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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 48 (1866) · p. Seite 191

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
48 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 191 (sequence 3)
Language
German
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191 und zwar nicht bloß in Zeiten der Verfolgung, wenig an diese Bestimmungen. In Worms mußten die Juden im Jahre 1378 der Stadt eine Summe dafür zahlen, daß sie von ihrem Vorhaben, die Kirchhofsmauer einzureißen, abließ. Im April des Jahres 1345 erlaubte König Johann den Liegnitzern, die Grabsteine vom Judenkirchhof zu nehmen, um sie bei der Aufführung der Stadtmauer zu verbauen, und im Herbst deffelbcn Jahres gab er dieselbe Erlaubniß den Rathmannen zu Breslau. Auch die Gräber der erst vor kurzer Zeit verstorbenen Juden wurden bei dieser barbarischen Maßregel nicht verschont, j wie sich aus Grabsteinen erziebt, welche in den Keller-! räumen des Nathhauses aufgefunden sind, — Im 17. j Jahrhundert suchte man das ganze Verfahren mit dem, Satze zu beschönigen, daß die Gräber von Feinden keinen ] Anspruch auf Schonung haben. - : Wenn man den Juden die Ueb!ing ihrer Religion gestattete, so verlangte man andererseits, daß sie sich aller Verspottungen oder Störungen des christlichen Gottesj dienstes enthielten. Fränkische Concilien und Reichsgesetze j des 6. Jahrhunderts verboten ihnen, sich vom grünen ■ Donnerstag bis zum Osterfeiertage auf den Straßen oder \ Märkten sehen zu lasten; ihren eigenen Gottesdienst soll- | ten sie an ihren Festtage,» nicht öffentlich begehen; am i Freitage, dem Tage der Zurüstung für dm Sabbat ( (pameeve), sollen sie den ganzen Tag über Thüren ‘ und Fenstern geschloffen halten. Das Lateranische Concil von 1215 bestimmte von Neuem, daß sie sich in der Passionszeit (in üiebus lamenlatioai« et Dominica« passionis) zurückgezogen halten sollen, weil manche Juden sich nicht gescheut hätten, an diesen Tagen, an welchen die Christen Trauer anlegcn, sich in vollem.Schmuck zu zeigm. Nach anderen kirchlichen Bestimmungen sollen sie, wenn das Sacrament bei ihnen vorbeigetragen wird, sich in ihr Haus zurückziehen und Thüren und Fenster schließen u. s. w. j Zur Eiilweihuilgsfeier der neuen Synagoge zu Homburg v. d. Höhe am 9. November 1866. Laßt wieder neu ertönen Der Instrumente Klang! Die Zeit, wo sie verstummten, War ach! so trüb und lang. Nicht fordern mehr die Dränger Das schöne Zionslied — Dort an den Strömen Babels — Vom Volk, das todesmüd. Nein! Freunde sind's, Genoffen Und Brüder, die uns nah, Sre stehen hier voll Achtung Für unsre Treue da. „Israel — GotteSstreiter" — So saget uns ihr Blick — „Du hast Dir Sieg errungen, Wir gönnen Dir Dein Glück." Stimm' an, mein Volk, die Lieder Dem Hüter Israels, Der nimmer schläft und schlummert, Der Hort Dir war und Fels. Sag's laut: war's auch verhüllet, WaS Du, Gott, uns gethan: Jetzt staunen Deine Führung Wir, güt'ger Vater, an. Du sandtest Helle Zeiten Und Freunde uns und Lieb — Die Wunde» find vernarbet Aus Zeiten ach! so trüb. Des Mittelalters Schrecken, Feind und Gefahren nah: Sie sind wie Traum verschwunden, Wir stehn gerettet da. Nun weih'n wir schöne Tempel 1 Dir, Herr, an jedem Ort. _ Dir unfern Dank zu bringen, Dich lobend fort und fort. Wir stimmen an die Lieder - Zur Tempelweihe heut, Wie sie Dir stets erklungen Am Tag'' der Festesfreud': „Beherrscher aller Geister, Der jedes Herze kennt; Allmächtiger Erlöser, Der gnadenvoll sich nennt — Du, der im Kleid voll Schimmer So gut ist und so mild, Deß Weisheit, dessen Liebe Die ganze Welt erfüllt^ „O sei auch ferner gnädig Bewahr' uns Lieb' und Huld, Erhör' uns, wenn wir rufen, Verzeih', wenn wir in Schuld. Laß alle Menschen wissen, Daß Du ihr Vater seist Und sich einander lieben, Ein Dienst — in Deinem Geist." Dann wird, was längst verkündet, Ersteh'n ein Tempel neu, Deß Herrlichkeit viel größer Wie die des ersten sei. Die Menschen Deine Kindes Ein Dom ihr Vaterhaus, — Sie rufen „Hallelujah!", Dir „Einziger" dann aus. (»ri Louis Lehmann.

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