Mitteilungen des Daniel-Bundes
- Journal
- Mitteilungen des Daniel-Bundes
- Volume
- 1 (1920)
- Issue
- 5/6 (Mai-Juni 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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mit den kulturtechnischen Maßnahmen der Bewässerung und Entwässerung verbunden wird Dasselbe beabsichtigt auch der Ing. Poilak. welcher gegenwärtig Im Aufträge von Baron Rothschild die Schuni-Kräfte fn Palästina untersucht (siehe „J. P. Z“. 30.4.20). Man muß meiner Ansicht nach noch weiter gehen und sagen: Die Bewässerung Ist die Hauptsache, die Wasserkraft-Ausnutzung kommt in zweiter Linie. In einem Lande von solcher Boden- und Klimabeschaffenheit wie Palästina kommt es auf )eden Tropfen an. Dfe Wasserkraft-Ausnutzung in Palästina kann aber nicht auf solche Fantastereien wie einem Salzwasser-Tunnel vom Mittelländischen Meer zum Toten Meer und Ähnliches abgestellt werden. Die Gewinnung hydraulischer Kräfte muß selbstverständlich mit Süßwasser-Zuflüssen vom Genezareth- und Meromsee her erfolgen; in späterer Zeit wird man auch den Lltanl (Leontes) anzapfen und in einem Stollen einiges Wasser aus ihm nach dem Jordan herüberführen. Es Ist gut. daß England in dieser Richtung seine Wünsche den Franzosen gegenüber energisch verficht („J. P. Z." Nr. 96). Ich sehe auch hierin die richtige und großzügige Wasserwirtschaftspolitik der Engländer, welche in Indien und Ägypten so große Erfolge erzielt haben. Über die Einzelheiten meines Proiektes hoffe ich mich an anderer Stelle näher auslassen zu können. Ich möchte nur noch auf eines hinweisen: Palästina hat nicht unbegrenzt viel Wasserkräfte. Wenn diese auch nicht heute sofort gebraucht werden, wenn zunächst die Frage der Bodenkultivierung im Vordergrund zu stehen hat, so darf doch nicht die Rücksicht auf die nächsten Jahre dazu verleiten, mit den Wasserkräften des heiligen Landes Raubbau zu treiben. Es muß heute schon für den Wasserwirtschaftsplan Palästinas auch ein rationeller Wasserkraftplan aufgestellt werden, will man nicht später schlimme Enttäuschungen erleben. Bodenkultur, Zionismus und Westjudenproblem Von Nathan Chavkin, München. ..Besser als Auswanderung ist landwirtschaftliche Durchdringung!“ Diese Worte des Jüdischen Wanderlehrers für Bodenkultur. Herrn S. Seligmann. können nicht laut genug den deutschen Juden. wie überhaupt allen mehr oder weniger assimilierten Westluden verkündet werden. Wenn der Zionismus auf der einen Seite manchen iungen Leuten mehr Lebpnsinhalt verliehen und bei Ihnen Interesse für iüdische Fragen geweckt hat. so hat er auf der anderen Sette viel Unheil gestiftet, u. a. dadurch, daß die indischen Eltern in dem Wunsch ihrer Kinder, sich der Bodenkultur zuzuwenden, stets zionistische Motive, d. h. die Absicht nach Palästina auszuwandem. wittern, und ihnen daher in den meisten Fällen große Hindernisse für die Ergreifung eines landwirtschaftlichen Berufes In den Weg legen. Bodenkultur und Zionismus sind für die meisten Juden gewissermaßen identische Begriffe geworden, so daß selbst ein städtischer Jude, der eine kleine Oartennarzelle zu bewirtschaften unternimmt in seinen Bekanntenkreisen als Zionist verschrien wird. Wir dagegen erblicken in dem Drang der Jüdischen Jugend zur Bodenkultur — mögen manche unter diesen Jungen « Menschen zionistisch gesinnt seht, oder steh bloß zionistisch gebärdtn — die starke Sehnsucht, zur Scholle