Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 1 (4.1.1929)
- Date
- 1929-01-04
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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w heit geben, gegen diese notorischen Verbrecher, die keinerlei Gemeinschaft mit irgendeiner politischen Partei haben, einzuschreiten. „SBarutn tut Ihr es denn nicht?" rief tch, .Ihr seid doch Kerls wie die Bäume und mühtet Euch gegen solch ein Gesindel wehren können." .Da mutz einer jet Kalle könne"**), bekam ich zur Antwort und sah ein, daß hier nur wirklich schnelles und energisches Handeln helfen konnte. .Gut", sagte ich. .dann will ich Kalle", und ging mit meinen Getreuen zum Wartesaal zurück. Dieser war voller Menschen, die der Tinge harrten, die?>a kommen sollten. Ich bestieg einen Stuhl und hielt eine auf die Volksseele abgestimmte Ansprache, in der ich mich im Namen der wirklichen Frontsoldaten dagegen verwahrte, datz Verbrecher die Macht in der Heimat an sich reitzen und Leben und Eigentum unserer Mütter und Väter. Schwestern und Brüder gefährden. Ich forderte dann alle Frontsoldaten, die gewillt sind, mir dabei zu helfen, die Ruhe und Sicherheit in Gladbach und Rheydt aufrecht zu erhalten, auf, sich mir zur Verfügung zu stellen und im Wartesaal zu verbleiben. Alle anderen rief ich, haben innerhalb einer Minute den Wartefaal zu räumen. Das geschah. Inzwischen hatten sich die Jünglinge, der sogenannten Bahnhofswache vor dem Wartesaal in drohender Haltung versammelt, um mich als Gegenreoolutionär zu verhaften und wie sie riefen, sofort zu erschietzen. Mit 4 handfesten Leuten ging ich hinaus und hatte die Bengels in wenigen Sekunden entwaffnet und fortgejagt. Meine Schutzwehr war im Nu auf 300 Mann angewachsen, die tch mit den im Bahnhof aufgehäusten Waffen ausrüftete, in Gruppen unter je einem Unteroffizier einteilte und auf die verschiedenen bedrohten Bezirke abkommandierte. Mit aufgepflanztem Bajonett ging ich dann an der Spitze einer der Gruppen gegen den Hauptzug vor, der unter Führung des.Schwerverbrechers St. stand und sprengte ihn sehr schnell auseinander. Tie ganze Nacht waren wir unterwegs, so datz nichts pafsiert ist. Um 8 Uhr morgens bat mich der damalige Oberbürgermeister Piec zu sich, um mir zu danken. Ich meinte, da ich nun meine Schul digkeit getan hätte, und die Ruhe wiederhergestellt fei könne ich wohl vom Schauplatz der Revolution M. Eladbach's abtreten. Davon wollte er aber nichts misten und bat mich inständig ihn nicht im Stich zu lasten. Er machte mich dann mit den Führern der Unabhängigen, der Sozialdemokraten und der Christi. Gewerkschaften bekannt, die sich mir sofort als Arbeiterrat zur Verfügung stellten. In der am nächsten Tag stattgefundenen Soldatenrerfammlung. die von Tausenden besucht war. erklärte ich ausdrücklich, datz meine Tätigkeit am Vorabend keinerlei politischen Erwägungen entsprang, sondern lediglich der Notwendigkeit für Ruhe. Ordnung und Sicherheit unserer Vaterstadt einzutreten und sie vor verbrecherischen Elementen zu schützen/ Tro^dem wählte man mich einstimmig zum Vorsitzenden des Arbeiter- und Soldatenrates. Ties ist der Vorgang zu den nachfolgenden Ausführungen der Gladbacher Zeitung vom 0 November 1918 und die gleichen Motive die mich zu der aktwen Betätigung in