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Der Schild · 1929-02-08 · 6/7 (8.2.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
6/7 (8.2.1929)
Date
1929-02-08
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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wehr war. Eine Hauptaufgabe in diesem Kampfe ist die Widerlegung der antisemitischen Lüge gewesen, daß wir Juden in diesem Kriege unsere Pflicht nicht so erfüllt hätten wie die übrige deutsche Bevölkerung: gegen die Lüge, daß an der Front keine Juden zu sehen gewesen wären und überhaupt nirgends, wo das Leben ein^usetzen war. Der RjF. hat in diesen 10 Jahren mit Erfolg diese Lüge bekämpft. Weite Kreise der deutschen Bevölkerung, die vorher von dieser Lüge beeinflußt waren, wissen heute, daß es sich dabei um eine Lüge handelt. Wir haben den Kampf gegn diese Lüge in Wort und Schrift, in großen Versammlungen und im kleinen Kreise geführt. Unsere Kameraden haben auch Ueberzahl und Roheit der Gegner nicht gescheut, wenn es galt, diesen Kampf für unsere Ehre zu führen. Dieser Kampf ist aber wohl auch für die Stellung des deutschen Judentums in rechtlicher und gesellschaftlicher Beziehung der wichtigste, der überhaupt dafür zu führen ist. Mit dem Nachweis, daß wir in diesem Kriege unsere Pflicht für Deuischland getan haben, steht und fällt auch der Anspruch auf unser Recht in Deutschland. Wir haben den Nachweis geführt, daß wir unsere Pflicht getan haben, und darum auch ebenso unser Recht beanspruchen dürfen, wir; jeder andere Deutsche. Zur Führung dieses Beweises war natürlich unser Bund weit besser befähigt als irgendeine andere jüdische Organisation. Schon allein durch die Existenz eines Bundes von zehntausenden jüdischer Frontsoldaten, von denen ein jeder seine Eigenschaft als Frontkämpfer Nachweisen, konnte, war ja schon zu einem wesentlichen Teile die These widerlegt, daß an der. Front keine Juden gewesen sein'sollen. Daß auch unsere Gegner sich hiervon überzeugen mußten, zeigt u. a. die Erklärung, zu der sich die „Deutsche Zeitung" Nr. 74a vom 29. März 1927. Morgenausgabe, gezwungen sah. „Auf Grund einer Klage, die einige Mitglieder dee Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten gegen die „Deutsche Zeitung" angestrengt hatten, fand eine Lühneverhandlung vor dem Lchiedsmann statt. Im Verlaufe dieser Unterredung überzeugte sich der verantwortliche Schriftleiter der „Deutschen Zeitung", Hans von Lodenst e r n. davon, daß im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten tatsächlich nur Frontsoldaten Aufnahme finden können und daß in dieser Beziehung bei der Ausnahme sogar sehr streng verfahren wird. Herr von Lodenstern gab darauf die Erklärung ab, daß er die herabsetzenden Repewendungen in den Aufsätzen vom 21. und 26. November vi I. nicht billige und bedauere.! Beide 7!eile erklärten die Angelegenheu damit für erledigt." Daß wir auch sonst unsere Pflicht im* Kriege getan haben, konnten wir Nachweisen durch unser Fliegerb u ch. Aus diesem ergibt sich, daß unttt den 10 000 Kriegsf l i e g e r n. die vor dem Feinde geflogen sind, 150 Juden sich befanden. Wir konnten zeigen, daß auch in der kleinen Schar unter Lettow-Borbeck inDeutsch- Ost-Afrika, von der völkische Stimmen behauptet hatten, daß sie nur infolge Iudenreinheit siegreich geblieben wäre, eine unserem Anteil an der Bevölkerung entsprechende Anzahl, nämlich 16 Juden, mitgelitten und gestritten haben, von denen sechs geblieben sind, und sechs verwundet wurden. Leider muß auch unser Gedenkbuch, in dem die Namen unserer Gefallenen verzeichnet werden sollen, und das in Bälde erscheinen wird, dazu dienen, der antisemitischen Schuldlüge entgegenzutreten. Gerade in der letzten Zeit wieder hatten die völkischen Blätter behauptet, daß im Kriege höchstens 4700 Juden im deutschen Heere gefallen sein könnten, und wahrscheinlich noch weniger. Das ist wohl eine ganz besondere Kränkung jener tapferen 12 000 jüdischen Soldaten,- die -in diesem Kriege geblieben sind. Es handelt sich hier aber auch um die gefährlichste antisemitische Lüge, d.e am weitestgehenden die Blutopfer . leugnen will, die die deutschen Juden dem Baterlande ^gebracht haben. » Als ein besonders charakeristisches Zeichen für den Erfolg seines Kampfes