopf höher, an den Schultern um vieles breiter als alle Reisegefährten . . . und verlangt Jnvalidenpension ... Er will, ohne zu arbeiten, mühelos auf Koste» des Staates lebe» . . . Alit einer gewissen Zurückhaltung und Berdacht schöpfend wende ich mich an ihn. * „Was fehlt Ihnen denn eigentlich. Herr . . ." .Ignatz Ehrenfeld," beendete er meine Frage . . . und im nächsten Moment erstarre ich vor einem Schrecken, der meinen ganzen Körper erbeben macht ... . . . Ignatz Ehrenseld hat den Plaid, in den sein Körper eingewickelt war, emporgehoben und siehe da: der schöne, rüstige Körper hat keine Fortsetzung nach unten . . . Beide Füße sind amputiert, bis über die Knie ... Aber nicht nur ich, auch die anderen sehen es und alles wird in einem Augenblick still . . . Ignatz Ehrenfeld hat Beweise geliefert, die die Spötter und Schwätzer still gemacht haben . . . Ehrenfeld hat seine jüdischen Brüder gerechtfertigt! . . . Leo Löwenftein Am 8. d. Mts. wird 2 c o 2 ö ro c n ft e i n 'öO Jahre alt! Zu diesem Geburtstag-, den niemand, der ihn, er lebt, freudig begrüßt, und an den der, der ihn erlebt hat. bald mit Wehmut zurückdenkt. bringe ich-ihm die (Klüclrivünfche des Buitdes. Feiern -tvgllen ivir ihn abci nicht dieses Tages wegen, feiern wollen jpir ihn' anläß lidi des zehnjährigen Bestehens, unseres Bundes, da.- mit seinem ersten 2ebensjubiläum .zusammenfällt. Als Wortführer des. Bundes auf,zutreten halte ich mich für berechtigt, weil es mir vergönnt war. unter denen zu sein, die mit unserem Führer den Bund ins 2ebcn gerufen haben. Es ist' Ende 1918 gewesen, als mich 2udwig -Holländer mit 2eo,2öwenstein zusammenführte. Tei. Plan 2öwensteins, >die jüdischen Frontkämpfer zu vcr einigen, das Band der Kameradschaft um sie zu schlin gen. ein lebendes Symbol für die Pflichterfüllung de, Juden im Weltkrieg zu errichten, eine Plattformzu schaffen, auf der jeder Kriegskamerad, welcher politi scheu oder innerjüdischen Richtung er auch angehöre, gemeinsam mit jedem jüdischen Frontkämpfer dtin Kampf gegen Undank und Ungerechtigkeit führen könnte, ohne in den eigenem Reihen Streit und Zwie tracht befürchten zu müssen,' nahm ich voller Freude aui. und bald konnte mit einigen gleichgesinnten Kameraden die Gründung des Bundes erfolgen. Was 2eo 2öwenstein von der. Gründung an für de., Bund getan hat. Irann nur der würdigen, der, sein Wir. ken von Anfang an mit erleben durfte. Um den Bund aus seiner zehnjährigen klippenreichen Fahrt zum Ziele sühreu zu können, genügte nicht nur die Begeisterung des Führers für unsere' Sachs, sein großes Crfimiiio lionstaleut, sein unermüdlicher Fleiß, sein zielbewußtes Turchhalteu: ivas 2eo 2öwenstciu vor altem auszcich net. und was ihn befähigt-hat. sein Ziel zu erreiche,', ist sein ungewöhnlich feines politisches Fingerspitzen - gefühl. Ihm - verdailkt der Bund seine Stellung" nach innen und außen. ' Tie Bescheidenheit 2eo 2öivenstei»s hat es verschuldet. daß die Kameraden über sein 2ebeu nicht unterrichtet sind. Er entstammt einer seit vielen Gene rationell am Rhein ansässigen Familie. : Schon als Schüler hatte er in seiner Heimatstadt einen jüdischen Zöund gegründet, wahrscheinlich die erste jüdische Jugendorganisation. Als Student trat er dem KE bei, wo in dar Münchener 2icaria sein 2eibbursch Ludivig Holländer war. Schon als Student befaßte sich Löiverrstein mit dem Berhältitis der^ deutschen Juden zum Heere: 1901 schrieb er für die „Kölnische Zeitung" einen Artikel, in dein er dafür eintrat, daß die Schaue rigkeilen gegen den? aktiven Mtlitärberuf der Judt^i fallen müßten.. In dem Artikel, der damals durch die ganze Presse ging, von der Gegenseite heftig bekämpft, aber auch unverhoffte Fürsprecher fand, legte er wein ger Gewicht aus die Zulassüng in das aktive Offizier Korps als vielmehr auf den Eintritt geeigneter Indischer Unfrankiert An das : ' >r> den Briefkasten v werfen oder am Postschalter \ abgeben. » . Postamt _r

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