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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 45 (1866) · p. Seite 179

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
45 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 179 (sequence 3)
Language
German
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179 der während der Zeit des Unheils heroisch beigestanden hatten. Dieser Scheck sowohl wie ein anderer, der ein Grundstück bei dem Begräbnißplatz besitzt, verlangt noch Geschenke von den Juden, welche den/Friedhof besuchen. Früher begingen sie große Verletzungen an den Todlen, so wie man ihren Forderungen Kichr gänzlich genügte; aber jetzt ist. Dank dem Schutze der türkischen Regierung, diesen Barbareien ein Ende gemacht. Ich setzte meine Wanderungen im Thale Jehoschaphat noch einige Zeit fort, indem ich hier und da aufmerksam auf Mittheilungen von den arabischen Scheiks hörte, und kehrte gegen Abend mit vieler nützlicher Belehrung in meine Behausung zurück. „Am Montag, dem 9. April, erwiderte ich die Besuche der Konsuln und des Ehacham- Baschi. Auch begab ich mich zu dem protestantischen Bischof, dem Ehrw. 0r. Gobat. dessen beständige Zuvorkommenheit, erleuchtete Ansichten, hohes Wissen und warmer Eifer für die Wohlfahrt der Bewohner der h. Stadt niemand hochzuschätzen verfehlen wird, der sich der Ehre seiner Bekanntschaft erfreut hat. „Die neue Synagoge, genannt „Khurbat Rabbi Jehuda Hakhassid," ist ein edses Gebäude. Während ich auf dem Lelbcrge weilte, konnte ich seine Kuppel sehen, die alle andern Gebäude in dem jüdischen Viertel überragte. Man muß der Beharrlichkeit und Geschicklichkeit des Baukomites großes Lob zollen. Es hatte die Fonds für die Errichtung der Synagoge in sehr kleinen Summen und in langen Zwischenräumen zu sammeln; aber trotz der vielen Hindernisse, mit denen es zu kämpfen hatte, glückte es ihm doch durch seine Energie und-Geduld zuletzt wirklicb, seine Bestrebungen durchzusühren. Es war mir sehr lieb, daß ich der Ueberbringer des Firma» von dcnr verstorbenen Sultan Abdul - Medschid gewesen war, durch den er die Erbauung der Synagoge gestattete, und daß mir beträchtliche Summen für die Förderung dieses frommen Unternehmens übergeben worden waren. Bei der gegenwärtigen Gelegenheit wurde mir gestattet, der Träger des silbernen Schmuckes für ein Sepher Torah zu sein, ein Geschenk von Herrn Aaron Silverman aus Birmingham; und ich hatte die Befriedigung, cs mit eigner Hand an eine Gcsctzesrolle in dem heiligen Gebäude zu befestigen. „Die Synagoge der wolhynischcn ' Gemeinde wird nach ihrer Vollendung auch ein schönes Bauwerk sein. J'i Verbindung mit dieser Synagoge werden eine Halle für Gemeindesammlungen, Räume für eine Schule und Bibliothek, ein Sekretariat und ein öffentliches Bad vergestellt. „Das vorerwähnte Laboratorium, das ich vor 25 Fahren in der h. Stadt errichtet hatte, war während der Cholera von großem Nutzen und gewährte die nöthigen . Heilmittel für Hunderte von Menschen. Es ist gut eingerichtet und wird alles so genau bezeichnet und einr.'gistrirt, wie in Europa. Es gewährte mir eine große ■ Freude, als ich erfuhr, das; ein junger Israelit aus Jerusalem kürzlich als Lehrling in das Laboratorium e »getreten. und daß er seinen schweren Pflichten zur vollen Zufriedenheit der Gemeinde nachkommt. „Das kürzlich von der Gesellschaft Bikur Khohin errichtete Gebäude ist noch in unvollendetem Zustande. Man muß den Mitgliedern dieser Gesellschaft großes Lob zollen; sie pflegen die erkrankten Armen und sorgen für deren Dedürfniffe, indem sie sich bemühen, ihre Leiden mit der zärtlichsten Freundlichkeit zu mildern. ' „Die vielen kundigen Personen, mit denen ich Rath gepflogen hatte, waren einstimmig der Ansicht, daß den Armen keine größere Wohlthat gewährt werden könne, als durch die Errichtung neuer Baulichkeiten, und so war für diesen Zweck ein geeigneter Platz neben den Touro- Armenhäusern ausgesucht worden, und ich hatte Montag, j den 9. April, zur Legung des Grundsteines für die Ge- . bäude bestimmt, für die ich die Ueberschüffe des Palästina- 1 Unterstützungs - Fonds. der mir zur Verfügung gestellt i worden, anwenden möchte.! „Die festgesetzte Stunde für die Grundsteinlegung , kam jetzt, und der Platz war mit tausenden von Leuten ' aller Religionen angcfüllt, welche die Ceremonie zu sehen > wünschten. i „Dr. Löwe begab sich zu dem Lrte, wo der Stein ' gelegt werden sollte, um Alles Nöthige für diese Handlung zu arrangiren, und bald ging auch ich, begleitet von Herrn und Frau Sebag und von vielen unserer Freunde l zu dem, für die neuen Gebäude bestimmten Grundstücke. | Bei meiner Ankunft wurde ich von allen Repräsentanten > der Gemeinde, die sich vorher dort versammelt hatten, empfangen,' und die Luft erschallte von den Worten: „Gesegnet sei, der da kommt im Namen Gottes." Nach einer kurzen Pause begann lw. Löwe, welchem die Leitung der religiösen Ceremonie anvertraut worden war, die Liturgie vorzu- , tragen, die, Vers bei Vers, von der Versammlung harmonisch wiederholt wurde. Nach dem Schluffe des 24. Psalms las ev die Inschrift der Rolle, die in die Höhlung des Grundsteins eingelegt werden sollte, und hierauf wurde dieselbe von mir, Herrn und Frau Sebag und andern meiner gegenwärtigen Freunde unterzeichnet. Dann legte ich, während die Versammlung paffende Schriftverse sang, die Rolle in die Höhlung und setzte den Stern unter den gewöhnlichen Förmlichkeiten ein. Nun sagte .* Dr. Löwe * ein Gebet, das er für diese Gelegenheit ver- * faßt hatte, indem er den Segen des Himmels für das zukünftige Gebäude und für diejenigen erflehte, die großmüthig für die Versorgung der Armen mit ausreichenden Wohnungen sorgen würden. Auch rezitirte er besondere Gebete für Se. kaiserl. Majestät, den Sultan Abd-ul-Aziz und die türkische Regierung,"'sowie für unsere Königin u. s. w. Schließlich trug vr. Löwe den 150. Psalm _ vor, und als die letzten Worte „Ällcs, was Odem hat, preise den Herrn", seinen Lippen entglitten waren, nah-— men eine Anzahl junger Schüler denselben Vers auf und begannen, begleitet von musikalischen Instrumenten, viele der schönsten Lieder Zion's zu singen. Zum Gedächtniß der feffelnden Ereigniffe dieses Tages bestimmte ich hundert Pfund zur Vertheilung an die Armen der Sephardim und eine gleiche Summe für die Armen der Aschkenafim. Am Abend kam eine große Menge von Leuten zu meiner Wohnung mit wunderschönen Transparentzeichnungen, auf welchen Schriftverse mit den Namen ihrer Wohlthäter verschlungen waren, unter denen ich zu meiner Freude den Namen „Lady Montesiore" meiner theuren und vielbetrauerten Gattin erkannte.

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