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Der Schild · 1929-01-25 · 4 (25.1.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
4 (25.1.1929)
Date
1929-01-25
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Zic Hotelleitung bat de und wehmütig Um Entschuldigung, änderte ihre Prinzipien und erwarb für emen hohen Preis das ('Gebäude. Die jüngste amerikanische Literatur beschäftigt sich auffallend viel mit der Schilderung jüdischer Milieus, hauptsächlich der Hefter Street. In diesen Büchern werden nicht immer die besten Type» geschildert. Typen, die bei den Nicht juden^nicht als Folge der Ghettoabsperrung gewertet, sondern nach den Prinzipien uns näherstehender Länder oerallgemei ircrt werben. Bezeichnend für diese Richtung ist das jetzt auch in deutscher Uebersetzung vorliegende Buch „Herr Fettivanst". Die christliche Umwelt macht übrigens einen scharfen Unterschied zwischen amerikanischen und deutschen Juden einerseits und osteuropäischen andererseits. So bekam ich s. Zt. auf eine Ansrage rvegen eines Sommeraufenthalts die Antwort: „Cs wer den nur amerikanische und deutsche Juden ausgenommen." Tie erste Generation der eingewanderten Juden des europäischen Ostens bleibt meistens bei den Lebensgewohnheiten der schrecklichen europäischen Zeit und die sklavenartige Ausnutzung ihrer Notlage durch manche Arbeitgeber ist für unsere Begriffe unfaßbar. Die Organisationsarbeit der Arbeiterschaft (im Schnei üergewerbe säst ausschließlich Juden) hat in der letzten Zeit an dieser Not vieles gebessert. Tie gute Eigenschaft der jüdischen Eltern, die Zukunft ihrer Kinder durch große persönliche Opfer Die Insel des Eine neue Schrift über die „Iudenfrage"*)von einem Nichtjuden; und was dieser zu sagen hat, stellt nicht nur das Bekenntnis eines ehrlichen, gesinnungsedlen Menschen dar, sondern ist zugleich Ausdruck eines starken Willens, zu helfen und gutzumachen. Erleichtert atmet man auf, da hier aller wissenschaftlich sich gebärdende Wust der verschiedenen Rassen- oder Kulturtheorien mutig beiseite gelassen und die Frage einer neuen, einfachen und poraussetzungslosen Untersuchung unterworfen wird. Es ist ein neuer Weg, den der Verfasser gegangen und den er andern zeigen möchte: der Weg philosophischen Denkens! - J Unseres großen zeitgenössischen Denkers, Constantin Brunners'Werk svor allem dessen Buch „Der Judenhaß und die Juden". Verlag Oesterfeld u. Co., Berlin) hat dem Verfasser die theoretische Klärung gebracht und den ethischen Anstoß zur gegenwärtigen Veröffentlichung ge geben. Es ist aber ein Hauptzug des Brunnerschen Denkens nichts was in den Kreis seiner Betrachtung fällt, von der Seite und mit den Mitteln anzufassen, die sich ih»t zufällig zuwenden und bieten oder burch die zeitübliche Behandlung eines Gegenstandes sich beeinflussen zu lassen, vielmehr wird alles aus seinem tieferen Wesen erklärt und voraus satzungslos abgeleitet. Brunners Denken über die Juden konnte deshalb nie von der Frage ausgehen, ob dieses oder /jenes Urteil über die Juden Rechte behalte oder nidfi, sondern mußte vor allem Klarheit schaffen, w aet ein Urteil über-. Haupt ist und was w i-r an ihm haben. Da kommt nun Brunner auf Grund seiner eben so tiefen wie originalen Psychologie zur Erkenntnis, daß das menschliche Urteil keine objektive „uninteressierte" Erkenntnis zum 'Inhalt habe, sondern nur Ausdruck ist für die bestehenden praktischen Lebensbeziehungen zwischen dem beurteilten Gegenstände und dem Urteilenden. Das urteilende Denken ist ihm nichts weniger als ein rein logischer, von Fühlen und Wollen des Individuums getrennter Akt, sondern stets mit Fühlen und Wollen verbunden, nichts als erweiterter, bewußter Lebenstrieb und durchaus abhängig von der Verfassung. Lage und Selbstoerständigung, vom Interesse und vermeintlichen Interesse des Urteilenden. Das, was die moderne *) Bedeutung Constantin Brunners für Ueberwindung des Judenhass«» von Walther König. (Verlag der Neuen Gesellschäft, Berlin Hes'enwinkel. 