Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 43 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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die Vortheile, die sie genossen, vollständig verdienten. Diese Armenhäuser liegen in dem gesundesten Theile der Vorstädte der h. Stadt; auf die Erhaltung der Ordnung und Reinlichkeit wird gewissenhafte Sorgfalt verwandt, , und die Bewohner sind gesund und glücklich, indem sie 'einen Theil ihrer Zeit religiösen Gebräuchen und Studien widmen, aber nichtsdestoweniger die Ausübung industrieller Beschäftigungen nicht vernachlässigen. Ich sprach mit den meisten der Bewohner, die Handwerker waren, und fand, daß sie nicht anstanden, die härteste Arbeit zu verrichten, um eine, wenn auch noch^so kleine, Summe zu verdienen zu ihrem Unterhalt.' Um die Mannichfaltigkeit der Beschäftigungen zu zeigen, welchen die Bewohner.sich widmen, so sei erwähnt, daß in dem Hause Nr. 21 ein Goldschmidt wohnt, Nr. 12 ein Schneider, Nr. 15 ein Bäcker, Nr. 11 ein Weber, Nr. 5 ein Zimmermann, Nr. 13 die Wittwe eines Buchbinders, der unglücklicher Weise kürzlich, in Folge seiner heroischen Anstrengungen starb, die er ma<Ä«»-um die Armen zur Zeit der Epidemie zu unterstützenden Nr. 14 wohnt ein Mann, der Tüncher ist ustd a^Koch arbeitet, wenn man seine Dienste für diese Beschäftigung verlangt; andere sind Vorleser in der Großen Synagoge oder geben in verschiedenen Schulen Unterricht. „Diese Beweise von industrieller Thätigkeit unter den Israeliten gewährten mir viele Genugthuung. Ich war auch erfreut, das gesunde Aussehen derselben und ihrer Kinder zu beobachten, besonders da doch die Meisten von ihnen nicht im Stande find, sich und ihren Familien thierische Nahrung zu verschaffen, ausgenommen am Sabbath. Diese Armenhäuser werden so hoch geschätzt, daß selbst viele Bewohner der Stadt um die Erlaubniß eines kurzen Aufenthaltes unter den Jnsaffen nachsuchen, um ihre Gesundheit wieder zu erlangen; und ich fand -sogar, daß selbst einige von den Hinteren Räumen, die nur zur Aufbewahrung von Geräth bestimmt sind, in der That obwohl ohne mein Wissen, mehreren Familien als Wohnungen zuertheilt waren. Es geht hieraus, hervor, wie gut es wäre, noch meh^ Wohnhäuser außerhalb der Mauern von Jerusalem zu errichten, ein Gegenstand, von dem ich jetzt Gelegenheit habe, noch eingehender zu sprechen. „Am Sonntag den ersten April beehrte mich der Gouverneur von Jerusalem, begleitet von seinen Offizieren, mit einer Erwiederung meines Besuches. Bei dieser Gelegenheit wurde der Zustand' Jerusalems offen und vollständig besprochen;-es wurde abgeschätzt, daß wenigstens fünfzehn Prozent der ärmern Bevölkerung von der Cholera hinweggerafft worden waren, deren schreckliche Verwüstungen hauptsächlich zuzuschreiben sind den engen und ungesunden Wohnungen der Armen, dem Mangel an Wasser und dem herabgekommenen Zustande der Einwohner, welcher aus dem Mangel an lohnender Arbeit entsteht und sie unfähig macht, sich mit gesunder Nahrung zu versehen, die stets so nothwendig ist, aber besonders, wenn man von Krankheit betroffen ist. „Während des Besuches gab mir der Gouverneur freundlich die Erlaubniß, eine Bedachung an dem „Klageplatze" zu crrichren, an der westlichen Mauer des Tempels, um Bedeckung und Schutz vor Regen und Hitze den from-! men Personen zu gewähren, welche diesen geheiligten Ort zum Zwecke der Betrachtung und des BelenS besuchen. „Montag, der S. April, war der Tag. der zur Aufnahme der Vertreter und geistlichen Häupter der verschiedenen Gemeinden bestimmt war, und Einladungen wurden vorher abgeschickt, um eine so vollständige und zahlreiche! Vertretung, wie nur möglich zu sichern. Zu der festgel setzten Zeit hatte ich die Genugthuung zu finden, daß i die Einladung von allen Seiten herzlich ausgenommen j war, und mich in der Gegenwart von Dr. Löwe und! Herrn und Frau Sebag von mehreren hundert der ange-! sehensten Einwohner von Jerusalem umgeben zu sehen. > Es war dort der Chacham Baschi mit den Mitgliedern > seines kirchlichen Gerichtshofes, die ehrwürd. Meyer l Fanadjil und Benveniste zusammen mit einigen der einj flußreichsten Mitglieder der Portugiesischen oder Sephardim- ' Gemeinde; die ehrwürd. Samuel Salant und MeyerAuerbach j von der Peruschim- und Warschauer Gemeinde; und viele andere Vertreter der zahlreichen israelitischen Gemeinden in Jerusalem, aller wohlthätigen Institute und; Schulen mit ihren Sekretären, Schatzmeistern und andern j Beamten. i „Nachdem ich ihnen ein herzliches Willkommen geboten i und die Freude ausgedrückt hatte, die ich fühlte, indem! ich mich zum sechsten Male unter ihnen befand, bemerkte ich, daß der Zweck meines gegenwärtigen Besuches weniger . sei, ihnen kurze Hülfe durch die Vertheilung von Geld; unter die Armen zu verschaffen, als von ihnen die wirk- : samsten Mittel zu erfahren, die von ihren Freunden im britischen Reiche, in Amerika, Rußland, Frankreich, Oester- ' reich, Holland, Deutschland, Italien und den andern Theilen der Erde ergriffen werden könnten, um die wirki lichen und bleibenderen Ursachen der Armuth unter meinen , Brüdern im h. Land zu beseitigen. Ich schloß mit der . Versicherung meiner herßen Liebe, die ich für das heilige ' Gebiet und seine frommen Bewohner hegte, und mit! der Aufforderung, sie möchten mir frei und vollständig . mit allem solchen Rath uud Bericht beistchen, der direkt ' oder indirekt den Gegenstand und Zweck meiner Mission | fördern könnte. Der Chacham Baschi war der erffte, j welcher nach meinem Ersuchen mich mit seinen Ansichten i zu belehren suchte. Der ehrw. Herr sagte, daß nach j seiner Meinung eine größere Anzahl geeigneter Wohnungen für die Armen und Beschäftigung im Ackerbau die besten Mittel wären, die Gesundheit des Platzes und die Wohlfahrt seiner Bewohner zu sichern. Herr Benveniste fügte hinzu, daß die Ursache der großen Armuth der Sephar- ' dim zum großen Theil die Folge der schweren Schuldenlast wäre, welche die Gemeinde auf sich genommen hätte und von Zeit zu Zeit auf sich nehmen müßte. Die meisten Gemeindevorsteher betonten die Notwendigkeit, Häuser j zu erbauen, nicht allein für die Aermern, sondem auch ' für die Bemittelteren, welche letzteren den Miethzins dann . im voraus bezahlen müßten. Außerdem müßte man den ' cingewandcrten Wittwen und Waisen und allen andern» die nichts verdienen könnten, die Mittel geben, nach ihrer; Heimath zurückzukehren, überhaupt aber für lohnende Beschäftigung in der h. Stadt selbst sorgen, denn Jeder-; mann in Jerusalem begehrte, sein Brod durch Arbeit zu