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Der Schild · 1929-02-08 · 6/7 (8.2.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
6/7 (8.2.1929)
Date
1929-02-08
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Männer in die Unteroffizierslaufbahn. Neben seinem eigentlichen Berufe als Leiter elektrotechnischer Betriebe und Forscher hat er sich als Reserveoffizier der Telegraphentruppen stets mit kriegstechnischen Problemen befaßt. Erst vor einigen Monaten schilderte die Zeitschrift der Reichswehr, „Die Heerestechnik", in ihrem amtlichen Teil, wie „Hauptmann d. R. a. D. Dr. Löwenstein, der Erfinder der deutschen Schallmessung", dieses heute in allen Heeren gebräuchliche Verfahren schon im Frieden erfand und im Kriesse als erster, an der Front von Arras bis Ipern, organisierte. Im Kriege war es ganz besonders die Ausbildung des technischen Kampfes, der Erkundung und der Nachrichtenmittel der vordersten Linie, die er mit Erfolg als Soldat und auch als Ingenieur betrieb, ein Tätigkeitsebiet, dem er auch heule noch sein Interesse entgegenringt. Ein Leben voll tätiger Liebe sürlti« Allgemeinheit, voll tätiger Liebe für unsere Sache! Leo Löwensteiu, unser Hauptmann, wir danken Dir. daß Du die Führung unseres Bundes als Deine Lebensaufgabe ansiehst! Ferdinand Samoje. Brief an den „Schild- «US den Erfahrungen eines Ortsgruppenleiters An die Redaktion des „Schild- Berlin SB 15. Wer nicht abseits stehen will von der immer gärenden, blutvoilbraufenden, so herlich lebendigen jüdischen Gegenwart, diesem bunten farbenschillernüen Leben mit seinen vielen Strömungen, Nöten und immer hoffnungsfrohen Erwartungen, wer gern sich erfassen läßt von diesem wirbelnden, oft verwirrenden Tanz unerhörter lebendiger Kraft, der betätige sich aktiv im Frontbund. Zwangsweise führt dieser Weg zu allen Fragen, Sie das deutfcye Judentum bewegt. Reiche Ausbeute an Menschenkenntnis und Menfchenbekanntschaft, wertvolle Erfahrungen. Wissen um die Nöten unserer Zeit wird der Gewinn dieser Tätigkeit sein. Hier treffen sich Welten, Klassen, Richtungen, die sonst, meilenweit voneinander geschieden, fremd nebeneinander vorbeilaufen. iWelcher Durchschnittsjude liest die Presse und das Schrifttum der anderen Richtung? Woher soll dann das gegenseitige Verständnis kommen?)! Hier ist der Weg der gegenseitigen Aussprachen und des sich Näherkommens und der Bewahrung vor der so gefährlichen Einseitigkeit. Was das für die Allgemeinheit bedeutet, daß der Zionist dem O- B -Mann, der Orthodoxe dein Liberalen die Hand reicht, wird einem sofort klar, gedenkt man der so furchtbaren' Selbstzerfleischung, unter der unser deutsches Judentum immer noch leidet, auch heute noch, da Einigkeit mehr wie je not tut. Immer im Fluß bleiben. Heute Sporterziehung der Jugend, sich jeweils anpasiende Abwehr. Bleibend wahrscheinlich der Siedlungsgedanke, eine Ruhmestat. Wer weiß, ob davon nicht der Ausgangspunkt einer entscheidenden Wendung für Deutschlands Juden sich anbahnt. Fast scheint es vermessen, neben diesen ganz großen Fragen einmal zu Berichten. lose aneinander gereiht, was die Berührung mit der Kleinarbeit an Erfahrung zutage fördert. Erstaunlich groß und mannigfaltig die Ausbeute. Wertvoll deshalb, weil von Diese Karte ist eigenhändig auszufüllen und in einen Briefkasten desjenigen Postbezirkes zu werfen, in dem der Besteller wohnt! Bestellschein Ich bestelle hiermit für das zweite Quartal 1929 die wöchentlich erscheinende Zeitschrift „Der Schild“, Verlag Reichsbund jüdischer Frontsoldaten E. V., Berlin W 15, Kurfürstendamm 200. Der Bezugspreis von 1,95 Mk. vierteljährlich zuzgl. Bestellgeld ist bei mir zu erheben. Wohnort und Straße " Name Deutlich und genauesten* auasufQIIenf Bitte wenden 50 scheinbar Unwichtigem Hinweise fuhren zu den großen und Uleinen Röten unserer Zeit. Beglückendster Gewinn: das unverlierbare Erlebnis des Kameradfchaftsgedankens. Die Ortsgruppe ist die idealste die in sich, unlöslich mit ihr verbunden, das gegenseitige Per trauen fe|t eingewurzelt trägt. Wenn all die Männer, so verschieden an Alter, Herkun,t. Bildung. Weltanschauung sich uns geben, wie sie find, vor uns sich au,schließen mit ihren o,l ungefügigen Worten, ihren Fehlern ihren Bedrängnissen. Tie,e Einblicke gewinnt man, wertvolle Aufschlüsse über wirtschast liche Röten, über die kleinen Tragödien des Alltags, Lichter nicht iminer heitere, aus dem Leben innerhalb der Familie, Wellen tun sich auf, die einem gewöhnlich verschlosien sind. Was