Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 48 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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192 Kuriosum. (Die Geschichte einer Bekehrung.) Folgender Ausspruch des Cardinals Scitowsky wipd aus Gran gemeldet. Vor einigen Wochen erschien jber in der Nähe von Pest -wohnhafte Privatlehrer Jacob E. bei ihm, um sich von ihm als Jsraelite zum christlichen Glauben bekehren zu lassen. Der Fürst-Primas versprach ihm nach Vollzug des Taufacter eine einträgliche Stelle zu verschaffen. Der Kirchensürst that dies in dem guten Glauben, daß E. aus Ueberzeuaung zum Katholicismus übertrete und sendete einen seiner Dechanten zum Unterrichte des Bekehrten. Aus einer Aeußerung des Letzteren erhellte dem. Geistlichen jedoch, daß er sich nur der verheißenen Stelle wegen taufen taffe, und der Dechant meldete diesen Umstand Sr. Eminenz. Der Cardinal ließ E. zu sich kommen, und mit den Worten: „Ich bin kein Proselytenmacher; ein ehrlicher Jude gilt mij mehr als ein gewissenloser Christbrach er jeden weiteren Verkehr mit demselben ab. (Presse.) Folgendes theilt die Pr. mit, die dafür die! Bürgschaft der Wahrheit übernehmen möge. Einem preußischen Soldaten mosaischer Religion, welcher im Kriege verwundet worden war, mußte in Berlin das Bein abgenommen werden. Da am Tage der Amputation gerade ein anderer Soldat christlicher Confession beerdigt werden sollte, legte man das amputirte Judenbein mit in den Sarg des verstorbenen Soldaten; der Militär-Prediger sprach, wie es Sitte ist, seinen Segen über die christliche Leiche sammt dem jüdischen Beine, und die Beerdigung ging vor sich. — Nach i ein paar Tagen verstarb jedoch auch der jüdische Soldpt an den Folgen der Amputation. Als nun seine Verwandten zur Beerdigung kamen, stellten sie Nachforschungen nach dem amputirten Beine an und erfuhren, daß es in einem christlichen Sarge begraben und von einem christlichen Prediger eingesegnet worden war. Sie ruhten nicht eher, als bis rs wieder ausgegraben, durch einen neuen „jüdischen" Segen der „christliche" wieder ausgehoben und unter jüdischen Ceremonien noch einmal beerdigt wurde. In dem New-Jork-Herald erschien vor kurzem folgende Annonce: „Ein Künstler, der in einem biblischen Gemälde engagirt ist, wünscht eine junge jüdische Dame von ungefähr 20 Jahren, mit stark ausgeprägten Gesichtszügen ihrer Rasse, um ihm einige Sitzungen zu gewähren; sie wird gut belohnt werden. Adresse ete." * Der projektenreiche Alexander Dumas-, der bekannte französische Romanschreiber ladet jetzt zu Subserjiptionen ein, um „ein Feuerwerk auf dem Sinai abzubrennen!" und sich dadurch eine Idee von Moses' Stellung zu machen, „als er unter Blitz und Donner das tzejsetz verkündete". Daß Engländer unterschrieben habe», fft selbstverständlich. — Dies berichten die öffentlichen Blätter. Wir unsrerseits können nur unsre Entrüstung über eine solch« Profanation aussprechen. Zu fürchten, daß dieselbe verwirklicht werde, haben wir wohl keine Beranlaffung. Denn Herr Dumas findet wohl schwerlich so viele Narren, um seinen lächerlichen Plan ausführen zu können. Börse unv Synagoge. „Glasbrenners Mont.-Ztg." erzählt folgenden komischen Vorfall aus Berlin: Eine hohe Dame, welche kürzlich die Börse besichtigte, wurde darin von einem der Kaufmanns-Aeltesten umher geführt, der zu den frommsten Christen .gehört und dies auf jede Weise bethätigt. Derselbe gerieth daher in ein sprachloses Erstarren, als ihm schließlich die hohe Dame, in holdester Weise dankend, sagte: „Ihre Börse ist sehr, sehr schön, aber, wissen Sie, Jbre Synagoge gefällt mir doch noch besser!" Anekdote. In eine Conditorei, wo ein wohlgekleidcter Pole saß, trat ein Fremder, und rief der Dame am Buffet zu: Verre d’eau! (Glas Wasser!) Der Pole erhob sich und sagte feierlich: „Der Parneß von Schnadich." Der gute Mann hatte gemeint, der Fremde sage: „Wer do?" Als das bekannte Gcrson'sche Geschäftslokal in Berlin hergenchtet worden, kam ein vieljähriger Kunde S. M. dahin und unterhielt sich mit dem Chef des Hauses. Er fragte diesen, wie er cs mache, da das Geschäft aus mehreren Etagen besteht, nicht bei jeder Bestellung herauf und herunter laufen zu müssen. „Dazu, antwortete der gefällige Kaufmann, haben wir Sprachrohre in der Wand. Ich will es Ihnen zeigen." Er rief in das Sprachrohr hinauf: „Sind die Maaren an Heiftn S. M. abgegangen?" Die Rückantwort lautete: „Nein, der ist faul, dem schicken wir Nichts mehr!" — Der verdutzte S. M. schüttelte den Kopf und entfernte sich. Allgemeine Zeitung des JudentbumS. No. 47. I8>'6. Inhalt: Leitende Artikel: Die Petitionen. — Lilerarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn, Hannover, AuS Untrrsranken. Oesterreichischer Kai serstaal: Wien. Prag, Hrakau, Neu-Derbaß. Jtal i en. Aus Oberitalien. Frankreich: Paris. Egypten : Alexandrien-Ru ß ta n d : Ans Polen. Notizen. Corres pondenz: Der Prozeß betreffs der Judenverfolgungen in Böhmen. (Fortsetzung.) 5Cy Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung Jährlich 3 Tbaler, vierteljährlich % Thaler. Verantwortlicher Redactenr Dr. H. «ptjf. »erlofi VOR Baumgartner'« au&M*Muvg U Seiorig. — DruS »ob G. Srrvsing in Leiktig.