Mitteilungen des Daniel-Bundes
- Journal
- Mitteilungen des Daniel-Bundes
- Volume
- 1 (1920)
- Issue
- 4 (4.1920)
- Date
- 1920-04-01
- Page
- Seite 30 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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. _ » v**^ N - - * v *”••. V^’^f *fc '•' T . ' «tiv gMcben BodenflleM Miln Anzahl von Phmn, als es _ flentt. angesiedelt werden (d;b. 5 ha anstatt 10ha für laden Pflanzer, liehe „JOd. Rundschau“ Nr. 57, »er. Jahrj. . Diese swctfeOose Verbesserung Anerbachs hat aber anch ihre Schattenseite. nämlich, daß der Gotreidebaiier doppelt soviel Boden besitzen wird ab der Planier, so daB erstem, um sich von seinem mühseligen and unrentablen Berufe efaiigemalen zu befreien, die Hälfte seines Bodens mit Blumen bepflanzen und den Getreidebau vernachlässigen könnte. Es würde also voraussichtfleh auch die von Auerbach auf 6% herabgesetzte Zahl der Getreidebaöer (Pix- 3a) sich mit der Zelt noch weiter verringern, was zur völligen Bedeutungslosigkeit des Qetreidebaues bei den Juden führen müßte. Dies muß )a ohnehin auf Qrund der bisher hi der palästinensischen Sfedelung gemachten Erfahrungen früher oder später unfehlbar eintreten. Viel wichtiger als die Frage des Qetreidebaues ist die des Verhältnisses der Großpflanzer zu den Klehtsiedlem im zukünftigen Palästina. In diesem Punkte sind leider die erwähnten drei anerkannten Autoritäten in der Palästinafrage einig, daß es nämlich unter den palästinensischen Kolonisten mindestens 25% mehr oder weniger bemittelteT Großpflanzer geben müsse (Flg. 2). Man stützt sich hierbei auf den rein pekuniären Erfolg der Qroßpflanzer in Palästina, ohne die ungeheueren Nachteile, )a man möchte fast sagen, die unabwendbare Gefahr, die gerade diese bemittelten Pflanzer auf Grund der bisherigen Erfahrungen der Kolonisation bringen können, in die Wagschale zu werfen. Die auf 5—10 ha ausschließlich intensiven Gartenbau treibenden Kolonisten sind auf fremde Arbeit angewiesen, erzeugen durch die Konkurrenz der arabischen Arbeiter ein eiendes Jüdisches Proletariat und damit zugleich die schwersten Klassenkämpfe und sozialen Mißstände. Es tst unmöglich, an irgend welchen sozialen Ausgleich in Palästina zu denken, solang neben einer bemittelten PflanzerfamMle 2 oder 3 arme Arbeiterfamilien ein sehr dürftiges Leben fristen müssen. Die erwähnten 3 Autoritäten, die ln der palästinensischen Siedelung die gleiche Anzahl von Pflanxerfgmllfen und Häuslern empfehlen (Auerbach berechnet sogar weniger Häusler als Pflanzer), übersehen nämlich, daß man zur Bewirtschaftung von 5—10 ha intensiven Pflanzenbaues, nicht einen Häusler, sondern etwa 3—5 Arbeiterfamilien benötigt. Dr. Soskin bezweifelt sogar, daß eine jüdische Familie einen halben ha intensiven Gartenbaues in Palästina allein bewältigen könnte. Sicherlich wird der Jüdische Pflanzer mit der Zelt zur höchsten Intensivierung seines Bodens übergehen; dann wird ein Jüdischer Gärtner mif 10 ha Boden etwa 20—30 ständige Arbeiter benötigen. Nehmen wir Jedoch an, daß der Pflanzer, wie Auerbach empfiehlt, in Palästina zukünftig nicht mehr als 5 ha Boden bekommen wird und sehen wir nun, weiche Entwicklung die Gartenwirtschaft unter dem Efcifluß des kapitalistischen Systems ämehmen kamv (Flg. 3a—c.) Zunächst wird, wie oben erwähnt eittf eflsfer Oetreldebauer, die mit datGetreldewlrtea|pft sicht auf den grünen Zweig gekommen sind, ganz