darf der RjF. heute darauf Hinweisen. daß wohl alle die großen Verbände unserer alten Kriegskameraden eingesehen haben, daß wir unfere Pflicht genau so taten wie sie. Jene antisemitische Schuldlüge wird heute nur noch von den kleinen Verbänden vertreten, die der deutschvölkischen oder nationalsozialistischen-Bewegung direkt unterstehen. Der RjF. hat diesen Abwehrkamps aber nicht als feine einzige Aufgabe angesehen. Eine weit schönere Tätigkeit ist uns immer die Arbeit für die Ertüchtigung in körperlicher, sittlicher und geistiger Hinsicht an den kommenden Generationen. Das haben wir gleich von Anfang an immer wieder gesagt und getan. Anfang 1923 wurde auf meinen Antrag beschlossen, „ni'„e ... ^.,e>.o.lcher die körperliche Ertüchtigung durch zusühren. Im Mai 1923 fand in Berlin eine große Ver sammlung statt, zu welcher wir die jüdischen Sport- und Jugendorganisationen aller Richtungen. eingelaüen hatten und auch alle dort begrüßen durften. Die Ver sammlung stand unter dein Motto: „Der jüdische Fronrsoldat wendet sich an die jüdische Jugend." Im An schluß an diese Versammlung hat dann gleich die Orts gruppe Berlin einen Aktionsausschuß der Vertreter aller in Berlin befindlichen jüdischen Sport- und Jugend organisationen jeder Richtung gebildet. Im Juni 1923 gaben wir folgende Verfügung heraus:^,Wir legen den Landesverbänden und Ortsgruppen dringend ans Herz, die jüdischen Jugendorganisationen aller Richtungen für unsere Ziele zu sammeln und für jede körperliche und sittliche Ertüchtigung zu begeistern." Es machten sich dc> inals bei uns verschiedene Richtungen zur Behandlung dieses wichtigen Gebietes geltend. Die weitestgehende wollte allerorts den RjF.-Ortsgruppen Jugend- und Sportorganisationen angliedern. Die ihr entgegen stehende wollte nur eine Begünstigung der bestehenden Sport- und Jugendorganisationen und nach Möglichkeit sogar eine Propaganda für den Eintritt nur in nichtjüdische Organisationen. Man fürchtete, durch die Bildung eigener jüdischer Sportgruppen den schon bestehenden zu schaden und weiterhin auch eine neue Scheidewand gegenüber der nichtjüdischen Bevölkerung zu errichten. Es gelang uns schließlich einen Weg zu finden, der all diesen sehr berechtigten Bedenken Rechnung trug, andererseits aber trotzdem eine kräftige Entwicklung des Sports im RjF. gestattete. Heute freuen wir uns, im Anschluß an viele unserer Ortsgruppen tüchtige Sport- und Jugendorganisationen zu haben, die natürlich außerhalb des eigentlichen RjF. stehen. Besonders erfolgreich war auch der RjF. auf einigen Spezialgebieten des Sports. So konnten unter Führung de-, Kam. Ledermann schöne Erfolge auf dem Gebiete des Luft-Segel-Sportes erlangt werden. Unsere Iiu-Iitsu- Gruppe, Führer Kam. Beck, gewann drei Deutsche Meisterschaften, und noch in den letzten Monaten konnte sie gegen sehr angesehene Verbände auf diesem Gebiet ehrenvoll siegen. Auch die von verschiedenen Ortsgruppen gegründeten Box-, Reit-, Schießgruppen usw. haben auf diesen besonderen Sportgebieten schöne Leistungen auszuweisen. In diese Linie gehört auch unsere Tätigkeit zur Erziehung deutscher Juden zur Landwirtschaft und ihrer Siedlung auf deutschem Boden. Eine Reihe von Jahren zähen Ringens hat dazu gehört, um erst innerhalb des Frontbundes zu einem lebensfähigen Plane zu kommen und dann auch im ganzen deutschen Judentum den nötigen Rückhalt dafür zu gewinnen. Die zähe Kraft des jiddischen Frontsoldaten wird dafür sorgen, daß auch diese Idee zu vollem Erfolge geführt wird, zu deren Durchführung im letzten Jahre mit den Stellen, die das gesamte deutsche Judentum repräsentieren, besondere Institutionen begründet wurden. In diesem Frühjahr wird auf den ersten unserer Gärtner- und Bauernsiedlungen zum ersten Male gesät werden. Daßin diesen zehn Jahren, soweit unsere beschränkten Mittel dies zuließen, auch soziale Arbeit an unseren Kgmeraden geleistet wurde, ist selbstverständlich. Die Unter st ützungskassen unserer Ortsgruppen haben doch manchmal Not mildern oder eine Kleine wirtschaftliche Hilfe geben können. Ausgezeichnetes hat auch unsere Stellenvermittlung geleistet. Als ein ganz unerwarteter Erfolg gestaltete sich unser Versicherungsabkommen mit dem

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