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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 45 (1866) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
45 (1866)
Date
1866-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksblatt. » Zur Belehrung und Unterhaltung aus jüdischem Hebiele. Herausgegrben von Rabbiner Or. Ludwig Phiki-Psou in Bonn. i E « 0/»l* i von dtetrr ZrtN»rUt tttLrtnt wöib««tlt» ei»e Ruormcr. Pret» d«r O-Hrr . o. « a /A . , [Mo. 45. 18boJ g-g. > «t£ S'Ä^SÄÄ SgSSSSTSi: ’0ftfiB,ter t13* I^rg. 4. Quartal. Eine wahre Geschichte. : Es werden das Jahr über so virile erdichtete Erzählungen vor das Publikum gebracht, daß es wohl erlaubt sein mochte, den sreundlichen Lesern dieses Blattes eine, wenn auch einfache Begebenheit zu berichten, welche vollständig der Wirklichkeit entnommen ist, wenn wir auch, der Nachkommen der betr. Personen wegen, die Namen verändern. Wir geben sie in dem schlichten Tone wieder, in welchem sie uns mitgetheilt worden. In . . g lebte in den 1840 Jahren ein Mann, wir nennen ihn Mend es, welcher wegen' seiner feinen Bildung. nicht minder durch viele umfassende Gelehrsamkeit, wie als Wohlthäter in allgemeiner Dichtung stand. Seine Familie stammte von den vertriebmen Juden aus Spanim, nur schien es wohl als ein erbliches Eigmthum in der Familie zu sein, daß Geistes- und Herzens - Vorzüge sich darin forterbten. Seine Frau, die ebenfalls aus einer vertriebmen spanischen Familie stammte, theilte ganz die Eigenschaften ihres Mannes. Der H. M. trieb ein bedeutendes Export Geschäft, und neben ivielen jungm Leutm die bei ihm auf dem Comptoir arbeitetm, war sein alter Buchhalter Elvin. der schon bei seinem Vater gewesm, sein treuester Arbeiter und vertrauter Feund. In derselbm Zeit verstarb in . . g der sehr achtbare Makler A. Levy. sammt seiner Frau, und hinterlicß drei Söhne, mit wenig Vermögen. Die allgemeine Achtung und Theilnahme für die verstorbmm Eltern, so wie das Mitgefühl für die hinterlaffmm Kinder erzeugtm in H. M. eine ungewöhnliche Theilnahme, und nach dm üblichen Gemeinde-Gesetzen sollten die Kinder in dem jüdischen Waisenhause ihr Unterkommen findm, worüber. H. M., der zur Direktion gehörte, mitzustimmen hatte. Der älteste Cohn Joseph, der H. M. durch sein freies, und, eben so edles Wesen ansprach, hatte schnell in diesem dm Wunsch erzeugt, ihn in seinem Hause aufzuncbmm, und zu erziehen, da seine Ehe kinderlos war. Joseph war damals 10 Jahre alt. und es wurde alle mögliche Sorgfalt für feine Erziehung und geistige Ausbildung angewandt. Es war nicht vergebms, es mtwickelte sich ein ebenso bescheidener als talentvoller Mensch aus ihm. Nach zurückgelegtem 16. Jahre, nahm er ihn unter seine specielle Leitung in's Geschäft, auch da zeigte er durch seinm hellen Verstand wie durch seine Liebenswürdigkeit, daß er einmal ein tüchtiger Mmsch werdm 1 würde, und der alte Buchhalter, auch ganz eingmommm | von dem Pflegesohn, bemühte sich mit besonderem Berj gnügen, ihn in allem Wissen zu unterweism. Nach 4 Jahren war er ein ganz befähigter, durchgebildeter; Mensch, und um ihn noch weiter zu bringen, beschloß 1 H. .M. ihn in ein befreundetes Haus in Havanna zu bringen. Joseph reiste, mit EegmSwünschen von Allen begleitet, ab. und nach' einer glücklichm Uebersahrt kam - er wohlbehalten in seinem neuen Bestimmungsort an. ' Wenn auch die vorangegangenm Empfehlungm in seinm j neuen Wirkungskreis schon eine Annehmlichkeit brachtm, , so wsirde aus eigener Anschauung, wis durch seine Fähig- * keit, Joseph bald der Liebling des H. Largos, so wie der ganzm Familie.f Nachdem er ein Jahr in dem Hause zugebracht, wurde er mit dm wichtigstm Geschäften nicht nur betraut, fondem durch seine reiche Begabung führte er dem Geschäft wichtige und vortheilhafte Ausbreitung zu. Joseph unterhielt fortwährmd einm Briefwechsel mit seinem Pflegevater, so wie auch mit dem alten Buchhalter, dm er wie einm Freund ehrte und liebte. Nach Verlauf von drei Jahren hatte sich zwischm Joseph und dem Sohn des H. L., Em anuel, ein inniges FrcundschaftSverhältniß gebildet, und die gegenseitige Zuneigung hatte in beidm dm Wunsch erzeugt, einst ein Geschäft gemein- ' schaftlich zu betreiben. Diese Bestrebungen bljebm H. L.! nicht fremd, und es entwickelte sich bald der Entschluß, l das Geschäft den beiden jungen Menschen mit einer» hin- \ länglichen Capital zu übergeben. Bevor jedoch Joseph! zu seinem Lieblingsplan überging, theilte er das Vor- > habm seinem Pflegevater mit, und wenn der H. M. auch! dm heimlichm Wunsch hatte, einst sein Geschäft ihm zu | übergeben, so gab er dennoch gerne seine Einwilligung ' zu einer solchen ehrmvollm Lebmsstellung. Das neue ' Haus macht glänzmde Geschäfte; durch glückliche Com- ■ binationm erwarben sie in einigen Jahren nicht nur große Capltalim, fondem auch dm Ruf eines Hauses, * mit welchem Jeder in Verbindung zu treten wünschte. Wir müssen auf einige Zeit dieses junge Haus ver- , lassm, um einer wichtigm Begebenheit zu folgm, die , sich mit dem Hause M. zugeiragen hatte. Während^ ' Joseph vom Glücke gesucht wurde, hatte H. Mdurch I große Verluste und mißlungme Spekulationen dm größten Theil seines Vermögms verloren, so daß er zu finanziellm verderblichm Operationm übergehm mußte, in der Absicht, durch Zeit besiere Umstände zu gewinnm, allein jme zehrtm immer mehr die noch vorhandenen! Mittel auf. Es blieb dann nichts anders übrig, als

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