jenen Tagen bewoaen haben, dürfte bei der Mehrzahl derjenigen Juden norgeherrfcht haben, die in gleicher Eigenschaft zu jener Zeit tätig war. Die „Deutsche Ae tung" über Friedtwssschäudungen Beifolgende Glaste der „Deutschen Zeitung" geben wir wörtlich/ohne Kommentar, wieder: ,„Auf eine Eingabe an den Evangelischen Ober« k-irchenrat, in der die Aufmerksamkeit der obersten kirchlichen Behörde aus die Friedhofsschändungen der letzten Zeit gelenkt und amtliche Matznahmen der Kirche gesor dert.werden, hat der Evangelische Lberkirchenrat, wie die, „Vossische Zeitung" unter der Spitzmarke „Friedhofsschändungen und Kirche" mitteilt, folgende Antwort erteilt: „Wir können Ihren Abscheu gegen Schändung jüdischer Friedhöje nur in vollstem Matze teilen. Es bedarf keines Wortes, wie solche Untaten jeden christlichen Geist verletzen. Bon einem amtlichen Erlatz an unsere Geistlichen glauben wir aber Abstand nehmen zu sollen., da wir es für ausgeschlossen halten müssen, datz christliche kirchliche Kreise für die Täterschaft in Frage kommen. Ter evangelischen Kirche ferner Stehende würden aber von einer Ermahnung durch unsere- Geistlichen nicht erreicht oder beeinflußt werden. Wir werden die Angelegenheit jedoch sorgfältig im Auge behal t e n und gegebenenfalls weiteres erwägen." An dieser Meldung ist zweierlei bedauerlich. ' Erstens erfährt man durch sie nicht, wer die dummdreiste' Eingabe an den Evangelischen Oberkirchenrat gemacht hat, und zweitens erfährt man durch sie wohl, datz diese Oberste Evangelische Kirchenbehörde die freche Zumutung nur mit sehr verbindlichen Wor¬ ••) Niederrhein. Platt: da mutz einer etivas reden können. ten halbwegs abgelehnt hat, anstatt sie kurzerhand Papierkorb zu werfen oder mit größter Schärfe zurücdgi Wenn sich jemand unterstehen würde, anläßlich Unzuchtsverbrechen amtliche Matznahm der höchsten israelitischen Kultusbehö fordern, <Im Orginal gesperrt. Die Red.) er w> Antwort erhalten, die er sich nicht hinter den Spiegt kann. Dabei wäre tine solche Zumutung doch noch Ich so schlimm. Nachweisbar ist die Zahl jüdischer Sil Verbrecher unrerhältnismätzig groß, und die Rabbin« in den Synagogen allen Grund, ihren Zuhörern ins zu reden. Datz sich aber an den nichtsnutzigen Lümm jüdischen Begräbnisstätten jemals evangelische Christen haben, ist eine aus der Luft gegriffene Verdächtiauw kommt die Eingabe darauf, den Evangelischen Oberl mit derarttgen Unverschämtheiten zu belästigen, und der Oberkirchenrat so-friedfertig? Er versprich die Angelegenheit sorgfältig im Auge zu behalten und g^ falls weiteres erwägen zu wollen! Wenn nun ve Iudenjungen die hebräischen Grabsteine zerschlagen h«s ten. was hat der Evangelische Oberkirchenrat dann sättig im Auge zu behalten? Er hat wahrscheinlich a erwägen." in den uweisen. gehäufter tn von rde zu prde eine l stecken _e nicht tslichkeitsr hätten Gewissen c|Ieien auf beteiligt Me Hirchenrat rum ist t sogar, _ gebenenrsvahrloste den sollsorgrderes zu war Die Siedlung marschiert In der heutigen Ausgabe des „Schild" fahren wir mit der in Nr. 50 begonnenen Beröffent lichung der Referate auf der Kundgebung im ehemaligen Herrenhaus fort. Kam. Dr. Heinrich Elkeles: Der Plan einer jüdischen Siedlung in Deutschland sollte einer Propaganda nicht bedürfen. Sie ist eine Notwendigkeit, die sich mit elementarer Gewalt jedem aufdrängt, der die heutige Lage des deutschen Judentums ernsthaft betrachtet! und mit liebendem Herzen an eine Besserung denkt. Der Schreckensruf vom Rückgang des deutschen Judentums ist keine!