Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen des Daniel-Bundes · 1920-03-01 · 3 (3.1920) · p. Seite 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen des Daniel-Bundes
Volume
1 (1920)
Issue
3 (3.1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4911569-4931773-4931784--43-4911598
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

T Hasen and verelendet Die aufgesche achte Masse ■Idilet zleDoe vor Her Vernichtung. Wenn sich die Zerstönmgswut eine» Feuerberg« lest dann besinnen die Leute an seinen Abhängen ihre Hatten wieder zu bauen, ln der Hoffnung, daß der Ausbruch sieb nicht so schnell wiederholen, ja daß die Olut des Berges vieHeicht auf immer verlöschen werde. Werden die Juden die Hoffnung auf Eintritt besserer Zeiten in ihren Heimatländern ganz aufgeben? Wie dem auch sei. die Oefahr einer überstQrzten Massenemigration der Juden tritt immer näher heran: deshalb erscheint uns vor allem der sofortige Wiederaufbau der von dem Kriege und von Pogromen mehr oder weniger zerstörten Jüdischen Wohnstätten und die Schaffung wirtschaftlicher Lebensbedingungen für die vielen ruinierten Existenzen als das allerdringendste Qebot der Stunde. Jede Hilfsaktion, die auf die Linderung der gegenwärtigen Not der Juden in ihren Wohn- 1 ändern. Beherbergung der indischen Waisen und dergleichen gerichtet ist trägt zur Minderung der Oefahr einer ungeregelten Massenauswanderung bei Wir brauchen nicht im geringsten zu befürchten. daß die Juden sich schließlich mit ihrer Lage im Osten versöhnen, ihre Oedanken an die Auswanderung aufgeben und später neuen Pogromen und Drangsalierungen ausgeliefert würden; die Wunden, die der Krieg und die Pogrome in die Herzen vieler Juden geschlagen, werden nicht so bald ausheilen, und die Mehrzahl der Heimgesuchten wird sicherlich darnach trachten, bei jeder Gelegenheit in ein anderes, besseres und freieres Land überzusiedeln. Trotz aller Vorkehrungen und Anwendung beträchtlicher Oeidmlttel wären wir doch nicht in der Lage, in kurzer Zeit in anderen Ländern gesicherte Existenzen für die Juden zu schaffen. Auch ist infolge der ungünstigen Berufsschichtung der Ostjuden, besonders der zu großen Zahl von Händlern, die Entstehung ungesunder Zustände und gespannter Beziehungen zwischen den Juden und der übrigen Bevölkerung in den neuen Wohnländem nicht ausgeschlossen. Wir müssen daher darnach trachten, durch Oiündung jüdischer Arbeitsämter, technischer Bildungsanstalten und dgl. möglichst viele Juden den produktiven Berufen zuzuführen. Besonders ist es von größter Wichtigkeit, die Jüdischen Industriellen. Gewerbetreibenden und Landwirte zu veranlassen, möglichst viel jüdische iunge Leute bei sich aufzunehmen, um diese in den produktiven Berufen auszubiiden. Durch Gründung jüdischer Schrebergärten. Lehrfarme für Gartenbau. Kurse für Handfertigkeiten usw. kann ebenfalls für die Besserung der Lage der Juden in ihren jetzigen Wohnländem oder für die Schaffung einer gesicherten menschenwürdigen Existenz in den neuen Ehiwanderungsländem beigetragen werden. 