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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 46 (1866) · p. Seite 184

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
46 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 184 (sequence 4)
Language
German
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184 Frucht der angestrengten Arbeit ganzer Völkerschaften. Wie oft vernichtet ein einziger Nachtfrost die Hoffnungen eines ganzen Jahres. Seuchen erstehen in fernen Gegenden. und breiten stch über die ganze Erde aus, werfen Millionen plötzlich in das Grab, zahllose Familien ins Unglück stürzend. Sind das keine Uebel? Könnte man dies nicht Mangelhaftigkeit in den Einrichtungen der Schöpfung nennen?" Ich. „Du weißt gut zu schildern." E r. „Und doch gebe ich dir nur kurze Andeutungen. Wie vielfach könnte man solche Gemälde ausdcbncn und die ungeheuren Nachtheile zeichnen. die dem Menschen aus allen diesen Borkommniffen entspringen. Tie Natur bringt zahllose Geschöpfe hervor, um sie gleichsam in einer üblen Laune plötzlich wieder zu zerstören, und sie scheut nicht, ihr eigenes Werk zu vernichten, das sie mit einer unsäglichen Fürsorge lange vorbereitet und glücklich fortgeiührt.' Der Mensch aber< fcer auf dieses segensreiche Walten seine Berechnungen gestellt, seine Pläne entworfen, seine Hoffnungen gesetzt, seinen Bestand gegründet, seine angestrengteste Tbätigkeit eingerichtet, sieht plötzlich alles dies vereitelt, und steht verzweifelnd da. wenn er nicht selbst in den Schlund der Zerstörung mit binabgesaüen." Ick. „Du weckst die innigste Theilnahme an dem, was Du uns vorführst. Trotz des herrlichen Abends, der uns umgiebt, und mitten in feinen unbeschreiblichen Reizen fühle ich den Schmerz mit, den solche Betrachtungen in uns' Hervorrufen. Vielleicht jammert jetzt eine unglückliche Wittwe mit ihren verwaisten Kindern an dem Todtenlager des erschlagenen Hirten, und weiß Nichts von dem Glanze der untergehenden Sonne und von den Jubelklängen der gefiederten Sänger. Und dehnen wir dieses Betqußtfein aus, und gedenken der unzähligen Menschenbrüder, die jetzt über ähnliches unverschuldetes Leid trauern, so könnte uns das Aussehen des Friedens und der Herrlichkeit wie eine Maske Vorkommen, hinter welcher der Tod und das Verderben sich bergen. Aber hast du auch bedacht, Freund, welche die Schußfolgerungen deiner Ansichten waren? Es wären die Zweifel an der Weisheit und Gerechtigkeit Gottes ... es wären die Zweifel, ob die Schöpsergedanken, nach welchen per göttliche Meister diese Welt aufgebaut, auch vollkommen weile und gerecht gewesen, oder ob seine Macht, sein Vermögen hingereicht, seine Gedanken vollkommen zur Ausführung zu bringen? . 7 . Würden wir am Ende nicht, wenn wir den Faden Deiner Anschauung weiter spännen, wenn wir in die Hallen der Menschheit selbst cinträten, und da die Uebel aufsuchten, an denen wir kränkeln und leiden, zu der Ansicht kommen, welche das morzenländische Alterthum beherrschte, und von da in das Christenthum und in den Islam überging, ja die selbst, wenn auch nur in sehr vermindertem Maße, in das mittelalterliche Iudenthum eindrang, zu der Ansicht, daß es auch ein Princip des Bösen, einen bösen Geist gebe, der der Gottheit zum Trotz in der Natur wie in der Menschenwelt das Böse erzeugt, und fort und fort zur Geltung bringt?" ' . Er. „Du hast Recht, und vor solchen Consequenzen schrecke auch ich zurück. Ich gebe zu, daß also in der Kette meiner Gedanken ein falsches Glied sein muß, vielleicht das allererste. Aber welches ist dies? Suchen wir es auf, Freund." (Forts, folgt) Kuriosum Ein Sepher im Kriege. Während des schweren Bombardements, mit welchem Admiral Gilmore Charleston bedrängte, wurde mit andern Kostbarkeiten ein sehr altes und ehrwürdiges Sepher Thora der dortigen Gemeinde nach Columbia geschickt, indem die Vorsteher hofften , daß die Verwüstungen des Krieges nur die Seeküste treffen würden. Aber wie kurzsichtig ist der Mensch! Charleston blieb vergleichweise unversehrt, während Columbia bis auf den Grund abbrannte. Shermonds Leute scheinen wenig Achtung vor den geheiligten Mauern der Synagoge gehabt zu haben, und das kostbare Sepher wurde nur mit Mühe den Flammen entrisien. Was davon noch übrig geblieben, hat nur noch als merkwürdige Reliquie des letzten Krieges Werth, denn die drei ersten Bücher und der größere Theil des vierten und fünften Buches fehlen und der Rest ist sehr beschädigt Die Gemeinde wird dasselbe ohne Zweifel als ein geschätztes Andenken an die Vergangenheit aufheben. Reden ist,Silber, Schweigen ist Gold.X, Unter diesem Titel reproducirten -wir in No. 45. d. Bl. eine Correspondenz der „Brunner Neuigkeiten" aus P o h r - litz, die Einzelheiten über den Empfang einer Deputation bei König Wilhelm zur Zeit der Invasion in Mähren schilderte. Ein Mitglied dieser Deputation ersucht uns um die Erklärung, daß der König auf die Ansprachen wohl eine barsche Antwort ertheilt habe, daß jedoch andere Details, insbesondere die verabredete Theilung der Reden zur Hälfte zwischen dem christlichen und jüdischen Lrlsgeistlichen — welch letzterer übrigens nur auf eine Anfrage des Königs und in würdiger Weise antwortete Rechnung einer schrankenlosen Phantasie desCorrespsn^nten der„BrünnerNeuigkeiten" zu setzen seien. Allgemeine Zeitung des Judenihums. No. 4s. 1866. Jnh-H: Leiiende Artikel: Die Petitionen. — lieber Eovflikle zwischen religiösen und staatsbürgerlichen Pflichlen. — Fürst-Prima- Scitowsky und die Gewerbefreiheit. — Lilerarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn, AuS Westpbalen, Landsberg. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien, Lemberg, Pest, Prag. Rußland: Ben der Lflsec, Wilna , Italien: Modena, Neapel. Frankreich: Paris. —! SS* Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung j Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich % Thaler. \ Verantwortlicher Redackeur Dr. H. tzotze. s erlag vco Saomgärtner'S Do4b«ndloog io Leirüs — Druck von @. Äryjfing in veirUs-

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