zurückzukehren. Es Ist der natürliche menschliche Instinkt derQott; sei Dank — auch bei den Juden nicht'finzHcb-ver-1 loren gegangen Ist und der die sicherst« Gewähr für die zukünftige leibliche und sittliche Erneuerung der JOffenheit bildet Für viele unserer Jungen haben die Umwälzungen des Krieges, die nähere Berührung mit der Natur während der Feldzüge usw. einen Ansporn für landwirtschaftliche Betätigung gegeben. So ist vielleicht der 'wenn auch verhältnismäßig geringe) Erfolg des Zionismus in den Westländern, weniger auf das Erwachen des Nationalgefühls der Westjuden. als vielmehr auf deren Drang, sich der heimatDcfien Scholle zu nähern, zurückzuführen. Betrachten wir die Entwicklung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands In den letzten Jahrzehnten. so begegnen wir sowohl ln Bezug auf das Menschenmatertal. das sich der Bodenkultur wkhnet. als auch In den Wirtschaftssystemen der Bodenbearbeitung einer höchst merkwürdigen Erscheinung: Die Nichtzionisten beschäftigen sich hauptsächlich mit der Gartenwirtschaft. die Zionisten dagegen fast ausschließlich mit Qetreldebau und Viehzucht. Die Ahlemer Qartenbauschule und das Seminar für Gartenbau zu Peine sind vom Konsul Simon in Hannover ausschließlich zum Zwecke der Berufsumschlchtung der deutschen Juden gegründet und werden vom Vorstand und vom Lehrerpersonal dieser Anstaften nur in diesem Sinne geleitet, keineswegs aber von irgend welchen zionistischen Tendenzen inspiriert. (Siehe Nr. 2 und 4 dieses Blattes.) Eine andere nichtzionistische, man könnte fast sagen antizionistische Institution ist der Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands e. V. (Bodenkulturveretn, Charlottenburg, Demburgstraße 46.) Dieser Verein, der zuerst die Schaffung eines jüdischen Bauernstandes in Deutschland au# seine Fahne geschrieben hat. ist wegen der unüberwindlichen Schwierigkeiten. die sich der Verwirklichung dieser Bestrebungen entgegensetzten, immer mehr von seinem ursprünglichen Hauptziele abgekommen und beschäftigt sich seit einigen Jahren fast ausschließlich mit der Förderung des Gartenbaues, der Oartensiedefung. der städtischen Lauben- und Schulkolonien und dergl. unter den Juden Deutschlands. (Näheres hierüber siehe Nr. 1 des ..Jüdischen Arbeitsmarktes“.) Schauen wir nun das zionistische Lager in Deutschland an. so beobachten wir gerade das Gegenteil. Die einzige für die Zionisten seit längerer Zeit mustergültige Lehranstalt für Bodenkultur ist bekanntlich das ..Messingwerk" bei Eberwalde, ein großes Gut für Getreide und Viehzucht, ln dem fast alle deutschen Zfonisten, welche die ernste Absicht hatten, nach Palästina zu gehen, sich längere oder kürzere Zelt praktisch betätigten. „Messingwerk“ ist aber nicht als eine isolierte Einzelerscheinung im Zionismus zu betrachten, es ist vielmehr ein typischer Fall für die ganze bisherige Richtung der zionistischen Leitung, für das ganze System der palästinensischen Kolonisation, wie es u. a. in dem bekannten Werft des jüd. Agronomen Oetttnger und in den letzten Rundschreiben der Londoner zion. Leitung zum Ausdruck kommt. Man sollte meinen, daß die kläglichen Ergebnisse der lüdlschen Bauernwirtschaften gegenüber den glänzenden Resultaten des Pflanzungsbaues in Palästina die Zionisten schon längst eines Besseren hätten belehren sollen. Glücklicherweise hat das neue Werk von Soskln über Kleinsiedelung in Palästina manchen