68 Seiten. 1,80 RM.) I bester zu gestalten, hat auch hier große Erfolge, und di« zweite Generation macht auch äußerlich einen ganz anderen mehr yankeemäßigen Eindruck. Im geschäftlichen Berkehr äußert sich der Antisemitismus — außer den vorerwähnten Fällen — weni ger, da cs dem Amerikaner gleichgültig ist, durch wen er Geld „macht". Wie weit diese Frage die „Umkehr" Henry Fords ver anlaßte, nachdem er bereits unermeßlichen Schaden angerichtei hat, ist nicht geklärt. Ter Zusammenhalt der Juden ist infolge des Fehlens eines Zentrums — wie etwa hier Jüdische Gemeinde, Landesver band etc. — kein sehr großer. Darüber ein anderes Mal mehr Tic Spitzen der amerikanischen Iudenheit, die auch durch ihre großen Wohltätigkeitsspenden berühmt sind, werden von den Massen sehr verehrt und keine Massendemonstration hat aus mich einen solch großen Eindruck gemacht, wie 1920 der Trauer zug der Hunderttausende von Newyorker Juden durch die Hauptstraßen bei der Beerdigung von Jacob Schiff, der von vielen im Zuge wie ein naher Angehöriger beweint wurde. Die vorstehenden Schilderungen machen keinen-'Anspruch auf eine erschöpfende Darstellung der Ausbreitung der antise mitischen Welle in den Bereinigten Staaten. Mein Wunsch ist. das deutsche Judentum über eine Gefahr aufzuklären, deren Größe auch für uns nicht unterschätzt werden darf. Verständnisses Psychoanalyse unter mühseligster Arbeit als ihr bleiben des Resultat an den Tag zu fördern scheint, daß näm lich keine- Bewußtseinstatsache zufällig oder frei ins Beivutztsein trete, sondern ihre tiefe Verknüpfung .?.it „Unbewußtem" aufweist, und daß jede Psychologie, die sich nur mit dem oberflächlichen „Bewußtsein" beschäftigt, "eben oberflächlich und unwahr bleiben muß. das lehrt in anderer Form, aber systematisch begründet und konsequent durchgeführt, schon seit 1908 Constantin Brunner. Auch für die heute sehr bekannte „Individualpsychologie" steht jedes Denken und Urteilen nicht etwa rein formal und isoliert, sondern in Verbindung mit dem geheimsten Lebenstriebe, mit der Richtlinie der Persönlichkeit; was gleichfalls im. Prinzip schon vor vielen Jahren von Brunnerausgesprochen wurde. Rur daß Brunner, einer der größten systematischen Denker aller Zeiten, dieses Prinzip frei von aller Theologie und von allen Hypothesen erfaßt und es fest umschrieben hinstellt und vor allem, daß er es nie vergißt und nie fallen laßt. Für Brunner ist also das Urteil, wie alles Denken, stets verbunden mit Fühlen und Wollen und der sichere Ausdruck von dem jeweiligkn geheimen Lebensinteresse des Urteilenden. Dies kann sich natürlich auch bei den Antisemiten nicht anders verhalten. Ihr Urteil ist ihr Interessenurteil. Da aber in jeder Gesellschaft Abneigung und latenter Haß gegen eine in ihrer Mitte lebende kenntliche Minderheit besteht, so wird das Urteil der Gesellschaft über diese Minderheit entsprechend abfällig ausfallen müssen. So ist es beim Judenhaß der Fall. Dieser zeigt sich uns demnach als der wissenschaftlich sich gebärdende Haß gegen die jüdische Minderheit und ist als solcher nichts Besonderes, sondern ein Spezialfall des allgemeinen Hasses, der jederzeit in allen Menschen, wegen ihrer.gegenseitigen Verschiedenheiten, latent sich findet; seine „wissenschaftlichen" Begründungen sind nicht seine Ursache, sondern seine Wirkung, und die Juden nicht die Ursache dieses Hasses, sondern sein.Gelegenheitshaß. Nicht weil die Juden so, oder so beschaffen erscheinen, ist der Antisemit Feind des Juden, sondern weil der Antisemit die Verschiedenheit der Juden als unangenehm empfindet, weil ihm diese Verschiedenheit geheimen Haß in der Seele erregt, formt sich sein Urteil so, wie es nun ist. Wer also ehrlich Klarheit sucht über die sogenannte Iudenfrage, wird fehlgehen, wenn er sich an das Für und Wider der Urteile über die Juden hält — und Walther König zeigt dies sehr eingehend und

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