oder teilweise zu Pflanzungen ttergehan. Ebenso werden sich manche Von deK^OehMiedlen] flank Ihre Tüchtigkeit oder dwcn Klplllibeschamim zu Qroßpflaosern aufaehwtngen; denn sicharflek wird die bessere ma¬ 44% die i Kuppte die dop* terieHe and gese&schafttiche Steflongdha Pflanzers ein erstrebenswertes Ziel ratlosen gesinnten Kleinsiedlers werden, Anf der j anderen Seite werden manche Klefaafedtar, dte mit den Pflaftern nicht gut konkurrier ea Manen, auf ihre Sefottflsdtgkeit verzichten and zum Teil in den Dienst der Qroßpflanzer übergehen müssen. In allen diesen drei Fällen wird eine aiimähHefce Zunahme der Zahl der Großpflanzer und Häusler auf Kosten der selbständigen Kletnsiedler ' stattfinden, wie in Europa die Großfabrikation und das Anwachsen der Zahl der IndustriearbeNec eine beständige Verminderung der Klasse der selbständigen Gewerbetreibenden zur Folge hat Mit * der Zunahme der Häusler, die schon eine höhere Stufe des Wohlstandes, als es die nicht bodenständigen Arbeiter erreicht haben, wird sich zugleich das Jüdische-Arbeiterproletariat vermehren; das wären diejenigen unselbständigen, meistens unverheirateten Arbeitermassen, die eine große Gefahr für die zukünftige Entwicklung Palästinas bedeuten. Diese freizügigen oder, richtiger ausgedrückt zum stetten Wandern gezwungenen Jüdischen Arbeiter werden stets die wirtschaftliche und sittliche Existenz der neuen Jüdischen Siedelung untergraben. Die Freiheit und Gerechtigkeit in der neuen palästinensischen Kolonisation kann sich demnach nur auf Selbstarbeit in produktiven Berufen, womöglichst im genossenschaftlichen Zusammenschluß. keineswegs aber auf Förderung irgendwelcher privatkapitalistischer Unternehmungen mit Lohnsklaverei aufbauen. Jaden, lasset Euere Kinder Handwerke erlernen! ßer Jüdische Nationalrat für Deutsch-Österreich (Wien II, Taborstraße 20a), der vor kurzem einen Aufruf mH obiger Überschrift erließ, hat In Wien bereits eine Schlosserwerkstätte für Jüdische Lehrlinge errichtet und geht heran, auch andere Werkstätten für Juden zu errichten. Der Aufruf weist u. a. darauf hin, daß Wien als Durchreisepunkt für die Jüdischen Emigranten diesen die Möglichkeit bieten wird, vor der Einwanderung ln das neue Land irgendwelche Gewerbe zu erlernen. Wir werden den vollen Text des Aufrufs in der nächsten Nummer bringen. Zunächst wollen wir folgende Bemerkung der „Wiener Morgenpost“ zu diesem Aufruf bringen. Es geht Jetzt eine neue Zeit an. Schon heute sind die Arbeiter besser gestellt, als manche Doktoren und Professoren. Der Handwerker ist Jetzt nicht mehr der blutarme Mann wie früher. Wir stehen aber noch am Beginne einer neuen Zelt, in welcher die produktiven Arbeiter Immer mehr die Gesellschaft beherrschen, während die nichtproduktiven Klassen, die Händler und Makler beständig herunterkommen werden. Auch die politische Macht geht' allmählich In die Hände der Arbeiter über, man merkt es zwar letzt noch nicht ganz auffallend, es steht dennoch außer ledern Zwetfel, daß die Arbeiterregierungen sich Immer mehr ln der Welt ausbreiten und solche Bedingungen schaffen werden, unter denen nur produktive Arbeiter ihre Existenzen als gesichert mtsehen könnten, Händler und Vermittler werden immer mehr vom gesellschaftlichen Leben verdrängt werden. Der Aufruf t des Jüdischen Nationalrates sollte einen starken Widerhall ln weiten Kreisen der Jüdischen Bevölkerung bervorrufen.