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Mitteilungen des Daniel-Bundes · 1920-03-01 · 3 (3.1920) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungen des Daniel-Bundes
Volume
1 (1920)
Issue
3 (3.1920)
Date
1920-03-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Daniel-Bunde^ (Gesellschaft für ethische Erneserniii des Judentums e.Y.) Mische«, Hin 19*0 l.Jakr*. Nr. 8 »nn .py — tw Wer produktive körperliche Betätigung, ethisch-religiöse, lebensreformerische und menschenverbrüdernde Bestrebungen unter den Juden fördern will, der abonnier« dl« „Mltt«lhing«n des Danlal« Bundes“, die monatlich erscheinen und 10 Mk. jährlich, einschließlich Mitgliedsbeitrag für den Bund, kosten. Die bereits erschienenen Nummern werden nachgeliefert. Danlelbund-Verlag, München. Herzog Maxstr. 4, Postscheckkonto 21463. Mahnende Worte von Dr. Natjian Birnbaum.*) Millionen Ostjuden erwarten mit fiebernder, irrer Sehnsucht den Augenblick, da die starre Abschließung der Länder gegeneinander aufgehoben sein wird, um aus dem Grauen zu flüchten, irgendwohin, wo wieder Licht und Leben ist. Gerade daraus droht aber eine Katastrophe zu erwachsen, gegen die alle vorausgegangenen ein Kinderspiel sein werden. Denn jener Augenblick Ist nahe, sehr nahe, und es ist nichts geschehen, um ihm gerecht zu werden. Die Millionen werden sich erheben, eine ungeheuere Masse in naturhafter Bewegung — aber nur ein kleiner Teil wird Grenzen und Gestade finden, die sich ihm öffnen werden. Wenn nicht jetzt, in letzter Minute, Vorsorge, Plan und Führung erstehen, so sind Millionen unseres Volkes dem Verderben in der Hölle ihrer Heimaten oder auf ziellosen Wanderwegen geweiht und das ganze Volk in das Riesenunheil hineingezogen. Es genügt nicht, die Massen hinzuhalten, zu trösten und — obendrein etwas spät — zur Mäßigung ihrer Hoffnungen zu veranlassen. Man muß auch etwas für sie tun, nachdem man ihnen die schönsten Hoffnungen nehmen mußte. Man muß auch den für Palästina aufgehaltenen Ansturm der Emigration irgendwo und irgendwie anders bewältigen. Man muß doch wohl außer Palästina auch die heutige jüdische Generation und mit ihr das jüdische Volk retten. — Wollen die Zionisten noch immer nicht einsehen, daß das „versprochene“ oder auch „zugesprochenc“ Land nichts weniger als nichts ist. ohne ein Volk mit Kraftquellen, und daß diese Kraftquellen, die bei den eigenartigen jüdischen Verhältnissen zumindest für Jahrzehnte hinaus fast nur in der Diaspora entspringen können, durch größere Katastrophen mit dem Versiegen bedroht sind? — Wissen sie nicht, daß eine Katastrophe von Millionen naht, und sie im besten Fall nur eine Hilfe für einige Zehntausende bereit haben? •) „Vor dem Wandersturm“, Verlag L Sänger, Frankfurt a. M., 1919. Nur eines würde die Haltung der Zionisten und Nichtzionisten gegenüber dem Auswanderungsproblem wenigstens objektiv rechtfertigen. Wenn es nämlich nicht genug Land gäbe, das nach seinen natürlichen und wirtschaftlichen Bedingungen fähig oder das im Falle dieser Fähigkeit willig wäre, den bevorstehenden Wanderungsmassenbedarf der Ostjuden zu befriedigen. Nur ist aber vorerst kein Zweifel daran möglich, daß aufnahmefähiges Land in genügendem Maße vorhanden ist. Die zweite Frage, ob es auch genug aufnahmswilliges Land gebe, kann man nach der Lage der Dinge nicht mit glattem Ja beantworten. Aber wir dürfen sicherlich ohne Gewissensbedenken die Wahrscheinlichkeit feststellen, daß bei verschiedenen Territorien mit verschiedenen Bevölkerungen, Verfassungen, Regierungen, Regierungs¬ und Verwaitungsmethoden, nationalen, sozialen und ökonomischen Schichtungsverhältnissen und Interessen nicht genau die gleiche und gleich starke Abneigung gegen ostjüdische Einwanderung, nicht genau der gleiche und gleich stark wirkende Wille, sie in Tat umzusetzen, herrschen und daher da und dort der Widerstand gegen jüdische Einlaßbemühungen leichter zu überwinden sein wird. Die Möglichkeit, der ostjüdischen Auswanderung mehrere Ziele zu geben, also die Aussicht, daß nicht ein Land den ganzen Auswanderungsstrom aufzunehmen haben wird, kann ja mit ein Argument sein, um auf zögernde Regierungen günstig einzuwirken. In der Hauptsache kommt es allerdings auf direkte Argumente von überzeugender Kraft an. Es muß den betreffenden Regierungen klar gemacht und die Garantie dafür geboten werden, daß es sich nicht um eine sinnlose Überflutung ihrer Gebiete mit durcheinander gewürfelten fremden Menschen, sondern um eine Einwanderung von Leuten handelt, die geeignet und im Voraus bestimmt sind, gewisse freie Plätze im bisherigen oder erweitert gedachten Wirtschaftsleben des Landes zu besetzen. Diese Überzeugung und Sicherheit können sie aber nur dann gewinnen, wenn sie sehen, daß eine großzügige Regulierung der Emigration vorbereitet und zum Teil schon am Werke ist. (Vcrgl. „Vor dem jtid. Wandersturm“ Nr. 2 d. Bl.) Das Problem der Jüdischen Emigration und Kolonisation Von Nathan Chavkin, München. I. Der wirtschaftliche Aalbau der ostffldl sehen Wohust ätte. Einem Vulkan gleich haben Krieg und Pogrome ihre verzehrende Lava über -die Jüdische Masse airsgegossen. Unzählige Juden sind in dem wütenden Elemente umgekommen, noch mehr sind aus Ihrem bisherigen Dasein beranoge-

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