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Mitteilungen des Daniel-Bundes · 1920-03-01 · 3 (3.1920) · p. Seite 19

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Journal
Mitteilungen des Daniel-Bundes
Volume
1 (1920)
Issue
3 (3.1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 19 (sequence 3)
Language
German
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Die Jüdische Emigration*- und Kolon Isaüomfraze darf nicht vom einseitigen zionistischen, sondern moB vom allgemein j&dbchen Standpunkt behandelt werden. Es maßte nach dem Vorschlag Birnbaums ein Voiksamt von jüdischen Menschen aller Rlohttmgen geschaffen werden, das die Sache der ln ihrer Heimat zurückbleibende« wie auch der auswandernden Juden vor den Regierungen vertreten und auch Ober die WaM der geeigneten Länder für die iOdische Einwanderung Entscheidung treffen konnte. Zweifellos würden für viele Jüdische Auswanderer aus wirtschaftlichen wie auch aus gewissen iamllifiren und anderen Gründen nicht Palästina, sondern andere Einwanderungsländer in Betracht kommen. 3. Die Landfrage.. Angenommen, wir hätten die großen Geldsummen, für eine lücßsche Massenemigration und -kolonisation aufgebracht und die Grenzen aller Länder wären für de jüdischen Einwanderer geöffnet so wird es uns dennoch, nach allen bisher gemachten Erfahrungen in der jüdischen Kolonisation, sehr schwer fallen, das günstigste Land oder die günstigsten Länder für die jüdsche Ansiedhmg zu wählen. Auch bezüglich der Landfra&e wird oft in erster Linie Amerika genannt weil ln dem neuen Weltteil noch so viel unbebautes oder wenig kultiviertes Land vorhanden ist imd weil — besonders ln den Vereinigten Staaten —. die Industrie einen ungeheueren Aufschwung genommen hat Verfolgt man das jüdische Leben in Amerika, sowohl ln den Großstädten als auch ln den Kolonien. so wird man bald zu der Überzeugung gelangen. daß im Dollarlande de Judenfrage keineswegs gelöst werden kamt. Die besten Elemente der Judenheit denen die Erhaltung der jüdischen Gesittung am Herzen liegt werden daher nach anderen Ländern Umschau halten, wo die Auswüchse des Industrialismus und der krasse Materialismus noch keine so tiefen Wurzeln geschlagen, wo die Ausbeutung der minderbemittelten arbeitenden Bevölkerung noch keine solche häßlichen Blüten gezeitigt hat Was die jüdsche Ansiedelung in Amerika anbelangt so wissen wir aus Erfahrung, daß die Juden für die amerikanische mehr oder weniger extensive Bodenkultur ungeeignet sind, vor allem deshalb. weil sie einen Zusammenschluß der Juden in großen Gemeinschaften und Pflege eines regen geistigen Lebens unmöglicht macht. Wir sehen, daß diese Frage immer wieder auf den Konferenzen der jüdisch-amerikanischen Landwirte erörtert wird, ohne daß sie irgendwie einer befriedigenden Lösung zugeführt werden könnte. Die Kolonisten wandern, nach längerer oder kürzerer Zelt eifriger z. T. erfolgreicher Betätigung in der Landwirtschaft voll Erbitterung wieder in die Großstadt zurück, weil es ihnen und ihren Kindern auf dem Lande an jüdischer Umgebung und an Pflege jüdisch-religiösen Lebens mangelt Wenn die Ostjuden ln der großen Mehrheit gegenwärtig ihre Blicke nach Palästina richten, so muß man es — abgesehen von allen anderen ideellen und historischen Gründen — als einen Protest gegen all diejenigen Kolonisationspläne ansehen. die nur auf die Befriedigung der rein materiellen Bedürfnisse der jüdischen Massen abzielen. Wir wollen aber hier nicht die Frage erörtern, ob es außer Amerika und Palästina noch andere für die jüdsche Massen ein Wanderung geeignetere Länder gibt Bel allen Mängeln