2. Die Qeldfrag». Es besteht kein Zweifel, daß man in den nächsten paar Jahren für das Wiederaufrichten des erschütterten iüdlschen Wirtschaftslebens und noch mehr für die bevorstehende Massenemigration beträchtliche Summen benötigen wird, die man auch mit den raffiniertesten Sammelmethoden, mit Spenden und Selbstbesteuerungen, mit Ballveranstaltungen und Büchsensammlungen auch Ift Jahrzehnten nicht aufbringen wird. Für dte meisten europäischen Länder kommt noch als erschwerender Umstand das ungeheuere Sinken des Geldwertes hinzu, so daß viele Juden, die trübet als wohlhabend betrachtet und für wohltätige Zwecke in Anspruch genommen werden konnten, letzt selbst verarmt and um ihre zukünftige Existenz besorgt sind. Viele iödteebe Gemeinden erschöpfen Ihre ohnehin geringen Mittel, za der Milderung der gegenwärtigen Iüdlschen Not. Versorgung lüdtecher Kriegswaisen. Kamel geceh den Antisemitismus u. dergi. und können daher für den Wiederaufbau der ostüküscben Wohnstätten und der bevorstehenden iüdlschen Mhssenemigr*- tion und -kokmlsation sehr wenig tun. In dieser ln Europa' allgemein herrschenden Geldnot pflegt man bei uns die Blicke nach Amerika zu richten, das durch den Krieg am wenigsten gelitten und reiche Juden in ansehnUct&rZahl hat. Überdies bezeichn elantan ^Se^Äinerlkan^ — die dortigen Juden natürlich nicht ausgenommen — als ein praktisches Volk, das in allen seinen. Unternehmungen großzügig zu Werkd geht. Wir sehen denn auch, daß bei den amerikanischen Juden eine umfangreiche Aktion zur Behebung der iüdlschen Not im Osten eingesetzt hat. Beträchtliche Geldspenden und Lebensmittel strömen von Amerika in die von Krieg und Pogromen helmgesuchten jüdischen Wohnländer. In New York sind einige jüdische Hilfsorganisationen gebildet worden, die Vertreter hi die verschiedenen Orte des iüdlschen Ostens abgesandt haben, um zunächst die gegenwärtige jüdische Not zu lindern und dann auch die Aufrichtung des damiederiiegenden jüdischen Wirtschaftslebens zu betreiben. Auch die mH allen Mitteln der amerikanischen Reklame in Szene gesetzte Sammlung für den 10 Millionen Dollarfonds für den Aufbau Palästinas macht bereits gute Fortschritte. Aber alle diese Geldmittel, die von den Juden allein durch Spenden aufgebracht werden, können nicht im entferntesten dazu ausreichen, die vielen vernichteten iüdischeii Existenzen wieder aufzurichten und noch weniger der einsetzenden Massenemigration der Juden irgendwie gerecht zu werden. Hat doch Max Nordau in „Jewish Times“ vom 16. Januar geschrieben, daß man für den Aufbau Palästinas allein in den nächsten Jahren etwa 250 Millionen Pfund, also 1250 Millionen Dollars, oder etwa 6 Milliarden Francs benötigt. Was bedeutet denn dieser Summe gegenüber die 5‘/i Millionen Francs, die der Nationalfonds im Jahre 1919 aufgebracht hat. wenn sie sogar. wie es angenommen wird, in den nächsten Jahren verfünffacht werden. Nondau verlangt daß die nötige Geldsumme in Form einer Anleihe den Zionisten sofort oder ln rasch aufeinanderfolgenden Raten gegeben werde und daß England die Garantie für diese Anleihe übernehmen solL Eine Frage ist es. ob England, das ia selbst durch den Krieg in gewisse finanzielle Abhängigkeit von Amerika geraten ist. diese Oarantie übernehmen kann und wird. Es ist aber nicht einzusehen, warum eine große Anleihe von den Juden nur für den Aufbau Palästinas und nicht auch für den der ruinierten ostjüdischen Wohnstätten oder für die Emigration der Juden in andere Länder aufgenommen werden soll. Würde eine solche lüdische Volksanleihe nicht nur für zionistische, sondern auch für allgemeine jüdische Zwecke verwendet werden, so könnte sie sicherlich leichter zustande kommen, weil für diese Anleihe das ganze lüdische Volk verantwortlich setn und die Garantie nicht nur von England, sondern vor allem auch von Amerika übernommen werden könnte, Allerdings müßte die Anleihe dann etwas größer als die von Nordmi vorgeschlagene ausfalten. Sie würde schfitzungsA weise 400 Millionen Pfund 2 Milliarden Dollar oder rund 10 Milliarden Francs betragen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.