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Der Schild · 1929-02-08 · 6/7 (8.2.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
6/7 (8.2.1929)
Date
1929-02-08
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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I und Schande antut, anstatt in stiller Erkenntnis eigener Inferiorität das Haupt zu beugen. Die Anerkennung der Kriegstaten unserer jüdischen Mitbürger mutz um so höher und uneigennütziger eingeschätzt werden, als sie nach ihrer Friedensgrundlage und ökonomischen Verteilung auf Schreibtisch-, Büro-, Ladentätigkeit, wissenschaftliche Forschung eingestellt waren, somit eigentlich keine Vorbedingungen für kriegerische Betätigung und gar für das Flug wesen mit sich brachten. * Ich habe Gelegenheit gehabt, Einblick zu nehinen in die vorbereitenden Arbeiten, deren Ergebnis die Veröffentlichung von 12 vOv Namen im Kriege gefallener jüdischer Soldaten sein wird. Diese Statistik auszuwerten ist nickt meines Amtes. Ohne dem Ergebnis vorzugreifen, glaube ich, dah sie unbeschadet des für die Fliegerwaffe feststehenden ApteNs auch in anderer Be Ziehung aussehenerregende Ergebnisfeerzielt. So lest dieses Büchlein, alle, die ihr euch ein Herz sür das über allen Patteien stehende Flugwesen bewahrt habt. Die Arbeit ist wertvoll und des Stüdiums würdig. Unter Umgehung jeder Phrase stellt sie ein Thema zur Debatte, demgegenüber Bolksversammlungsgewohnheiten versagen müssen. Ich möchte mit diesem Vorwort die Stimmung deutscher Männer dahin beeinflussen, ihren Führern den Auftrag zu erteilen, Parteikämpfe in einer Form auszufechten, die sich gleicherweise von Verunglimpfung Lebender wie von Leichenschän düng entfernt hält. - _ Berlin. 10: August 1924. Siegelt, - Oberstleutnant a. D. und ehemaliger Inspekteur der Fliegertruppen. - ° ir! I . __ Soziale Umschichtung und deutsches Judentum - Was soll aus unserem Nachwuchs werben? Von Dr. Kurt Zielenztger. Vor kurzem hat Reichsautzenminister Dr.' Stresemann auf einer Veranstaltung des Angestelltenausschusfes der Deutschen Volkspartei in seiner Eigenschaft als Vorsitzender dieser Partei eine Rede gehalten, in der er sich auch mit dem Problem der sozialen Umschichtung beschäftigt hat. Hierbei erklärte er u. a. „ich bedaure lebhaft, dah die Zahl derLohn- und Gehaltsempfänger heute bereits 7 0 Proz. unseres ganzep Volkes aupmacht. Tie Zahl derjenigen, die selbständig ihr Unternehmen führen können, ist im Großhandel vielleicht noch bedeutend, in der Groh-Industrie aber kaum mehr." Stresemann knüpfte an diese Ausführungen die Forderung, datz es die gröhte Aufgabe der Staatskunst und der Parteien sein müsse, einen Ausgleich zwischen der sehr klein gewordenen Schicht der Arbeitgeber und der sehr grotz geworde »en der Angestellten und der Arbeiter herbeizuführen, um den sozialen Frieden und durch ihn die nationale Aufwärtsbewcgung zu sichern. Was Stresemann über die sozialen Verhältnisse in Deutsch land gesagt hat, ist nicht etwa neu. Aber dieser Hinweis aus seinem Munde ist besonders interessant. Tenn wenn ein Mann von der staatsmännischen Bedeutung unseres Autzenminifters mit ernstesten Worten auf diese so.ziale Umschichtung hinweist, dann, fallen diese Aeuherungen doppelt ins Gewicht, schon auch aus dem Grunde, weil Stresemann der Führer derjenigen Partei in Deutschland ist, zu der sich die meisten der grotzen Arbeitgeber zählen. Dah sich die Zustände nach dem Kriege geändert haben, sehen wir alle. Wir erleben es an uns selbst und um uns herum. Aber wie wenige von uns wissen, datz nun schon % aller erwerbstätigen Deutschen in eine abhängige Stellung geraten sind. Die Zahl der Srlbständig e n geht in Deutschland prozentual immer mehr zurück. Waren es 1882 noch 28 Proz., 1907 noch 20.5 Proz., so sind es 1925 bei der letzten Berufs- und Betriebszählung nur noch 17,3 Proz. Ueber % aller selbständigen Erwerbstätigen ent fallen auf die Landwirtschaft, nämlich 2.2 von 2.5 Milsionen. Grundbesitzer und vor allem Bauern bi» hinab zu den kleinsten Siedlern. Sie sitzen auf eigener Scholle und sind Herr ihres eigenen Betriebes. Diese soziale Umschichtung wird zum Schick sal des deutschen Iudentums. Die vor 160 Jahren erreichte Emanzipation, die bis zum Umsturz niemals volle politische Gleichberechtigung geworden ist, hat auch wirtschaftlich den - jahrhundertelangen Zwang des Ghettos zu einseitiger?' Beschäftigung nicht ganz überwinden können. Landwirtschaft und Industrie waren den deutschen Juden so lange verschlossen, datz sie sich hier erst in dem letzten Jahrzehnt vor dem Kriege entfalten konnten. Wenn also die meisten Selbständigen, die im Erwerbsleben stehen, noch heute, unter den Landwirten zu sin den sind, so sagt das genug.für die Gefahren, die den Aufstiegs Möglichkeiten der jüdischen Deutschen drohen. In Industrie und Handwerk nämlich, wo man ungefähr 1,8 Millionen Selb ständige zählte, hat zwar eine geringe Zunahme stattgefunden. sie ist aber bedingt durch die zunehmende Zahl der Direktoxen und Betriebsleiter, die zwar rechtlich gesehen, Angestellte sind, aber ihrer sozialen Stellung wegen berechtigterweise jetzt zu den Selbständigen gerechnet werden.-, Sehr erheblich sind zwar die Selbständigen im Handel gestiegen. Um 29,1 Proz. auf ungefähr 1.2 Millionen. Diese Ziffer ist noch heute für die deutschen Iuden-von besonderer Bedeutung, da sie ja an der Entwicklung des Handels stärksten Anteil nehmen. Aber wer gilt nicht hier als Selbständiger? Nicht nur der kleinste Zigarrenhändler oder.Kolonialwarenkaufmann. sondern auch der Agent, dessen Betrieb aus einem Telefon und einer Registratur-. mappe besteht. Wie viele jüdische Kaufleute fristen heute küm merlich auf diese Weise ihr Leben. Biele der Flüchtlinge aus den Ostprovinzen, die so eine neue Existenz aufzubäuen versuchten. Diele von all denen, die die Inflation aus einer ge wissen Wohlhabenheit und einem gesicherten Dasein heraus ge zwungen hat, einen neuen Erwerb zu suchen. Aber gleichzeitig mit dieser Proletarisierung des jüdischen Mittel st andes wächst auch im deutschen Judentum, dessen Schicksal unlöslich mit dem des ganzen deutschen Volkes verflochten ist, die Zahl der Unselbskäv- Sam. Trust Behrendt. Obetf<$Ieflen Ham. Dr. 2l. Oienemann, ‘Branbcnbutg ftan. Dr meb. Zranz Wisch, Württemberg Sam. Dr Steffen Sann, 8 üb Westdeutschland 45

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