Mitteilungen des Daniel-Bundes
- Journal
- Mitteilungen des Daniel-Bundes
- Volume
- 1 (1920)
- Issue
- 3 (3.1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Hatten <Se Araber «nt* der MlBwtrtschaft der türkischen Regierung zu leiden, so ftthHen sie sich immerhin als freie Minner, denn bekanntlich hatte sich de türkische Regierung um die innere Angelegenheit der palistinensiscben Bevölkerung recht wenig gekümmert Anderes haben de Araber, zumindest in Ihrer Vorstellung, von einer jüdischen Masseneinwanderung ln Palästina zu gewärtigen, besonders wenn die Juden die Majorität im Lande bekommen und gewisse kapitalistisch gesinnte Elemente in der Verwaltung des Landes Einfluß gewinnen werden. Hat es doch der kapitalistischaristokratische Geist in Palästina so weit gebracht daß selbst die auf niederer Kulturstufe stehenden jemenitischen Juden von der übrigen jüdischen Bevölkerung als Parias behandelt werden. Verfolgen wir nicht nur die Politik, sondern auch die Kolonisations-Methoden der zionistischen Leitung in London, so müssen wir leider zugestehen. daß die Befürchtungen der Araber auch In dieser Hinsicht der Begründung nicht entbehren. Abgesehen von der besonderen Förderung der Einwanderung jüdischer Kapitalisten ln Palästina, die unfehlbar zur Entwicklung einer ungesunden ausbeuterischen Großindustrie im Lande führen wird, sind auch die Landwirtschaftsformen, die vom Palästina-Amt in London vorgeschlagen werden, sowohl für die Jüdische Masseneinwanderung als auch für die Bodenbesitz-Verhältnisse der Araber entschieden nachteilig. Im ersten Anhang des Rundschreibens des Palästina-Amtes vom Anfang Dezember v. J. heißt es wörtlich: ..Einzelpersonen und Qruppen. die landwirtschaftliche Unternehmungen In Palästina beabsichtigen, pflegen sich bisher zu sogenannten „Achusoth" zusammenzuschließen. Unter ..Achusoth" wollen wir in Zukunft ausschließlich solche Gesellschaften verstehen, die Pflanzungen in Palästina anlegen wollen, deren Bewirtschaftung sich vornehmlich auf Lohnarbeit stützt Personen dagegen, deren Wirtschaft sich hauptsächlich auf Eigenarbeit gründen solL also eigentliche Bauern, sollen sich von den Achusoth- Verbänden loslösen und zu besonderen Gesellschaften vereinigen, die wir in Zukunft als ..Meschek" bezeichnen wollen.“ Der demoralisierende Einfluß der Großpflanzer auf die jüdische Kolonisation in Palästina ist bereits aus den bisherigen Erfahrungen genugsam bekannt Die Pflanzer schaffen einen Nebenverdienst hauptsächlich den umwohnenden Arabern, aber zugleich auch die stärkste Erbitterung unter den lüdischen Arbeitern, die wegen ihrer höheren Kulturansprüchen mit den arabischen Arbeitern nicht gut konkurrieren können. Aber auch die Araber werden bei der Zunahme der Zahl der Großpflanzer kaum auf ihre Rechnung kommen. Wie wir dem gleichen Rundschreiben weiter entnehmen, werden die Achusoth nur deshalb gefördert damit in der nächsten Zeit möglichst viel Boden ln Palästina von jüdischen Oroßkapitalisten angekauft würde: mit anderen Worten, damit möglichst viel Araber von ihrem Boden verdrängt und zu Lohnsklaven der jüdischen Qroßpfkmzer werden. Der Anteil einer Achusah. der nach dein Rundschreiben aasreichen dürfte, um einer Familie den Lebens tmterhalt in Palästina zu sichern, ist vorläufig schätzungsweise mit etwa 40000 Francs zu veranschlagen, ein Betrag. *den nach den gegenwärtigen Valutaverhältnissen in vielen Ländern sogar mittlere Jüdische Kapitalisten sich nicht leisten könnten. Nicht wesentlich anders verhält es sich mit der zweiten vom Palästina-Amt