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Mitteilungen des Daniel-Bundes · 1920-03-01 · 3 (3.1920) · p. Seite 22

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Journal
Mitteilungen des Daniel-Bundes
Volume
1 (1920)
Issue
3 (3.1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 22 (sequence 6)
Language
German
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M Auswanderung vor dem Kriege in hohem Maße entsprochen hat? Schreiber dieses hatte im Jahre , 1913 Gelegenheit, in einer mittleren Stadt Weißrußlands ein Auswanderungsamt der ICA, dem ein Verwandter von ihm Vorstand, öfters zu besuchen und erfuhr, daß in dieser Stadt dutzende Jüdischer Familien wöchentlich mit Auskunft, Belehrung und Geldmitteln für die Auswanderung nach Amerika von der Gesellschaft versorgt wurden. Ein ln seinen Händen befindlicher umfangreicher Bericht vom Jahre 1912 über die Tätigkeit der Gesellschaft legt beredtes Zeugnis ab für ihre segens- und erfolgreiche Arbeit im früheren russischen Reiche. Auch die Gründung und Förderung der ersten jüdischen Kolonien in Palästina durch Baron Rothschild kann zu den Wundern der Jüdischen Geschichte gezählt werden. Wohl war das Rothschlldsche Kolonisationssystem sehr mangelhaft, aber ohne die von ihm geschaffenen und längere Zeit unterhaltenen Kolonien hätte die Jetzige Jüdische Siedelung in Palästina sehr ärmlich ausgeschaut. Selbst die von Rothschild begangenen Fehler kamen den neuen Ansiedlern zugute, da diese durch den Schaden der ersten Kolonisten manches lernten (leider nicht ln dem Maße, wie es hätte sein können). Wenn bisher noch keine anderen jüdischen Millionäre ihre Mittel für die Besiedelung Palästinas zur Verfügung stellen und die zionistischen Organisation noch immer auf Sammlungen kleiner und kleinster Beträge bei den Jüdischen Volksmassen angewiesen ist, so liegt es u. E. in der vorwiegend materialistischen oder rein politischen Richtung, die der Zionismus seit Herzl angenommen hat. Mag Herzl selbst ein großer Idealist gewesen sein, er war Infolge seiner mangelhaften Kenntnis des Judentums seines Idealismus nicht bewußt, wie es auch manche seiner Nachfolgler waren und noch jetzt sind. Erst wenn sich der zionistischen Leitung hervorragende, selbstbewußte, sittliche Kräfte, an denen das Judentum so reich ist, bemächtigen werden, und der Zionismus von einem gewaltigen ethisch-religiösem Zug durchdrungen sein wird, werden auch große Kapitalien dem Aufbau Palästinas und der Erneuerung des Judentums zufließen. Dennoch werden diese Geldmittel allein nicht ausreichen, um den gegenwärtigen Anforderungen der jüdischen Restauration, Emigration und Kolonisation gerecht zu werden. Ein Faktor, der jetzt wunderwirkend für die' Lage des jüdischen Volkes sein könnte, dürfte nicht allein bei den Juden, sondern auch in der Hilfe der Großmächte zum Zustandekommen einer allgemeinen jüdischen Anleihe gesucht werden. Verschiedenes Eine Konierenz Jüdischer Kolonisten In New York. Vor kurzem fand in New York eine Zusammenkunft Jüdischer Farmer statt von der dem Warschauer „Moment“ folgendes mitgeteilt wird: Die Jüdischen Bauern in Amerika sind keine solchen unzivilisierten Leute, wie man sie anderswo antrifft. Im Gegenteil, sie stehen in gewisser Beziehung auf einer höheren Kulturstufe als die Städter und sind geschworene Feinde der amerikanischen Großindustrie, der Fabriken mit ihren Schwitzhöhlen, Brutstätten der Schwindsucht u. dergl. Die Jüdischen Farmer in Amerika haben die gleichen geistigen