Mitteilungen des Daniel-Bundes
- Journal
- Mitteilungen des Daniel-Bundes
- Volume
- 1 (1920)
- Issue
- 5/6 (Mai-Juni 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 37 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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7 Zioaisteaführere die Augen geöffnet, so dafi eine günstice Wendung in dem Wirtschaftssystem der pattsttoanslsclien Siedeltmg recht bald zu erhoffen' ist (Stehe Jllkf. Rundschau“ Nr. 24 d. J.) Die Bevorzugung der Bauernwirtschaft in den Kleinsiedelungen der palästinensischen Kolonien IflBt sich z. T. damit erklären, daß die Zronisten In den mit guten Fachkenntnissen geleiteten deutschen Kolonien bei Jaffa, welche deutsche landwirtschaftliche Methoden mit gewissem Erfolg nach Palästina verpflanzt haben, ein mustergültiges Vorbild erblicken. Dieses Wirtschaftssystem ist aber In vieler Hinsicht sowohl für die palästinensischen als auch für die osteuropäischen Juden zum Verhängnis geworden. Eine Familie, die in Palästina nur aus Bauernwirtschaft ihren Lebensunterhalt bestreiten soll, braucht etwa 10 bis 20 ha Boden, und die Ansiedelung einer solchen Familie kostete bereits vor dem Kriege etwa 50—70000 Franken. So bildete sich bei den Zionisten ganz automatisch die Vorstellung, daß in Palästina sich nur vermögende Leute ansiedeln können, dagegen die minderbemittelten Klassen — wenn sie auch ihr Fach völlig beherrschen — sich als unselbständige Landarbeiter ihr Leben lang plagen müssen; anderenfalls werden sie sogar von den bemittelten Kolonisten als lästige Menschen betrachtet. Es tauchen schon in der letzten Zeit neue Propheten auf, die Voraussagen, daß in Palästina sich zunächst nur vermögende Leutfe ansiedeln werden, während den Millionen der von Pogromen gehetzten Ostluden, die mit inbrünstiger Sehnsucht ins Land ihrer Väter einwandern wollen, die Tore Palästinas auf unbestimmte Zeit versperrt bleiben müssen. Behüte uns Qott vor solchen falschen Propheten wie Herbert Samuel, der kürzlich vor seiner Abreise aus Palästina u. a. folgende Äusserung für die Presse getan: „Die neuen Ankömmlinge in Palästina werden keine arme Klasse sein, die noch eine Last für die übrigen wäre, vielmehr werden sie von demselben arbeitsamen und fortschrittlichen Typus sein, wie die, welche in den letzten dreißig und vierzig Jahren die Jüdischen Kolonien In den verschiedenen Teilen des Landes gegründet haben. Sie werden Kanital mitbringen, das Öazu beitragen wird, den Wohlstand des ganzen Landes zu fördern, zum Vorteil aller Bewohner.“ („Jüd. Rundschau“ Nr. 26 H. .1.) Samuel scheint nicht zu wissen, daß nicht dleienigen. die das Kapital ins Land gebracht haben, die Hauntbevö*kerung der indischen Kolonien ausmachen, daß diese Leute, die an städtischen Komfort gewöhnt sind — nach Aussage Ruppins — ..auch bei größter Opferwillfgkelt auf die Dauer dfe Heruntersetzung ihres Standard of llfe nicht ertragen können und verzweifelt und erbittert die Kolonien verlassen“. (..Der Aufbau des Landes Israel“. Seite 5fi und 57.) Dagegen war es fast ausschließlich die arme Jüdische Klasse, welche Samuel und Weitzmann (...f.P.Z.