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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 46 (1866) · p. Seite 182

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
46 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 182 (sequence 2)
Language
German
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182 Mittbeilung zu machen hatten; aber als die Morgendämmerung erschien, nahm ich meinen Weg nach der Jaffaer Landstraße und sagte der heiligen Stadt Lebewohl, tiefer, als je von ihren heiligen Erinnerungen und ihrer i ewigen Schönheit ergriffen, und heißer als je Gebete für ihre zukünftige Wohlfahrt emporsendend. „„Wie ein Siegel setzte ich dich auf mein Herz, wie ein Siegel auf meinen Arm, wenn ich je deiner vergäße, o Jerusalem, so möge meine rechte Hand erlahmen." „Nach einer langen Tagereise kamen wir in Ramlah an, wo wir wieder unsere Wohnung in dem russischen Hospiz nahmen. Während des ganzen Weges von Jerusalem nach Jaffa folgten uns Ackersleute aus Bokea, die vor mir ihre Schicksale darzulegen wünschten, in der Hoffnung, daß ich ihnen sofort Hülfe gewähren würde. Ich konnte jedoch nichts thun, als sie versichern, daß alles qethan werden sollte, ihre Lage bekannt zu machen und Sympathie für sie zu erregen. „Am folgenden Tag, Montag, um Mittag, verließen wir Ramlah: und als wir uns dem Thore der Stadt Jaffa näherten, kamen uns wiederum der Gouverneur, der Richter und der Truppenbefehlshaber mit einem zahlreichen Gefolge entgegen. Aber ich wollte Jaffa nicht betreten, ehe ich nicht zuvor den Ort besucht hätte, welcher die sterblichen Reste meines theuren Freundes, des Dr. Hodgkin, umschloß. Dieser Platz ist jetzt mit einem starken Geländer umgeben, aber wird, hoffe ich, bald mit einer granitnen Säule bedeckt sein, für die ich bei meiner Rückkehr nach England Bestellungen machte, zum Zeichen meiner Liebe und Achtung. Wir schifften uns noch denselben Abend am Bord der „Rosetta" ein und kamen am Mittwoch, dem achtzehnten April, in Alerandria an. Dieselbe Nacht gingen wir am Bord des Tanjore, der uns mit dem Segen des Himmels, nach einer, angenehmen Reise Mittwoch Abend, am 25,. April, nach Marseille brachte. „Ich habe Ihnen jetzt einen getreuen Bericht von meiner Reise nach und von meinem Aufenthalte in dem heisigen Lande gegeben. Ich erkenne wohl, daß diese Erzählung mit Details angesüllt iff; aber ich dachte und hoffte, daß eine selbst etwas genaue Darstellung dessen, : was ich sah und hörte, die zahlreichen Menschen interei'siren würde, denen die Wohlfahrt unserer Brüder. in Palästina am Herzen liegt; und daß, wenn ich vor j ihre Augen einige faktische Angaben über Jerusalem und seine Bewohner brächte, ich im Stande wäro, andere anzuregen, daß sie ihre Anstrengungen darauf richten, die Arniuth und Leiden zu verringern, welche unter unfern Glaubensgenossen in diesem schönsten und 'interessantesten aller Länder herrschen. „Es bleibt mir noch übrig, meine bescheidene Meinung anzugeben in Betreff der wirksamsten Heilmittel, die zur Milderung der Uebel, unter welchen unsere Brüder im h. Lande seulzen, angewendet werden können, und das Resultat der Nachforschungen darzulegen, die in der Thal die Hauptaufgabe meiner Reise waren. „Wegen der besondern Zustände des h. Landes sind dort besonders Armenwohnungen nothwendig, uad hierfür wünschte ich den Ueberschuß des Unterstützungsfonds, von dem ich. wie gesagt, nur 200 Pfund ausgegeben habe, verwendet. Ferner möchte ich meinen Glaubensgenossen änrathen. daß zum Zwecke der Beseitigung der bestehenden Uebel und zur Beförderung der Wohlfahrt der Juden in dem h. Lande eine allgemeine Kollekte veranstaltet würde, um einen Fonds zu gründen, sowohl zur Ermuthigung des Ackerbaues als zur Errichtung von ferneren Gebäuden außerhalb der Mauern der h. Stadt. Ich hoffe, daß die jüdischen Bevölkerungen diese Sammlungen bald organisiren werden. „Mögen in der That alle, deren Herzen in Liebe für das h. Land schlagen, sich verbinden, um sich für die Errichtung von Wohnhäusern in und um Jerusalem und für die Ermuthigung des Ackerbaues in Palästina zu 1 bemühen. Mögen sie für die sechzig - Familien in Safed, wie es der österreichische Konsul empfahl, Land anschaffen, sie mit den nöthigen Hausgeräthei^ Sämereien und Vieh versehen und für sie die Häuser errichten, deren sie nothwendig zum Schutze gegen Hitze und Regen bedürfen. Mögen ähnliche Schritte zur Ermuthigung des Ackerbaues in Palästina geschehen, und die Armuth wird bald zum großen Theil vom Angesicht des h. Landes verschwinden. „Mag es ferner keineswegs vergeffen werden, wie stark die Beweise sind, daß die gegenwärtigen Umstände und die Negierung des h. Landes glücklicherweise solche sind, welche die Anlage von Kapital viel sicherer und produktiver wachen, als dieses früher der Fall war. Während meines Aufenthaltes in Jerusalem erhielt ich von seinem ausgezeichneten Gouverneur, Jzzet Paschah, wiederholte Zeichen seines Wunsches, jede Gefälligkeit für die Erfüllung der Zwecke, die ich im Äuge hatte, mir zu erweisen; auch kann ich seinen Eifer, seine unermüdliche Energie und große Negierungsgeschicklichkeit nicht genugsam preisen. Unter seinem weisen Regimente wohnen alle Klaffen des Volkes in Jerusalem in Freundschaft und Sicherheit zusammen. „Mil Rücksicht auf Jerusalem selbst bemerkte ich mit großer Genugthuung den Fortschritt im Pflastern der Straßen, den reinlichen Zustand der Stadt und ihr befferes Aussehen im allgemeinen. Ich habe in einem vorhergehenden Theile dieses Berichtes die Anwendung bemerkt, die ich von einer Summe aus dem Unterstützungsfonds., für die Bemühungen machte, einen hinreichenden Zuwachs an Wasser zü erhalten; und ich hatte während meines Aufenthaltes in Jerusalem die Freude, es aus den Teichen Salomons durch den alten Aquädukt, welcher seit langer Zeit in einen trümmerhaften Zustand verfallen und deffen Wiederherstellung gerade vollendet; stiar, von neuem in die Stadt fließen zu sehen. „Dieses höchst nützliche Werk ist ausschließlich dem I Gouverneur beizumessen, und eS ist unmöglich, den großen Segen zu hoch anzuschlagen, der nothwendig aus demselben entstehen muß, so lange wie der Aquädukt in -gutem Zustande erhalten wird. „Als einen Beweis für die Fortschritte der socialen Zustände in Jerusalem zur gegenwärtigen Zeit kann ich anführen, daß, während viele Jahre hindurch die Feier der Osterfestlichkeiten bisher nur zu oft Scenen der Meuterei und der Gewalt hervorriefen, dieses Jahr doch alles in vollkommener Ordnung und ohne irgend eine Bethätigung des Sektenhaffes vorüberging. „Ich habe besonders auf die Entwickelung zum

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