Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 4 (25.1.1929)
- Date
- 1929-01-25
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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'l gründlich —, vielmehr hat er, da es sich um Urteile über Juden handelt, über die Beschaffenheit des Urteils im allgemeinen nachzudenken. Sobald nun das Urteil nicht als nur'loaifch, sondern a»ch als rffett'v und »akiiltatin bedingt erkannt ist, verliert es feine Allgemeingllltigkeit v^ allem für den, der zu seinem Lebensinteresie die Wahrheit und die Gerechtigkeit gemacht hat. Und wer wird nicht den Anspruch erheben, ein solcher zu sein? Deshalb sieht Walther König in der Verbreitung der Lehre Brunners über das Urteil das stärkste Mittel zur Ueberwindung des Judenhasses, weil die Lehre vom Interessenurteil nicht etwa nur eine der imisier wieder in Gang gebrachten Gehässigkeiten gegen die Juden widerlegt, sondern, indem es den allgemeinen Interessen- und Affektcharakter des menschlichen Urteils über Menschen aufdeckt, die Glaubwürdigkeit aller aufkünftigen antisemitischen Verleumdungen ein für alle Mal erschüttern wird. Es bedeutet deshalb die Verbreitung dieser Lehre für Walther König das Radikalmittel und das Prophyktikum gegen den Judenhaß, da sie „den bisher allgemein im Wissenschaftlichen vermuteten Schwerpunkt der sogenannten Iudenfrage zurückverlegt ins menschlich-sittliche". Dadurch ist die Iudenfrage wieder „die Frage der sittlichen Selbstbesinnung geworden derer, die sie aufwerfen". Bekämpfung des Judenhasses; darum gehts dem Verfasser! Dieser gelten die zahlreichen praktischen Vorschläge in der vorliegenden Schrift. Aus seiner ernsten Hilfsbereitschaft kommt ihm auch die sachlich und fein psychologisch begründete Kritik der bisher geübten Kampfmethoden gegen den Judenhaß. Ob der von ihm vorgefchlagene Weg der Ueberwisidung des Judenhasses durch weiteste Verbreitung der Brunnerschen Lehre vom Interessen- und Haßurteil (durch Wort und Schrift, durch entsprechende Organisation) rascher und sicherer zum Ziele führt als alle die übrigen bisher begangenen Wege? . . . Für den Einzelnen, ehrlich Strebenden, gewiß. Walther König selbst ist ein sprechendes Beispiel dafür. Walther König, der Bruder des Iudenhassers Eberhard König. Freilich kann man sich eine bald, auch in den großen Massen sichtbar gewordene Wirkung von einer immerhin Ernst und eine gewisse Denkbegabung fordernden Lehre wie die Brunners, nicht recht vorstellen. Aber für Einzelne und für nicht wenige Einzelne bedeutet diese Lehre den einzigen Weg. Und kommt es nicht gerade auf die ernsteren und denkfähigen Einzelnen an? Aendert nicht das Urteil eines einzigen von solcher Art die Gefühlseinstellung seiner ganzen Umgebung und ist nicht seine Ueberzeugung durch ihre autorative Macht das stärkste Hindernis für das Aufkommen des Judenhasses in den Seelen aller innerlich von ihm Abhängigen?! Man weiß, was gerade die Aussprüche tüchtiger und bedeutender Männer vermögen, auch in der sogenannten Iudenfrage. Diesen Ernsten und Denkfähigen will nun Walther König dienen; und will man seiner Schrift gerecht werden, so begnüge man sich nicht damit, die sittliche Schönheit und Charakterstrenge des Verfassers bewundernd anzuerkennen, sondern man ziehe seine Vorschläge ernstlich in Erwägung. Scheint nur für wenige ein Erfolg erreichbar, so werden doch auch die Wenigen erreicht nur, indem man sich an die Allgemeinheit wendet. Und so mutz die Lehre vom „Interessenurteil" in die Allgemeinheit getragen werden. vr. E. Bickel. i Familien-Auzeigea stärken den j Gemeinsthastsstnn. Daher gehören sie in den „Schild"! Entdeckung eine- Friedhofs im alttömifchen Salona Der Entdecker ein kathelstcher Priester. * Der Nestor der europäischen Archäologen und Historiker, Monsignore Fr. Fron B u l i c, der berühmte Wiederentdecker der größten altrömischen Stadt an der Ostküste der Adria, Salona bei Spalato in Dalmatien, hat