übertreibende Phrase, denn der ständig fortschreitende Rückgang der jüdischen Bevölkerung Deutschlands ist ebenso unstreivbar, wie die Tatsache, daß die Ursache dieses Rückganges in einem erheblichen Teile darin zu finden ist, datz die jüdischen Massen zusammengeballt sind in einigen wenigen Großstadt Zentren, in denen Austritte und Uebertritte, Mischehe, Spätehe und Kinderlosigkeit die jüdische Bevölkerung dezimieren, in deren rasendem Zeittempo die Kraft des Körpern und der Nerven allzuschnell absorbiert wird, in denen eine nie geahnte Not die jüdischen Wohlfahrtsämter und Organisationen vor fast unlösbare Aufgaben stellt. Ein Bevölkerungsteil, der nur in grotzen Städten lebt ist zum Tode verurteilt: wir aber wollen nicht sterben, sondern leben und deshalb wollen wir die Kraftquelle jedes Volkes, das flache Land, auch für unser Judentum erschlietzen und zurückerobern. Ein Führer der deutschen Landwirtschaft hat kürzlich das Wort geprägt: „Dos Landvolk sei der erstgeborene Sohn der Nation." Wir befinden uns hier auf historischem Boden, im alten preußischen Herrenhaus, welches immer ein besonderes Interesse für diese Erstgeboren^ gezeigt hat. Wir wollen als gute Demokraten kein Vorrecht der Erstgeburt: wir wollen Gleichberechtigung aller Brüder, «wer wir wehren uns dagegen, in die Ecke gestellt zu werden, di« für die Stiefkinder reserviert ist. Ich habe zu Beginn meiner Ausführungen darauf hingewiesen, daß die Notwendigkeit einer Umschichtung des deutschen Judentums, die natürlich nur allmählich vor sich gehen kann, und die Notwendigkeit der Siedlung so klar liegt, datz sie einer Propaganda eigentlich nicht bedarf, sondern«, ein jeder Einsichtige schleunige Abhilfe für notwendig erachten muh. Aber auch Binsenwahrheiten setzen sich nur durch, wenn man sie laut, eindrucksvoll und oft wiederholt, und so bedarf auch die Siedlung einer umfangreichen Propaganda. Es gilt die Begehrbarkeit und die Notwendigkeit des neuen Weges auszuzeigen, es gilt die jüdische Skepsis zu überwindewund an den jüdischen Idealismus zu appellieren, der in grotzen! Dingen noch nie versagt hat. Es gilt die Lauen aufzurütteln und ihnen klar zu machen, datz es auch um ihr Schicksal geht und! es gilt, den viel zu vielen, die nicht gewohnt sind über den njorgigen Tag hinauszudenken. das übermorgen zu zeigen, wie es| sich gestalten tvird. wenn nichts geschieht und wie es sich gestatten könnte, wenn unser Plan verwirklicht werde. Es gilt also die Aufbringung der finanziellen Mittel sicherzustellen, die für das Werk notwendig sind. Diese Propaganda kann nicht von der „Jüdische Landarbeit G. m. b. H." geleistet werden, diese ist rein wirtschaftlich aufgezogen. Sie soll die Tatsachen der Angelegenheit behandeln und Propaganda nur durch ihre Erfolge betreiben, die sie hoffentlich recht bald aufzuweisen haben wird. Daneben aber gilt es den Plan der jüdischen Siedlung, wie er von meinem geehrten Herrn Vorredner dargelegt, vom RjF. ausgenommen und von einer Reihe jüdischer Organisationen zusammen mtt dem RjF. fort- S