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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 43 (1866) · p. Seite 171

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
43 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 171 (sequence 3)
Language
German
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171 gewinnen. Dann müßte auch das Fleischermonopol aufgehoben werden, welches die animalische Nahrung sehr vertheusrte; Aerzte und Chirurgen mußten nach Jerusalem yerpflan-t, endlich eine Kasse für kleine Darlehen an Handwerker errichtet werden. Die deutsche Peruschim- ^—GemeiLe verlangte eine gerechtere BertheUung der Almoscn. Ho drückte jeder seine Ansicht deutlich und mit ' Derständniß auS. Am Schluffe der Sitzung eröffnete ich dem Chacham Baschi, den Gemeindevertretcrn und, den Eigen Herren Notablen meinen Dank, mich mit" ihrer Hegenwart beehrt zu haben, uud versicherte sie, daß ich nicht ermangeln^ würde, den gütigen Kontribuenten zu den^,,Unterstützungsfonds" wie allen meinen Freunden die Ansichten, welche sie in der Sitzung geäußert, bekannt zu machen, und daß sie auf meine aufrichtigen Wünsche für ihre Wohlfahrt und mein inniges Streben, ihnen zu dienen^ rechnen möchten." f (Fortsetzung folgt.) 1 Ueber die Neujahrsgebete. \ (Fortsetzung.) Wchin man die Thephilloth von Rosch Haschanah mit denen von Jom Kippur vergleicht, so Mt es auf, daß die letzteren voll von Gebeten sind, welche sich auf die Idee und den Zweck des Festes beziehen, während dies bei den' ersteren durchaus nicht der Fall ist. Die Bezeichnung n;on kommt garnicht darin vor, der Name des Festes ist p-otn o*p und njiin ov. Keine Bitte um ein neues, glückliches und gesegnetes Jahr, keine Erinnerung an die Vorstellung vom Neujahr, *) außer der einzigen Phrase in der Muffaphthephillah: „Dies ist der Tag des Anfangs Deiner Werke, ein Gedächtnis an den ersten Tag." Es ist hierdurch in diesen ' Gebeten dem Tage ein viel allgemeinerer Charakter, als! der des Neujahrs, verliehen, und diesen wollen wir aus , der näheren Betrachtung der Gebetstück« erkennen. De-! kanntlich haben beide Thephilloth mit denen des Der-! söhnunästages die drei;22-», ferner "piam und wnp rjn« Ameinschaftlich. Was enthalten diese? Im ersten Satze dys Gebet, daß Gott auf alle Wesen Gottesfurcht lege, it allen Geschöpfen die wahre Anbetung erwecke, so daß sie allesammt Einen Bund schließen, um mit vollkommenem Herzen den Willen Gottes zu vollsühren, also ihrer Bestimmung von Gott leben, wie in uns die Erkenntniß vorhanden, daß Gottes die Allmacht ist über alles beschaffene. Erst nun kommt der zweite Absatz auf die Wiederherstellung Israels, daals gottesfürchtig,! Gott suchend und auf ihn harrend bezeichnet wird. AuS ' dieser Wiederherstellung aber soll für alle Gerechte und Fromme die höchste Freude »fließen, alle Bosheit ein Ende nehmen, da eS das Ziel Gottes ist, daß die' Herrschaft des Frevels von der Erde verschwinde. Dann *) ES wird dies von besonderem Gewicht, wenn man die Thephilloth zu den NeumondStagen vergleicht: „Erneuere UNS diesen Mvuar -um Guten und -um Segen u. s. w.! Wird die Oberherrschaft Gottes von Alle» anerkannt und Zion als der Mittelpunkt dieser Erkenntniß bestehen. Hieran schließt sich der krrze, mit der Benediktion endigende Satz, daß Gott, der alleinige Gott, heilig ist, welche Heiligkeit im göttlichen Bericht und in der Gerechtigkeit sich kundthut. Wer dies« auf's Nachdrücklichste und Erhebendste ausgesprochenen Gedanken überblickt, muß sich von der Großartigkeit der Idee ergriffen fühlen. Aus dem innigsten Glauben an die B estimmung und Aufgabe Israels erhebt sich die Auffassung, d »ßdieses Israel nur We^zeug der göttlichen Vorsehung ist, im Wahrheit und Gerechtigkeit zum Cigenthume der ganz, n Menschheit zu machen. Jedermann erkennt leicht, daß dies der reine prophetische Gedanke ist, der wiederum im. neueren Judenthume zum eigentlichen LebenSmittelpnnkte, zum ganzen Impulse des israelitischen Geisteslebens geworden, und wir danken es so vorzugsweise diesen Q ebeten, daß sich eine lebendige Kette vom Prophetenthu» ie an durch alle Epochen des Judenthums hindurchzieh. Wir sehen so, daß Dieses große, erhabene Momen! allen Partikularismus in Israel, der sich zeitweise st ganz und gar geltend machte, immer wieder überwand. — Der eigentliche, dem Neujahrsfeste allein gehörige Satz (v'rirn Vo b* "pdv jm"* ist 172) spricht wiederum nur dm Gedankm aus, daß die Wellregierung Gottes, d. i. die göttliche Vorsehung und Vergeltung allen Bewohnern der Erde sich offenbare, sich zweifellos kundthue, in ihrer ganzen Herrlichkeit ihnen erscheine, 'so daß jedes Geschöpf erkenne, daß Gott es geschaffen, Alles, was eine Seele in sich trägt, den Gott und seine Weltregierung anbete, welchen Israel als solchen erkannt hat.und anbetet. So ist eS die reine Lehre der. allgemeinen messianischen Zeit, der großen Zukunft deS gesammten Menschengeschlechtes, welche hier in vollständiger Auffassung und Gestalt uns mtgegentritt und durch die Reihe der Jahrhunderte Jahr für Jahr erneut schreitet. Alle diese Gebetstücke gehören auch der Mvssaphthephillah an, so daß dieser außer dem Abschnitt über die Opfer nur noch die bekanntm drei größeren Gebetsätze zufallen, von denen jeder mit einer Bmediktion endet. Der erste dexselben beginnt mit dem bekannten Alleou, das hier nur durch eine größere Zahl von Schriftstellen vermehrt ist, an die sich das oben gezeichnete *i2i “p^a k'Y« schließt. Die gewählten Cchriststellm sind sämmtlich solche, in welchen die Bezeichnung GotteS als „König? vorkommt, oder ihm N2i'rvn „das Königthum" zugesprvlhm wird, so daß also auch in diesem Stücke die göttliche Welttegierung gefeiert und angebelet wird, weshalb dieser Satz ni-2ra benannt wird. — Der zweite Satz beginnt.mit den Wortm i2ir eiri« „du gedenkst," und dieses Wort nebst seinen Synonymen ziehen sich durch denselben. Er ist also dem Gedankm des Festes, der durch dm Namen p-277? oi-„Tag des Gedächtnisses, der Erinnerung" ausgedrückt wird, gewidmet. Alle Geheimnisse der Welt, alles Verborgene vom Beginn derselbm an, sind vor Gott offenbar. Kein Bergessek findet bei ihm statt; er gedmket jedes Daseins und alle- Geschehmm, er schauet bis an das Ende der Zeitm und aller Geschlechter; waS von Anfang an in.der ganzm verflossenen Vorzeit geschehm, liegt klar vor seinem Blicke. Darum ist es eine in Israel verpflanzte Vor-

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