Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 45 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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178 die Zahlungen einzustellcn. Kaum war dieser Vorfall bekannt, als auch aus eignem Antriebe sechs der größten Hauser zusammen traten, um den so ehrenhaften M. vor dem sralle zu schützen, allein diese eben so seltene als bumane Begegnung scheiterte an der festen Ehrenhaftigkeit des H. M.: er wollte lieber Alles seinen Creditoren übergeben, als eine solche Dcmüthigung ertragen. Bevor dieser Zustand zum Durchbruch kam, hatte der alte Buchhalter schon Alles an Joseph mitgetheilt, und dieser barre schon mit seinen Associö über die- Mittel berathen, dem H. M. zu helfen. Als nun Joseph der gänzliche Fall. des Hauses bekannt wurde, war sein Entschluß 'strtig. Alle -Schulden des Hauses M. wollte Joseph und stin-iFrcund an sich bringen, wozu Josepy's Assocugern aus Liebe und Achtung seine Einwilligung gab. Joseph waren alle Schuldner mitgetheilt, er reiste nach.England, wo der größte Theil jener sich vorfand, lauste mit leichter Mühe die Forderungen., ebenso in Paris, und in Hamburg. Nachdem er so Alles in der Tasche harte, eilte er zu seinen Pflegeelrcrn. Wenn das Wiedersehen auch eine große Freude und Trost für 21k. war. so war die unglückliche Lage nicht dazu angethan, sich so ganz dem Genüsse hinzugeben, und cs kostete Joseph eine Ueberwindung.'auch eine eben so rührende als angenehme Scene sich vorrubrrciren. Web kann das Entrücken schildern, welches beide empfanden, das der Wohlrhäter mit dem dankbaren Pflegesohn iheilte — dieses läßt sich nur fühlen, aber nicht beschreiben. Das Hans M. seute sein Geschäft mit erneuerter Kraft und vielem Glücke fort, Jostpb ging wieder nach vollbrachter Thal nur steudigenr Herren zu seiner neuen Hcimath zurück: welche Abrechnu: g sxäter zwischen diesen Alännern verfiel, ist Niemandem bekannt geworden..!'>..d.en Lcr. H. Elicks. Bericht Zir Moses Montefiore's über seine Letzte Reise nach Jerusalem. .Fortsetzung. „Im Laust des Tonnabendes,' des 7. Aprils, wurden .inige Knaben mir vergerühn. um in den verschiedenen >;>-'ienständen ihrer' Studien craminirt zu werden. Als!gr Pater, der ne begleitete, gefragt wurde, weshalb .'r si.' nicht ein mtyliches-Handwerk harre lernen lassen, -erwiderte er: ....Ehe wir unsere Kinder mit den Mitteln versehen, ihre zeitlichen Bedürfnisse zu befriedigen, halten wir es für unsere Pflicht, ihre geistige Wohlfahrt zu befördern. Tie müisen zuerst das Wort Gottes lernen, bannt cs ihnen zum ivührer diene und zum Ttabe des Vertrauens bei allen irdischen Weckselfällen." " Ex brachte auch''andere seiner Kinder herbei, die schon Handwerke erlernten. „Zn den Touro-Armenhäusern gehören zwei Synagogen, eine für die Tephardim. die ich schon besucht hatte, die anders mr die Aschkenasim: heut^ besuchte id> die letztere. Aut meinem Wege dahin ging ein junges Weib an uns vorüber mir einem starten Bucke in der Hand und als ich frug, was es sei, unterrichtete sie mich, daß cs ein , hebräisches Psalmbuch mit mehreren, in jüdisch-deutschen! Lettern gedruckten Kommentaren alter Schriftsteller war. Ich bat sie, einen der Psalmen mit drm Kommentar zu lesen; dies that sie auch mit großer Geläufigkeit und ohne Stocken. Ich' habe oft Gelegenheit gehabt, die Kenntnisie vieler Frauen jn unserer Gemeinde zu Jerusalem zu bewundern, nicht nur in Hinsicht auf ihre häuslichen Pflichten und jede 'Art von Handarbeiten, sondern auch in hebräischer Litteratur. Bei einer Gelegenheit redete mich eine Mutter von zwei oder drei Kindern an,! die um Unterstützung bat, und zu meiner Ueberraschung sprach llr. Löwe und mir in hebräischer Sprache mit-^Eleganz und Leichtigkeit. Später erfuhr ich, daß sie eine Portugiesin sei, die Wittwe eines Deutschen, Chackam Rabbi Esriel Cohen, der kürzlich gestorben war und sie in bedrängten Umständen hinterlassen hatte. „Heirathen zwischen Sephardim und Aschkenasim sind, ich sage es mit Freude, keine Seltenheiten mehr im h. Lande. „Abends kurze Zeit nach dein Gebete, näherte sich eine große Menge Personen vom Jaffa - Thore her mit Lichtern und Musik meiner Wohnung, um sie zu illuminiren; aber in meinem damaligen Gemüths,zustande war ich zu keiner solchen Freudenbezcugung gestimmt. Herr Selig Hausdorff, welcher Pen Zug führte, versicherte mir, daß ihr Zweck sei, ihre dankbare Schätzung für die edeln Wohlthäter zu zeigen, die ich revräsentirte. „Obwohl ich die beabsichtigte Illumination nicht,zugeben konnte, empfing ich doch gern meine freundlichen Besucher. Sit: trugen uns Psalmen und poetische Kompositionen vor, und später erhielt ich in meiner Unterredung mit ihnen viele nützliche Aufklärung von ihnen in Betreff der Bedürfnisse und des Zustandes ihrer Gemeinde. „Am Morgen des Sonntags, des 8. Aprils, wünschte ich einige Dokumente zu prüfen, ohne von - Besuchern unterbrochen zu werden, und deshalb beschloß ick. mein Haus zu verlassen und meine Schritte nach dem Oelberg zu richten. Früh morgens brach ick in Begleitung des lir. z.'öwe auf. Auf unterem Wegs nach dem Damaskus - Thors kanien wir an der Grotte des Jeremias und den Gräbern der Könige vorüber und begaben uns von hier' nach Bab-cl-Asbat. Dann durchzogen wir das Thal Kidron. und erreichten endlich den Oelberg, zu deffen höchstem Gipfel wir ausstiegen. Bon demselben hatten wir eine prachtvolle Ansicht des todten Pteeres unv der wilden Scenerie der Höhen von Moab. 'Nachdem wir dort eine kurze Zeit geblieben, stiegen -wir zu Fuß-herab und ließen uns an einem hohen Baume nieder. Bon diesem Ort aus hatten wir eine schöne Aussicht auf die Moschee Omars — die' geheiligte Stätte, wo früher der heilige Tempel stand — und rasteten hier zwei Stunden, beschäftigt mit der Prüfung und Betrachtung der Dokumente und Pläne, die ich mitgebrachl halte. Darauf stiegen wir den Berg herunter, bis wir das Thal Jehoschaphal erreichten. Hier begegnete uns Khasin, der Tcheik des Dorfes Siluan, der uns die Leiden der Juden während der Cholera schilderte und mir die kürzlich aufgeworfenen Gräber wies — ein höchst-betrübender Anblick! — während ein anderer Tcheik uns von den vielen edlen Beispielen svrach, wie die Juden einan-