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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 47 (1866) · p. Seite 187

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
47 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 187 (sequence 3)
Language
German
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Straße der Synagoge und am Eingang des israelitische» Tempels dieser Stadt. Die Menge drängte sich auf deu verschiedenen Plätzen, um dajunge Paar Vorbeigehen zu sehen, bevor eS den Trausegen .von den Herrn Rabbinern von Cernay und von Thann empfangen. Der Tempel konnte kaum die Tausende von Menschen fassen, die einer um so selteneren Ceremonie beiwohnen wollten, da es sich um vie Vereinigung einer jungen und schönen Israelitin, Frl. R. St. aus Thann mit einem jungen Mann aus Paris handelte, der einer vornehmen und adeligen Familie angehört, Herr Arch. de Veite. . . , und der, die katholische Religion abschwörend, vor ungefähr zwei Monaten zum Judenthum« übergegangen war, nachdem er zuvor sich einer ernstlichen Prüfung über die mosaischen Dogmen und alsdann der Beschneidung unterzogen: zwei unumgängliche Bedingungen , um in die Synagoge ausgenommen zu werden. Diese Ceremonie war ein glänzender Beweis von den Gefühlen der vollkommensten Toleranz, die unter den Mitgliedern der drei Culten in der Sadt Cernay herrschen; in den Straßen bemerkte man die größte Ruhe bei dem Vorbeigehen der Neuvermählten; und im Tempel wurde den beiden Reden, die die Herren Rabbiner hielten, die ehrerbietigste Aufmerksamkeit gewidmet. Er ist gerecht hinzuzufügen, daß viele sehr vornehme Persönlichkeiten aus andern Orten gegenwärtig waren, u. A. der Bürgermeister von Thann. Kommen wir zum Acte selbst: es wurden zwei Reden gehalten. Der Herr Rabb. aus Cernay, der zuerst da- Wort ergriff, sprach zu seinen zahlreichen Zuhörern von dem Proselytismus unter den Juden; diese letzteren, sagte er, suchen nicht allein durchaus nicht die Proselyren, sondern vermeiden sogar die Gelegenheit, welche zu finden; sodann entwarf er ein Bild von der Stellung, welche dje Juden in der Welt einnehmen, und von ihrer Mission hienieden, und schloß seine schöne Rede mit der Mahnung an die jungen Gatten, den Vorschriften des mosaischen Gesetzestets treu zu bleiben. AlSdann nahm Herr Mook, der ehrenwerthe Rabbiner von Thann, das Wort, und führte mit ergreifenden Worten den Neuvermählten vor, wie die Ausübung der Pflichten gegen das Vaterland, gegen die Gesellschaft und gegen alle Nebenmenschen aller Culten keineswegs durch die Ausübung der religiösen jüdischen Vorschriften beeinträchtigt würde; er schloß seine Rede mit der schönen Anrede, welche den nichtjüdischen Zuhörern sehr gefallen und welche ich mir das Vergnügen mache, wörtlich hier wiederzugeben: „Finger Gatte, zwei Monate find kaum verflossen, seitdem Du der jüdischen Religion angehörst. Welches find die Gefühle, welche diejenigen, die Dich darin belehrt haben, Dir gegen Deine verstorbenen Eltern, gegen die Glieder Deiner Familie, gegen die Katholiken, Deine ehemaligen Glaubensgenossen eingeflößt haben? Hast Du ein einziges Wort des Hasses oder der Verachtung gegen die Religion und die Bekenner der Religion gehört, in welcher Du erzogen worden? Sicherlich nein! Nein, wejl die jüdische Religion die Grundsätze der vollkommensten | Toleranz enthält! Nein, iweil der wahrhafte Jude die | GewiffenSfrtiheit im religiösen Glauben bekennt! Nein, weil die jüdische Religion alle Glieder des Menschengeschlechtes wie zu einer einzigen großen Familie gehörend, betrachtet! Nein, endlich, weil es dem Juden widersteht irgend einen Druck auf Gefühle au-zuüben. welche itjtt Quelle in dem menschlichen Herzen haben, uud wesche man vergebenzu verbannen sucht." Acgyptische Finstcrniß. Uud-Mojcheh reckte kiat Hand. ßLn Himmel, uud es »ar dichte Finstennü i» gen;«» LaNde-'Mizrei«, drei Tage. Einer sah nicht den Andern und Niemand stand auf.von seiner Stelle, drei Tage . . (Lnock. X, 22. 23.). ' Es soll hier, wie schon die Ueberschrist andeutet, von der Stelle (Exod. X, 21—23) die Rede sein. Die Ausdrücke U)V?1, -rjttn und i-rzrstz*Hi^-«BSibi haben den Exegeten viel zu" schaffen gegeben. Raschid dem Ai<Ir. R. Schem. C. 14 entnommene Worte rrn« cao rrfnc i» 351 btisöi bivs sowie die fernern Ausdrücke im Midr. iior's :isrm «o 3»v rmo -o S)iptb 12'« V31*l NT11V -Ol 3D'd dl2' 13'« 1015N1 u. dgl. wurden und werden wohl von Allen gelesen, von Dielen wenn auch mit Kopfschütteln, doch mit Pietät ausgenommen, von Manchen aber auf Rechnung der Naivetät und Frommgläubigkeit unserer Alten geschrieben. Der die Bibel, ohne blinde Voreingenommenheit gegen alleübernatürlich Scheinende in derselben liest, wird daher gewiß mit Befriedigung in den Erläuterungen' zu Philippson's großem Bibelwerke (Bd. l. S. 351 V. 21) die daselbst nebst Belegen angeführten historischen Beispiele von außerordentlichen Finsternissen in Aegypten > lesen. Diestz^ Beispielen wollen wir nun hier noch eineaus der Gegenwart und einem ganz andern Delttheil hinzufügen, welches um so mehr interesfiren dürfte, ales in unserer Zeit sozusagen vor unseren Augen geschehen und dessen von Augenzeugen gegebene Beschreibung fast dieselben Au-drücke gebraucht, wie wir pe oben in der Bibel, dem Midrasch und in Rasch! gesehen haben. — Man schreibt nämlich aus Buenos Ayres, 25. März folgendes : „Am vorigen Montag wurde die Stadt von einem Sturme heimgesucht, Lessen Furchtbarkeit zu schildern keine Feder im Stande ist. Eines ähnlichen Orkans entsinnt sich Niemand hier, und Angst und Schrecken ergriff Alle, als Nachmittags nach fünf Uhr mit Blitzesschnelle dicke Staubwolken, die au- Südwesten gegen die Stadt heranzogen, den Tag in tiefe Nacht verwandelten. Wir finden nicht Worte, sagt der Bericht im Standard um die dicke greifbare Linsterniß <von welcher die schwärzeste Npcht nur ein schwaches Bild ist) zu schildern. Man durfte nicht wagen sich zu rühren, um Schutz zu suchen, sondern mußte wie angewurzelt am Boden stehen bleiben. Mütter, die zurTHL^e hinausgeeilt waren, um ihre Kinder zu suchen, fände* den Weg nicht wieder zurück in- Haus; die Leute auf der Straße mußten bleiben wo sie waren, und dabei wqr die Gewalt des Windeso

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