nach vierzigjährigem Forschen den Beweis erbracht, daß in Salona eine jüdisch« Gemeinde schon im dritten Jahrhundert n. Ehr. bestand. Tie Resultate seiner Forschungen hat Dr. Fron Bulic in einer wissenschaftlichen Abhandlung unter dem Titel „H_e b r ä i s chle Denkmäler im römischen Dalmatien und der jüdische Frtedhof in Salona" niedergelegt. Ausgegrabene- Gemmen. Tonlampen mit jüdischen Symbolen, Menorah sind wichtige Beweismittel, aber der wichtigste. Fund ist das Fragment eines Sarkophags mit massiv a^sgearbeiteter Menorah, 'wie sie auch aus dem Titusbogen in Rom zu sehen ist. Schon die bisherigen Ergebnisse sind geeignet, das größte Interesse zu erwecken, aber noch größeres Aufsehen werden die Funde erregen, wenn der jetzt noch verschüttete jüdische Friedhof in Salona ausgegraben sein wird, denn kein offener jüdischer Friedhof in Europa ist älter als 800 Jahre, während der in Salona zirka 1700 Jahre alt sein dürste. Dieser Friedhof wäre somit in ganz Europa der älteste freie Friedhof — also außerhalb der Katakomben —. der aus altrömischer Zeit stammt. Dr. F. Bulic, ein katholischer Priester, ersuchte den jüdischen Historiker Dr. Lavoslav S t k in Zagreb, seine Entdeckung der jüdischen Welt zur Kenntnis zu brinaen. Dr. F. Bulic hofft zuversichtlich, daß die ganze jüdische Welt seine Bemühungen um die Freilegung der heiligen jüdischen Stätte in Salona nach Kräften fördern werde. —- Sporl'Schüd Internationale Sportschau Bon Kurt Pinczower. * Darf man den Berichten der Wiener jüdischen Presse Glauben schenken und es liegt kein Grund vor ihn ihr zw> verweigern, so mehren sich von Sonntag zu Sonntag auf den Sportplätzen die antisemitischen Zwischenfälle. Beschimpfungen jüdischer Sportsleute, besonders wenn diese erfolgreich abschneiden, sind noch das Wenigste. Bei dom Professional-Fußballspiel Hakoah, Wien—Altmannsdors, das die jüdische Mannschaft mit 3:2 erfolgreich sah, kam es zu einem Sturm der juden» feindlichen Zuschauer auf das Spielfeld, so daß di< ^Polizei mit Gummiknüppeln eingreifen mußte, um die gefährdeten blauweißen Spieler zu befreien. Herrliche Ereignisse scheinen sich auch bei dem Match Hakoah—Gersthof, das die Hakoahner 4:1 gewannen, abgespielt zu haben. Spielerverletzungen, Ausschlüsse. Spielabbruch. — „Die Schlacht in Hernals" bezejchnete es die Wiener Presse. Noch weitaus schlimmere Zustände sollen bei den unteren Klassen herrschen. — Auch im österreichischen Hockeysport bildete sich in letzter Zeit ein antisemitisches Rowdytum heraus, das bestrebt ist, die Fußballer noch zu überbieten. Nach dem Entscheidungsspiel um den Aufstieg in die erste Klasse zwischen Blau weiß und dem. Wiener Stockballklub, das die Blau-Weißen 2:0 gewannen, kam es zu schweren Ausschreitungen der Unterlegenen gegen einige jüdische Platzordner, die so lange mit Hokeystöckrn bearbeitet wurden bis sie ohnmächtig zusammenbrachen. Auf Grund dieses unglaublichen Borkommnisses wurde der Wiener Stockballklub vom österreichischen Hockeyverband suspendiert, der Spieler Wilhelm Bernhard, der sich bei diesen Ausschreitungen besonders hervorgetan hatte, lebenslänglich disqualifiziert. lDiefe Angelegenheit wird noch ein gerichtliches Nachspiel haben.) — Selbst bei den österreichischen Schwimmern wickelt sich der sportliche Berkehr nicht mehr so reibungslos wie früher ab, sind die antisemitischen Rempeleien auch noch nicht derartig aggressiv wie bei den Fußballern und Hockeyspielern, so sind sie doch keineswegs mehr abzuleugnen. — Diese unerfreulichen Ereignisse waren nicht gerade geeignet für den Sport zu werben, hoffentlich - sind sich auch die österreichischen Sportbehörden besten voll und ganz bewußt und gehen nunmehr rücksichtslos gegen diese antisemitischen Sportschädlinge vor. Hakoahs Professional-Ligamannschaft gewann die österreichische Herbstmessterfchast der zweiten Liga ohne Punktverlust mit 24 Punkten aus 12 Spielen, 47 zu 9 Toren (!!) mit IV Punk- 28