des lüdsch-amerikanischen Lebens* Üben die amerikanischen Städte noch immer eine gewisse Anziehungskraft ad die Juden fas. weil es ln Amerika wenigstens große 10discbe Zsntrergfbf and weif die meisten Ostladen dort Verwände oder Bekannte besitzen. Würde man also den Joden Amerika und Palästina als Einwanderungsländer vorentbalten. so wird es Ihnen ziemlich gleichgültig sein, ob sie ln Sibirien oder Uganda, Australien oder gar Mesopotamien angesiedelt werden. Wir wollen uns deshalb mich Amerika gleich der Palästinafrage zuwen- «len. 4. Palästina und de Araberfrage. Es steht außer Zweifel, daß für eine Massensledelung der Joden in Palästina vor allem die ansässige arabische Bevölkerung das größte Hindernis bildet. ES wäre eine arge Sefesttäuschung. wollte man de Behauptung aufsteflen. wie es u. a. Nachum Qoldmann Im letzten Novemberheft des Joden“ tut daß nur de Großgrundbesitzer die Führer der antizlontstischen Widerstände unter den Arabern sind. Der palästinensische Vertreter des Hapoel Hazair. Josef Sprinzak. erklärte iüngst auf einer zionistischen Konferenz, daß arabische Intellektuelle aus nationalen Qründen sich als Arbeiter bei palästinensichen Bahnen verdingen und daß das jüdische Privatkapital Immer mehr arabische Emigranten ins Land lockt. („Jüd. Rundschau“. Nr. 82 v. J.) Im „Jüd. VcHksblatt“. Nr. 2 d. J., lesen wir. daß in der letzten Zeit viele Araber fast immer truppweise, mit großen Summen versehen, aus den Vereinigten Staaten nach Palästina zurückkehren und dort hauptsächlich Boden und Häuser erwerben. Auch aus Syrien wandern viele Araber nach Palästina ein. Auf der anderen Seite gehen uns Nachrichten zu. daß eine große Anzahl jüdischer Bewohner Palästinas, darunter auch viele Legionäre, welche die ernste Absicht hatten sich dort niederzulassen, das Land wegen Mangel an Beschäftigung wieder verlassen. So lesen wir in der „Jüd. Preßzentrale Zürich“ folgende Notiz: „Am 12. Dez. sind 560 jüdische Legionäre aus Palästina nach New York zurückgekehrt. Sie wiederholen die Vorwürfe ihrer bereits früher zurückgekehrten Kameraden, von der Zionistischen Palästina'-Kommission nicht genügend Stütze erhalten zu haben. Die meisten der zurückgekehrten Legionäre hatten den Vorsatz, in Palästina zu bleiben.“ Man braucht wahrlich nicht ein hohes Maß von psychologischem Feingefühl zu besitzen, um sich die wirklichen Ursachen der arabischen Gegnerschaft zu erklären, die sicht bereits in kriegerischen Überfällen auf die jüdischen Kolonien äußert Wohl sind die Felachen meistens den arabischen Großgrundbesitzern verknechtet. Geht aber der Boden von diesen in jüdischen Besitz über, so muß der arabische Bauer mit seiner Familie die Scholle, mit der er und seine Vorfahren aufs innigste verwachsen waren, verlassen, oder er wird anstatt seinem reichen Glaubensgenossen, dem fremden jüdischen Einwanderer verknechtet Ergreifende Schilderungen des erdrückenden Einflusses eines solchen Besitzwechsels des Bodens auf manche arabische Familien sind genugsam in jüdisch-sozialistischen Blättern dargelegt worden. Auch die von den jüdischen Einwanderern den Landbewohnern gebotenen kulturellen, ärztlichen und dergl, Vorteile können diesen Schaden an der Seele der Araber nicht aufwiegen. Infolge der größeren Einwanderung jüdischen Kapitals und infoixe der Entwicklung einer Jüdischen Großindustrie in Palästina können die Araber ebenso wie die jüdische Arbeiterbevöikerung dem Eiend der europäischen Großstadtarbeiter vertaten, an ihrer Volksgesundheit Schaden erleiden lind immer mehr In Knechtschaft geraten.

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