“ Nr M) als lästig bezeichnen, die durch ungeheure Ausdauer und unermüdliche hingebende Arbeit die Kolonien in Palästina apf die Höhe gebracht haben, auf der «ie sich letzt befinden Hätten wir keine Mittel für die Auslese des Menschenmateriais und Bildung einer indischen Eilte In Palästina, so könnten wir In der Abwanderung aus diesem Lande, wie sie steh bisher vollzogen hat die beste Oewfihr für die BlWiuwr eines edlen Menschenschlages Im zukünftigen Palästina erblicken. Der palästinensische Boden Ist einmal gebellgt worden und kann einfach für dl»' D«**r keine Verunrelnitnmg durchseltetsfic^tta» odpr durch die von der Oberkuttor verdorbene JSemerite ertragen. Gotte* Geist wacht beständig über- Son Dfe Anspruchioslgkeit der arabischen Bevökenrag vereitelte stets dte Ansiedelung der sogenannten besser situierten, d. h. der verzärtelten und entarteten Klassen th Palästina, weil diese die Wirtschaft-* liehe Konkurrenz mit den Eingeborenen nicht aufnehmen konnten. Nur Leute mit eisernem Wißen, sittlicher Kraft und außerordentlicher Zähigkeit konnten bisher In Palästina festen Boden gewinnen. Auch die hier angesiedelten dvrtstricben Missionäre und Sektanten konnten hier nur solange bleiben, als sie vom göttlichen Geiste, vom sittlichen Drang, für die Erlösung der Menschheit zu wirken, erfüllt waren. Wer genügend Geld besitzt und besser situiert ist. der übersiedele In seinem ureigensten Interesse. wie auch in dem der gesamten Judenheit. nicht nach Palästina! Für diese Leute gibt es noch ein reiches Betätigungsfeld ln ihren Heimatländern. Palästina bildet wie die letzten Ereignisse gezeigt haben, keine sichere Zufhichtstätte gegen Rassenhaß und Pöbelausschreitungen. Die Drachensaat ffer kapitalistischen Ausbeutung kann dort viel blutigere Ernten ergeben als in anderen Ländern. Wer überflüssige Geldmittel besitzt, der verhelfe lieber seinen armen ostiüdlschen Brüdern, sich im heiligen Lande auf der Grundlage der gärtnerischen Kleinsiedelung niederzuiassenl So wird er auch seinem „Idealismus“ und seinem — wirklichen oder eingebildeten — Zionismus am meisten gerecht werden. Die in ihrer Heimatkultur fest verwurzelten Westjuden können sich am erfolgreichsten in Ihren HeimatSändern landwirtschaftlich betätigen. Ihre produktive Arbeitskraft, verbunden mit Intelligenz und Spekulationsgeist, könnte reichen Segen ihnen und ihren Mitbürgern bringen. Allerdings fördert die Landsiedelung wie sie gegenwärtig in Europa und Amerika üblich ist. mehr als das Gemeinschaftsleben in den Städten, die Assimilation. Aber wozu diese künstlich aufhalten, wenn sie früher oder später unfehlbar eintreten muß? Täuschen wir uns ja nicht vor. daß der Zionismus die Assimilation. dort wo sie eine unausbleibliche Folge der Kulturentwicklung ist. irgendwie hintanhalten könnte; sie wird höchstens nach erlebten Enttäuschungen in den jüdisch-nationalen Bewegungen sich schmerzlicher als bisher vollziehen. Es gehört zu den größten Irrtümem der landwirtschaftlichen Siedeiung daß man (Me deutschen Kolonien, besonders die von Sarona und Witrehna bei Jaffa, afs ein nachahmenswertes Vorbild für die iüoische Kolonisation in Palästina betrachtet hat. Sie konnten vielleicht als ein Muster für irgend ein anderes Land als Palästina und für e|n anderes Volk als die Ostjuden dienen. Der äußere Glanz dieser Kolonien hat längere Zelt die Augen unserer besten Agronome geblendet Wie es mit dem „Wohlstand" und der „Mustergültigkeit“ dieser Kolonien bestellt war. wissen am besten diejenigen, die mit ihren Bewohnern In nähere Berührung gekommen sind. Die Ansiedler dieser Kolonien. die Abkömmlinge der mH hohen sittlichen Idealen Ins Land eingewanderten Templer, haben sich ihrer Vorfahren völlig unwürdig gezeigt: Ihr einziges Ideal ist. recht viel Oddl zu verdienen, um sobald als möglich Palästina wieder den Rücken zu kehren und sich in einer deutschen Großstadt afs Rentner anwsledeln.