Bedürfnisse und Interessen wie die städtische Bevölkerung und unterscheiden sich dadurch von der übrigen Landbevölkerung, die bereits seit Generationen mit der Scholle ver-1 bunden ist , Jl Unter den Jüdischen Bauern befinden sich viele] Intellektuelle, die sich an die amerikanischen 1 „Kesselgruben“ nicht anpassen konnten. Sie 1 zogen die freie Natur dem städtischen „shop" vor. ■ Sie sind keineswegs aus Not zu Bauern geworden;! Leute, die keine Lust und Liebe zu ihrem Berufe ' verspüren, sind in Ihrem Berufsleben höchst selten erfolgreich. Aber die Jüdischen Kolonisten, die die amerikanischen Felder mit Dörfern und Städtchen bedecken, sind derart erfolgreich, daß sie selbst von nichtjüdischen Farmern des öfteren beneidet werden. Unlängst äußerte sich diesen gegenüber ein Vorsteher eines amerikanischen Agrikultur-Departements, sie sollten doch von ihren Jüdischen Kollegen lernen und die gleichen Institutionen und Arbeitsmethoden, wie sie die jüdischen Farmer besitzen, bei sich einführen. Die jüdischen Landwirte haben wirklich etwas ersprießliches geschaffen und sie bilden den Stolz/ der amerikanischen Juden. Die Organisation der jüdischen Farmer Ist gut fundiert und sie entwickelt eine segensreiche Tätigkeit sowohl für ihre Mitglieder, als auch für städtische Juden, die sich der Landwirtschaft zuwenden wollen. Die Juden, die des Großstadtlebens überdrüßig wurden und sich entschlossen haben, sich auf dem Lande anzusiedeln, wurden bislang von geriebenen Geschäftsleuten und Bodenspekulanten nicht selten beschwindelt Sie zahlten oft hohe Preise für minderwertigen Boden und wurden um ihre schwer verdienten und mühsam ersparten Dollars gebracht Jetzt kommt derartiges höchst selten vor. Entschließt sich ein Judfc Kolonist zu werden, so weiß er, daß er sich an die. jüdische „Farmer Federation“ wenden muß. Diese erteilt die nötige Auskunft, schickt Ihren Vertreter, um passenden Boden für Jüdische Interessenten ausfindig zu machen und dergl. mehr. Eine vorzügliche Einrichtung der jüdischen Farmer ist die von ihnen gegründete „Feuerversicherungsgesellschaft", die jetzt bereits einen Umsatz von 3—4 Millionen jährlich erzielt und die als die sicherste und die beste für die Interessen der Landarbeiter auch in nichtjüdischen Farmerkreisen bekannt ist. Auch, die voll den Juden begründeten Leih- und Sparkassen sind zum Vorbild für ähnliche Einrichtungen der nichtjüdischen Landbevölkerung geworden. So sind die „unerfahrenen“ Jüdischen Bauern zu Wegweisern für die seit Generationen ansässigen nichtjüdischen Farmer geworden. Allein,"das amerikanische Farmerleben hat für die Juden auch seine Schattenseiten. Der Jüdische Kolonist, der an das Stadtleben gewöhnt Ist und der sich mit großer Anstrengung und Hartnäckigkeit des Landlebens bemächtigt hat, sehnt sich doch zuweilen nach einer Jüdischen Umgebung und nach regem geistigen Leben. Das veranlaßt ihn oft zur Vernachlässigung des Bodens und zur Rückekhr in die Stadt für längere oder kürzere Zelt. Es wurden deshalb auf der Konferenz Forderungen gestellt, daß die geistigen Bedürfnisse der jüdisch-amerikanischen Farmer In der Zukunft mehr als bisher befriedigt werden sollen. Ein schwieriges Problem bildete bei dieser Konferenz, wie auch bei den früheren, die Frage der Kindererziehune bi den Jüdischen Farmen. Et wurde allgemein darüber geklagt daß die Kinder in den Kolonien ohne jüdisches Wissen, ohne Kenntnisse des traditionellen Jüdischen Lebens

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