wissen wir sonst! viel von unserem Nebenmenschen? Und wieviel könnte verhüt« werden, gäben wir uns nur Mühe, die gegenseitige Fremdheit zu überwinden. Nicht immer ist .finanzielle Hii,e die wichtigste. Nur müssen wir das Vertrauen zu bewahren. wissen. Nichts darf über den Kameradenkreis hinausgetragen werden. Was so miteinander erlebt wird, das ist unser Eigentum und unser Geheimnis. Diese stille Vertraulichkeit sei unsere Stärke und die viel leicht wertvollste Hilfe, die wir den Kameraden zu geben haben. Abwehr! Ja freilich, das ist ein Kapitel für sich. Wer jahrelang persönlich mit seiner Ortsgruppe im schärfsten Kamps gestanden und nun auf Grund der dabei gemachten mehr oder weniger reichlichen Erfahrungen zu einem abschließenden Resultat kommen mochte und sich vor allem klar zu machen sucht — sich und den andern zu Nutz und Frommen — welches nun eigentlich die wirksamste und erfolgversprechendste Methode der Abwehr sei, der muß — falls er ehrlich gegen sich selbst ist — resignierend bekennen: Ignorabimus, wir wissen es nicht. Das ist ja gerade das Einzigartige und Uederraschende der Abwehrtätigkeit. Je länger man sich mit ihr beschäftigt, je mannigfaltiger die Erlebnisse, um so größer die Ratlosigkeit und Unsicherheit, die sich oft bis zu einem „Es hat ja alle» doch keinen Zweck" steigert. Was haben wir nicht alle» versucht: - Wir haben Versammlungen in Massen besucht und auch nur vereinzelt. Wir haben in Versammlungen geschwiegen und dann wieder die besten und glühendsten Redner entgegengestellt. Das Ergebnis war wohl immer dasselbe. Eine unumstößliche Erkenntnis allerdings, die scheint ganz sicher zu sein sgewissermaßen der ruhende Pol in dem Herumtasten und Suchen) „Völkischen gegenüber ist es vollkommen gleichgültig, ob die Führung des einzelnen Juden noch so makellos und einwandfrei ist". Im Gegenteil, gerade die Besten unter uns scheinen sie ganz besonders zu Angriffen zu reizen Und wenn es nicht letzten Endes darauf ankäme, vor < •«) selber bestehen zu können, um das Urteil der Bölkischcn ivegen brauchte sich kein Jude besonders zusammenzureißen — deren Weisheit letzter Schluß ist ja doch nur: Der Jude wird verbrannt. Und diese stiere, verbohrte vorgefaßte Meinung, die ist es ja eben, die den ganzen Kampf so schwer und entmutigend macht. Und doch und doch, auch diese hat ihr Gutes. Klar wird es uns dadurch, wenn auch auf eine schmerzhafte Weise, was es heißt, sein Leben in den Dienst der jüdischen Idee zu stellen. Und Bewunderung vor unseren Ahnen, die alles dieses und noch viel, viel mehr ertragen haben; und Demut und Ehrfurcht vor dem Heiligsten, aber auch gerechter Stolz und so etwas wie fassungsloses Staunen vor dem uns selbst oft unbegreiflichen Diesseitswunder, daß wir trotz tausendjährigem Druck, trotz Verfolgungen und Bedrohungen erhalten geblieben sind dis auf aen heutigen Tag. Mahnung für uns, uns immer aufs neue zu stählen und zu kräftigen für den ewigen Kampf, den wir Juden fort und fort zu führen gezwungen sind, und wyhl wei'.ec fuhren müssen bis an das Endender Tage. Und wenn es auch manchmal in dem Deutschland der Jriedhofsschändungen scheinen will, als ob Recht >tid Wahryeit, Anständigkeit und Gerechtigkeit aus der Welt verloren gegangen <eien, wir ehemaligen Frontsoldaten wollen uns — trotz allem — davon nicht Niederdrücken lassen, nicht verzweifeln, uns die Freude am Leben nicht nehmen lassen — aber auch unsere Pflicht tun und kämpfen. Zum Trost sei hier wortwörtlich zitiert, was kürzlich in einer großen Tageszeitung gestanden. Es war die Rede von der Lage der deutschen Minderheiten im Ausland, deren Unterdrückungen und Verfolgungen. Es liegt eine tief tragische Ironie darin, es beleuchtet unheimlich die mystische Schicksalsgleichheit, daß das. was da über die Bestimmung und das Los der Deutschen im Leben der Völker gesagt, daß das die gleiche Geltung hat. setzt man statt Deutsche das Wort Juden. „Aber ich vergesse niemals das tragische Schicksal, das un» feit Jahrhunderten Blut und Geist an die Welt abzugeben besiehst. Wir sind die Saat der Erde — und das ist kein dankbares Los. Wir werden in alle Richtungen zerstreut — und überall hält man uns für Usurpatoren. Wir erleiden viel Unrecht, viel zu viel für das Unrecht, da» wir anderen zugefügt haben. Slber es ist eben deshalb unsere Aufgabe — wo wir sie finden, die ersten Svuren beginnenden Verstehens aufzuzeichnen." Kam. De. S. Hellbronq, Gallütgen.

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