Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 46 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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183 Besseren in der h. Stadt Acht gegeben, und ich bemerkte auch dort und in der unmittelbaren Nachbarschaft Anzeichen des wachsenden Wohlstandes; aber die gleichen Spuren des Fortschrittes zeigten! sich mir auf meiner Reise von Jaffa nach Jerusalem!, theils in dem immer weiteren Anbau des Bodens, theils durch einige Verbesserung des Zustandes der Strqßen, zu deren vollständiger Herstellung, wie man mir sagte, ein Befehl von der kaiserlichen Regierung herabg^langt war. „Der englische Konsul in Jeirusalem, Herr Moore, und der russische, Herr Carstoff; haben sich mir und meinen Zwecken sehr freundlich erwiesen, wofür ich ihnen den besten Dank ausspreche. „Obwohl ich es für Reckt hielt, diese erfreulichen Anzeichen der Fortschritte, die ist dem h. Lande Platz greifen, mitzutheilen, so möge man doch nicht einen Augenblick lang glauben, daß unsere armen Glaubensgenossen dort die Hülfe ihrer begüterteren Brüder in andern Ländern nicht mehr nöthlg haben. Im Gegentheil, ohne solche Hülfe schnell, freigebig, weise und beständig gespendet, würde ihre Lage bald gefährlicher werden, und ich fühle mich befriedigt, daß einige Maßregeln, wie ich sie andeutete, energisch ge^ ordert werden, um die Uebel des Pauperismus zu mildrn, wenn sie dieselben nicht ganz verbannen können. „Ich danke der Güte des Allmächtigen, daß sie mir. noch einmal gestattet hat, das Land unserer Vorväter wieder zu besuchen, und das bescheidene Werkzeug zu sein, durch welches manchem Leidenden unter unfern Brüdern Hülfe und Trost gebracht, ihre Bedürfnisse erforscht und ihre Verdienste bekannt gemacht wurden. „Es würde eine Kränkung für mein Gefühl sein, wenn ich nicht vor dem Schluffe hieses Berichtes in der wärmsten Weise den freundlichen und nützlichen Beistand anerkennen sollte, den ich von meinm theuren Freunden, Dr. Löwe und Herrn Sebag, empfing; auch kann ich den Ausdruck meines Dankes.an meine liebenswürdige Nichte, Frau Sebag, nicht unterlassen für die Sorgfalt, die sie der Erhaltung meiner Gesundheit während unserer anstrengenden Reise widmete." Gespräche lll. Die Nebel in der Natur. Es war im August dieses Jahres, als ich mit einem Freunde gegen Abend einen Spaziergang durch Re Flureir machte. Nach einem überaus schwülen Vormittag und Mittag hatte ein furchtbares Gewitter von Sturm angekündigt und von starken Regengüssen gefolgt, gewüthet. Jetzt war alles in der Natur wieder ruhig und' athmete Frieden und Erquickung. Am blauen, wolkenlosen Himmel sank, von Purpurwölkchen umgeben, die Sonne im Westen nieder und goß ihre goldenen Strahlen über die Gipfel der Berge. Noä, glänzten die Tropfen an jedem Grashalme, und die erfrischte Pflanzenwelt hauchte belebende Düfte aus. Droben und in allen Gebüschen stimmten die Vögel ihr Abendlied an. Als wir so voll innerster Erhebung fast eine Stunde von der Stadt entfernt waren, gewahrten wir eine Gruppe von uralten Eichen, um welche eine; roße Anzahl von Menschen versammelt waren. Wir eilten dahin, und erfuhren, daß in einen dieser Bäume der Blitz eingeschlagen, ihn gespalten und angczündet; dann einen Schäfer, der mit seiner Heerde hierherg« flüchtet war, sammt dreizehn Schafen niedergeschmetter i habe. Man hatte den tobten Mann mit den erschlagenen Thieren ins Dorf geschafft, und die Umstehenden sa )en sich nun noch den Ort an, wo diese schreckliche Seele vor sich gegangen. Von der Eiche, die frisch und le »enskräftig wohl zwei Jahrhunderte an diesem Platze gestanden, war nur ein Theil des Stammesmit ver engten Zweigen und Blättern übrig geblieben, und es nachte sich die Meinung geltend, daß auch sie zum Tode zetroffen sei und sich nicht wieder beleben könnte. Wir verließen schweigend die Baumgruppe und die Mensch n, betroffen über den scharfen Gegensatz, den diese zu >er Schönheit und dem Frieden der Natur mackten, die nur lächeln zu können schien. Nach langem Sinne: hob mein Freund an: „Die heilige Schrift sagt uns, die Schöpfung Gottes sei vollkommen. Sie dri ckt es uns in der schönen Weise aus, daß Gott, nachden er sein Werk beendet, es betrachtete, „und sieh«, es war sehr gut." Wie steht es aber um diese Vollkomm nheit, wenn wir solches gewahren, wie es hier eben vi rgegangen? Wenn eine Secunde .genügt, ein Werk zwei«c Jahrhunderte, ein Menschenleben, das viele Jahrzeh nde mit Sorgfalt gepflegt worden, und eine Menge Thiere zu vernichten, ohne daß eine physische oder mora ische Nothwendigkeit zu erkennen wäre: wie könnte man dü 8 vollkommen, oder gut nennen? Ein Zufall führt diesen Hirten unter diesen Baum, und bringt ihn und seinen Lämmern das Verderben. Und fast einen Zufall könnten wir es nennen, daß der Blitz gerade diesen Baum unter allen, die an jenem Platze stehen, getroffen. Wo aber dergestalt der Zufall solche zerstörende Wirkung haben kann, da läßt sich doch von Vollkommenheit, flicht reden." - Ich. „Es wundert mich sehr, theurer Freund, derartige Aussprüchevon dir zu vernehmen. Ich halte wenig davon, daß man dergleichen Betrachtungen gewöhnlich für Ausflüsse augenblicklicher Stimmung, für Uebertreibungen der Erregtheit hält und ausgiebt. Ick meine vielmehr, daß solche Ansichten in der Tiefe der Seele schlummern-und durch die augenblickliche Bewegung in das Bewußtsein gerufen, und zum Ausdruck gebracht werden. Ich möchte daher, daß du dich noch weiterhin und bestimmter darüber aussprächest." Er. „Allerdings. Es scheint mir seit langer Zeit, als ob man mit Unrecht ableugne, daß es auch Uebel, schwere Uebel in der Natur gebe, woher diese auch stammen mögen.. Solche Schreckensscenen, wie sie hier vorgegangen, ereignen sich oft genug nach viel größerem Maßstabe. Ich will nicht an das vielbesprochene Erdbeben in Lissabon erinnern, wie viele ähnliche vulkanische Ausbrüche haben seitdem in Südamercka und an andern Orten stattgefunden, wo ganze Städte mit zahllosen Menschen und Ehieren vernichtet wurden. Wie viele Schiffe mit Hunderten von Menschen werden jährlich von den aufrührerischen Wellen verschlungen. Wie oft fährt ein Hagelwetter über ganze Landschaften hin und zerstört in einer Viertelstunde blühende und reifende Saaten, die