für die Joden vorgeschlagenen Landwirtsohaftsgroppe. der Bauernwirtschaft oder sogenannten „Mieschek“. die nach* den weiteren Ausführungen des Rundschreibens überwiegend auf Gemüse. Ackerbau und Milchwirtschaft beruhen' soll. Demnach sollen gerade die Baum Pflanzungen, die zur biblischen Zeit da Jeder unter seinem Weinstock und Feigenbaum lebte“, das charakteristische Merkmal der Kleinsiedelung waren, nunmehr das Monopol der kapitalistischen Großpflanzer werden. Aber abgesehen davon, benötigt eine BauemfamlUe für . ihren Lebensunterhalt selbst bei Anwendung fortschrittlicher Arbeitsmethoden, ein Bodenausmaß von 5 bis 10 ha. Demnach könnte eine Massenkolonisation in Palästina auf bäuerlicher Grundlage ohne Verdrängung vieler Araber von ihrem Boden nicht durchgeführt werden. Im übrigen wissen wir aus Erfahrung, daß die an das städtische Leben gewöhten Juden für den reinen Bauernberuf in Palästina absolut ungeeignet sind. Sogar die meisten Pioniefe des ..Bilu" gaben die Landwirtschaft auf und wurden z. T. Bodenspekulanten. (Siehe Ruppin, ..Aufbau“. Seite 56 und die erw. Rede Sprinzaks.) Wir wollen hier nicht in der Kritik der Londoner zionistischen Leitung fortfahren, deren Rundschreiben auch in zionistischen Kreisen stark bemängelt wurde. (Siehe Aufsatiz, Sternberg. „Jiid. Rundschau“. Nr. 10 d. J.) Wir wollen auch nicht dlj übermäßig bürokratischen Vorschriften der zionistischen Leitung für die Bildung von Einwanderungsgruppen. z. B. die Bevorzugung der Einwanderung von jungen verheirateten Leuten, also Familien mit Säugekindem („Jüd. Rundschau“, Nr. 63 v. J.) oder die von manchen Zionistenführem vorgeschlagenen grausamen Maßregeln gegen die Einwanderung ..antisozialer", mit anderen Worten „bolschewistischer“ Eiepiente ln Palästina (Rup- , pins „Aufbau“. S. 177-106) einer eingehenden Kritik \ unterziehen. Man muß die führenden zionistischen Persönlichkeiten psychologisch begreifen. Sie befinden sich in einem Dilemma, aus dem sie mit allen Mitteln herauszukommen suchen, und geraten dabei oft vom Regen in die Traule. ä. Die Kleinsiedelung auf gärtuerlscber uud industrieller Grundlage. Alle bisherigen Erfahrungen ln der jüdischen Landsledelung weisen darauf hin, daß die einzige Kolonisationsmethode, wonach die Juden sich dauernd und erfolgreich betätigen können. im intensiven Gartenbau, verbunden mit Kleinindustrie besteht. Schon der geringe Bodenbedarf einer ausschließlich rationeiten Gartenbau treibenden Familie ermöglicht einen engeren Zusammenschluß der lüdischen Kolonisten und eine größere Pflege des jüdisch-traditionellen Lebens. Kommen noch kleine Industrien hinzu, so kann eine noch größere Dichte der ländlichen Bevölkerung und damit auch ein regeres geistiges Leben in der Landsiedelung zustande kommen. Diese Art der Kleinsiedelung kann in allen nichit zu kalten Regionen und bei den neuesten Fortschritten der Wasserbautechnik. auch in vielen dürren heißen Gegenden durchgeführt werden« Wir bringen hier einige Abbildungen, welche die EntwickJungsmöglichkeiten der jüdischen Qartensiedelungen dartun und verweisen auf eine diesbezügliche vom Nationalfonds herausgegebene Schrift von Dr. E. S. Soskin über „Kleinsiedelung - und Bewässerung in Palästina“, auf die wir in den nächsten Nummern der „Mitteilungen“ noch zi* rückkommen werden. Selbstverständlich finden diese Darstellungen auch auf andere Länder mit mildem Klima Anwendung. ' Die erste Abbildung, die der ,.Wirtschaftsgeographie von Syrien“ von Dr. Hans Fischer entnommen - ist. zeigt an den nichtsohrafflerten Steifen, wie-